K.E.E. Ein bisschen Apokalypse Teil 10

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Liebe Leser, 

bevor ich den Teil 10 dieser Geschichte hier einstelle, einen kleinen Hinweis: 

Diese Geschichte wurde bereits auf Amazon unter meinem Pseudonym Madame Mala veröffentlicht. Da ich mich dem Forum hier sehr verbunden fühle, möchte ich auch hier meine Geschichten in ihrer Gesamtheit veröffentlicht sehen. Einige von Euch haben mich schon unterstützt und sogar die E-Books gekauft, für den Support und die Hilfe bin ich euch sehr dankbar. Natürlich würde ich mich über weitere Unterstützung, vor allem durch Rezensionen eurerseits freuen. 

 

https://www.amazon.de/K-Ein-bisschen-Apokalypse/dp/1521773416

oder

https://www.neobooks.com/ebooks/madame-mala-k-e-e-ein-bisschen-apokalypse-ebook-neobooks-AWa6fLg8akQMFja27SpU

 

Die Teile werden wöchentlich reingestellt, diese Geschichte ist bereits fertiggeschrieben. 

Für Kritiken und Hinweise auf Fehler wäre ich euch sehr dankbar. 

Gruß und Umarmung!

 

Eure Sena

 

29    Der Hinterhalt

Für Maximilian vergingen die Tage wie im Flug. Überall gab es für ihn etwas zu erledigen. Zusammen mit den Männern dichtete er die wichtigsten Räume des Komplexes ab, baute mit ihnen zusammen weiter an der Schmiedeesse, schaufelte eine Latrine hinter dem Haus und wollte eine Möglichkeit finden unbelastetes Wasser zu fördern, ohne das Wanda dieses erst für sie holen musste. Sein Wasserfilter hatte sich leider als unwirksam erwiesen, verstopfte ständig und war eine Fehlkonstruktion. Also würden sie einen Brunnen graben müssen, und prüfen wie es um das Grundwasser stand. 

Seine Freundin hatte ihm von der Stadt im Osten erzählt, zu der sie Justin gebracht hatte. Auch von ihrem kleinen Gefecht mit den Soldatinnen des Kontrollpunktes berichtete sie ihm. Der Ausflug kam für Wanda einer Reise in ihre Erinnerung gleich. Alles sah neu und gepflegt aus, so als ob man aus der Hölle heraus das Paradies betreten hat. 

„Ihre Uniformen waren gebügelt und gestärkt. Kannst du dir das vorstellen?“ Maximilian schmunzelte. Ihre Exkursion war nun schon Tage her und dennoch beschäftigte deren Eindrücke Wanda immer noch. Wieder stand sie in ihren Gedanken versunken bei ihm und schien ihm dabei völlig abwesend zu sein.

 Wie schön es sich anfühlen musste, als normaler Mensch in solch einer Welt leben zu dürfen, dachte sich Wanda. Stattdessen wurde sie hier als Abriss-, Transport- und Hebewerkzeug missbraucht, durfte auf Patrouille gehen und sich die Sorgen und Ängste der Siedler anhören, die immer wieder ihre grauenvollen Erlebnisse repetierten und ihr versicherten, wie dankbar sie für diesen sicheren Hort waren. Vielleicht nett gemeint, aber sie konnte es einfach nicht mehr hören. 

Wanda blickte einer der Frauen mürrisch nach, die sie im Vorbeigehen respektvoll gegrüßt hatte, erwiderte aber deren Geste nicht. Dieses Weibsbild hatte gestern mit ihrem Freund an der Feuerstelle gestanden und sich mit ihm zwei Stunden lang unterhalten. Dabei hatte sie ihm ihre Hand auf die Schulter gelegt, seinen Rücken getätschelt und wie zufällig seinen Po gestreift. Ein Versehen! Natürlich!

Am liebsten wäre sie an die beiden herangetreten, hätte die Alte an ihren Haaren gepackt und sie dreimal über ihren Kopf im Kreis geschleudert, um sie ähnlich einem Lasso in hohem Bogen Richtung Busch zu werfen. Genau in die Richtung, aus der sie gekommen war. Wären sie doch nur mit den Besuchern allein geblieben. Es hätte so friedlich sein können. Stattdessen hatte sie schon zwei Konflikte unter den Menschen schlichten müssen, davon einen unter Androhung von Gewalt. 

„Was ist los, Süße? Geht es dir nicht gut?“

Wanda winkte ab. Maximilian ging in der Gruppe völlig auf, stürzte sich in seine Arbeit und mühte sich redlich. Überall packte er mit an, spendete Trost, wenn ihn jemand nötig hatte, riss Witze und machte für die Kinder Faxen, um sich an ihren Lachen zu erfreuen. Auch hielt er Rat mit den Männern und Frauen und machte sich Notizen darüber, was man in der nächsten Zeit in Angriff nehmen wollte. Wahrscheinlich würde er überhaupt nicht verstehen, wo ihr Problem lag. 

„Ich gehöre einfach nicht dazu, das ärgert mich.“

Maximilian blickte mit betrübter Miene zu ihr auf. 

„Aber wie kommst du darauf? Die Leute schätzen dich und sagen dir doch immer wieder, wie großartig sie das finden, was du für uns alle leistest. Mera hat mir erzählt, dass sie ihr nächstes Kind Wanda nennen möchte. Du bist so eine Art Schutzgöttin für sie, wie sie mir erklärt hat. Macht dich das denn nicht stolz?“

„Mich würde es stolz machen, wenn sie nicht ihre Tochter von Maks weggezogen hätte, als sie miteinander gespielt haben. Angeblich wollte sie bei ihr nach Läusen suchen, aber wir wissen es beide besser denke ich. Ich habe jedenfalls gespürt, dass sie in diesem Moment gelogen hat. 

Maximilian sah sichtlich bestürzt zu ihr auf. Er vergas immer wieder, dass Wanda bis zu einem gewissen Grad in die Köpfe der Menschen hineinblicken konnte. Würde ihn solch eine Fähigkeit nicht auch wahnsinnig werden lassen? Wem sollte man noch vertrauen?

„Lügt Manuel?“

Wanda verneinte. 

„Bertram und einige andere auch nicht. Aber die Mehrzahl von ihnen sind falsche Schlangen. Und die meisten ihrer Geschichten ausgedacht und erlogen. Ich würde am liebsten mit den Besuchern zu Iga in den Wald ziehen. Bei denen muss man sich über so etwas keine Sorgen machen.“

„Es sind halt Menschen, Wanda. Und ihr Leben eine einzige Komödie oder Tragödie, je nachdem. Verurteile sie nicht so hart, denn Lügen kann auch der Versuch sein, sich zu schützen, verstehst du? Vielleicht wollte sie wirklich nicht, dass ihre Tochter mit Maks spielt, aber das liegt an dem Bild, welches sie in ihrem Kopf hat, verstehst du? Man hat es ihr jahrelang eingetrichtert. Es dauert halt, bis neue Eindrücke dieses alte Bild überlagern und wir helfen ihnen dabei.“

„Ich habe gehört, wie einer der Männer dich gestern gefragt hat, ob wir unsere Nahrungsmittel im Winter mit den Rads teilen werden.“

„Und ich habe ‚ja‘ gesagt.“

„Und er sagte, nachdem du gegangen warst, dass er es nicht einsehen wolle, diesen Viechern Essen zu geben, wenn diese es sich nicht verdient haben. Aus seiner Sicht sind sie nutzlos, Max. Sie arbeiten nicht und Fressen und Faulenzen den ganzen Tag.“

Sie zeigte ihre Wut immer deutlicher. 

„Und mit diesen Leuten willst du weiter zusammenleben? Was wenn du irgendwann nicht mehr da bist? Stürzen sie sich dann auf unsere Besucher und schneiden ihnen ihre Köpfe ab? Frag dich selbst, ob du das für so abwegig hältst.“

Maximilians Miene verfinsterte sich. Jedes ihrer Worte wirkte bei ihm nach. 

„Trenn dich von ihnen. Sag ihnen sie sollen Abstand zu uns halten. Ich verteidige sie, kein Problem, aber sonst möchte ich nichts mit ihnen zu schaffen haben.“

„Auch mit denen nicht, die bisher weder gelogen, noch den Rads gegenüber Feindschaft gezeigt haben?“

Wanda zögerte. So einfach war es also auch für sie nicht. 

„Sie können meinetwegen bleiben. Die anderen sollen aber verschwinden.“

Maximilian schien zumindest über ihre Worte nachzudenken. 

„Ich weiß nicht, Wanda. Das kommt mir zu hart vor. Du kannst nicht von ihnen verlangen, dass sie von heute auf morgen die alten Gewohnheiten über Bord schmeißen. Geben wir ihnen noch etwas Zeit, vorher spreche ich aber mit ihnen, einverstanden?“

Wanda hob ihre Schultern. 

„Tue das, wovon du glaubst, dass es das Richtige ist.“ Sie stapfte wütend zum Mitteltrakt des Gebäudes rüber und nahm die Treppen nach oben. Maks schien zu spüren, dass es ihr nicht gut ging, blickte traurig zu Maximilian auf und folgte ihr dann nach. Vielleicht konnte ja das kleine Mädchen ihr ein wenig Trost schenken?

Bertram hatte eine Harke gebastelt, und eine Schaufel, deren Holzblatt er mit Blech verkleidet hatte. Maximilian sah sich die Werkzeuge voller Bewunderung an und ärgerte sich sehr darüber, dass er Ähnliches nicht zu schaffen vermochte. 

„Was hat Wanda?“ Fragte ihn der Alte.

Maximilian wusste nicht, ob er mit dem Ältesten der Gruppe darüber sprechen wollte. Vielleicht war aber genau das der richtige Weg? Er entschloss sich dazu, vielleicht war es besser, wenn jemand von den Siedlern die Leute in die Pflicht nahm.

„Sie ärgert sich über einige Leute deiner Gruppe, Bert. Sie diskriminieren die Rads und lügen ihr dann auch noch frech ins Gesicht. Sie haben nicht verstanden, dass die Akzeptanz unserer Besucher die Voraussetzung ist, damit ihr unter unserer Obhut in Sicherheit leben dürft. 

Bertram verstand, schien aber seine Leute bis zu einem gewissen Grad verstehen zu können. Auch er erzählte Max von den Rads, die früher in die Dörfer gekommen waren, um sich die Kinder zu holen. Auch arbeiteten sie nichts und lagen den ganzen Tag faul in der Sonne. 

„Halt! Bertram so ist das auch nicht. Sie suchen sich den Tag über ihr Essen selbst und greifen somit nicht auf unsere Vorräte zu. Abgesehen von den Kindern und die stehen unter meinen und Wandas Schutz. Und zu deiner Horrorgeschichte, die du da erzählst, seid ihr denn alle wirklich so dämlich?“

Bertram blickte ihn wütend an. Er verstand nicht, warum Maximilian so aggressiv auf ihn reagierte. 

„Was macht ihr mit Kindern, die behindert zu Welt kommen?“

Der Alte schwieg und sein Gesicht verdunkelte sich. 

„Ihr tötet sie, richtig? Weil es aus eurer Sicht nur für die Gesunden reicht. Vielleicht ist das sogar notwendig, mag sein, aber es wird auch in euren Reihen immer wieder Väter und Mütter geben, die nicht dazu bereit sind. Und da bringt man die Kleinen halt in den Wald oder Busch, an Plätze wo man sicher sein kann, dass es in der Nähe Leben gibt, das sich dieser Kindern anzunehmen bereit ist.“

Bertram sog mit einem Pfeifen die Luft in seine Lungen und hustete. Er schien sich in diesem Moment unheimlich aufzuregen. 

„Du willst mir sagen, dass unter den Rads unsere Kinder sind?“

„BERTRAM! Die Rads sind eure Brüder und Schwestern, checkst du es nicht? Ihre Eltern haben nur mehr Strahlung abbekommen als deine. 

Der Alte wurde bleich. Auch er hatte viele dieser Kreaturen gejagt und erlegt. Doch das was Maximilian ihm sagte, schien ihm dann doch schlüssig zu sein. 

„Was heißt checken?“ Fragte er schließlich Wandas Gefährten. 

„Checken? So viel wie verstehen. Sorry, das sind Wörter aus der alten Zeit. Sorry kommt aus der englischen Sprache und bedeutet so viel wie Entschuldigung.“

„Englisch! Ich habe es noch in der Schule geler ...“

„MAX! MAX! WANDA!“

Maximilian merkte auf. Manuels Stimme drang deutlich hörbar an sein Ohr. Auch Wanda hatte es vernommen, er sah gerade noch, wie ihre mächtige Gestalt aus dem Fenster heruntersprang und in Höhe der Einfriedung auf den Boden aufsetzte. Sie folgte dem Rufen und ging sofort in den Tarnmodus, was Maximilian das Schlimmste befürchten ließ. 

„Geht rein! Bertram, schaffe die Leute in den Schacht! So wie beim letzten Mal, hört ihr!“

Er griff nach seinem Sturmgewehr und eilte zur Mitteltür, um sich dahinter zu verbarrikadieren. So hatte er es mit Wanda abgesprochen. 

Ein paar hundert Meter tief im Busch hielt Manuel sein Gewehr auf eine große Frau gerichtet, die mit gezückten Kampfmesser über einem der Besucher stand, der sie mit weit aufgerissen Augen anstarrte und an seinem ganzen Körper zitterte. Doch in dem Moment wo sie in den Hals des Rads stechen wollte, schoss der junge Jäger auf sie und ließ die Kugel dicht an ihren Kopf vorbeizischen. 

„Bewegst du dich noch ein einziges Mal, trifft die nächste Kugel.“ Drohte er.

„Lass uns reden, Liebchen. Ich will nur diesen einen Kopf, dann verlasse ich dein Revier wieder. Konnte ja nicht ahnen, dass du hier jagst.“

„Er ist mein Freund. Du lässt ihn in Ruhe.“

Die Frau grinste und blickte dann ungläubig auf das schmächtige Wesen mit dem übergroßen Kopf herunter, das vor ihr hockte und mit Tränen gefüllten Augen voller Angst zu ihr aufsah. 

„Du hast so etwas als Freund? Armes Hascherl. Komm mit mir und ich zeige dir neue Freunde und eine Welt in der es sich für dich zu leben lohnt.“

„Ganz sicher nicht. Du bist eine Menda, ich weiß, wie ihr mit euren Männern umgeht.“

Die Frau machte einen Schritt zur Seite und ließ ihr Messer fallen. Wahrscheinlich hatte sie die Befürchtung den Jungen mit einer ungewollten Bewegung zum Äußersten zu provozieren. 

„Na schön. Dann lass mich einfach gehen, einverstanden?“

Der Junge verneinte, drehte seinen Kopf zur Seite und brüllte erneut. 

„WANDA! MAX! HILFE!!!

Erst jetzt registrierte die Kämpferin, dass der Junge etwas auf seinen Rücken trug. Soks schob vorsichtig seinen Kopf unter den Deckel des Rucksacks vor und blickte neugierig zu der Frau rüber, während der angegriffene Besucher zu ihnen rübergekrochen kam und aufgeregte Kehlgeräusche ausstieß. 

„Noch ein Freund? Du bist ja zuckersüß, Jungchen. Für einen Engel bist du aber gut bewaffnet, alle Achtung. Was ist das für ein Gewehr? Ein HK416? Sie trat einen Schritt auf ihn zu, was einen weiteren Schuss zur Folge hatte. Die Kugel warf eine große Dreckfontäne auf und drang vor ihren Füßen in den Boden ein. 

„Ist schwer, auf einen Menschen zu schießen, was? Es sei denn man hatte schon einmal das Vergnügen. Es ist eigentlich gar nichts anderes als bei Rads oder Wild. Hat man es erst einmal getan, macht man es immer wieder. Sie hob ihr Kampfmesser vom Boden auf, während Manuels Hände zu zittern begannen. 

„Gib mir die beiden und dein Gewehr, dann lasse ich dich am Leben. Mein Angebot steht, ich würde dich sogar mit zu mir nach Hause nehmen. Du schaust süß aus und würdest mir sicher eine Menge Spaß bereiten.“

„Du rührst sie nicht an.“

Die Soldatin lächelte, machte einen weiteren Schritt auf ihn zu und schien entschlossen, das Risiko einzugehen. Vielleicht war sie sich sogar sicher, dass er nicht abdrücken würde? Manuels Gedanken rasten. Warum fühlte er sich diesem Geschöpf gegenüber so gelähmt? Vielleicht weil er solch eine Frau noch nie zuvor gesehen hatte?

Die Luft flackerte zwischen ihnen, dann wurde sie wieder klar. Das Gesicht des Jungen hellte sich auf in diesem Moment, während die Frau stutzte und mit seinen Sinneswandel nichts anfangen konnte. 

„Besser du gehst jetzt! Sonst stirbst du.“ Manuels Stimme klang plötzlich ruhig und gefasst, Aber auch die beiden Rads schienen auf einmal vor Zuversicht zu sprühen. 

„Was ist los, mit dir? Habe ich mich dir gegenüber nicht klar ausgedrückt? Du gibst mir die Waffe, die beiden Rads und du darfst deine Wege gehen. Vorher sagst du mir allerdings, woher du kommst und wo deine Leute lagern.“

Maximilian drang in diesem Augenblick durch den Busch, setzte der Frau den Lauf seines Sturmgewehrs auf die Brust und befahl ihr, ihm das Kampfmesser zu geben. 

„Dein Vater?“ Fragte die Frau erstaunt. „Hübsch seid ihr zwei. Da habe ich ja einen ganz netten Fang gemacht.“

Maximilian runzelte die Stirn, hielt ihr seine geöffnete linke Hand hin, während er die Rechte am Abzug hielt. 

„Gib mir die Waffe! Jetzt!“

Die Frau dachte nicht daran, drehte sich in einer unglaublich schnellen Bewegung aus seinem Schussfeld heraus und ein heftiger Schlag traf Maximilian ins Gesicht. Jetzt war er es auf einmal, der ihren Unterarm an seiner Kehle spürte, während die Klinge ihres Messers vor ihm in den Himmel zeigte. 

„Waffe fallen lassen! Du auch, Kleiner.“

Manuel blickte mit Sorge zu seinem Mentor rüber, unschlüssig wie er zu reagieren hatte. Maximilian aber ließ sein Gewehr fallen und schloss seine Augen, in der Hoffnung gefasst bleiben zu können. Warum schritt Wanda nicht ein? Weshalb ließ sie ihn so zappeln? Seine Nase schmerzte furchtbar, hoffentlich hatte diese Gestörte ihm nichts gebrochen.

Manuels Gesicht entspannte sich und der Schatten vor Maximilian war von jetzt auf gleich deutlich länger geworden. Das konnte also nur Wanda sein, die jetzt hinter der Angreiferin stand und ihr wohl den Garaus machen würde. 

Die Menda indessen fühlte wie etwas in ihre Haare griff, suchte das Messer zum Einsatz zu bringen, doch mit einer brutalen Gewalt wurde es ihr aus der Hand herausgedreht und fiel zu Boden. Mit beiden Händen griff sie also nach der Hand, die sie gepackt hatte, um den Zug an ihren Haaren dadurch zu mindern, und schrie, nein kreischte vor Schmerzen auf. 

„Warum hast du so lange gewartet? Scheiße, ich habe mir in die Hose gemacht vor Angst.“ Maximilian drehte sich entrüstet um und blickte zu seiner jetzt für ihn sichtbar gewordenen Gefährtin auf. Tatsächlich hatte er einen Fleck im Schritt, der Wanda im ersten Moment amüsierte.

„Es waren vier. Sie wollten abwarten und prüfen, wie gut wir uns zu wehren wissen.“

Die Frau in ihrer Hand kreischte noch immer und strampelte mit ihren Beinen, sodass Wanda sich genötigt fühlte ihren Mund abzudecken.

„Was hast du mit ihnen gemacht?“ Fragte Max besorgt.

Wanda grinste. „Drei Köpfe mehr?!“

Die junge Soldatin schloss die Augen, jammert und suchte sich immer wieder an dem Handgelenk von Wanda hinauf zu ziehen. Sie war kräftig und ausdauern, so dass sie diese Anstrengung immer wieder aufs Neue zu leisten vermochte. 

„Setz sie ab! Bitte. Und zeig mir deine Beute.“

Wanda war einverstanden und ließ die Frau einfach zu Boden fallen. Sie verschwand zwischen den Büschen und kam nach einer Minute wieder zu ihnen zurück. Sie trug tatsächlich drei Frauenköpfe bei sich und schien mit ihrer Beute ganz zufrieden. 

„Sie waren ziemlich hübsch, genauso wie die hier.“ Die Maschinenfrau deutete auf die junge Frau, die schockiert die Köpfe ihrer Kameradinnen betrachtete, die von der Riesin an den Haaren gehalten, hin und her pendelten. 

Auch Manuel zeigte sich entsetzt über diesen Anblick. Doch warum war das so? Wirklich nur deshalb, weil die getöteten Frauen sehr ansehnlich gewesen sein mussten? 

„Hätte es denn keinen anderen Weg gegeben?“

Wanda überhörte seinen Kommentar und musterte ihre Gefangene von allen Seiten. Eine sehr muskulöse Frau mit hübschem Gesicht und gut proportionierten Figur. Keine der Siedlerfrauen sah auch nur im Ansatz aus wie sie. 

Maximilian indessen ärgerte sich über sein Unvermögen mit solchen Bedrohungen umzugehen. Immer wieder aufs Neue wurde er von den brutalen Reaktionen seiner Widersacher überwältigt. Wäre Wanda nicht gewesen, hätte er jetzt wahrscheinlich genauso wenig seinen Kopf auf den Schultern, wie Manuel und die Besucher. Zumal es drei weitere dieser Kriegerinnen gegeben hatte, die in den Büschen gelegen und in aller Ruhe ihre Reaktion abgewartet hatten. 

Er blickte auf die drei Köpfe der Soldatinnen herunter. Auch sie waren mit Tarnfarben geschminkt worden und hatten sehr gleichmäßig geformte und attraktiv wirkende Gesichtszüge.

„Was soll ich jetzt mit ihr machen?“ Fragte Wanda. 

Ihr Freund und Partner wusste es selbst nicht genau. Er empfand die Menda als Bedrohung, kein Wunder nach ihrem Konterangriff, den sie so spielerisch an ihnen vollzogen hatte. 

„Bringen wir sie nach Hause und hören mal, was sie uns alles zu sagen hat. Es ist sicher kein Zufall, dass sie hier ist, nachdem wir Justin zu ihren Leuten geschickt haben.“

Die Kämpferin merkte auf. 

„Ihr wart das? Ich habe mir euch ganz anders vorgestellt.“

Maximilian durchsuchte die Ausrüstung der Frau. Neben einem modernen Automatikgewehr hatte sie einen Rucksack voll mit Vorräten bei sich getragen, die in etwa seinen Bundeswehrrationen entsprachen. Außerdem hatte sie eine Zeltplane, zwei Feldflaschen, Filter für Wasser, Feuerzeug, Verbandspäckchen und weitere Teile dabei, deren Sinn er nicht sofort ergründen konnte. Wie viel mochte das alles wiegen? Zwanzig Kilo? Die Dame musste wirklich fit sein, wenn sie das über solch eine weite Distanz getragen hatte. 

„Eine Brieftasche!“ Stellte er erstaunt fest, öffnete sie und zog eine moderne Ausweiskarte aus einem der Fächer heraus. Sie war gültig und mit einem Foto nebst Wasserzeichen versehen worden. Daneben gab es eine weitere, die sie als Feldwebel der 3. Infanteriedivision Sauerlandkreis-West auswies. Exercitus mulieribus stand darüber. 

„Hallo Milena!“

Die Soldatin schien nicht weiter beeindruckt von ihm oder der Situation zu sein, selbst Wanda schien sie mit ihren gewaltigen Abmessungen nicht großartig ins Staunen zu versetzen. Stattdessen wartete sie einfach ab, was mit ihr passieren würde. 

„Das mit deinen Kameradinnen tut mir leid. Aber wir haben uns nur verteidigt.“

„Sie kannten das Risiko im Kampf zu fallen. Mich hätte es genauso treffen können.“

„Ist das nicht ein wenig einfach gedacht? Sie müssen dir doch etwas bedeutet haben.“ Fragte Maximilian erstaunt. 

„Haben sie. Ich werde sie in meinen Erinnerungen lebendig halten, mehr kann ich nicht für sie tun.“

„Willst du sie nicht rächen?“

Milena zeigte ihm zwei blenden weiße Zahnreihen, als sie seine Frage mit einem Lächeln begegnete. 

„Ganz sicher sogar, sobald sich mir eine Möglichkeit dazu bietet. Sie sah demonstrativ zu Wanda rüber, die ihren Blick zwar zur Kenntnis nahm, dabei aber beiläufig die Kralle ihres ausgestreckten linken Mittelfingers in Augenschein nahm.“

Eine herbe Reaktion, die Maximilian seiner Freundin nicht zugetraut hatte. 

„Kommt! Gehen wir zurück. Beruhigen wir erst einmal unsere Besucher, essen etwas und dann sagt uns Milena, wie unser Vorschlag aufgenommen wurde und was mit Justin passiert ist.“

Wanda gab ihrer Gefangenen einen kräftigen Stoß, sodass die Frau nach vorne taumelte und fast gestürzt wäre. Maximilian fühlte sich dazu genötigt einzuschreiten und wies sie zurecht. 

„Hör auf damit! Wir sind besser als die.“

Auch Manuel und die Rads blickten erschrocken zu Wanda auf, die Maximilians Kritik unkommentiert ließ und die Gefangene weiter vor sich hergehen ließ. Sie fühlte sich von dieser Menda in einem Ausmaß bedroht, dass sie den Wunsch hatte sie hier und jetzt aus der Welt zu schaffen. Doch Maximilian hätte solch ein Verhalten niemals toleriert und sie selbst dann wohl ein zu großes Stück von ihrem eigentlichen Charakter verloren. 

„Wie einfach ihr das Töten auf einmal fiel. Wie spielerisch es ihr gelang, zum Kee zu wechseln, und sich dann wieder aus ihm herauszulösen. Dieser Übergang verlor immer mehr an Prägnanz für sie. Es war ihr so, als ob sie mit dieser künstlichen Intelligenz immer mehr verschmolz und die Gründe lagen dabei nicht in ihrem Kopf verborgen, sondern in all den negativen Eindrücken, die ihr diese Welt vermittelte. Sie verabscheute sie, und es schien immer weniger in ihr zu geben, mit dem Wanda etwas anfangen konnte. 

Kurz nach dem sie das Gelände des alten Wissenschaftskomplexes betreten hatten, kamen die Siedler auch schon zusammen, um die Gefangene in Augenschein zu nehmen. Männer und Frauen tuschelten aufgeregt miteinander, nahmen Manuel beiseite und schon machte die Erkenntnis die Runde, dass es sich bei dieser schlanken, hochgewachsenen Frau um eine dieser Mendas handeln musste, von denen man bisher viel gehört, aber nur wenig gesehen hatte. 

Die Gefesselte schien indessen ruhig und ausgeglichen zu sein und wenn es eine innere Spannung in ihr gab, wusste sie diese eindrucksvoll vor ihnen allen zu verstecken. 

Maximilian führte die Frau in den zum Quartier umfunktionierten Bürosaal und bot ihr an einem der zur Wand hin verschobenen Schreibtische einen Sitzplatz an. Milena nahm darauf Platz, musterte ihn dabei ohne Scheu und hob ihre fein geschnittenen Augenbrauen. Überhaupt hatte sie ein gleichmäßig und markant wirkendes Gesicht, das konnte er trotz der Tarnschminke erkennen. 

„Und? Wie geht es jetzt weiter?“ Fragte die Soldatin, lehnte sich zurück und blickte beiläufig zu Wanda rüber, die wie zuvor bei Justin und Manuel passiv blieb und dem Gespräch aus der Ferne folgen wollte. 

„Wir unterhalten uns erst einmal. Dann werde ich mich mit meinen Freunden besprechen.“ Maximilian nahm nun ebenfalls auf einem der Stühle Platz und schob diesen an seine Gefangene heran. 

„Ihr lasst mich Leben?“ 

Maximilian nickte. 

„Ja. Wir töten, wenn überhaupt, nur im Kampf. Alles andere erachten wir als feige.“

Seine Erklärung hinterließ keine Wirkung bei ihr, ganz im Gegenteil sie schien ihm amüsiert zu reagieren. 

„Habe ich jetzt einen Witz für dich gerissen, oder ...“

Sie verneint und versuchte krampfhaft ihre Mundwinkel zu beherrschen. 

„Idealisten sind putzig, red nur weiter. Lass mich mal sehen, was du sonst noch für Thesen zu bieten hast.“

Maximilian ärgerte sich. Wollte ihr diesen Umstand aber auf keinen Fall offenbaren. 

„Dafür ist später noch Zeit. Hat Justin euch von uns erzählt?“

Auch diese Frage schien die Menda lustig zu finden. 

„Du meinst also wirklich, wir hätten uns aus Langeweile in die Zone begeben? Nein, ganz sicher nicht. Wir sollten die Lage klären, euch auskundschaften und nach Möglichkeit dieses Ding dort drüben zur Strecke bringen oder Schwachstellen an ihm entdecken. Dich hätten wir gefangen und mit zurücknehmen sollen.“

„Mich?“ Maximilian blickte sie erstaunt an. 

„Kennst du hier sonst noch einen über Fünfzigjährigen, der volles Haar und alle Zähne im Mund hat? Deine Haut weißt kaum Pigmentstörungen auf, deine Haltung entspricht der eines jungen Mannes. Dein VGS muss weit über Neunzig liegen.“

Maximilian blickte sie erstaunt an. Wovon zum Teufel redete diese Frau eigentlich?

„Erkläre es mir!“

Milena zeigte ihm wieder ihre Zähne, machte es sich bequem und schlug ihre langen Beine übereinander. 

„Der VGS ist ein Wert, der anzeigt, wie intakt dein Genpool noch ist. Dabei werden die Vorkriegswerte als Referenz genommen. Liegt er über neunzig, könnten wir dich als Beischläfer verwenden.“

Maximilian glaubte, nicht richtig gehört zu haben. 

„Beischläfer?“ 

Sie lachte schallend. 

„Ja, das sind Männer, die den ganzen Tag und die ganze Nacht ihren Samen an unsere Frauen abgeben dürfen, die für die Fortpflanzung ausgesucht worden sind. Auch sie haben einen hohen VGS, der sie uns für den Empfang geeignet erscheinen lässt.“

„Oh mein Gott! Das hört sich für mich ziemlich verrückt an. Gibt es bei euch denn gar keine Liebe mehr zwischen Mann und Frau? Ich meine so lange ist es doch nicht her, dass es auch bei euch diese Welt gegeben hat, richtig? Ich denke, deine Großeltern werden doch noch ein Paar gewesen sein.“

Die junge Frau schien ganz anderer Vorstellungen und Ansichten zu haben. 

„Männer haben die Kriege geführt, Waffen erfunden, tausendfach getötet, verstümmelt und verletzt. Die Welt stand am Rande einer Klimakatastrophe und auch diese wurde von den Mächtigen dieser Welt verursacht, die fast ausnahmslos dem männlichen Geschlecht angehörten. Frauen behüten Leben, pflegen es und bauen an einer Welt, in der es sich zu leben lohnt.“

„Und alles was nicht dazu passt, wird vertilgt?“ 

Melina nickte ohne Umschweife. 

„Natürlich. Alles was einen VGS unter Achtzig hat, wird entweder sterilisiert oder getötet.“

„Und die Zone?“

„Dieses Problem löst sich selbst, solange wir den Kopfhandel aufrecht erhalten.“

„Wenn die Rads ausgerottet sind, kommen also die Siedler dran?“

„Sofern sie nicht dazu geeignet sind in unserer Welt eingefügt zu werden, ja.“

„Ihr seid Faschistinnen nichts weiter.“

Die junge Frau blickte auf ihre Armbanduhr und wurde sichtlich nervös. Irgendetwas schien ihr Sorge zu bereiten. 

„Stimmt etwas nicht?“ Fragte Maximilian.

Die Frau lächelte gezwungen, antwortete aber nicht. Stattdessen blickte sie ein zweites Mal auf ihre Armbanduhr. 

Wanda löste sich von der Wand, stellte sich neben sie und packte die Gefangene mit brutalen Griff an deren Handgelenk. Die stöhnte auf, schien aber gegen ihren Schmerz ankämpfen zu wollen. 

„Lass sie, Wanda! Sie tut mir doch nichts.“

Seine Freundin riss das Lederarmband entzwei, nahm die Militäruhr zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte dann ihre Krallen in den Zeitmesser hinein. Ein klirrendes Geräusch, ein Knacken, dann war er in seine Einzelteile zerlegt. 

Aus der Ferne aber näherte sich ein Rauschen, dass immer stärker wurde und in ein dumpfes Grollen überging. Kurze Zeit später schlug eine Druckwelle gegen die Hausfassade, drückte die Fensterabdeckungen ein, und riss ihn und die Menda vom Stuhl herunter. Den Bruchteil einer Sekunde später ertönte ein lauter Knall der Maximilian in seinen Ohren schmerzte. Die Hände zu seinem Schutz über den Kopf, wartete er voller Angst, was diesem Inferno noch folgen sollte. 

„Was war das?“ Fragte er Wanda erstaunt, nachdem er endlich wieder seine Fassung zurückerlangt hatte, sich mühsam aufrichtete und den Staub von seinen Hosen herunter klopfte.

„Frag sie!“

Melina blickte erschrocken drein. Von ihrer Souveränität war wenig übrig geblieben. Maximilian aber starrte auf die Uhrenfragmente herunter und begann 1 und 1 zusammen zu zählen. 

„Das war ein Sender, richtig? Du wolltest dich, mit uns zusammen, in die Luft sprengen.“

„Wir lassen uns nicht lebend fangen. Das gehört zum Kodex.“

Maximilian blickte zu Wanda auf und atmete tief durch. Wieder! Es war unglaublich, was das Kee zu leisten in der Lage war. 

„Ist das eine Rakete gewesen?“

Melina verneinte. 

„Ein gesteuertes Artilleriegeschoss. Die grobe Richtung wussten wir, aber nicht die genauen Koordinaten. Die hätte meine Uhr liefern sollen.“

„Gut. Das ist dann so etwas wie eine Kriegserklärung. Habt ihr viele solcher Geschütze?“

Die Soldatenfrau erwiderte nichts, blickte dabei aber Maximilian demonstrativ in die Augen. 

Die Frau hatte einen Draht dafür, ihn zu ärgern, und diese Tatsache provozierte ihn noch zusätzlich. Er ging auf Abstand zu der Gefangenin und nahm Wanda zur Seite. 

So ein Teil ist eine riesige Gefahr für uns. Ich meine, sie brauchen nur noch jemanden zu schicken, oder mit den Schwarzhemden Kontakt aufnehmen und sie haben uns auf den Meter genau. Was dann passiert, kannst du dir an einem Finger abzählen. 

Wanda sah zu der Frau rüber und runzelte ihre Stirn. 

„Gefällt sie dir?“

Maximilian blickte sie überrascht an. 

„Was?“

„Na ob sie dir gefällt?“

„Sie ist hübsch, wenn du das meinst, aber eben Faschistin, Rassistin und wer weiß was noch. Sie hätte beinahe Manuel, mich und die Besucher getötet, wie sollte ich ihr da etwas Positives abgewinnen?“

Wanda betrachtete ihn kurz, dann sah sie wieder zu ihrer neu erklärten Feindin hinüber. Die schien zu ahnen, dass sie das Thema war, und grinste um so provokativer zu Wanda rüber, je länger diese in ihre Richtung blickte. „Konzentrierst du dich bitte?! Hier geht es um die Sicherheit von uns allen. Wir dürfen diese Gefahr nicht ignorieren.“

Wanda hörte ihm zu. 

„Lass mich zu ihnen gehen und ich erteile ihnen eine Lehre, die sich gewaschen hat.“

Zu ihrer Überraschung war Maximilian einverstanden. 

 

30    Die Vergeltung

„Gut. Ich begleite dich und Milena auch. Schauen wir, was wir kaputt machen können, aber möglichst ohne Menschenopfer. Versprich mir das.“

Wanda antwortete ihm nicht, schien jetzt aber entschlossen. 

„Gut. Gehen wir!“

Maximilian staunte. 

„Jetzt sofort?“

Wanda nickte. 

„Sie haben Autos und Panzer. Willst du warten, bis sie hier sind, um nachzusehen, ob sie getroffen haben?“

Maximilian überlegte einige Sekunden lang, dann schüttelte er seinen Kopf. 

„Gut, du hast Recht. Hole das Netz, ich polsterte inzwischen meine Oberschenkel aus.“

Wanda deutete auf die Gefangene. 

„Warum soll sie mit?“

„Sie soll sehen, wozu du in der Lage bist, Wanda. Vielleicht macht das die Mendas verhandlungsbereit? Wir können sie dort freilassen, wo du Justin abgesetzt hast.“

„Aber sie wird sie warnen.“

„Und du wirst ihnen zeigen, dass alle Warnungen vergebens sind.“

Wanda grinste böse. In diesem Moment schien sie froh zu sein, dieser Frau dort drüben eine Lektion erteilen zu können. 

Maximilian griff nach ihrer großen Hand und hob sie an seinen Mund. 

„Bist du eifersüchtig auf sie?“

Wanda nickte. 

„Ja. Schön, dass du es merkst.“

Er atmete tief durch und musste jetzt ganz genau aufpassen, was er sagte. 

„Wanda! Ich liebe dich! Schau wie oft du mir geholfen hast und wie selbstlos du in allem bist. Glaubst du wirklich, ich weiß nicht, was ich in dir gefunden habe? Du bist mit Manuel der einzige Mensch, der mich noch hoffen lässt.“

„Ich bin aber keine richtige Frau.“

Daher wehte also der Wind. 

„Sie aber auch nicht. Biologisch gesehen vielleicht, aber menschlich? Für mich ist diese Dame da ein Monster, nichts weiter. Ich mache mir gar keine Illusionen darüber, was sie mit mir anstellen würde, wenn sie mich in der Hand hätte und nicht wir sie.“

Wanda sah auf ihn herunter. 

„Du lügst nicht?“

Maximilian erinnerte sich. Wanda konnte jeden hinterfragen, nur nicht ihn. 

„Es ist schade, das du glaubst, dass ich dazu in der Lage wäre.“

„Okay. Lass uns gehen. Ich habe Lust drauf diesen Schlampen zu zeigen, mit wem sie sich da angelegt haben.“

Wanda ging das Netz holen, während sich Maximilian Handtücher in die Kampfhosen stopfte. Die Menda verfolgte sein Tun mit Verwunderung und schien sich keinen Reim darauf machen zu können, was das alles sollte. 

„Komm mit runter!“ Fuhr Wanda die Frau an, doch diese schien keine Anstalten machen zu wollen. 

„Na gut, dann eben so!“ Rücksichtslos griff sie in das kurze Haar der Frau, riss sie daran hoch und trug sie dieses Mal, ohne ihr die Möglichkeit der Entlastung zu geben, nach unten.

Milena kreischte vor Schmerzen auf, flehte Wanda an sie loszulassen, doch die kannte keine Gnade und ließ sich sogar Zeit bei den Treppen. Maximilian zwang sich dazu, nicht einzugreifen, diese Frau musste lernen, dass Wanda gefährlich war.

Ohne Rücksicht ließ die Maschinenfrau die Soldatin fallen, ging neben ihr in die Knie und legte sich das Netz über die Schultern. 

„Soll ich sie auch tragen?“

„Ich kann laufen!“ Wandte Melina ein. Ihre Stimme hatte sich radikal gewandelt und klang jetzt weinerlich. 

Wanda ignorierte sie, während Maximilian in das Netz hinein stieg und sich eine Sitzposition darin suchte. 

„Sehen wir mal, wie schnell sie ist. Sie hat Kraft, das sieht man. Vielleicht schafft sie ja ein paar Kilometer, ohne das du ihr helfen musst.“

Wanda grinste auf die Menda hinunter und zwinkerte ihr zu. 

„Wenn ich dir helfen soll, sag es einfach!“ Kam es schnippisch aus ihren Mund. 

„Lös ihre Fesseln, die behindern sie nur.“

Melina blickte verächtlich zu Maximilian rüber, der an Wandas Rücken hängend, alles andere als einen souveränen Eindruck bei ihr hinterließ. 

„Aua!“ Jammerte sie, als die Krallen der riesigen Kriegerin in die Plastikbänder hinein griffen. 

„Halt deine verdammte Fresse.“

Maximilian wurde bleich. In solchen Momenten trat die alte Wanda komplett in den Hintergrund. 

„Lauf jetzt los! Die Richtung kennst du ja.“

Melina atmete tief durch und ging dann in einen federnden Gang über. 
Ohne Probleme bahnte sie sich den Weg durch das Gras, sprang über Hindernisse und überwand selbst einen Bachlauf mit einem gewaltigen Satz. 

Wanda konnte zwar mühelos mit ihr mithalten, kam aber dennoch nicht umhin sich über die Leistungsfähigkeit dieser Frau zu wundern. Erst als sie sich vom Kee ihre Wärmesignatur darstellen ließ, konnte sie sehen wie ruhig und ausgeglichen das Herz der Kämpferin schlug, selbst jetzt unter den gegebenen Umständen. 

„Sie ist gedopt, du musst dich nicht weiter in Bewunderung üben.“

Wandte sie sich an Max, der Melina über Wandas Schulter hinweg beobachten konnte. 

„Wie viel Kilometer haben wir?“

„Sieben. Sie beginnt jetzt langsamer zu werden.“

Tatsächlich beschleunigte sich die Atmung der jungen Frau und auch ihre Schritte schienen nicht mehr so kraftvoll zu sein wie zu Beginn. Dennoch hielt sie eine beachtliche Geschwindigkeit bei. Dreizehn Kilometer in der Stunde, wie Wanda tonlos feststellte. 

„Wie weit ist es noch?“

Fragte Maximilian, der seine Wange dicht an Wandas Kopf presste. 

„Fünfundzwanzig Kilometer ungefähr. Vier Stunden brauchen wir noch, wenn ich euch trage, zwei.“

Melina hielt noch weitere fünf Kilometer durch, dann wurde sie Wanda zu langsam. Sie nahm die große Brünette einfach auf den Arm, störte sich nicht an ihren Protest und verweigerte ihr auch die Pause. So ging es weiter und wie von einem Ballast befreit, sprintete sie durch das ehemalige Stadtzentrum Dortmunds, das wie von einer riesigen Faust zerdrückt, komplett eingeebnet worden war. Schutt, Drähte, ein paar Reste von Straßenbeleuchtungen und Verkehrshinweisen war noch zu sehen, ein paar Wege und Straßen, ansonsten nur Steine. Hier und da wuchsen Sträucher und Bäume, Gräser säumten ihren Weg, ab und an sah man auch Hunde oder Katzen auf der Suche nach etwas Essbarem.

Zweimal wurden sie von einem Rudel verfolgt, doch Wanda war zu schnell und ausdauernd, sodass die Meute nicht auf die Distanz mithalten konnte. 

„Halt an! Sie blutet!“

Wanda ließ die Frau einfach auf den Boden fallen, kniete sich hin, streifte das Netz ab und trat zur Seite, damit Maximilian nach der Menda sehen konnte. 

„Hass führt zu nichts, das weißt du selbst.“

Wanda verzog keine Miene, stand einfach nur da und beobachtete ihn dabei, wie er die Wunde der Frau untersuchte. 

„Hast du sie absichtlich verletzt?“

„Nein. Ich habe immer wieder nachgreifen müssen, sonst hätte ich sie verloren.“

Maximilian sah die feinen Risse in der Haut der Menda. Wanda sagte also die Wahrheit. 

„Gehts?“

Die Soldatin nickte, schien aber Schmerzen zu haben. 

„Es sind nicht die Kratzer. Sie quetscht mir die Rippen.“

Er blickte zu seiner Freundin hoch, die betont teilnahmslos auf ihn heruntersah. 

„Kannst du sie vorsichtiger tragen?“

Wanda hob ihre Schultern. 

„Bitte! Sie hat Schmerzen, sieh das doch ein.“

„Du scheinst dir ja richtige Sorgen um sie zu machen. Was ist mit dem, was du vorhin zu mir gesagt hast? Ist sie jetzt auf einmal kein Ungeheuer mehr für dich? Willst du sie vielleicht ficken? Ich lass euch gerne allein.“

Maximilian stöhnte auf. Das war nicht mehr Wanda, die da zu ihm sprach. 

„Was ist los mit dir?! Wanda, komm zurück! Das bist nicht mehr du. Du brauchst nicht eifersüchtig zu sein, wir gehören zusammen, oder nicht?“

Sie hob die Schultern. Anscheinend hörte sie auf, daran zu glauben. 

„Komm mit! Wir klären das jetzt.“

Er stand auf und zog Wanda mit sich, die sich seiner Autorität in diesem Moment ergab. 

„Ich habe dir vorhin doch etwas gesagt. Warum zweifelst du daran?“

„Sie kann Kinder bekommen, ich nicht.“

„WANDA! MENSCH! BITTE! Jeh schneller wir sie zurückgebracht haben, desto eher sind wir wieder bei den Unsrigen. Wir haben dann doch gar nichts mehr mit ihnen zu tun.“

„Und wenn die Nächsten kommen? Was dann? Was soll ich machen, wenn sie beim nächsten Mal nicht mehr rot sind? Dabei zusehen, wie sie dich mir wegnehmen?“

Er schloss für einen Moment seine Augen. 

„Wie kann ich dir beweisen, dass sich für mich nichts geändert hat?“

„Fick mich vor ihr!“

Maximilian blickte sie ungläubig an. 

„Bitte was?“

„Du sollst mich vor ihr vögeln. Zeig ihr, dass ich deine Frau bin.“

Er war fassungslos. 

„Das meinst du nicht ernst, oder?“

„Du hast gesagt, sie wäre dir nicht wichtig. Damit beweist du es mir.“

Maximilian zögerte. 

„Siehst du! Sie hat schon Macht über dich. Du genierst dich vor ihr! Eine Frau, die du vor drei Stunden noch als Monster gesehen hast.“

Ihm reichte es jetzt. Wütend packte er sie am Handgelenk und zog sie daran hinter sich her. Vor Melina stehen geblieben, zog er seine Hose herunter, wickelte die Handtücher ab und präsentierte der staunenden Menda sein schlaffes, aber dennoch sehr ansehnliches Glied. 

„Mach es steif, ich bin zu aufgeregt.“

Wanda grinste, blickte die Gefangene mit Genugtuung an und ging dann vor Maximilian in die Knie. Genussvoll ließ sie seinen Schwanz zwischen ihren Lippen in ihren Mund hinein gleiten, saugte daran und umschmeichelte mit ihrer Zunge seine Eichel. Dabei konnte sie sein Glied ganz in ihrem Mund aufnehmen, ohne dabei würgen zu müssen, ließ ihre Zähne an seinen Schaft entlang reiben und leckte noch einmal, wie bei einem Eis, lustvoll über seine Eichel hinweg, nachdem sie sein steif gewordenen Penis aus ihrem Mund entlassen hatte. 

„Leg dich auf den Boden!“ Forderte Wanda von Maximilian, zwinkerte zu Milena rüber, leckte sich laszive über ihre Lippen und ging dann über den Unterleib ihres Freundes in die Knie, richtete sein Glied auf ihren Schoß aus und ließ es anschließend in ihren Körper hinein gleiten. 

Neben der Leidenschaft und dem geilen Gefühl, dass Maximilian ihr in diesem Moment gab, kam auch der süße Geschmack der Genugtuung. Wanda ließ sich intensiv und lange von ihrem Liebsten verwöhnen, während diese Frau ihnen schockiert und gleichzeitig fasziniert beim Akt zusah. Und Maximilian mühte sich dieses Mal besonders lange für sie und hielt mehr als zwanzig Minuten durch, bevor er kam und sich in ihrem Körper entlud. 

Melina hatte wie gebannte nicht nur den Akt verfolgt, sondern auch die Zeit der Zärtlichkeit danach, die Wanda wie selbstverständlich von Maximilian eingefordert hatte. 

„Bist du jetzt beruhigt?“ Fragte Maximilian und streichelte Wanda über die Wange, ließ seinen rechten Daumen über ihre Lippen hinweggleiten und kam ihr zu einem abschließenden Kuss entgegen. 

Sie lächelte, drückte ihre Lippen auf die seinen und suchte mit ihrer Zunge Einlass in seinen Mund. Erst nach langen Minuten war sie bereit sich von ihm zu lösen. 

„Komm! Weiter! Wir müssen uns beeilen.“ Mahnte er sie. 

„Wanda war einverstanden, half ihm dabei die Handtücher wieder um seine Schenkel zu binden und in das Netz hinein zu steigen. Dann zog sie es wieder, einem Rucksack gleich über ihre Schultern und packte Milena vorsichtiger an deren Hüfte. Unter ihrem linken Arm geklemmt, trug sie beide mit einer spielerischen Leichtigkeit weiter. 

„Dort vorne ist es.“

Wanda deutete auf das kleine Häuschen, mit dem lädierten Mannschaftstransportwagen davor. Die Besatzung des Kontrollpostens war dieses Mal eine andere und auf zehn Frauen verdoppelt worden. 

Maximilian zückte sein Fernglas und betrachtete die Einzelheiten des Flachbaus. Sollte er die Menda freilassen und zu ihren Kameradinnen schicken? 

„Noch haben wir kein Exempel statuiert.“ Warf Wanda ein. „Sie würden sofort auf unsere Unterkunft schießen und selbst wenn sie nur wage zielen, könnten Freunde von uns ums Leben kommen.“

Maximilian erinnerte sich an die heftige Explosion der Granate und gab ihr Recht. 

„Gut! Suche erst einmal das Artilleriegeschütz und mache es unschädlich, danach lassen wir Melina frei.“

Wanda war einverstanden, drückte die Gefangene auf den Boden herunter und zwang ihre Arme auf den Rücken. Dort fesselte sie die Hände der jungen Frau mit Kabelbindern und legte einen weiteren um die Knöchel ihrer Beine. Sie wollte auf Nummer sicher gehen, Maximilian hätte wahrscheinlich selbst dann keine Chance gegen die Soldatin, wenn sie vor ihm mit gebundenen Händen zum Stehen kam. 

„Gib mir eines der Handtücher, ich knebel sie.“

Maximilian wusste nicht, ob man so weit gehen sollte, blickte Milena in deren grünen Augen hinein und registrierte den flehenden Blick. Wanda hatte Recht. Sie würde ihn manipulieren und bearbeiten, bis er einen Fehler beging. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie er Manuel beispringen wollte und diese Frau ihn anschließend so locker außer Gefecht gesetzt hatte. 

„Gut! Lass mich aber machen. Du tust ihr wieder weh.“

Wanda hob ihre Schultern und trat zur Seite. Noch wirkte der Sex mit Maximilian nach und hielt sie ruhig. 

„Schieß in die Luft, wenn du Hilfe brauchst. Ich komme dann sofort.“

Maximilian setzte sich, ein Stück Abstand zu Melina haltend ins Gras und nickte seiner Freundin zu. 

„Sei vorsichtig! Unterschätze diese Frauen nicht.“

Wanda sah sich um. 

„Ich sehe, was sie in der kurzen Zeit erschaffen haben. Das ist unglaublich.“

„Da hast du Recht. Es sieht hier alles aus wie Früher. Sogar noch eher wie in den Niederlanden. Warst du mal da? Alles ein wenig reinlicher und schöner als bei uns damals.“ Erinnerte sich Maximilian, pflückte eine Butterblume und drehte deren Stiel zwischen seinen Fingern. 

„Wenn du den Hügel weiter Richtung Osten hinauf gehst, dort wo der Kontrollpunkt liegt, siehst du die ganze Stadt. Sogar Autos und Busse fahren dort, es ist großartig. Nur jetzt wäre es zu gefährlich. Lass uns nachher mal zusammen gucken gehen, ja?“ Schlug Wanda vor. 

Maximilian seufzte, wollte es sich aber mit ihr zusammen ansehen. Dennoch erinnerte er sich, auf wessen Kosten letzten Endes dieser Fortschritt errichtet worden war. 

„Hat für mich einen bitteren Beigeschmack, wenn für diesen Wohlstand Männer Zwangsarbeit leisten müssen.“

Wanda blickte mit nachdenklicher Miene zu ihm rüber. 

„Und wenn sie recht haben?“

Maximilian blickte überrascht zu ihr auf. 

„Wie meinst du das?“

Melinas Kopf wandte sich zu Wanda um, sie folgte also ihrem Gespräch. 
„Männer sind ja wirklich an allem Schuld.“

„Aber Wanda! Vielleicht einige von ihnen, mag sein. Aber alle? Du kannst meinem Geschlecht doch keine Generalschuld auferlegen. Denk an deinen Vater, an Freunde und Verwandte! Wie viel von ihnen haben Menschen geschadet? Und selbst wenn es welche darunter gab, erinnere dich an Frauen, die ähnlich viel Mist bauten. Und diese Mendas! Sie haben uns ohne Vorwarnung und ohne Verhandeln angegriffen und sogar mit Kanonen beschossen. Manuel ist noch ein Junge und diese Furie hätte ihn ohne Umschweife getötet.“

„Du hast ja Recht. Es reicht schon. Es kam mir nur für einen Moment so einleuchtend vor.“

Maximilian atmete tief durch. Er war sich einfach nicht mehr sicher, welche Gedanken in Wandas Kopf noch die ihren oder die des Kee waren. 

„Ich gehe dann mal auf die Suche. Bis zum Sonnenuntergang bin ich wieder da.“

Maximilian winkte ihr nach und sah seiner Freundin dabei zu, wie ihr Körper mit der Umgebung verschmolz und schließlich ganz verschwand.

Melina riss ihre Augen auf, schloss sie wieder und blickte dann wieder in die Richtung, in der sie Wanda das letzte Mal gesehen hatte. Sie schien ziemliche Probleme damit zu haben, dass diese riesige Frau von jetzt auf gleich unsichtbar geworden war. 

Maximilian störte die pralle Sonne und suchte einen Platz im Schatten. Auch Milena vergaß er dabei nicht und zog deren kräftigen Körper mit einiger Anstrengung unter die Krone einer jungen Birke. Dann setzte er sich neben sie, summte ein Lied und schloss dabei seine Augen. Wie schön es war, für einen Moment zu vergessen, dass es einen Atomkrieg gegeben hatte und ein anderer immer noch vorherrschte. 

Es war später Abend und immer noch war Wanda nirgends zu sehen oder zu hören. Maximilian hatte keinerlei Auffälligkeiten bemerkt, nur einmal war ein Hubschrauber über das Gelände geflogen, hatte zwei Runden gedreht und war dann wieder Richtung Osten abgeflogen. Wanda war schon fast fünf Stunden fort und die Sonne stand hinter ihnen in einem grellen, seltsam gelben Schein. Wo blieb sie denn nur? Zweimal hatte sich Maximilian aus seinem Versteck herausgewagt und war einige hundert Meter nach Osten gerobbt, um Wanda entgegenzukommen. Doch keine Spur von ihr. Hatten die Mendas vielleicht an Wanda ein Exempel statuiert? An der teuersten Kriegsmaschine aller Zeiten? Warum hielt er das auf einmal für möglich? 

Milena betrachtete seine Anspannung mit offensichtlicher Schadenfreude. Sie kicherte sogar immer wieder in ihr Handtuch, um den Stress für ihn noch größer werden zu lassen. 

Keine Explosionen, keine Schüsse, alles war ruhig geblieben. Ein paar Hunde bellten, Vögel zwitscherten noch einmal, bevor ihre Nachtruhe begann, hier und da knackte es im Unterholz. Schlich sich vielleicht jemand an? Was wenn der Hubschrauber ein Wärmebildgerät dabei gehabt hatte? 

„Bleib ruhig, Max! Jetzt keine Panik!“ Sprach er sich selbst Mut zu, doch es half ihm nicht. Wenn Wanda nicht zurückkehrte, musste er allein den Rückweg antreten, allerdings ohne Milena. Diese Frau war zu verschlagen und ihm im Kampf überlegen, sodass sie für ihn eine unabwägbare Gefahr dargestellt hätte. Doch umbringen konnte er sich auch nicht. Das widersprach all seinem Denken und Handeln. Einfach sitzen lassen? Was wenn Hunde in der Nähe waren und sie reißen würden? Wie er es drehte und wendete, die Situation für ihn schien aussichtslos. Ließ er die Menda frei, würde er ein paar Kilometer weit kommen, dann aber mit Sicherheit von den Frauen aufgegriffen werden. Wahrscheinlich würde er selbst dabei noch das mildeste Schicksal erfahren, seine Freunde aber wären dann Geschichte. Diese Furien würden kurzen Prozess mit Siedlern und Rads machen, stellten diese doch für sie keine lebenswerte Spezies da. 

„Ich bin da, Schatz!“

Erschrocken fuhr er herum. Erblickte Wandas Brust, dann drückte sie seinen Körper auch schon gegen den ihren. 

„Wo warst du? Ich habe mir Sorgen gemacht.“

Wanda lächelte und gab ihm einen langen und leidenschaftlichen Kuss. 

„Ich weiß. Und das ist total süß von dir. Ich habe alle Geschütze gefunden und auch in einem Gebäude Schaden angerichtet. Das Kee hat es mir als Ziel vorgeschlagen.“

„Was für ein Gebäude? Waren Waffen darin?“  

Die Maschinenfrau berichtete ihm von einen Saal mit großen schwarzen Schränken darin, ähnlich denen, welchen sie unten im Bunker gesehen hatte. „Ich habe ihn zerstört, wenn ich auch nicht genau sagen kann, wie das passiert ist. Es war wie ein Feld, dass sich um mich herum aufgebaut hat und kurz darauf sprühten Funken und alle Lichter gingen aus.“ 

„Vielleicht das EMP von dem ich gelesen habe? Du kannst mit einem elektromagnetischen Feld großflächig Elektronik lahmlegen und nachhaltig schädigen. Aber warum hat das Kee dir dieses Ziel benannt? Was könnte der Grund dafür sein?“ 

Maximilian löste den Knebel aus Milenas Mund und bat Wanda ihre Gefangene von den Fesseln zu befreien. Noch einmal wollte er sein Wort an sie richten, bevor sie von ihnen entlassen wurde. 

„Bevor du gehst. Eine Frage hast du mir noch nicht beantworten können. Was ist aus Justin geworden?“

Milena grinste breit. 

„Ein Spielzeug. Er gehört jetzt einer der Postenwärterinen, die von deiner Freundin verletzt worden ist. Sie bedient sich seiner um ihre Lust zu stillen, sowohl die Sexuelle, als auch ihre sadistische. Beides braucht man, wenn man in den Genuss eines Toys kommen möchte.“

„Sie quält ihn?“

Milena lächelte. 

„Ja. Das muss sie sogar, sonst nimmt man ihr den Zwerg wieder weg. Auf längere Zeit gesehen, wäre sogar bei ihm die Möglichkeit da, dass sie sich in ihn verlieben könnte.“

Er blickte sie bestürzt an. Alles was sie ihm bisher von dieser Frauenherrschaft berichtet hatte, schien ihm wie aus einem Alptraum entsprungen zu sein. 

„Verschwinde jetzt. Sag deinen Anführerinnen, dass wir eine friedliche Koexistenz zu ihnen suchen, wenn sie die Männer freilassen und auf weitere Aggressionen uns gegenüber verzichten. 

„Mit welchem Recht forderst du das? Alle Männer haben sich freiwillig zu uns begeben, haben eine Strafe abzubüßen oder wurden in diese Rolle hinein geboren. Es ist unsere Kultur, kapierst du das nicht?“

„Nein, das tue ich nicht. Es ist so, wie ich es gesagt habe. Kommt ihr meiner Forderung nicht nach, wird Wanda euch dazu zwingen.“

Milena blickte zu der Maschinenfrau auf, die in diesem Moment auf einmal sehr unsicher wirkte. 

„Warte, Max. Bevor du ihr etwas versprichst, das ich nicht einhalten kann.“

Maximilian wandte sich zu Wanda um. 

„Wie meinst du das?“

„Greifen sie uns an, werden sie es bitter bereuen. Aber ansonsten mische ich mich nicht ein. Du, die Besucher und die Siedler sind meine Priorität, ansonsten verzettel ich mich und keiner ist in Sicherheit. Ich bin keine Göttin, Maximilian, die all deine Wünsche wahrwerden lassen kann, auch wenn du dir das erhoffst.“

Er schien mit ihren Worten zu hadern, widersprach ihr aber auch nicht. Vielleicht war es wirklich so? Dass sie fünf Stunden gebraucht hatte, um die Waffen zu beschädigen, zeigte ihm, dass etwas an ihren Worten dran sein musste. 

„Geh jetzt, Milena! Wir werden uns in der Zwischenzeit auf den Rückweg machen. Und keine Fisimatenten, bitte.“

„Du wiederholst dich.“ Die Menda blickte verächtlich zu ihnen rüber, machte vorsichtig ein paar erste Schritte und streckte sich. Die lange Zeit des gefesselt seins, hatte sie augenscheinlich ziemlich mitgenommen. 

Wanda ignorierte sie, breitete das Netz auf den Boden aus und hieß Maximilian hinein steigen. 

„Warum, Wanda?“

Flüsterte er ihr ins Ohr. Nachdem sie ihn auf ihren Rücken gehoben hatte. 

„Weil ich es nicht kann, Max. Ich komme nicht gegen sie an, im Moment.“

Maximilian blickte zu der Soldatin rüber, die jetzt langsame auf den Kontrollpunkt zuging, doch konnte er sich nicht vorstellen, dass seine Freundin diese Frau gemeint hatte. 

„Du redest vom Kee?“

Wanda lief los und gewann merklich an Geschwindigkeit. 

„Pass auf, wenn ich durch die Büsche breche.“

Maximilian duckte sich hinter ihr Genick, als auch schon die ersten Äste gegen ihren Kopf peitschten. 

„Antworte mir bitte.“

„Du hast Recht, ich meinte sie. Ich brauche mehr Kraft, Max. Sonst verliere ich die Kontrolle und finde mich selbst nicht mehr. Alles wirkt so verwirrend und verwaschen auf mich.“

Maximilian suchte sich ihre Worte zu erklären, doch je länger er über sie nachdachte, desto schwerer tat er sich damit. 

„Beschreibe es mir.“

„Ich habe es doch schon öfters versucht, Max. Ich habe keine Vorstellung davon, ob ich jetzt mit dir rede, oder ob sie es tut. Als wir uns kennengelernt haben, war alles so einfach und klar im Vergleich zu heute. Und je mehr Eindrücke ich mit ihr gewinne, desto mehr vermischt sich auch unser Denken, so kommt es mir zumindest vor.“

Sie beschleunigte ihre Schritte und ermahnte ihn dazu, sich gut festzuhalten. Dann übersprang sie einen kleinen Fluss und brach auf der anderen Uferseite durch ein dichtes Unterholz. Einige überraschte Rehe stoben davon, unter anderen Umständen eine willkommene Abwechslung für Maximilian. 

„Ihr werdet zu einem, meinst du?“

Wanda wich ein paar umgestürzten Bäumen aus, bevor sie ihm antworten konnte. 

„Im besten Falle ja. Im Schlechtesten werde ich mich ihr ergeben.“

„WANDA! Das darfst du nicht. Du liebst mich doch.“

Wanda lief kurz aus und blieb für einen Moment stehen. 

„Ob du es glaubst, oder nicht. Das tut sie auch. In diesem Punkt ticken wir gleich. Nur sie kann hassen und Freude am Jagen und Töten empfinden, verstehst du? Es macht ihr Spaß die Exempel zu statuieren, die man einst zur Abschreckung geplant hatte. Anfangs dachte ich, so etwas wäre für mich nicht ertragbar, doch siehe mich an. Ich wehre mich kaum noch dagegen. Ganz im Gegenteil, dieser Milena hätte ich gerne Gewalt angetan und sie für ihre Frechheiten büßen lassen. Stell dir jetzt aber vor, ich hätte mit den Mendas einen offenen Krieg angefangen. Es wäre danach von mir nichts mehr übrig geblieben, Max. Verstehst du mich jetzt?“
Maximilian hatte Mühe das Gehörte zu verarbeiten. Natürlich hatte er die Veränderungen an ihr bemerkt und auch ihre Erklärungen zur Kenntnis genommen, aber das Ausmaß des Ganzen begriff er erst jetzt. 

„Lass uns schöne Dinge schaffen und Frieden finden. Dann wird es das Kee sein, dass sich dir anpassen muss. Oder nicht?“

Wanda lachte verhalten. 

„Glaubst du wirklich, dass es so einfach sein kann?“ Sie dachte einen Moment lang über seine Worte nach. 

„Der Umkehrschluss, nicht wahr?“

Maximilian küsste sie am Nacken und biss ihr dann zärtlich ins Ohrläppchen. 

„Genau so. Du spürst es doch jedes Mal, wenn wir miteinander geschlafen haben.“

Sie gab ihm Recht. Mit jeder intimen Nähe, die er ihr gab, war sie wieder ein Stück weit sie selbst geworden.“

„Vielleicht hast du Recht und es gibt doch noch einen gangbaren Weg für mich.“ Stellte sie nachdenklich fest. „Gehen wir nach Hause, Max. Ich will die Sicherheit haben, dass mit unseren Lieben alles in Ordnung ist.“

Drei Stunden später hatten sie ihr Zuhause erreicht und wurden von aufgeregten Siedlern und Besuchern begrüßt, die sich allesamt um sie gesorgt hatten. In diesem Moment empfanden sie alle unbeschreibliche Erleichterung und fühlten sich durch sie gemeinsam verbunden. Gab es vielleicht doch noch Zuversicht? Wanda sah den Menschen in ihre Gesichter. Jeder von ihnen war doch voll davon in diesem Moment. Maximilian hatte wahrscheinlich wirklich den Kern der Sache getroffen. Solche Augenblicke wie dieser jetzt, gaben ihr etwas von ihrer Persönlichkeit zurück, von der sie in den letzten Wochen und Monaten so viel verloren hatte.

Maks kam angerauscht, streckte ihre dünnen Ärmchen nach ihr aus und ließ sich von ihr auf den Arm nehmen. Sofort vergrub das Mädchen ihren Kopf an Wandas Hals und stieß dabei einen befreienden Stoßseufzer aus. 

Manuel kam mit Soks auf den Schultern herbeigeeilt, umarmte Maximilian, fragte ihn nach der Oststadt aus, bekam aber nur abweisende Antworten. 

„Wartet doch bitte! Lasst uns erst einmal ankommen.“ Bat er die Leute.

Ein Lagerfeuer wurde angezündet, am Tag erlegtes Wild ausgenommen, zerteilt und auf einen Spieß gesteckt, Früchte und Teigfladen verteilt, die von den Frauen aus gefundenen Getreidepflanzen und Knollen bereitet worden waren, sowie Epapäckchen, die Wanda jeden Siedler und Besucher reichte. Ihr erster Krieg schien ausgefochten und diesen Umstand wollten sie alle miteinander feiern. Eine direkte Gefahr schien es für die kleine Siedlung die nächste Zeit nicht zu geben. 

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