K.E.E. Ein bisschen Apokalypse Teil 1

"Klappentext": 
Ein bisschen Scifi gefällig? Ein wenig Superheldin dabei? Ein wenig Chaos und Böses? Diese Geschichte sollte einfach mal etwas anderes werden. Und so habe ich mich daran gemacht mal die Wunschthematik eines mir sehr lieben Menschen aufzugreifen und zu verwursten. Ungefähr 550 Seiten in 10 Teilen. Viel Spaß beim Lesen! Eure Sena
~
~

 

Liebe Leser, 

bevor ich den 1.Teil dieser Geschichte hier einstelle, einen kleinen Hinweis: 

Diese Geschichte wurde bereits auf Amazon unter meinem Pseudonym Madame Mala veröffentlicht. Da ich mich dem Forum hier sehr verbunden fühle, möchte ich auch hier meine Geschichten in ihrer Gesamtheit veröffentlicht sehen. Einige von Euch haben mich schon unterstützt und sogar die E-Books gekauft, für den Support und die Hilfe bin ich euch sehr dankbar. Natürlich würde ich mich über weitere Unterstützung, vor allem durch Rezensionen eurerseits freuen. 

https://www.amazon.de/K-Ein-bisschen-Apokalypse/dp/1521773416

oder

https://www.neobooks.com/ebooks/madame-mala-k-e-e-ein-bisschen-apokalyps...

Die Teile werden wöchentlich reingestellt, diese Geschichte ist bereits fertiggeschrieben. 

Für Kritiken und Hinweise auf Fehler wäre ich euch sehr dankbar. 

Gruß und Umarmung!

 

Eure Sena

 

Kee, ein bisschen Apokalypse

 

1.  Masturbation im Archiv

Maximilian hielt seinen Blick auf den Monitor seines Arbeitsplatzes gerichtet. Umgeben von blassgrünen Sichtblenden, die ihn vor mehr als dreißig Jahren vor den Blicken seiner Kollegen geschützt hatten, fläzt er sich in den bequemen Bürostuhl seines ehemaligen Schichtleiters hinein. Genüsslich schob er dabei seine Hand unter den Bund seiner Trainingshose und freute sich auf die willkommene Abwechslung. 

In dem geöffneten Browserfenster auf dem Bildschirm seines Arbeitscomputers tauchte eine üppige Blondine auf, die völlig unbekleidet mit zielstrebigen Schritten ein sehr luxuriös eingerichtetes Wohnzimmer betrat. Die junge Frau blickte sich suchend um und näherte sich einem riesigen Sofa, auf dem es sich eine dralle Brünette bequem gemacht hatte. Unscheinbar und mädchenhaft wirkend, besaß diese Frau deutlich weniger Sexappeal als ihre Freundin, die neben einen kurvenreichen, sportlichen Körper auch ein sehr gleichmäßiges und attraktives Gesicht besaß. 

Dennoch interessierte sich Maximilian ausschließlich für das braunhaarige Mädchen, folgte ihrer Überraschung und weidete sich an ihrer Freude, als die Blondine sich mit nassen Haaren über die Lehne des Sitzmöbels beugte. Die Frauen begannen sich leidenschaftlich zu küssen und hielten sich dabei in den Armen. Max spürte eine tiefgreifende Erregung in sich, während er die beiden beobachtete, vor allem in dem Augenblick, als das Mauerblümchen unter der Hand ihrer Freundin aufstöhnte, die ihre linke Brust zu kneten begann. 

Mit zittrigen Fingern suchte er sein Glied, richtete dessen halberrigierten Schaft auf und strich mit den Fingerspitzen die Vorhaut zurück. Wie war es damals gewesen, als er das letzte Mal mit Mara geschlafen hatte? Wie hatte es sich für ihn angefühlt, als er sich zwischen ihre Schenkel hineingedrängt hatte, um die Enge ihrer Scheide zu spüren? 

Die Blondine kam um das Sofa herum, legte sich an die Seite ihrer Freundin und öffnete ungeniert deren Hose. Die beobachte sie dabei mit einem Blick, der deutlich widerspiegelte, dass dieses Zusammentreffen kein erstes war und sie genau darüber Bescheid wusste, was ihre Freundin mit ihr vor hatte. So hob sie ihren Oberkörper an, um sie zu küssen, stützte sich dabei mit ihrer linken Hand auf dem Sofa ab, um mit der Rechten über die Wange ihrer Liebsten zu streicheln. Sie wirkte devot und passiv, im Gegensatz zu ihrer Spielgefährtin, doch war es gerade dieser Zug an ihr, der Maximilian besonders gefiel. 

Schließlich half die Blonde ihrer Partnerin aus der Kleidung heraus, drückte sie anschließend mit einer wirschen Geste auf die Liegefläche zurück, um sich dann rittlings, auf deren Gesicht zu setzten. 

Ein heiseres Stöhnen dang aus ihren Mund heraus und es fiel Maximilian nicht schwer, sich vorzustellen, auf welche Weise die Frau mit den kurzen, braunen Haaren ihrer Freundin zu Diensten war. 

Wie sehr diese Darstellerin seiner früheren Freundin glich. Wie oft sie ihm schon geholfen hatte, seine Erinnerungen an diese Liebe zu erneuern. Manchmal, vielleicht auch heute, tauchten Details aus der Vergangenheit auf, kurze Momente, in denen er die Gegenwart seiner lieben Mara zu spüren glaubte. 

Jetzt kam die Stelle, in der sich die Blondine ihren großen birnenförmigen Brüsten widmete, sie zu massieren begann und schließlich ihren Unterleib anhob, um ihrer Partnerin Luft zukommen zu lassen. Im Anschluss drückte sie die üppigen Schenkel ihrer Spielpartnerin auseinander und versenkte ihr Gesicht in deren Schoß. 

Maximilian keuchte auf, als seine Bewegungen immer hektischer wurden. Seine Hand zur Faust geformt, hielt er darin sein Glied gefangen, drückte es zusammen, rieb es und schenkte sich damit einen intensiven geilen Reiz. In seiner Vorstellung war es aber diese Brünette, die ihm zu Diensten war oder aber Mara, seine Freundin. 

Sein Verstand schien regelrecht über diese Frage zu stolpern und alte Ängste drängten die Lust zurück, die er sich krampfhaft zu bewahren suchte. Dreißig Jahre!

Von jetzt auf gleich hatten die beiden Frauen ihre Bedeutung für ihn verloren. Sie waren tot, vernichtet, wie alles andere auch dort oben über ihm. Tränen bildeten sich in seinen Augen, der kurze Moment der Entspannung, er war nun endgültig für ihn vorbei. Stattdessen waren es seine Sorgen, Nöte und Ängste, sowie die Scham noch immer nicht den Mut zu besitzen seinem kläglichen Leben ein Ende zu setzen, die von ihm in diesen Moment Besitz ergriffen. 

 

2.  Stromausfall

Frustriert warf er einen letzten flüchtigen Blick auf den Monitor, sah der Blondine dabei zu, wie sie die Schamlippen ihrer Partnerin mit ihren Fingerspitzen auseinanderzog, und führte den Mauszeiger kurzentschlossen an den oberen rechten Rand des Fensters, um es zu schließen. Der kurze Moment des Glücks war, wie schon so oft zuvor, für ihn verloren gegangen. 

Maximilian stand aus dem bequemen Sessel auf, verließ seine Kabine und suchte seinen Weg durch die Gänge des Großraumbüros. Zweihundert Angestellte hatten hier einst die Großrechenanlage kontrolliert und gewartet, mit Daten gefüttert und auf den aktuellen Stand gehalten. Im Vorübergehen warf er einen Blick in die Kabine Elsas. Eine um zehn Jahre ältere Kollegin, die ihm durch seine Anfängerzeit hindurch geholfen hatte und ihm dabei zur Freundin geworden war. Fotos ihrer Familie hingen noch an den Trennwänden ihrer Kabine, genauso wie die bunten Papierblumen, die eine ihrer Töchter in der Kita gebastelt hatte. So wie diese kleine Parzelle, erzählten auch alle anderen eine Geschichte von seinen früheren Kollegen und Maximilian hatte ihnen über die Jahre hinweg dabei geholfen, diese zu bewahren. Es war eine von seinen vielen Arbeiten, die ihn durch seinen trostlosen Tag hindurch retteten. 

Trat man aus dem Büro hinaus auf den Hauptgang, konnte man auf seiner gegenüberliegenden Seite, direkt in die Toilettenräume gelangen. Ging man ihn links hinunter, kam man zur Schleuse, Zugangsaufsicht und dem Aufzugsschacht, ging man ihn rechts entlang, fand man die Serverhalle A und die Datensicherungsabteilung, sowie den Abschnitt B mit dem Areal des Bundesnachrichtendienstes. Letzterem hatte er es zu verdanken, dass er noch lebte, denn der Dienst hatte sich in diesem Bunkersystem einen Rückzugsort geschaffen, der seinen Mitarbeitern in einem Notfall für viele Monate Schutz und Obdach geboten hätte. Ironie, wie Maximilian heute befand. 

Im Abschnitt B lag auch die kleine Kantine, in der es am Morgen ein Frühstück und mittags eine warme Mahlzeit gegeben hatte. Alles was man benötigte, um sich ein warmes Essen zu kochen, befand sich dort. So bereitete sich Max Konserven zu, die auch jetzt noch, nach mehr als dreißig Jahren für ihn genießbar geblieben waren. 

Er brauchte nicht nach den Dosenöffner suchen, es gab mehrere und so hatte er sich bisher nie in dieser Richtung Sorgen machen müssen. Zum Glück für ihn gab es fast alles mehrfach und so konnte er selbst im Schadensfall seine Verluste bisher in für ihn erträgliche Grenzen halten. 

Mandarinen?! Er hielt die Dose in den Schein des Deckenlichts und untersuchte ihre Hülle umsichtig. Die Wandung schien in Ordnung zu sein, nirgends war Rost oder eine Schadstelle zu erkennen. Er drehte sie noch einmal in seiner Hand, schüttelte sie und öffnete sie schließlich vorsichtig. Der fruchtige Duft, der in seine Nase stieg, weckte wieder seine Lebensgeister und so holte er sich eine Schüssel, um die Früchte hinein zu geben. Was würde er morgen essen? Vielleicht sich eine EPA aufmachen? Diese Armeerationen schmeckten nur mäßig, deckten aber seinen Bedarf zuverlässig. Auch sie hatten sich als sehr haltbar erwiesen und bisher hatte er keine Mangelerscheinung, geschweige denn Erkrankung an sich beobachten können. 

In dem Moment, in dem er den Löffel in den tiefen Teller tauchte und nach dem ersten Fruchtstück fischte, begann das Deckelicht zu flackern, erlosch für einen kurzen Augenblick ganz und wurde kurz darauf wieder hell. Es war nicht nur eine der Röhren gewesen, sie alle waren gleichzeitig ausgegangen, auch die draußen im Gang. Ungewöhnlich, denn beide Beleuchtungssysteme wurden durch verschiedene Sicherungen von einander getrennt. 

Maximilian verfiel in eine Art Schockstarre, aus der er sich nur mit Mühe wieder herauslösen konnte. In all den Jahren hatten zwar vereinzelte Leuchtmittel immer wieder einmal schlapp gemacht, aber einen Totalausfall wie diesen, hatte es bisher nicht gegeben. 

Vergessen war das Essen, trotz seines Appetits, trotz des Hungers, der gerade noch sein ganzes Denken und Handeln beherrscht hatte. Es stimmte etwas nicht! Hektisch stand er vom Tisch auf und eilte hinaus auf den Gang. In der Serverhalle gab es ein Steuerungsterminal, über das die Daten aus allen Umweltsensoren und Systemüberwachungsmodulen des Bunkers zusammenliefen. Es würde ihm offenbaren wo das Problem lag, auch wenn er wenig tun konnte, um es gegebenenfalls zu beheben. 

Kaum das er die Halle betreten und sie mit eiligen Schritten durchquert hatte, blieb er erschrocken vor dem Pult, mit dem Dutzend in der Konsole eingelassenen Monitoren, stehen. Das konnte doch nicht wahr sein! Langsam näherte er sich dieser Kontroll- und Schaltzentrale, so als ob sie es war, von der eine Gefahr hätte ausgehen können. Monitor sieben, acht und neun zeigten ein Bild! Maximilian wollte seinen Augen nicht trauen. War heute denn alles verrückt geworden? Erst das Licht, jetzt die Monitore? 

Die Batterie! Sie zeigte neunundneunzig Prozent. Auch das war zuvor noch nie da gewesen. Stromschwankungen ja, auch einen kurzen Kraftwerksausfall, doch noch nie eine Situation, die ein Hundertstel der Batteriekapazität gekostet hätte. 

Sorge machte sich in ihm breit, begleitet von einer tiefen Unruhe. Es musste etwas passiert sein und er hatte keinerlei Vorstellung davon, was das gewesen sein könnte. 

Er warf einen genaueren Blick auf die drei sonst inaktiven Displays. Sie zeigten ihm Räume an, die er zuvor noch nie gesehen hatte! Auf den ersten beiden konnte man einen Laborbereich erkennen und der dritte zeigte einen Operationstisch, den es hier, in seinem ihm bekannten Teil des Bunkers, gar nicht gab. 

In seinen Kopf begann es zu arbeiten. Warum gab es dort Überwachungskameras? Und warum waren sie ausgerechnet zu einem Zeitpunkt aktiviert worden, in dem es einen Stromausfall gegeben hatte? Maximilian blickte hinauf zur Decke. Licht! Sollte es vergehen, hätte sein Leben damit ein Ende gefunden. Sein Blick blieb an dem Monitor haften, der neben vielen anderen Werten auch die Energiereserven aufzeigte. Neunundneunzig Prozent, unverändert. Fingen sie nicht praktisch sofort an, wenn nicht genügend Energie produziert wurde, um die Akkumulatoren zu laden? Schon bei dem kleinsten Verbrauch an Kapazität?

Das Kraftwerk arbeitete normal, es würde sicher den verloren gegangen Strom ersetzen. Doch was war der Auslöser für den Totalausfall gewesen? Das ganze System hatte sich heruntergefahren und war dann wieder kontrolliert gestartet. Alle Notfallsysteme hatten gegriffen. 

Ein OP-Tisch. Maximilian überlegte fieberhaft und suchte verzweifelt nach einem Zusammenhang. Was konnte dieser mit dem Archiv oder dem Geheimdienst zu tun haben? Vielleicht als medizinische Notfalleinrichtung? Aber warum wurde er dann im Verborgenen gehalten? Und wo war der Zugang zu ihm? 

 

3.  Die Suche nach dem Unbekannten

Zum ersten Mal seit vielen Jahren kam ihm so etwas wie ein Hoffnungsschimmer in den Sinn. Wenn diese Räume nicht über die ihm bekannte Schleuse betreten worden sind, gab es vielleicht noch einen zweiten Aufzug zu dem Bunkersystem. Diese Möglichkeit schien ihm plausibel, denn soweit er wusste, hatte es zwei Schächte gegeben, als das Bergwerk noch im Betrieb gewesen war. Vielleicht war er es gewesen, der die zusätzliche Energie verbraucht hatte? Vielleicht war jemand auf dem Weg zu ihm? Maximilian wusste nicht, ob er sich über diese Möglichkeit freuen oder nicht doch eher fürchten sollte. Über ihm war alles zerstört worden und vielleicht gab es jetzt Überlebende, die sich in das Gebiet zurückgewagt hatten, um es zu plündern?

Er trat auf den Gang hinaus und ging ihn links entlang in den ehemaligen Speerbereich des Geheimdienstes. Damals war man nur mit einer entsprechenden Zugangskarte hineingelassen worden, gelb für die Geheimdienstler, weiß für die Mitarbeiter des Archivs. Lager, Büro, Verwaltung und die gemeinsame Kantine lagen hier. Es war ihm damals wie ein Wunder vorgekommen, dass er alles in diesem Bereich für sich hatte nutzen und verwerten können. 

Maximilian blickte sich suchend um. Nichts deutete auf eine Veränderung hin und dennoch fühlte er sich bedroht. Warum war das so? Nur wegen diesen Anomalien in seinem sonst so tristen und sich ständig wiederholenden Leben? Es gab Waffen, er brauchte sich nur welche zu holen. Er hatte mit ihnen geübt und konnte mittlerweile sowohl mit der Pistole, als auch Mpi und Sturmgewehr umgehen. 

Waren diese Übungen eher aus der Langeweile heraus erfolgt, fühlte er sich in diesem Moment wirklich sicherer, wenn er sich eine der Waffen holen ging. Also lief er zurück ins Lager, schloss einen der dort befindlichen Stahlschränke auf und nahm sich eine damals sehr moderne Maschinenpistole, nebst drei Magazinen. Die kompakte Waffe war völlig ausreichend und würde ihn nicht weiter bei seiner Suche behindern.

Er musste diese Räume finden. Irgendwo gab es eine verborgene Tür oder bewegliche Wand. Sorgsam maß er die Räume mit seinen Schritten aus, machte sich eine Skizze und stellte seine Überlegungen an. Er hatte die Gabe sich auf etwas zu konzentrieren und sich nicht von einem Vorhaben ablenken zu lassen. Umso frustrierender war jetzt für ihn das ausbleibende Ergebnis. Egal wie er es drehte oder wendete, der Bunker gab ihm sein Geheimnis nicht preis. 

In der Verwaltung des Nachrichtendienstes setzte er sich an einem der Arbeitsplätze. Auch hier funktionierte noch alles, nur hatte er keine Zugangsberechtigung. Selbst mit einem Hacktool war es ihm bisher nicht gelungen, die Verschlüsselung des Systems auszuhebeln. Wäre vielleicht auf dem Rechner vor ihm eine Erklärung zu finden?

Maximilian rieb sich die Augen. Er hatte eigentlich schon vor Stunden zu Bett gehen wollen. Sollte er aufgeben? Wut stieg in ihm auf, das Ganze ließ ihm einfach keine Ruhe mehr! Was war hier los? Warum war nicht alles so geblieben wie in all den Jahren zuvor? Noch einmal strich er mit seiner Hand über den kalten Putz. Und wenn es Hohlräume dahinter gab? Er brauchte nur ein geeignetes Werkzeug, um nach ihnen zu suchen. Es gab ein wenig davon im Lager, auch ein mittelgroßer Hammer war darunter. Vielleicht reichte er aus, um etwas hinter den Wänden auszumachen?

Er holte ihn, zog sich seinen Pullover vom Oberkörper und stellte sich an der östlichen Verwaltungsbürowand in Position. Er würde jetzt wohl ordentlich ins Schwitzen kommen, denn harte körperliche Arbeit war er nicht gewohnt. So holte er aus und ließ den Hammerkopf ein erstes Mal gegen die Wand krachen. Eine halbe Stunde später schien sein Körper tatsächlich wie in Schweiß gebadet worden zu sein. Maximilians Haare hingen klitschnass in seine Stirn hinunter, und auch sein Unterhemd war fleckig und feucht geworden. Sein Handgelenk schmerzte wie verrückt und so gab er fürs erste seine Forschungsarbeit auf, nachdem er jetzt die ganze Ostseite des Bunkertrakts abgeklopft hatte. Überall hatte sich der Beton dumpf angehört, ohne sich dabei auch nur ein einziges Mal im Widerklang geändert zu haben. Es gab dahinter anscheinend wirklich nur Fels und Erde, sein Hoffen war vergebens gewesen. 

„Zeit für´s Bett.“ Sprach er sich selbst zu. Manchmal halfen ihm Selbstgespräche, um sich zu beruhigen.

Kurz überlegte er, ob er noch einmal an seinen Arbeitsplatz zurückkehren und sich die brünette Pornodarstellerin ansehen sollte. Vielleicht klappte es jetzt? Erregung stieg in ihm auf, es war ja nicht so, dass er es nicht nötig gehabt hätte. 

In dem Moment, in dem er sich zurück in den Gang begeben wollte, hörte er etwas hinter sich, leise und dumpf aus der Mauer herausklingen. Es war kaum hörbar gewesen, vielleicht bildete er sich das alles nur ein? Er erstarrte, zitterte vor Aufregung am ganzen Körper und drehte sich wieder zur Mauer um. 

Nichts! Er trat näher an sie heran, drückte die linke Seite seines Kopfes gegen die Wand und lauschte. 

DA! Er konnte es wieder hören! Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem Kratzen. Suchte man ihn vielleicht zu befreien? Vielleicht hatten sich die Verhältnisse an der Oberfläche inzwischen geklärt? Was für eine Illusion! Als ob es hier um ihn selbst ging. Nein. Es musste das Archiv sein! Schließlich wurde hier das gesamte, weltweit verfügbare Internet gebackupt. Ein gewaltiger Datensatz von unschätzbaren Wert. 

Noch weitere vier oder fünf Stöße, dann wurde es wieder ruhig. Gab man auf? Das durfte nicht sein! Es war seine Chance auf Befreiung! Er hob den Hammer an die Wand, holte aus und schlug kraftvoll zu. Vergessen waren die vorangegangenen Anstrengungen und so ließ er den Kopf seines Werkzeuges viermal hintereinander kraftvoll gegen die Wand krachen. Dann lauschte er angestrengt, sein rechtes Ohr an die Wand pressend. 

Er konnte sie hören, die Schläge. Sie waren wieder da und auch das Kratzen wurden jetzt merklich lauter. Es drang in einem kürzeren Intervall als zuvor aus der Wand heraus, man hatte ihn also gehört.

Wie weit mochten seine Retter entfernt sein? Eine Frage, die er nur schwer beantworten konnte. Stein absorbierte normalerweise jedes Geräusch, dass es dennoch an sein Ohr drang, konnte nur auf ein kraftvolles Werkzeug, oder eben eine kurze Distanz hindeuten. 

„KOMMT! BITTE! GEBT NICHT AUF!“ Schrie er. Auf der anderen Wandseite wurde es still.

Die Schläge, sie hatten aufgehört. Hatte man ihn rufen gehört?

„HALLO!? HÖREN SIE MICH?“ 

Ein dumpfer Stoß, gefolgt von einem lauten Rieselgeräusch. Maximilian lauschte gebannt nach jeder noch so kleinen Veränderung. Sie konnten nicht mehr weit sein. Eine halbe Stunde später, er traute kaum seinen Augen, bröselte Putz von der Wand herunter. Zusätzlich bekam sie Risse, die sich mit jedem weiteren, lautstarken Stoß zu vergrößern schienen. Maximilian standen die Tränen in den Augen. FREIHEIT! 

„HALLO? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?“    

Die Schläge verstummten und die alte Unsicherheit kehrte sofort in Maximilians Empfinden zurück. 

„WER SIND SIE?“ Fragte er erneut. 

Keine Antwort. Oder doch eine? Maximilian blickte auf die Waffe herunter, die neben ihm auf den Boden lag. Hektisch zog er sie an ihrem Riemen zu sich heran und überlegte, ob er sich nicht doch lieber noch mehr Munition holen sollte. Was wenn man ihn gar nicht befreien wollte? Vielleicht ging es ja um etwas ganz anderes?

 

4.  Mysteriöse Erscheinung

„Hallo!?“ 

Maximilian schrak zusammen. Eine fremde Stimme! Noch dazu eine Weibliche! Er hatte sie genau gehört, wenn auch sehr leise. 

„ICH KANN SIE VERSTEHEN!“ Schrie Maximilian wie wahnsinnig auf. 

„Seien sie nicht so laut! Ihre Stimme tut mir in meinen Ohren weh.“ Kam es leise zurück. 

Hatte er die Frau wirklich richtig verstanden?

„ABER ICH VERSTEHE SIE KAUM. KÖNNEN SIE VIELLEICHT LAUTER SPRECHEN?“    

Die Frau am anderen Ende der Wandseite antwortete erst nach einem langen Moment. Auch sie schien sich zu wundern. 

„VERSTEHEN SIE MICH JETZT BESSER? KÖNNEN SIE BITTE LEISER SPRECHEN, DAS WÄRE HERZALLERLIEBST.“

Maximilian glaubte nicht, seinen Ohren trauen zu können. Hatte diese Frau wirklich herzallerliebst zu ihm gesagt?

„KÖNNEN SIE MIR VIELLEICHT HELFEN? DANN WÜRDE ES SCHNELLER GEHEN.“ Fragte ihn die Fremde.

„Aber ich habe kein passendes Werkzeug. Die Wand ist viel zu hart.“ Erwiderte Maximilian frustriert.

„UND WARUM GEHT ES DANN AUF MEINER SEITE?“

Maximilian Bauch krampfte und Übelkeit breitete sich in seinem Unterleib aus. Tausend Fragen wollte er dieser Frau stellen, die kam um ihn zu befreien und dennoch musste er sich gedulden, bis sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden. 

„ICH BIN HIER GANZ ALLEIN, WISSEN SIE? ICH HABE KEINE HILFE!“ Stellte Maximilian seine Situation dar.

„SIE SOLLEN DOCH NICHT SO SCHREIEN, IHRE STIMME TUT MIR IN MEINEN OHREN WEH.“

Maximilian fasste sich an seine Stirn. Er stieß nach der Apokalypse und dreißig langen Jahren auf die erste Frau und schon wurde er von der Situation überfordert. Er zog es vor nichts mehr zu sagen und einfach abzuwarten. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis ...

Er schrak von der Wand zurück, als eine silbrigmetallen glänzende Kralle durch den Putz hindurchdrang. Spitz zulaufend und wie ein verlängerter Fingernagel wirkend, schien sie keinerlei Schaden genommen zu haben, als sie von ihrem Besitzer durch den Stein hindurchgedrückt worden war. 

Um das kleine Loch herum bröckelte es, dann wurden zwei weitere Fingerspitzen sichtbar. Auch sie besaßen diese Bewährung und wirkten überhaupt überdimensioniert und seltsam mechanisch auf Maximilian. Sie schienen nicht menschlich zu sein, waren von einem wabenförmigen glänzenden Material umhüllt und an den Gelenken und Fingerrücken mit Verstrebungen und Protektoren geschützt, ähnlich denen eines Polizeihandschuhs. 

„Hallo! Ich bin die Wanda. Schön sie kennenzulernen.“

Drang die Stimme der Frau jetzt klar und deutlich an Maximilians Ohr. 

„Was sind sie?“ Er konnte seine Unsicherheit vor dieser seltsamen Erscheinung nicht verbergen und hielt die Maschinenwaffe hinter seinem Rücken verborgen.

„Wie bitte?“ Fragte die Fremde mit verwunderter Miene zurück.

„Sind sie ein Mensch?“ Stotterte der Bunkerbewohner, ängstlich Abstand zu diesem seltsamen Gebilde suchend. 

„Na das hoffe ich doch. Sie auch?“ Ein heiteres Lachen drang in Maximilians Ohr. „Wollen sie mir nicht ihren Namen sagen? Dann wäre schon mal ein Stück vom Eis gebrochen.“ Schlug sie ihm vor. 

Maximilian zeigte sich völlig überfordert mit dieser Situation. Nach dreißig Jahren traf er auf Leben und dieses plauderte mit ihm, als hätte man sich gerade in der Kneipe kennengelernt.

„Kommen sie, um mich zu befreien?“ Fragte er die Fremde.

Hinter dem Wanddurchbruch wurde jetzt ein bildhübsches Frauengesicht sichtbar. Blaue Augen mit langen schwarzen Wimpern, feingliedrige Augenbrauen, Stupsnase und hohen Wangenknochen. Dabei wurde es von einem üppigen Kussmund abgerundet und stellte damit eine der schönsten Erscheinungen dieser Art da, die Maximilian bisher in seinem Leben zu Gesicht bekommen hatte. 

„Ich befreie sie?“ Kam von ihr die Gegenfrage. 

Die Züge der jungen Frau wirkten in diesem Moment unsicher. 

„Sie schob jetzt ihren ganzen Arm durch das Loch, schien es ohne Mühe dabei zu vergrößern und bog mit ihrer linken Hand ein paar Stahlstreben zur Seite, so als ob es sich bei diesen um Blumendraht handeln würde. 

Maximilian konnte nicht begreifen, was er da sah. Ängstlich wich er vor dem Loch zurück und wäre am liebsten weggelaufen. Das Wesen dort, dass sich in diesem Augenblick durch den Spalt zwängte, konnte kein Mensch sein. Es glich viel eher einem Roboter, oder Droiden aus einem Sciencefictionfilm. Die gesamte Haut, bis hinauf zum Hals bildete dieser schwarze, in kleinen Poren aufgegliederte Stoff, den er schon an ihrer Hand bemerkt hatte. Wie schon bei den Fingern, wurde auch er an allen wichtigen Körperteilen und Glieder durch mattschwarze Beschläge, Einfassungen und Protektoren geschützt. Dabei schien es sich um ein regelrechtes Exoskelett zu handeln. Die Figur einer Frau blieb dabei nicht nur erhalten, nein, der weibliche Körper wurde übertrieben und nur auf eine sexuelle Wirkung hin dargestellt. Riesige Brüste, eine viel zu schmale Teile und ein sehr breites Becken spiegelte die idealisierte Vorstellung einer fruchtbaren Frau wieder. Dabei wurden Bauchmuskeln und Oberschenkel durch Beschläge definiert, genauso wie auch Schulter und Wadenmuskulatur. So wirkte diese Gestalt einerseits wie ein Maschinenmensch auf Maximilian und anderseits wie ein nacktes Busenwunder. Sogar die Scham war durch einem metallenen Schild nachgebildet worden. 

„Was starren sie mich denn so entgeistert an? Es wäre schön, wenn sie mir aufhelfen würden, wie es sich für einen Mann mit guter Erziehung gebührt.“ Jammerte die Fremde, nachdem sie auf ihre Knie heruntersank. Sie schien Probleme mit der Koordination ihrer Bewegungen zu haben. 

Maximilian konnte gar nicht anders als ihren Wunsch nachzukommen. Dabei kam er sich wie ein kleiner Junge vor, der seiner Mutter aufhalf. Denn dieses seltsame Wesen war riesengroß!

Auch die Frau schien überrascht, blickte fragend auf ihn herunter und druckste herum. 

„Ich möchte ja nicht beleidigend auf sie wirken, aber sind sie ein Kleinwüchsiger?

Maximilian starrte sie entgeistert an. 

„Was? Ich? Nein!“

Er blickte an sich herunter und anschließend wieder zu ihr auf. Sie überragte ihn um zwei Köpfe!

„Ich bin ein Meter vierundachtzig groß.“ Stellte er entgeistert fest.

„Jetzt reden sie mal keinen Unsinn. Ich bin gerade mal ein Meter vierundsechzig, wie können sie da ...“

Maximlian deutete mit seinem rechten Zeigefinger auf die Decke über ihnen. Die Frau trug ein schwarzes Barett und dieses scheuerte bereits am Mauerwerk. 

„Das kann doch nicht wahr sein!“ Ungläubig hob sie ihre rechte Hand an die Betondecke, strich mit ihren Zeigefinger über den Stein und blickte anschließend vor sich und wäre dabei beinah gestürzt. Sie wirkte unbeholfen und wackelig auf ihren Beinen. 

Maximilian spürte, dass ihre Aufregung nicht gespielt war. Sie erweckte bei ihm den Anschein, dass sie mit sich selbst noch weniger anfangen konnte, als er und schien zu begreifen, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmte. 

„Meinen sie, ich könnte mich hier irgendwo umziehen?“ Fragte sie ihn schließlich.

Der Bewohner des Archivs kratze sich nachdenklich an seinem Hinterkopf. 

„Es gibt hier Toiletten- und Duschräume. Aber was wollen sie anziehen?“

Die Frau wirkte in diesem Moment verschämt. 

„Ich würde mich erst einmal nur gerne ausziehen, verstehen sie?“

Sie zeigte sich erst verlegen und dann ganz offen ihre Verunsicherung. 

„Das klingt jetzt irgendwie seltsam ich weiß.“

Maximilians Blick blieb an ihrem riesigen Dekolette hängen. Was für eine Größe würde es ausmachen? G? Vielleicht auch H?

„Starren sie mich nicht so an! Das ist mir unangenehm.“

Maximilian erschrak und Röte stieg in sein Gesicht. 

„Kommen sie! Ich zeige ihnen alles.“ Versuchte er, von diesem peinlichen Moment abzulenken. 

Die Riesin wankte und setzte langsam und seltsam andächtig einen Fuß vor den anderen. Fast wäre sie dabei gestolpert und der Länge nach hingeschlagen. Ihr Gang glich dem eines behinderten Menschen oder Betrunkenen in diesem Moment. 

„Sind sie verletzt?“ Fragte Maximilian sie besorgt.

Sie verneinte und stützte sich auf einem der Schreibtische ab, so als ob sie sich auf dem Deck eines Schiffes im Sturm bewegen würde. 

„Nein, aber meine Nerven scheinen verrückt zu spielen. Ich versuche meine Beine ganz behutsam zu bewegen, und sie schlagen regelrecht aus dabei.  Bei meinen Armen und Fingern ist es ähnlich, so als ob ich meine Kraft nicht mehr richtig dosieren kann.“

Ihr lief eine Träne aus dem rechten Auge, die sie sich, peinlich berührt, mit ihrem linken Unterarm wegzuwischen suchte. Dabei führte sie diese Bewegung so heftig aus, dass sie sich selbst mit voller Wucht ins Gesicht schlug. 

Ein geller Aufschrei wurde laut, dann krachte ihr massiger Körper auf den Boden herunter. 

„Aua!“ 

Maximilian sprang ihr bei, wollte ihr Gesicht und ihren Kopf untersuchen, fand beides aber völlig unbeschadet. Im Anschluss wollte er ihr das Barrett abnehmen, doch es ließ sich keinen Millimeter bewegen. 

„Helfen sie mir bitte. Ich will das ausziehen.“

Sie weinte und es tat Maximilian weh, sie so zu sehen. Er streichelte vorsichtig über ihre Wange und wunderte sich wie glatt und hart sich dabei ihre Porenhaut anfühlte. 

„Das heißt, sie sahen vorher anders aus?“

Sie blickte ihn erschrocken an. 

„Wie meinen sie das?“

Maximilian suchte sie nicht zu überfordern und fragte anders. 

„Woran erinnern sie sich denn als Letztes? Ich meine, als alles noch für sie in gewohnten Bahnen gelaufen ist. 

„Ich habe im letzten Monat ein Vorstellungsgespräch gehabt und sollte im Sekretariat des U-Turms anfangen. Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist der medizinische Eignungstest. Ich sollte mich auf eine Behandlungsliege legen und ein paar Fragen beantworten. Danach wäre dann mein Körper an die Reihe gewesen. Es war von der Berufsgenossenschaft die Rede oder so ähnlich ...“

„Und dann?“

„Ich bin in diesem Operationssaal aufgewacht. Ich konnte mich nicht bewegen, weil meine Arme und Beine von diesen Klammern gehalten wurden. Ich habe gerufen und um Hilfe geschrien, doch es war niemand da, der mich hätte hören können.“

„Sie lagen die ganze Zeit gefesselt auf diesem Tisch?“

Die Frau blickte ihn seltsam an. 

„Was meinen sie mit ‚ganze Zeit‘?“

Maximilian stütze ihren mächtigen Körper so gut es ging und half ihr beim Aufstehen.

„Welches Datum haben wir?“ Fragte er sie mit gebrochener Stimme.

Sie lächelte mitleidig, so als ob sie an seinen Verstand zweifeln würde. 

„Ich weiß natürlich nicht, ob ich ein paar Tage verschlafen habe, aber es müsste der 20. Dezember sein, denke ich.“

„Und welches Jahr?“

Die Frau erstarrte. 

„Was soll diese komische Frage denn? Zweitausendundsiebzehn, selbstverständlich.“

Maximilian dachte nach. Diese Frau lebte also in ihrer Vorstellung noch in der Zeit vor der nuklearen Katastrophe. Und sie sah sich als eine normale Person, ihr ganzes Verhalten und auch der bisherige Dialog sprachen dafür. 

„Kommen Sie! Wir gehen jetzt der Sache auf den Grund.“

Er führte sie, so gut es ging, versuchte ihr Gewicht zu tragen und gab ihr die Zeit, die sie brauchte, um einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es ging jetzt etwas besser als zuvor und nach ein paar Minuten erreichten sie die sanitären Einrichtungen des Bunkerkomplexes. 

„Wir sind da, sie müssen dort hinein.“

Er deutete auf die Tür der Damentoilette.

„Kommen sie denn nicht mit?! Ich weiß nicht, ob ich mich alleine ausziehen kann.“ Fragte sie ihn sehr direkt.

Maximilian erinnerte sich daran, wie sich die Frau selbst ins Gesicht geschlagen hatte. Wie ein Spastiker schien sie nicht dazu in der Lage zu sein, ihre Muskeln zu steuern. 

„Sie wollen, dass ich sie ...?“ Fragte er verblüfft.

Sie lächelte. 

„Es geht ja nicht anders, oder? Sie machen einen vernünftigen Eindruck auf mich und werden sicher auch schon mal eine nackte Frau gesehen haben, oder etwa nicht? Sie können mir ja gleich helfen und meine Blöße bedecken. Haben sie vielleicht ein paar Handtücher da?“

Er bejahte ihre Frage in einem unsicheren Ton, half ihr dabei sich auf eine schmale Holzbank zu setzen, die unter dem Gewicht ihres schweren Körpers ächzte und verließ im Anschluss Raum. Er kochte seine Wäsche in dem Kessel der Kantine aus und hängte sie dort auch zum Trocknen auf. Dafür hatte er Kabel durch die ganze Küche gespannt und seine Hosen, Shirts und Tücher darüber gehängt. Alles Bestände der Bundeswehr, die er im Lagerinventar des Geheimdienstes gefunden hatte. 

„Reichen die? Sie sind eigentlich zu klein für ihre Größe.“ Fragte er seine neue Bekannte, nachdem er das Gefragte geholt hatte.

Ihre blauen Augen strahlten ihn an in diesem Moment und zeigten ihm ihre Dankbarkeit.
 
„Sie sind lieb, wissen sie das? Ich verstehe das alles nicht. Ich war eher klein, wissen sie? Und jetzt bin ich solch ein Elefantenbaby?“

Sie hielt sich eines der Tücher vor ihr mächtiges Dekolleté und tatsächlich bedeckte es nur die Hälfte davon. 

„Wie kann ich ihnen jetzt helfen?“ Fragte er sie unsicher.

Sie blickte ihn erstaunt an. Sie wusste es ja selbst nicht genau. 

„Sehen sie vielleicht einen Reißverschluss oder irgendwelche Knöpfe?“

Maximilian untersuchte ihren Körper genau, fand aber nichts dergleichen. Stattdessen berauschte er sich an ihren Duft, der blumig und markant auf ihn wirkte. 

„Sie riechen gut, wissen sie das? Haben sie das Parfüm irgendwo gefunden?“

„Ich nehme gar keins.“ Sie roch an ihrem Handgelenk und blickte ihn skeptisch an. „Ehrlich nicht.“ 

Langsam hörte er auf, sich über etwas zu wundern. 

„Also ich sehe nichts, was auf einen Mechanismus hindeutet. Und wenn ich mir den Übergang an ihren Hals ansehe ..., zur Gesichtshaut meine ich.“

Ihre Porenhaut schien nahtlos in die ihres Gesichtes überzuwechseln. 

„Aber das kann doch nicht sein. Helfen sie mir aus dem Ding heraus, bitte!“ Sie flehte ihn an und ihre Tränen flossen in Strömen ihre Wangen herunter. 

„Wanda! Beruhigen sie sich. Wir klären das alles, einverstanden?“ 

Er fasste sie an ihren Unterarm und streichelte vorsichtig über diese seltsame Porenhaut hinweg. 

Sie schrak auf und entzog sie ihm dabei so energisch, dass sie beinahe von der Bank heruntergerutscht wäre. 

„Entschuldigen sie, ich wollte ihnen nicht ...“ Versuchte Maximilian, sich bei ihr zu entschuldigen.

Ihre hellblauen, stark geröteten Augen starrten ihn entgeistert an. 

„Ich fühle sie!“

Maximilian stutzte. 

„Wie meinen sie das? 

„Wenn sie mich anfassen! Das ist mir vorher gar nicht so bewusst geworden, aber ich spüre ihre Berührungen sehr intensiv.“

Sie blickte sich suchend um. 

„Gibt es hier einen Spiegel, in dem ich mich sehen kann?“

Maximilians Blick wanderte zu den kleinen Spiegeln hinüber, die sich über den Waschbecken auf der anderen Seite des Raums befanden. Tatsächlich waren sie aber um einiges zu niedrig angebracht worden, als das sich Wanda in ihnen ungehindert hätte betrachten können. 

„Nein, einen für sie Geeigneten leider nicht. Aber ich habe eine Idee, wie sie sich dennoch in Augenschein nehmen können.“

Wanda blickte ihn schweigend an, hob betont vorsichtig ihren Unterarm zu ihrem Gesicht hinauf und wischte sich, wie in Zeitlupe, über die Augen. Ihre Tränen liefen unentwegt, während sie selbst mit aller Anstrengung ihre Fassung zu bewahren suchte. Wenigstens schlug sie sich dieses Mal nicht dabei.

„Kommen sie mit. Vielleicht wird ihnen leichter, wenn sie sich im Ganzen sehen können.“

Sie atmete tief durch und nickte ihm zu. Selbst jetzt im Sitzen, war sie fast genauso groß wie er. 

„An ihre Größe werde ich mich erst noch gewöhnen müssen. Geht´s?“ Fragte er sie. 

Sie stand vorsichtig auf, ließ sich von Maximilian helfen und hielt ihn weiter an seiner Hand fest. Es sah jetzt vollends so aus, als ob ein kleiner Junge neben seiner Mutter herlaufen würde. 

„Ihre Hand fühlt sich überhaupt nicht kalt an. Eigentlich sogar sehr warm.“

Wanda schien von seinen Feststellungen nichts mehr hören zu wollen. 

„Bitte, können wir erst einmal nicht mehr davon sprechen?“

Maximilian versprach es ihr und führte sie in einen kleinen Raum hinein, der vor der Katastrophe als Konferenzraum gedient hatte. Er bat sie vor einer Leinwand stehen zu bleiben, holte einen Laptop aus dem Großraumbüro, verband es mit einer Stromsteckdose und klappte es auf. Er richtete dabei die kleine Webcam auf Wanda und hoffte, dass ihre Qualität zu diesem Zweck ausreichte. 

„Noch einen kleinen Moment dauert es, dann können sie sich betrachten.“

Sie antwortete ihm nicht, zeigte ihm aber durch ein Nicken an, dass sie ihn verstanden hatte. 

Langsam heizte sich die Projektorlampe des Beamers auf, dann warf er einen erst sehr matten, dann zusehens helleren Schein an die Wand. Sein Lüfter sprang an und ließ ein weiches Rauschen hören. Schon wurden blasse Schemen eines Frauenkörpers erkennbar, dann erste klare Konturen. 

„Wer hat mir das angetan?“ Fragte Wanda verstört.

Maximilian hatte jede ihrer Reaktionen genau beobachtet. Erst hatte sie schockiert ihr Abbild angestarrt, dann sich angewidert davon abgewendet. 

„Ich weiß es nicht. Aber vielleicht finden wir es noch heraus?“

Wanda zögerte, dann drehte sie sich noch einmal zu ihrem Spiegelbild an der Wand um.

„Mein Gesicht, es sieht ganz gut aus, oder?“ Ihre Stimme klang versöhnlicher. 

„Es ist sehr hübsch, ja.“ Stellte Maximilian fest. 

Vorsichtig hob sie ihre Hand an die Stirn und strich sich über die Augenbrauen. 

„Ich kann alles fühlen und spüren. Dieses Ding dort, das bin tatsächlich ich.“

Sie kam mit dieser Erkenntnis nur sehr schwer zurecht.

„Finden sie meinen Körper anziehend?“

Maximilian blickte sie überrascht an.

„Warum fragen sie mich das?“

„Na ja, sie haben mir vorhin auf meine Brüste gestarrt und ...“

Er druckste herum und wusste nicht, was er ihr zur Antwort geben sollte. Schließlich rang er sich doch dazu durch, bei der Wahrheit zu bleiben.

„Sie entsprechen so ziemlich dem Ideal, ja.“

Wanda nahm es hin, drehte ihren Oberkörper ein wenig seitlich ein und strich sich über ihre ausladende Hüfte. 

„Ich war eher ein wenig mollig, wissen sie? Nicht viel, aber vielleicht hätte ich mir gewünscht, ein wenig so auszusehen wie jetzt.“

Sie zog einen der Stühle vom Konferenztisch weg, ließ sich darauf nieder, doch gab dieser sofort mit lautem Krachen nach. Wieder stürzte sie und blieb verdutzt auf den Boden sitzen.

„Das gibt es doch nicht!“

Maximilian half ihr erneut auf und schlug vor, sich auf den massiven Tisch zu setzen. Wanda weinte und hielt sich beide Hände vor das Gesicht. 

„Ich halte das nicht aus. Ich wünschte, ich wäre tot.“ Ihre Stimme klang gebrochen und weinerlich.

Maximilian konnte sie gut verstehen. Wie oft in den letzten Jahren hatte er sich ähnlich gefühlt wie sie in diesem Augenblick. Überfordert von den Umständen, die er erst langsam mit der Zeit gelernt hatte für sich zu akzeptieren. 

„Sie haben mir heute viel Hoffnung und Glück geschenkt, wissen sie das eigentlich?“

Sie senkte ihre Hände und blickte über sie hinweg zu ihm rüber.
 
„Wie das denn?“

„Sie sind seit dreißig Jahren der erste Mensch, mit dem ich mich unterhalten kann.“

„Dreißig Jahre?“ Die Riesin sah ihn an, als ob sie an seinen Verstand zweifeln würde.

„Wanda, ich möchte sie nicht weiter quälen, von daher ...“

„Sagen sie schon! Was ist passiert?“ Bat sie ihn schließlich.

„Es hat einen Atomkrieg gegeben, mehr weiß ich selbst nicht.“

„Ich kann das nicht glauben, ich meine wie ...“

Maximilian unterbrach sie und erzählte ihr kurz zusammengefasst von der Weihnachtsfeier seines Betriebes. All seine Kollegen waren oben geblieben, um im alten Vereinshaus miteinander zu feiern und es sich gut gehen zu lassen. Er allein war zurückgeblieben, mit dem Versprechen seiner engsten Freunde ihn zwei Stunden später abzulösen. Auch zwei Mitarbeiter vom Geheimdienst teilten sein Schicksal, doch nachdem von oben keine Nachricht mehr eingegangen war, sind sie mit dem Fahrstuhl hochgefahren, um nachzusehen. Sie ließen ihn zurück, weil sie mit einem Terroranschlag gerechnet hatten und er keinerlei militärische Erfahrung besaß. 

Mit zittriger Stimmer berichtete er Wanda von dem Schlüsselmoment. 

„Kaum das sich die Schleusentür hinter ihnen geschlossen hatte, habe ich die Nachricht von den Umweltsensoren bekommen. Innerhalb kurzer Zeit hatte es fünf riesige Temperaturausschläge gegeben, so heiß wie die Oberfläche der Sonne. Ab diesen Zeitpunkt gab es kein Anzeichen dafür, dass über mir noch etwas am Leben war. 

„Wir sind hier unter der Erde?“ Fragte Wanda schockiert und blickte sich instinktiv nach Fenstern um. „Haben sie nicht versucht, wieder hinaufzugelangen?“ Ihre Stimme überschlug sich. 

Maximilian verneinte. 

„Nein. Der Weg zur Schleuse ist blockiert. Die Türen gehen nicht mehr auf.“

„Kann es nicht sein, dass diese Sensoren ...“

Maximilian schüttelte seinen Kopf. Diese Fragen kannte er alle schon. Er hatte sie sich selbst oft genug gestellt. 

„Ich fürchte nicht. Es gibt keine Verbindungen mehr nach außen, trotz vierfacher Redundanz. Keine Zwischenstelle antwortet mehr, auch keiner der Netzknoten.“

 

 

 

Bewertung gesamt: 
Average: 5.4 (8 votes)
Mit einem Klick den Gesamteindruck dieser Geschichte beurteilen.

Hier kannst du einzelne Gesichtspunkte der Story bewerten.
Bewerte die Handlung, die Idee der Geschichte.
Wie findest du den Schreibstil
Beurteile die Rechtschreibung und die Form
Wird das Thema BDSM gut beschrieben und wie erotisch findest du die Geschichte

Kommentare

Bild des Benutzers StrapLove

Hallo Sena, ich finde die Geschichte faszinierend, obwohl anfangs keine SM-Inhalte vorkommen. Da Du jetzt die Geschichte hier veröffentlichst, kann ich meine ungeliebte Kindle-Software löschen. Auf jeden Fall eine sehr sehr gut gelungene Geschichte :) Gruß Robert

 

nach oben
1 Leser stimmt/stimmen zu.
Bild des Benutzers sena

... Robert. Auch ich bin kein Fan vom Amazon-Moloch und suche bereits nach einer Alternative.

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu

Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Bild des Benutzers Desaja

Hey =)

bist du dir sicher, dass du die hier veröffentlichen willst?

Weil dann musst du bei Amazon das Buch raus nehmen, die wollen prinzipiell exclusiv Rechte an allen Werken haben und überprüfen das wohl auch von Zeit zu Zeit.

 

Gruß Desaja

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu

~> Ich kann es nicht leiden, wenn Tote zu faul zum Sterben sind! ;D <~
Autoren Pseudonym: Desaja van Roche (Amazon, Homepage)

Bild des Benutzers sena

Aber das gilt nur für KDP-Select. Verzichtest du auf diesen Service kannst du wie und wo du möchtest publizieren.

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu

Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Bild des Benutzers Wuffff

Wenn man mal von den sexuellen Inhalten absieht, fängt die Geschichte schon mal an, wie ein guter SciFi-Krimi. Bin schon auf die nächste Folge gespannt.

Bei Amazon hatte ich dich weder vermutet noch bisher entdeckt (aber jetzt....)

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu
Bild des Benutzers sena

Ohne erotischen Hintergrund und nicht vordergründig. Danke für das Lesen Wuffff, bist ein ganz braver....

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu

Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Bild des Benutzers Latexmike

Interessanter Beginn. Da hat wohl jemand an Wanda herumgebastelt und sie zum Cyborg gemacht. Durch den Stromausfall ist sie erwacht. Bin ja gespannt wie sich das Verhältnis der beiden entwickelt und ob Max ihr helfen kann. 

Was eine Alternative zu Kindle angeht gabe es da zb bookrix. Hat dem Vorteil die nutzen das ePub Format was deutlich kundenfreundlicher ist 

Was macht denn DAV?

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu
Bild des Benutzers sena

Nur habe ich auch nur zwei Hände mit zehn Fingern. Also bitte etwas Geduld. Anfang nächsten Jahres schreibe ich es weiter. 

Lieben Gruß

Sena

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu

Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Seiten