Rückfall

Neuer Grimm's-Krams.
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Gute Unterhaltung wünschen "Die Grimm'igen Gebrüder"

 
Hier stehe ich nun, die Hände über meinem Kopf gestreckt, gefesselt am einem Balken des Dachgeschosses. Kurz sammele ich mich, bereite mich mental vor. Er steht hinter mir und wartet, beobachtet mich aufmerksam, wartet auf mein Zeichen. Ich nicke. Noch bevor ich sie spüre, höre ich das Zischen der Peitsche. „Ahhh …!“ Das war ein guter Schlag, quer über die untere Hälfte meiner Arschbacken. Wieder nicke ich. „Ahh …!“
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich schon genickt habe. Erschöpft, und unsagbar erregt, hänge ich in meinen Fesseln, strecke meinen Hintern aber weiter ihm entgegen. Eine Stelle meines Körpers ist noch heißer, als mein rot glühender Arsch. Und ich kann nichts anderes tun, als verzweifelt die Schenkel aneinander zu reiben, als müsste ich dringend aufs Klo. Seit Beginn des Monats habe ich es nie geschafft, allein durch die Schläge, nur durch den erotischen Schmerz, zu einem Höhepunkt zu gelangen. Jetzt gerade kann ich es mir sehr gut vorstellen, wähne mich kurz vor diesem Moment.
„Genug!“, sagt mein Meister, „du kannst sie noch ficken, dann verschwinden wir wieder.“ Mein Ehemann löst meine Fesseln und ich falle in seine Arme. An Ort und Stelle, direkt auf dem Boden, legt er mich auf meine Seite. Einen Moment später liegt er hinter mir und fickt mich und wird von mir unheimlich feucht empfangen. Mit jedem Stoß dringt er bis zum Anschlag in mich ein, mit jedem Stoß lässt er den Schmerz in meinem Hintern wieder aufleben, jagt mit jedem Stoß kleine Schauer durch meinen Körper. Egoistisch gebe ich mich meiner Lust hin, habe keine Acht auf meinen Mann. Er ist ein Werkzeug – ein Werkzeug meiner Lust. Ich will kommen, ich will jetzt kommen. Und ob der Mann, den ich liebe, ebenfalls kommt, ist mir in diesen Moment so vollständig egal. Mein Gott, wozu bin ich geworden?
Mein Ehemann hat keine Chance. Weit vor ihm habe ich einen Orgasmus, der die Fensterscheiben vibrieren lässt. Aber auch mein Ehemann kann egoistisch sein und fickt mich einfach weiter. Fast leblos liege ich da und lasse es einfach geschehen, bereite ihm sicher keinen Spaß. Und doch macht er weiter und gibt alles, mir zu folgen. Er schafft es, mit einem lauten, dumpfen Stöhnen.
Mein Meister empfindet es als besondere Demütigung für mich, wenn mein Mann beim Peitschen zusieht. Gleichzeitig hält er sich für überaus großzügig, ihm im Gegenzug zu erlauben, mich zu ficken. Mein Mann nutzt jede Möglichkeit mit mir zu sein – auch wenn es für ihn bedeutet, dass er etwas, für ihn so Schreckliches, mit ansehen muss. Ich frage mich, ob er gerade um seinetwillen mit mir schläft, oder es für mich tut.
Noch bevor mein Mann etwas zu Atem kommt, bevor er seinen Schwanz aus mir zieht, packt mein Meister mich am Halsband, zieht mich grob auf die Beine. Er klinkt die Handfesseln hinter meinem Rücken ein. Die Leine kommt ans Halsband, ein langer Mantel über meine Schultern. Barfuß, mehr nackt als bekleidet, ohne Rücksicht auf die Nachbarschaft, ohne Rücksicht auf meine Scham und meinen Ruf, zieht er mich an der Leine durch den Garten, zur Straße, zu seinem Auto. Mit einer provokanten Gemütlichkeit öffnet er die Heckklappe seines Wagens. „Hopp!“ Mehr sagt er nicht. Muss er auch nicht, sofort gehorche ich, krieche in die Hundebox.
Schmerz! Jedoch ganz anderer Schmerz, als der, der mich noch vor wenigen Minuten über alle Maßen erregt hat. Dieser Schmerz tut einfach nur weh. Es tut weh, meinen Mann so zurückzulassen, mich nicht von ihm zu verabschieden, ihn wieder verlassen zu müssen.
Soll es für immer so weiter gehen? Oder will ich zurück? Ich weiß es nicht, will es im Moment aber nicht entscheiden, muss es im Moment auch nicht entscheiden. Eine Woche bleibt noch und ich schiebe es einfach weiter vor mir her. Noch vor drei Wochen war Sex etwas Schönes, etwas Zärtliches in meinem Leben. Schön und zärtlich! Aber nicht beherrschend. Nun dreht sich alles nur noch darum, regiert mein Tun, mein Denken – wieder einmal!
Viel kann ich aus meinem Gefängnis nicht erkennen. Erst auf dem Parkplatz weiß ich bescheid. Wir stehen vorm Klub und mir wird sofort klar, dass die Nacht noch lange nicht vorbei ist. An meiner Leine zieht er mich aus der Box. Wieder muss ich barfuß, nur unzulänglich bekleidet, ihm folgen. Mein Bild ist dem Türsteher nicht mal einen genaueren Blick wert.
Im Inneren nimmt er mir meinen Mantel ab und führt mich nackt hinter sich her. So fühle ich mich sogar wohler, da alle anwesenden Sklavinnen und Sklaven nackt, oder nur mit etwas Leder oder Latex bekleidet, sind. Meisters Freunde sind schon da. Am Stammplatz sitzen und knien sie. Marc und seine Sklavin Susi – alle meine Vorurteile, die ich mit diesem Namen verbinde, erfüllt sie perfekt: blond, silikonbusig und nicht die hellste Birne im Kronleuchter. Sie braucht schon allein deswegen einen Meister, damit es jemand gibt, der ich sagt, was zu tun ist. Dass sie dabei noch tierisch geil wird, hat Marc „überzeugt“. Auch Tom und seine Dienerin – da ist sie eigen – Fabienne sind da. Wie ich sie um ihren schönen Vornamen beneide. Ohne extra Befehl geselle ich mich auf meinen Knien zu den beiden anderen Frauen.
Die „Herrschaften“ sitzen am Tisch und nehmen keine weitere Notiz von uns. Fabienne drückt mir einen Schmatz auf die Wange. „Hallo Eva, schön dich wieder zu sehen. Hast du dich schon entschieden?“ Traurig schüttele ich den Kopf: „Nein, ich bin noch nicht soweit.“ Neugierig sieht mich Fabienne an. „Noch nicht so weit?“, wie ein Wellensittich hält sie den Kopf schräg, „was ist denn noch unklar? Du hast doch nur zwei Alternativen: deine langweilige Ehe oder die Erfüllung deiner Lust als Sklavin.“ Ich nicke nachdenklich, ehe ich antworte: „Du hast schon recht. Doch ganz so einfach ist es doch nicht. Schließlich liebe ich meinen Mann. Aber jetzt, wo ich meine dunkle Lust wieder entdeckt habe ...“ „Fickt dich dein Ehemann nicht richtig?“, mischt sich unsinnigerweise Susi ein. Leicht genervt gehe ich trotzdem darauf ein: „Doch schon, aber er nimmt sich nicht, was er braucht – oder auch ich brauche. Er liebt mich einfach zu sehr.“ „Sag ich doch: Befriedigung oder Liebe“, kommt es von Fabienne. „Kann ich nicht beides haben?“ Fabienne schüttelt den Kopf: „Nicht mit Frank als Meister, nicht von deinem Ehemann. Für dich gibt es wohl nur entweder – oder. Bin ich froh, nicht vor dieser Wahl zu stehen.“
Die Nacht gab mir alles, wonach sich mein perverser Geist sehnte. Entweder war ich bewegungsunfähig, oder ich musste ackern wie ein Gaul. Kein Loch blieb ungenutzt, keinem Schwanz darf ich mich verweigern – Striemen und Flecke gab’s in allen Nuancen zwischen gelb und lila als Bonus dazu. Ich war fix und fertig, von meiner eigenen Geilheit total ausgelaugt. Mein Meister schmeißt mich morgens um vier vor meiner Haustür einfach raus, nackt, den Mantel wirf er mir hinterher.
Mein Mann liegt auf der Couch, schläft dort. Kurz überlege ich, ob ich ihn wecke, gehe dann aber doch lieber erstmal meine Sperma-Schweiß-Spucke-Beschichtung abduschen. Fast erwarte ich, dass das Wasser zischt, als es auf meine Haut prasselt, so aufgeheizt fühle ich mich immer noch. Aber zehn Minuten später ist auch das vorbei. Wie nach einem Rausch, wird mir langsam klar, in welchem Dilemma ich stecke.
Als ich aus dem Bad komme sitzt mein Mann auf der Couch. In ein Badetuch gewickelt setze ich mich daneben. „Hi“, sage ich und versuche dabei möglichst beiläufig zu klingen. Benjamin geht nicht darauf ein. „Lieben heißt auch loslassen“, fängt er einfach an, „ich kann es nicht verstehen – ich dachte, ich kann es! Ich kann dir sexuell nicht geben, was du offensichtlich unbedingt brauchst. Das du mich immer noch liebst, glaube ich dir und vermutlich kannst du deshalb keine Entscheidung treffen.“ Einen Moment hält er inne. „Ich gebe dich frei!“ Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn, seine Augen sind trauriger, als alles was ich je gesehen habe. Zärtlich streicht er mir über die Haare und steht auf. „Aber ich habe doch noch eine Woche! Wir haben doch einen Monat ausgemacht, in dem ich rausfinden soll, was ich will. Ich bin mir doch noch nicht sicher!“, rufe ich ihm hinterher. „Ich liebe dich doch!“
Benommen sitze ich auf der Couch, halte die Hände vors Gesicht. Erst jetzt wird mir klar, dass es nicht mein Dilemma ist, wird mir klar, was ich meinem Mann zumute und ihm abverlange. In meinem geilen Rausch habe ich ganz aus den Augen verloren, wie er sich dabei fühlt, was in ihm vorgeht. Als ich vor einigen Wochen S/M wieder entdeckte – noch zusammen mit meinem Mann – und wie bei einem trockenen Alkoholiker, der bereits nach dem ersten Schluck wieder absolut süchtig wird, fing alles an.
Schnell hat Benjamin entdeckt, dass S/M nicht neu für mich ist. Genauso schnell hat er entdeckt, wie toll ich S/M finde. Und fast genauso schnell bemerkte er, dass er mir dabei nicht bieten kann, wonach ich mich sehne. Als richtige Masochistin gefällt mir der Schmerz, bringt mich auf die höchsten Höhen, lässt mich fliegen. Und wenn ich dabei erniedrigt werde, dass es mir fast die Seele zerreißt, macht mich auch dieser Schmerz geil.
Mein Mann hat kein Problem mir mal den Hintern zu versohlen, mich mit Klammern und/oder Wachs etwas zu quälen. Aber alles eher im spielerischen Rahmen. Vor allem wenn Spuren zurückbleiben, ist es ihm eindeutig zu viel. Weil er mich wirklich liebt, kann er mir nicht wirklich wehtun. Da er mich aber eben wirklich liebt, kann er mich aber auch nicht unglücklich sehen, will er mir alle meine Wünsche erfüllen. Er liebt mich so sehr, dass er meine Interessen und Neigungen, meine Befriedigung über seine eigenen Interessen stellt.
Paradoxerweise war Benjamin es, wegen dem ich mein masochistisches Sexualleben aufgab. Und nun ist es Benjamin, wegen dem ich einen Rückfall habe. Das Schicksal ist ein launisch' Weib.
Mir hat die ganze Zeit über nicht wirklich etwas gefehlt. Zu gut habe ich es verdrängt und mir eingeredet, dass die Beziehung, dass meine Ehe mit Benjamin es wert ist, auf die unbeschreibliche Befriedigung durch die richtige Mischung aus Erregung und Schmerz zu verzichten. Ich war wirklich glücklich, ich liebe meinen Mann wirklich aufrichtig. Aber wie ein Drogensüchtiger bin ich wieder voll „drauf“. Wie eine Süchtige kann ich nicht mehr klar entscheiden, was gut oder schlecht für mich ist, nehme keine Rücksicht mehr darauf.
Gibt es wirklich nur schwarz oder weiß für mich? Kann ich mich wirklich nur zwischen Liebe oder Hiebe entscheiden? Besteht den gar keine Möglichkeit meine Lust und meine Liebe miteinander zu verbinden und auszuleben? Oder muss ich wählen, was mich weniger zerstört? Bei welcher Wahl mehr von mir und meinem Leben übrig bleibt? Hier scheint eindeutig mein Meister die größere Gefahr. Fast scheint es, als arbeite er ganz bewusst darauf hin, mich zu zerstören. Um mich dann nach seinem Willen neu zu formen? Und das Selbstzerstörerische in mir ist gar nicht mal so abgeneigt, alles abzustreifen, alles zur Vergangenheit zu machen. Wäre da nicht Benjamin!
Allein sitze ich da. In diesem Moment fühle ich mich nicht nur körperlich allein. Ich bin einsam! Und ich habe niemanden zum Reden. Frank ist dafür der Falsche, ist für meine dunkle Lust zuständig. Er weiß, ohne viele Worte, ohne lange Gespräche, was ich brauche - und "nimmt" es sich. Ich vermisse Benjamin, obwohl er nur ein paar Zimmer weiter ist. Ich will nicht frei sein, will nicht, dass mein Mann mich freigibt! Was habe ich nur getan ...

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Kommentare

Bild des Benutzers Senara

Es ist fast schon bezeichnend, dass ich es bin, die hier (nach aktuellem Stand) den ersten Kommentar hinterlasst, nicht wahr? Hast Du die Widmung nur vergessen hin zu schreiben? Abgesehen von ein paar kleinen, feinen Zwischentönen, die ich vermisse, hast Du "Zu seinen Füßen" verdammt gut mit wenigen Worten zusammen gefasst. Eigentlich brauche ich gar nicht weiter zu schreiben. 

Bild des Benutzers wildesHerz

und so leicht ein solches Dilemma zu erfassen. Großartig!

Bild des Benutzers qwerty

dieses Bild beschrieben wird, stimmt wieder einmal alles bei dieser Geschichte. Man fühlt förmlich mit jeder Faser mit. Einfach wunderbar geschrieben. Danke.
 

PS  Ein interessanter Nebenaspekt ist, dass die dominante Person (hier Frank) wie in den meisten Geschichten dieser Art bei der Lösung des Problems ausgeklammert wird bzw. durch seine Haltung das Dilemma mit erzeugt und verschärft, indem kein Nebeneinander zugelassen wird ("ganz oder gar nicht"). Das passt natürlich zur dominanten Rolle. Er/Sie ist mit seinen Ansprüchen ultimativ gesetzt und die anderen beiden müssen sehen, ob/wie sie damit klar kommen.

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