Probezeit einer Sklavin 4: Marina Abramović

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Performance Art war nicht nur für die Mutter der Künstlerin, sondern auch für viele Kunsthistoriker nur exhibitionistischer Masochismus mit Kunstanspruch. Angelika beneidete Marina Abramović darum, dass sie trotzdem für ihre offen zur Schau gestellte Lust am Leiden überwiegend künstlerische Anerkennung und Wertschätzung erlangt hatte.

Im Grunde hatte Angelika Venetia bei ihrem ersten Kennenlernen nur eine plagiatorische Neukombination der beiden Marina Abramović Performances Rhythm 0 und The House With the Ocean View vorgeschlagen.

Rhythm 0 war eine sechsstündige Performance in der Galleria Studio Morra in Neapel im Jahr 1974 gewesen. Die damals achtundzwanzig Jahre alte Künstlerin stand mit schwarzen Jeans mit Schlag, einem Tank-Top und einer Jacke bekleidet in dem Galerieraum neben einem Tisch, auf dem sich zweiundsiebzig Gegenstände befanden, darunter neben vielen Alltagsobjekten auch ein Skalpell und ein Revolver sowie eine einzelne Patrone dazu passender Munition. Auf einem Schild waren die während der Performance geltenden Regeln aufgelistet. Alle Instrumente durften an der Künstlerin anwendet werden, an ihren Kleidern, ihren Haaren, an ihrem Körper und ihrem Gesicht. Marina Abramović hatte sich für die Dauer von sechs Stunden ihrem Publikum völlig ausgeliefert. Sie würde still halten und alles erdulden, was man in dieser Zeit mit ihr tun würde und niemanden für irgendetwas zur Verantwortung ziehen. Die Zuschauer verhielten sich erst passiv, wurden dann aber zunehmend aggressiver, auch weil die Künstlerin einfach weiter vor sich hinstarrte und jede Kommunikation verweigerte. Sie zerschnitten ihre Kleidung mit Rasierklingen, bis sie halb nackt war, stachen ihr Rosendornen in den Bauch und hielten ihr schließlich die Pistole an den Kopf. Es war nicht mehr zu rekonstruieren, ob die Veranstaltung durch die herbeigerufene Polizei vorzeitig abgebrochen wurde oder wie geplant nach sechs Stunden gegen zwei Uhr morgens beendet wurde, wie Marina Abramović selbst behauptete. In ihrer Erinnerung waren die Zuschauer geflohen, als sie sich ihnen um zwei Uhr nachts gemäß der Planung wieder aktiv zuwandte.

An zwölf Tagen im November 2002 hatte sich Marina Abramović in der Sean Kelly Gallery in New York als Hungerkünstlerin betätigt. Sie hielt sich während der gesamten Dauer der Performance The House With the Ocean View Tag und Nacht auf drei schmalen nebeneinander liegenden Balkonen in der Galerie auf und nahm nur Mineralwasser zu sich. Die Plattform links hatte ein WC und eine Dusche, die die Künstlerin täglich nackt unter den Blicken des Publikums benutzte. In der Mitte ein Tisch und ein Stuhl, auf dem Balkon rechts eine Bank zum Liegen. Metronome dienten zur Strukturierung der Zeit und zur Rhythmisierung des Geschehens. Die Regeln standen an der Wand: schlafen nur sieben Stunden pro Tag, dreimal Duschen pro Tag, kein Sprechen, das Publikum sollte ebenfalls ganz ruhig sein. Es gab zwar drei Leitern, die Frau Abramović für einen Abstieg in den Galerieraum hätte nutzen können, aber die Sprossen bestanden aus langen Messern, deren Schneiden nach oben zeigten. HBO hat diese Performance für Folge 86 in Season 6 der Serie SEX IN THE CITY nachgestellt, die am 14. September 2003 erstmalig ausgestrahlt wurde.

»Du, die kenne ich doch aus New York. Die saß da im MOMA immer in einem viel zu langen roten Mantelkleid aus Wolle mit langen Ärmeln und schwarzem Zopf an einem Holztisch. Die war aber im April 2010 schon alt und ein bisschen fett.«

»Marina Abramović sieht doch höchstens aus wie Anfang 40.«

»Jedenfalls haben mir meine New Yorker Shopping-Freundinnen gesagt, dass man sich da unbedingt mit der hinsetzen muss, das war damals eine ganz große Sache. Wir haben dann stundenlang gewartet und mussten ein paar Leute bestechen. Ich kam dann aber gar nicht in dem Film THE ARTIST IS PRESENT vor, was mich enttäuscht hat. Ich habe die DVD zu Hause. Ich habe mir die extra ganz angesehen.«

»Marina saß da auch für siebeneinhalb Stunden an sechs Tagen pro Woche, 721 Stunden vom 14. März bis zum 31. Mai 2010. Und der Film ist 102 Minuten lang. Da können unmöglich alle gezeigt werden.«

»Ich bin sicher, dass ich gut aussah, so etwas ärgert mich. – Die Frau hatte schon eine gute Präsenz, wirkte aber sehr müde und hatte rote Augen.«

»Na sitz du mal den ganzen Tag so da und lass dich anglotzen.«

»Die anderen haben alle geweint, mir war aber überhaupt nicht danach, ich fand das aufregend.«

Venetia fand das alles nicht pornografisch genug. Angelika erinnerte sie daran, dass Marina am 10. November 2005 im New Yorker Solomon R. Guggenheim Museum vor 300 Leuten sieben Stunden lang – mit Pausen – masturbiert hatte. Nicht sichtbar, aber über Lautsprecher gut zu hören. Und als weitere Leistung schilderte Angelika die Performance Role Exchange aus 1975, bei der Marina für eine Nacht mit einer Prostituierten im Rotlichtviertel die Rollen getauscht hatte, sodass die Prostituierte an einer Galerieeröffnung teilnahm und Marina geschminkt im Fenster saß und auf Freier wartete. Venetia ließ das gelten, sie wollte aber wissen, ob Frau Abramović nicht irgendwelche Rechte an den Konzepten geltend machen würde. Angelika sagte ihr, dass das unwahrscheinlich sei, dass Marina ihr Projekt hier aber sicher interessant finden würde. »Dann können wir nur hoffen, dass unser Publikum ihren Geschmack hat.«

ANHANG

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Kommentare

Bild des Benutzers Hausmeister

Bahnhof?

Entweder ist es Kunst, die ich nicht verstehe.
Oder es ist unverständlicher Stuss.

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Bild des Benutzers BonSado

All der übliche Schwulst: rausgeblasen. Nichts als ein paar Impulse, um die eigene Story zu konstruieren. Ungeeignet als Wixvorlage. Neurotik sozusagen ...

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