Mein Spiegel

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Als kleine Übung gegen meine Schreibblockade fange ich mit einer Kurzgeschichte wieder an. Vielleicht komme ich ja wieder rein und kann meine anderen Geschichten fortsetzen.

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Mein Spiegel

Der Spiegel ist ein äußerst zweideutiges Symbol. Einerseits gilt er als Zeichen der Eitelkeit und der Wollust. Andererseits symbolisiert er auch Selbsterkenntnis, Klugheit und Wahrheit: Ursprung für die heute noch gebräuchliche Redensart „Jemandem einen Spiegel vorhalten“ bzw. „Spiegelbild der Seele“. In antiken Kulturen stand der Spiegel als Abbild der Seele einer Person, in dem – je nach mythologischer Vorstellung – die Seele auch eingefangen und festgehalten werden konnte. Im Alten Ägypten waren die Worte „Spiegel“ und „Leben“ identisch. Keltinnen wurden aus demselben Grund mit ihrem Spiegel begraben.

Meiner ist nicht so mystisch, er ist einfach nur gemein. Der Spiegel – eben männlich. „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ Voller Sarkasmus in meiner Stimme, stehe im Bad vor dem Angesprochenen. Wie meistens ist er schlecht gelaunt und mein Ebenbild schnauzt mich an: „Was willst du schon wieder? Soll ich dir mal wieder das Ego polieren?“ Unwirsch schüttle ich den Kopf. „Ich will nur sehen, wie ich wirklich bin – lass mich in Ruhe!“ Ein schrilles Lachen schallt mir ins Gesicht. „Als ob du schon einmal wirklich sehen wolltest, was ich dir zu zeigen habe. Du willst es doch gar nicht wahrhaben.“ Mit zusammengekniffenen Augen sehe ich mir mein Abbild genau an. Was will dieses Spiegelweib von mir, ist doch alles in Ordnung. Ich dreh und winde mich, um mich rundherum zu begutachten. „Siehst du es wirklich nicht?“, will mein Ich aus dem Spiegel wissen. Genervt wende ich mich ab. „Ja, zeig mir nur die Striemen auf unserem Arsch“, keift es wieder von der versilberten Glasfläche. Über die Schulter sehe ich zurück, suche mit meinen Augen nach den verräterischen Spuren. Tatsächlich finde ich ein paar blau-lilafarbene Striche, leicht geschwollen, auf meinen Arschbacken. „Na und?“, schnauze ich in den Spiegel. „Na und?“, äfft mein zweidimensionales Abbild mich nach. „Ist doch alles ganz normal.“
„Er liebt mich – ich liebe ihn. Warum soll ich ihm dann nicht manche seiner sexuellen Wünsche erfüllen?“
„Und was hast du davon?“
„Seine Liebe und seine Dankbarkeit.“

 

Das Wochenende war traumhaft schön. Von Freitagabend bis Sonntagnacht waren sie zusammen, verbrachten das erste Mal ganze Tage miteinander. Und trotzdem habe ich fast etwas wie Angst, am Montagmorgen meinem fiesen Spiegel nach dem Duschen gegenüberzutreten. Schnell abtrocknen, die Haare durchkämmen, föhnen, anziehen und ab zur Arbeit. Doch das Miststück im Spiegel will mich nicht so einfach davonkommen lassen. „Na du Schlampe? Ist wohl etwas außer Kontrolle geraten, dein Wochenende.“
„Was?“
„Diesmal haben ihm wohl ein paar Hiebe mit dem Rohrstock auf unseren Hintern nicht mehr gereicht.“
„Das sieht schlimmer aus, als es ist“, meine ich trotzig.
„Na klar …, die aufgeplatzten Striemen der Peitsche sehen nur schlimm aus, tun aber gar nicht weh, wenn du dich setzen willst. Und auch die schönen grün-blau-lila-farbenen Flecken an unseren Titten sind nur oberflächlich. Deshalb willst du heute auch auf einen BH verzichten“, meint die Spiegelzicke ganz gemein.
„Du hast doch keine Ahnung. Er liebt mich und hat mir an diesem Wochenende auch viel Freude gemacht.“
„Er war mit dir Essen, konnte den Nachtisch kaum noch abwarten und hat dir noch im Flur die Kleider vom Leib gerissen, noch vorm Schlafzimmer die Handschellen angelegt.“
„Das ist echte Leidenschaft! Davon verstehst du nichts.“
„Ach ja, es ist die Leidenschaft, die Leiden schafft.“  
„Ich hatte auch meinen Spaß, bin auch ein paar Mal gekommen.“ Wieder ist mein Trotz deutlich herauszuhören.
„Auch dann noch, als er am Samstag die neue, geflochtene Peitsche an dir ausprobieren musste?“
„Er war doch sooo zärtlich zuvor. Hat mir erzählt, dass er diese Peitsche nur an DER Einen benutzen will, dass es etwas ganz Besonderes wäre, ein Zeichen wahrer Liebe.“
„Und du bist ja sooo verliebt, dass du es gar nicht erwarten konntest, deinen Arsch hinzuhalten.“
„Es war es wert! Jetzt weiß er, was ich für ihn empfinde, und dass ich bereit bin, etwas für seine Liebe zu tun.“
„Ja sicher, ne. Und er dankt es dir dadurch, dass er dich am Sonntag anal entjungferte und den ganzen Tag auch nur noch in den Arsch fickte. Was für eine Liebe!“ Wahrscheinlich wird der Sarkasmus in Kürze aus dem Glas tropfen, denke ich bei mir.
„Beim Abschied hat er aber gesagt, dass er in mir seine Traumfrau gefunden habe. Noch nie hätte ihm eine Frau so ihre Liebe gezeigt, wie ich es tat.“
„Papperlapapp! Noch nie hat eine Frau sich DAS von ihm gefallen lassen.“
„Du hast ja keine Ahnung!“ Es ist mir egal, ob es trotzig klingt. Ich weiß, dass ich das Richtige getan habe.

 

Ist mir schlecht! Im letzten Moment schaffe ich es ins Bad, umarme den Thron aus weißem Porzellan und kotze mir die Seele aus dem Leib. Er war am Samstagabend mit mir auf einer Party, einer Party mit zu viel Alkohol - und zu vielen Männern.
„Moin, Schlampe. Gut siehst du aus.“
Wieder höre ich den beißenden Sarkasmus, wieder ärgere ich mich über mein Spiegelbild.
„Lass mich in Ruhe!“, schreie ich zwischen zweimal Würgen heraus.
„Hättest du das mal Samstagnacht gesagt. Da warst du nicht so widerwillig.“
„Ich konnte nicht anders. Er hat mich doch gebeten, es für IHN zu tun, ihn nicht vor seinen Freunden zu blamieren.“
„Gebeten? Er hat es dir befohlen, dir gedroht, falls du ungehorsam wärst.“
„Ich konnte doch nicht ahnen, dass es so eine Party ist.“ Mir ist selbst klar, dass es ein jämmerlicher Versuch ist, mein Tun zu entschuldigen.
„Nein, woher denn! Eine Party - fünf Männer - eine Frau - ein schäbiger Partykeller mit Matratzen auf dem Boden - reichlich Alkohol für die Schlampe - gratis Viagra für die Kerle. Wer hätte da ahnen können, was passieren wird?“
„Ich habe zu viel getrunken und deshalb die Kontrolle verloren. Das wird nicht mehr vorkommen.“
„DU hast getrunken? Du wurdest abgefüllt, betankt wie ein Formel-1 Rennwagen, bis sie mit dir machen konnten, was sie wollten.“
„Na und?“
„Nix ‚na und‘. Die haben dich bis kurz vor eine Alkoholvergiftung abgefüllt und dich dann fast 10 Stunden lang benutzt und missbraucht. Weißt du eigentlich noch Irgendetwas von den letzten beiden Tagen?“
„Ja, alles! Ich habe in meinem Rausch mit einem nach dem anderen geschlafen. Bist du jetzt zufrieden?“ Mein Trotz lässt mich für einen Moment sogar die unbandige Übelkeit vergessen.
„Mit einem nach dem anderen“, äfft mich mein Spiegelbild wieder nach, „du hattest die meiste Zeit drei Schwänze gleichzeitig in dir. Abwechselnd bist du auf allen geritten, während dir je zwei andere ihre Schwänze ins Arschloch und Maul stopften. Die übrigen Zwei haben dir dabei den Rücken gepeitscht, dass ihnen nicht langweilig wird, während sie warten mussten.“
Wieder übergebe ich mich, den Kopf tief in die Schüssel gesteckt.
„Trotz Viagra konnten deine Verehrer dich nicht ununterbrochen ficken und haben deshalb in den Pausen ihre Spielchen mit dir getrieben.“
„Was für Spielchen?“, kann ich nur keuchend fragen.
„Wer die Schlampe am besten fesseln kann, wer der Schlampe den größten Dildo in den Arsch schieben kann, wer seinen Schwanz am tiefsten in den Hals der Schlampe bringt, ob bei der Schlampe eine Faust in die Fotze und ein Schwanz in den Arsch gleichzeitig reinpassen, ob ein Wodka-Einlauf die Schlampe noch betrunkener macht, und so weiter, und so weiter.“
„Nein, so war das nicht!“
„Es war nicht so? Es war wohl auch nicht so, dass du ihre Hündin warst, ihnen Unterhosen, Schuhe, Dildos mit dem Mund apportiert hast, selbst gebellt und gekläfft hast du wie eine Hündin. Und das alles nur zur Belustigung der anwesenden Herren - oder weil du es selbst so wolltest?“ Ätzend klingt die letzte Frage in meinen Ohren.
„Nein, das wollte ich nicht. Ich will ihn aber auch nicht verlieren und ihm zeigen, dass ich DIE Eine für ihn sein kann. Ich tue es für ihn, dass er mich weiter liebt und an seiner Seite haben will.“
„Wie putzig. Du warst nach diesem Gruppenfick so versifft, dass er dich auf keinen Fall an seiner Seite haben wollte. Im Kofferraum, eingewickelt in einen Müllsack, hat er dich nach Hause gebracht.“
„Wir wollten nur nicht, dass sein schönes Auto eingesaut wird.“
„Wir? Schönes Auto? Er wollte nicht, dass sein alter Opel Astra dreckig wird - seine Traumfrau darf ruhig etwas versoffen, verschwitzt, bespuckt und vollgesamt sein.“
„Ach, lass mich in Ruhe. Ich muss jetzt in der Firma anrufen und mich krankmelden. Morgen geht es mir sicher wieder besser.“
„Nur, wie lange?“, ruft mein Spiegelbild mir hinterher.

 

„Wow, hast du endlich deinen Verlobungsring bekommen?“ Dieses zweidimensionale Spiegelmiststück nervt - gewaltig!
„Halts Maul!“
„Halts Maul? Waren es nicht diese Worte, die er zu dir in dem Piercing-Studio gesagt hat?“
„Ich will nicht darüber reden.“
„Ach? Willst du mir nicht erzählen, wie glücklich du bist, endlich seinen Ring - genauer gesagt: Ringe - zu tragen?“
Vorsichtig tupfe ich mit einem Wattebausch und einer Tinktur, die mir der Piercer mitgegeben hat, die kleinen Wunden um die Ringe ab. Es brennt, aber ich will keine Entzündung bekommen, also reinige ich weiter. Die beiden Ringe in den Schamlippen sind nur noch ein dumpfer, auszuhaltender Schmerz. Doch der Ring an der Kitzlervorhaut schmerzt immer noch richtig. Nach dem Reinigen schmiere ich noch reichlich Salbe auf die Wunden und warte, dass der Schmerz dadurch gelindert wird.
„Gut siehst du aus, so kahl und geschmückt. Du hast dich also entschlossen, dir doch die Schamhaare abzurasieren. Dann war deine Meinung wohl falsch, dass nur Flittchen und kleine Mädchen keine Haare zwischen den Beinen haben?“
„Das habe ich nur für das Piercen gemacht. Ich kann die Haare ja wieder nachwachsen lassen.“
„Ja, genau. Hat er nicht gesagt, dass es gaaanz toll aussähe und du von nun an immer so sein sollst?“
„Soll! Er hat nicht gesagt, dass ich muss.“
„Ja sicher, ne. Du lässt dich mittlerweile von jedem Kerl ficken, den er will, weil er es sich wünscht. Aber die Schamhaare lässt du dir trotz seines Wunsches wieder nachwachsen.“
„Ich bin erwachsen und kann meine Meinung auch mal ändern!“
„Oder seine annehmen. Sicher ist es auch deine Meinung, dass diese blonde Barbiefrisur dein Wesen, deine Bildung und Intelligenz betont. Richtig seriös siehst du damit aus.“
„Das kann man wieder umfärben“, ist alles, was ich dazu zu sagen habe.
„Kann! Wirst du aber nicht!“
„Was werden die Kollegen auf der Arbeit wohl zu deinem neuen Aussehen sagen?“
„Erst einmal nichts, denn ich werde mich krankmelden, bis die Piercings richtig verheilt sind.“

 

„So willst du rausgehen? Dein neuer Job ist ja wirklich ein riesen Schritt nach oben auf der Karriereleiter.“
„Nerv mich nicht, ich muss mich beeilen.“ Nervös zupfe ich am Saum des Minirocks, versuche ihn ohne Erfolg komplett über meinen Hintern zu ziehen.
„Ach stimmt ja, wenn du nicht genug Geld bringst, will er dich nicht wieder sehen.“
„Na und? Ich habe meinen Job verloren und er hatte eine Idee, wie ich trotzdem Geld verdienen kann.“
„Nichts ‚na und‘, weil du von dem verdienten Geld den Großteil an ihn abgeben musst.“
„Aber doch nur, dass wir uns bald ein Häuschen kaufen können, endlich zusammenziehen und heiraten können.“
„Na, dann streng dich mal an. Je mehr du verdienst, desto schneller wird dein Traum war.“ Kann dieses Weib im Spiegel eigentlich nichts sagen, ohne, dass es sarkastisch klingt?
„Du kannst dir ja ein paar perverse Freier suchen. Die zahlen viel mehr, wenn sie dich fesseln, auspeitschen und anpissen dürfen. Seine Pisse schluckst du inzwischen ja regelmäßig - damit er beim Fernsehen nicht aufstehen muss.“
„Es ist ein Beweis meiner Liebe!“ Warum werde ich immer trotzig, wenn ich vor dem Spiegel stehe?
„Es ist der Beweis, dass du ihm hörig bist und keinen eigenen Verstand mehr hast!“
„Sehr wohl! Wenn ich nicht will, muss ich es nur sagen.“
„So wie du es gesagt hast, als er dir das Wort Sklavin in leuchtend Rot über die Fotze tätowieren ließ?“
„Da habe ich mich geirrt und er hat recht. Die Freier lieben es und zahlen gerne mehr, mich zu ficken.“
„Ach so. Es ist also eine Investition ins Geschäft? Und ich dachte, er will dich damit abstempeln und verhindern, dass du aus diesem Leben wieder ausbrechen kannst.“
„Das ist alles nur, bis wir genügend Geld für ein Haus haben und ich wieder eine neue Anstellung gefunden habe.“
„Wann hast du die letzte Bewerbung geschrieben?“
Wütend schlage ich die Badezimmertüre hinter mir zu.

 

„Das ist aber mal praktisch. Du kannst dich jetzt also mit dem Waschlappen kämen.“
„Musst du mich jedes Mal nerven, wenn ich hier bin?“
„Ich bin du - du bist ich - wir sind, wie wir sind.“
„Nein, so bin ich nicht!“
„Das stimmt. Du bist ein perverser Freak, der ich nicht sein will.“
„Was heißt hier perverser Freak? Du spinnst wohl.“
„Ich spinne? Schau dich doch mal genau an! Du trägst kein Haar mehr auf dem Kopf, dafür aber einen Nasenring, der manchen Stallochsen neidisch werden lässt. Deine Nippelringe kann man als Abschleppösen verwenden und an deinen Fotzenringen eine Kirchenglocke aufhängen.“
„Du übertreibst. Er hat nur festgestellt, dass ich die geborene Piss-Sklavin bin und mich konsequent weiter darin ausgebildet. Und da ich nun mehrmals täglich angepisst werde, war das mit den Haaren einfach zu unhygienisch und hat zu viel Zeit gekostet. Deshalb haben wir entschieden, sie abzurasieren.“
„Wir?“
„Ja, wir! Er hat mich überzeugt. Es ist gut fürs Geschäft, die Freier lieben es. Ich bin innerhalb weniger Minuten wieder sauber für den nächsten Kunden.“
„Ach stimmt ja, du hast jetzt ja nur noch Perverse als Kunden, nur noch Sadisten und Fetischisten, die viel Geld dafür bezahlen, eine wie dich zu benutzen.“
„Nicht mehr lange!“
„Ach ja, genau. Das Haus hat er ja nun endlich gekauft - und zwei Autos und ein Wohnmobil. Was ist wieder gleich der Grund, warum du nicht zu ihm ziehen kannst?“
„Das weißt du ganz genau: Er hat noch einige Steuerprobleme und ein Ermittlungsverfahren wegen Zuhälterei am Hals. Das will er noch aus der Welt räumen, bevor er mich zu sich holt und heiratet.“
„Ja sicher, ne.“

 

„Hey, lange nicht mehr gesehen. Ganz schön klein hier drin.“
„Hör auf zu jammern, du nervst!“
„Ich werde für lange Jahre, Monate und Tage oft der einzige Ansprechpartner sein, den du hier drin hast. Also verscherze es dir nicht mit mir.“
„Du nervst trotzdem!“
„Entschuldigung. Muss ich in diesem winzigen Spiegel leben, oder du? Ich pass hier gar nicht ganz rein!“
„Meine Zelle ist auch kein Großraumbüro.“
„So habe ich mir deinen Umzug nicht vorgestellt. Wolltest du nicht zu ihm ziehen? Nun sitzen wir hier in dieser winzigen Gefängniszelle.“
„Hätte ich ahnen können, dass er eine Andere hat und ich nur noch für ihn anschaffe?“
„Zugegeben, er hat dich wirklich gut hinters Licht geführt. Aber haben dich all die Ausreden, warum er dich nicht in eurem Haus sehen will, nicht misstrauisch gemacht?“
„Nein, ich hatte echt keine Ahnung.“
„Das ist wohl wahr - leider!“
„Ich dachte, es sei irgendein Junggesellenabschied, zu dem er mich vermietet hat. Als ich dann mitbekam, dass es seine Feier war, hat bei mir etwas ausgesetzt.“
„Eine schöne Umschreibung. Du hast ihn mit seiner eigenen Bullenpeitsche erwürgt, bist dann durch das Haus gerannt, bis du seine Braut gefunden hast. Ihr hast du eine Champagnerflasche bis zum Anschlag in die Fotze gerammt, alle Haare abrasiert und den Schleier ihres Brautkleides mit Stecknadeln am kahlen Kopf festgemacht. Du warst wie eine Furie. Keiner der Gäste traute sich in deine Nähe, wagte es, sich dir in den Weg zu stellen und dich bei deinem Treiben aufzuhalten. Zwei der Gäste sind noch heute in psychiatrischer Behandlung. Erst, als du ihr mit glühenden Zigaretten das Wort Hure auf den Rücken gebrannt hast, kam die Polizei und konnte dich überwältigen.“
„Zum Glück. Wer weiß, was ich sonst noch getan hätte.“
„Glück hattest du wirklich. Drei Jahre und zehn Monate wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Dein Glück war, dass der Gutachter dein seelisches Trauma erkannt hat und dich ‚vermindert schuldfähig‘ eingestuft hat. Mit noch mehr Glück bist du in gut zwei Jahren bei guter Führung wieder auf freien Fuß.“
„Du hast recht, da bin ich wohl mit einem dunkelblauen Auge davon gekommen.“
„Sehe ich auch so. Was machst du nun mit deinen Piercings? Willst du die nicht los werden?“
„Daran habe ich auch schon gedacht. Aber hier drin sind sie hilfreich. Sie halten mir die anderen Gefangen vom Leib, die haben Angst vor mir. Dadurch habe ich meine Ruhe, also werde ich sie erstmal drin lassen.“
„Hey, du kannst ja endlich wieder vernünftig denken - wenn auch in ungewohnten Bahnen. Wenn du wieder rauskommst, bist du nicht mal 30. Also immer noch genügend Zeit ein neues Leben anzufangen.“
„Gut, wir Beide haben ja jetzt mindestens zwei Jahre Zeit, dieses neue Leben zu planen.“ Mit einem Lappen wischte und polierte ich den kleinen Spiegel an meiner Zellenwand.

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Kommentare

Bild des Benutzers djamila

das haste echt gut geschrieben, also ich muss sagen, leider gibt es auch solche Herren, die wirklich nur einen ausnutzen wollen. Ich find es gut, dass du auch dieses Thema mal angesprochen hast. Und was deine Schreibblockade betrifft, ich denk die hast du ganz gut überwunden. Ich möchte mehr von dir lesen, deshalb bekommst du auch erst mal nur 4 aber wirklich gute Sterne von mir. Mach bitte weiter so!

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1 Leser stimmt/stimmen zu.
Bild des Benutzers dominus00

... verdient nur ein Urteil: Großartig! 5 Punkte!

Da ist aber auch wirklich alles vorhanden, was eine gelungene Story auszeichnet: Witz, Spannung, Emotionen, und und und...

Bitte, bitte schreibe weiterhin so eine tolle Kurzgeschichten!

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1 Leser stimmt/stimmen zu.
Bild des Benutzers pvcbdsm

Mit einer ungewohnt erfreulichen Leichtigkeit ist diese einfallsreiche Geschichte zu lesen, ohne über bremsende und die Laune verderbende Fehler stolpern zu müssen. Für diese Wohltat danke ich aufrichtig mit voller Punkteanzahl.

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Bild des Benutzers Andi67

.....und wenig Theater. 5 Punkte für diese Ausgeburt an Kreativität. Deine Schreibblockade sollte hiermit behoben sein.

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Bild des Benutzers dompaar-stgt

Das Phänomen, dass sich manche Frauen an die letzten Arschlöcher verschwenden und sich oft unter dem Deckmantel von BDSM demütigen und ausnutzen und verarschen lassen, hat mich schon oft sehr beschäftigt. Ihr habt es wirklich sehr passgenau beschrieben. Sehr schöner Schreibstil. Von mir natürlich volle Punktzahl. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, was Frauen zu solchem selbstzerstörerischen Verhalten treibt. Aber das wäre wirklich zu viel verlangt von einer Kurzgeschichte. Daran sind schon ganze Generationen an Psychologen und Angehörigen verzweifelt.

Grüße aus stuttgart

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Bild des Benutzers asil

eine einfallsreiche gut lesbare Geschichte. Habe Mut und zeige mir mehr von deinem Können

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Bild des Benutzers Dunkelblaue_Schneeflocke

Grossartiger Schreibstil und eine ganz neue Perspektive, die durch den Spiegel gegeben wird. Ein Blick von aussen, der der Geschichte eine sehr humorvolle und kritische Seite verleiht.

Schön, dass anscheinend dadurch deine Schreibblockade wieder verschwunden ist.

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Bild des Benutzers Medeea

...ganz toll Deine Geschcihte. Gefällt mir!

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Bild des Benutzers Akira Maidorf

Du schreibst wirklich phantastisch, du solltest auch ein Buch schreiben. maidorf.com/autor.

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Bild des Benutzers Centauro

So ein ätzendes, aber klarsichtiges Spiegelbild könnte manch einer gebrauchen. Schade, daß es bis zum Schluß ignoriert wird.

Die Geschichte ist ausgesprochen unterhaltsam und trotzdem liefert sie so manche Erkenntnis. Vermutlich leider nicht denjenigen, die sich wirklich angesprochen fühlen sollten...

Wenn sich hinter Schreibblockaden so etwas aufstaut, müssen diese wirklich dringend bekämpft werden. Ich hoffe, diese ist endgültig weggeschwemmt.

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Bild des Benutzers sibyl666

Du hast ins Schwarze getroffen. Gott sein Dank ging es mir nie so. Ich wusste es vorzeitig abzublocken.

Danke für deine Geschichte. Schreib bitte weiter.

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Bild des Benutzers Silberlicht

und noch einen dazu, wenn ich könnte.

Eine tolle Geschichte...

Ich mag die ungewöhnlich Erzählweise und den Twist zu Schluss - wie sie ihre Kraft wiederfindet, obwohl man sie als Leser schon fast aufgegeben hatte.

Du hast einen bemerkenswerten Stil und viel Fantasie.

Ich freue mich schom mehr von dir zu lesen.

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Bild des Benutzers Harald1919

die Emotionen bei "und keiner weiß es" waren, so düster und erdrückend sind sie hier. Aber es ist wie bei einem schweren Verkehrsunfall: grausam, aber man kann nicht wegsehen.

Beeindruckend!

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Bild des Benutzers bitch238

die Story hat alles was eine Geschichte hier in diesem Forum braucht und noch ein bißchen mehr - sie ist obendrein noch sehr witzig.

Schön, dass Du das BDSM- Buisiness nicht ganz so Bierernst betrachtest.

Obwohl es eine Story ist, die einen zum Schmunzeln, ja manchmal auch zum Lachen bringt, regt sie auch zum Nachdenken an.

Vielen Dank und bitte weiter so.

Gruß Bitchwink

PS: Wenn mein Spiegel so mit mir reden würde, müsste ich mir für die Morgentoilette einen spiegelblanken See suchen.

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Bild des Benutzers Lord Varg

Jetzt weiß ich immerhin was meine Frau mit mir macht wenn ich fremdgehen sollte XD

 

Sehr coole Perspektive für einen sehr kreativen "Monolog". Nicht nur sexuell interessant sondern auch sehr künstlerisch.

 

Das gibt von mir satte 6 Sterne

 

Heil Lord Varg

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Bild des Benutzers Silas

aber hab doch bis zum Schluß durchgehalten.

Sehr gute Geschichte, passendes Ende.

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Bild des Benutzers Black cat

ich bin durch einen glücklichen Zufall nach Jahren erneut auf die Geschichte gestoßen. Und wieder habe ich sie mit Begeisterung gelesen. Die Zwiesprache mit dem Spiegel ist eine sehr ungewöhnliche Perspektive, um die Geschichte zu erzählen. Und als Highlight das überraschende Ende!

sehr schön, das macht Lust noch mehr aus Deiner Feder zu lesen!

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