Im Unterholz - Teil 11

"Klappentext": 
Katharina und ich sitzen noch immer im kubanischen Flughafengefängnis fest. Eines Tages lässt sich Lili blicken und wir schöpfen Hoffnung.
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Dass man uns die Chance gibt, hier herauszukommen, dass es etwa eine Justiz gibt, die ein Auge auf uns und unsere Rechte wirft, davon gehen wir schon lange nicht mehr aus. Kein Hahn wird nach uns krähen. Noch nicht einmal meine Mutter weiß, wo ich bin, weil ich mich bei ihr nicht abgemeldet habe. Und weil sie selbst davon ausgeht, dass sie mir den größten Gefallen damit tut, mich in Ruhe zu lassen. Und auch Katharina hat niemanden über unser Abenteuer Richtung Kuba informiert.

Valentina, wahrscheinlich die Marionette unseres „Herrn“, hat sich in der ganzen Zeit nur einmal an den Gitterstäben blicken lassen.

„Warum hat bisher kein Mensch nach euch gefragt“, will sie ausgerechnet von uns, natürlich mit abfälliger Attitüde, wissen. „Wenn euer Gönner auf euch gewartet hätte, dann wäre er doch gekommen, um zu sehen, wo ihr geblieben seid, oder?“

Ja, das wäre er, denke ich mir. Nur, dass dieser „Gönner“ kein wirklicher Gönner ist, sondern einer, der etwas von uns will. Wenn er nicht sogar, genau das hier mit uns vorgehabt hat.

„Aber Sie können uns doch nicht ewig hier festhalten, nur, weil wir kein Geld haben. Sie nehmen uns jede Chance, uns welches zu besorgen“, entgegne ich. „Wenn Sie uns freiließen, würden wir schon das Geld für die Rückflüge beschaffen.“

„Auf dem Strich in Havanna vielleicht, hm“, wendet Frau Gonzalez, deren Namen mir wieder eingefallen ist, sich schon zum Gehen und sieht dabei schmunzelnd zwischen unsere Beine. „Und das“, deutet sie auf das Baumelnde an uns, „what´s that supposed to be? Esta manguera “, fragt sie scheinheilig und dann lacht sie, dreht sich um und wir hören noch ihre Bleistiftabsätze auf dem Beton und wie sie im Vorbeigehen den Männern in den Zellen nebenan auf Spanisch etwas zuruft, von dem ich so viel verstehe, wie: „Las putas blancas son deliciosas, hm?“

„Hast du gehört“, frage ich Katharina. „Sie preist uns auch noch an!“

***

Irgendwann wissen wir nicht mehr, wie lange wir nun schon hier sitzen. Jedenfalls haben wir die stürmische Jahreszeit, den Herbst schon hinter uns, bei der sich die einzige Palme gefährlich biegt, die wir sehen können, wenn wir auf den Stuhl steigen. Der Arzt, den wir mittlerweile gut kennen und der auch Jorge heißt, ist einmal wieder zum Schlauchwechseln vorbeigekommen. Gerade streift er sich die Gummihandschuhe über, während wir schon breitbeinig in der Zelle herumstehen und seine Vorbereitungen abwarten.

“Have you both whores made peace with the clasp”, fragt er und ich zucke mit den Schultern, weil ich nicht weiß, was „clasp“ bedeuten soll und weil die Kubaner auch kein perfektes Englisch sprechen, genauso, wie wir nicht, und es daher immer wieder zu Missverständnissen kommt.  

„The pee locker“, deutet er auf unsere Genitalien, die sich gleich vor seinem Gesicht befinden werden, spätestens wenn er uns aufgefordert hat, vor den Stuhl zu treten, auf dem er Platz nehmen wird. „Is it more pleasant, than before?“

„More pleasant“, frage ich, übersetze „pleasant“ mit freundlich und sehe ihn dabei mit hochgezogenen Brauen an.

„Let´s go on“, gibt er anscheinend jetzt auf, dass wir ihn verstehen, lässt sich auf dem Stuhl nieder und hält den Spritzenkonus in die Luft. Ich trete vor ihn hin und sehe hoch zur Decke, denn er will nicht, dass einer von uns beiden ihm bei seiner Arbeit zusieht. Ich fühle Katharinas Busen, wie er sich an meinen Rücken drückt. Ich komme immer als erste dran und dabei muss sie ganz nah an mich herantreten und ihren Blick ebenfalls nach oben richten. Wenn er mit mir fertig ist, wechseln wir die Plätze. Aber zunächst einmal verlässt mich ein Schwall Urin, als der Schlauch gezogen wird. Ich fühle es nicht, aber ich höre das Klatschen in den Eimer unter mir.

„Wonderful“, sagt Jorge. „Everything seems fine. Good defence”, lobt er und ich höre heraus, dass er stolz auf seine Arbeit ist. Dann höre ich, wie ein Päckchen aufgerissen wird. Und danach werde ich aufgefordert: „Wider, your legs, wider“, und ich gehorche und bilde mit den Beinen nun fast ein Quadrat. Nach einer Phase des Suchens mit dem Schlauchanfang und des Stocherns gibt es den gewohnten kurzen Stich, der mehr in meiner Seele, als im Fleisch schmerzt. Wenn er den Eingang gefunden hat, sagt Jorge jedes Mal „now“ und dann stößt er zu und schiebt und schiebt, während ich Grimassen zum Himmel sende.

„Next whore“, sagt er dann irgendwann, aber erst, wenn er die Flüssigkeit ins Schlauchende geschossen hat, die den Schlauch in uns festhält und ich trete hinter Katharina. Und während er an ihr herumarbeitet, erzählt er, wenn ich ihn richtig verstehe, von seinen Kindern. Dass sie keine Bleistifte mehr haben, um ihre Hausaufgaben zu erledigen.

„We could ask our relatives in Germany for pencils”, antworte ich, noch immer mit dem Blick nach oben. Und jetzt steht Jorge auf, das Zeichen, dass wir uns wieder normal bewegen dürfen. Ich sehe auf seine vorgebeugte Gestalt, die gerade noch etwas in der Tasche verstaut, die er auf den Stuhl gestellt hat. Dann richtet er sich auf.

„Pencils are too far away from here. But this is nearby”, deutet er in seinen geöffneten Mund und Katharina und ich sehen uns an. Und diesmal ist sie es, die gerade dabei ist, in die Knie zu gehen, als eine Gestalt vor den Gitterstäben auftaucht.

„Katharina, tu deinen Job. Und Du? Komm her“, fordert mich die in ein weißes, anliegendes Kleid mit schmalen Trägern gekleidete Frau auf, auf deren Kopf ein weißer Hut mit großer Krempe sitzt, der ihr Gesicht ein wenig verdeckt hat. Aber an der Stimme erkenne ich, dass es Lili ist, die da zu uns spricht und ich lasse mich fast gegen die Gitterstäbe fallen und halte mich an ihnen fest.

„Lili“, stoße ich erleichtert aus und höre gleichzeitig wie Jorge sich offenbar durch den Besuch nicht beirren lässt und hinter mir Katharina anstachelt.

„Don´t let out the cock!” Und ich höre Katharina, wie sie vor Anstrengung stöhnt, während ich die Arme auf Lilis Schultern lege. Aber sie nimmt meine Hände und befreit ihre Schultern von ihnen.

„Hier“, schiebt sie stattdessen etwas zu mir herein, das über ihrem Arm gehangen hat. „Zieht euch das an. Ich komme in einer halben Stunde zurück“ und bei ihren letzten Worten hat sie sich auch schon umgewandt und ich sehe ihr nach, bis ich sie nur noch hören kann.

„Hast Du gehört? Das war Lili“, drehe ich mich zu Katharina und Jorge um und Katharina murmelt nur so etwas wie „Hm, Hm“, denn unser Arzt hält sie am Hinterkopf fest.

Ich kann es kaum abwarten, bis Jorge seinen Schwanz aus Katharinas Mund zieht und mehrere Ladungen weißer Sahne in ihr Gesicht schießen läßt. Jorge, das wissen wir, liebt es, zu besudeln so viel er kann und daher dreht sich Katharina irgendwann zu mir. Und ich stehe immer noch wie angenagelt da und weiß nicht, was ich tun soll.

„Das war doch Lili“, gibt sie halb fragend, halb wissend von sich und steht auf, während Jorge sich den Weg durch uns hindurch bahnt und uns zur Seite schiebt. „Was wollte sie? Wo ist sie jetzt?“

„Hier“, reiche ich Katharina meinen Arm mit den Kleidern. „Wir sollen die anziehen. Sie kommt gleich wieder, hat sie gesagt“, und Katharina nimmt mir ein Stück vom Arm. Es ist weiß, aber es sind haufenweise Erdbeeren draufgedruckt. Mir bleibt ein einfarbiges, organgenes übrig. Nicht gerade meine Lieblingsfarbe, aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken und bin schon dabei, es mir über den Kopf zu ziehen.

„Hast du sie gesehen“, frage ich Katharina, als ich mir den zweiten Träger über die Schulter ziehe. „Sie sieht wundervoll aus!“

„Wie sollte ich sie sehen“, giftet mich Kathi etwas an. „Ich war schließlich beschäftigt“, schiebt sie hinterher in einem Ton, der voller Vorwurf und Neid steckt und steht nun mit ihrem unschuldigen Erdbeerenkleid vor mir, das bis zu den Knien reicht. Lang genug also, ihren Schlauch zu verdecken, während ich an mir heruntersehe und feststelle, dass meins gerade so lang ist, meinen nackten Venushügel, auf dem schon seit einiger Zeit ein Fell sitzt, zu bedecken.

„Warum gibt sie mir so ein kurzes Kleid“, frage ich eher mich selbst, als dass ich Kathi damit meine, und ich sehe entsetzt in die Scherbe einer Spiegelfläche, die unterm Fenster an der Wand lehnt und für die ich fünf Mitgefangene gefickt habe, damit sie sie rausgerückt haben.

„Weil …, ich weiß auch nicht“, will mich meine Mitgefangene beruhigen und streckt ihren Kopf so vor meinen Bauch, dass sie auch in den Spiegel sehen kann. „Zugegeben, auf die Straße brauchst du damit nicht“, will sie sich wieder aufrichten.

„Komm, lass mich dein Gesicht säubern“, ziehe ich das Laken von meiner Pritsche, nehme einen Zipfel und fahre meiner Leidensgenossin damit über die Augen und den Haaransatz. „Ich glaube auch nicht, dass sie uns so auf die Straße lassen will. Oh mein Gott, was geschieht jetzt. Sind wir endlich frei, Kathi?“

„Wie war sie denn? Komm, sag schon. Was hat sie gesagt?“

„Sie sieht aus, wie aus einer Werbekampagne“, befriedige ich Katharinas Neugier. „Ganz in weiß ist sie gekleidet. Und einen Hut mit riesiger Krempe trägt sie.“

„Und? Sieht sie gesund und glücklich aus“, will Katharina aufgeregt wissen.

„Sie sieht aus, wie Evita Peron in dunkel. Streng zurückgekämmte Haare und einen Knoten im Nacken. Darüber dieser Hut. Einfach phantastisch“, gebe ich versonnen zurück. „Und sie muss bald zurückkommen. Sie sagte, eine halbe Stunde später wolle sie wieder da sein!“

Aber erst etwa zwei Stunden später, in denen wir ungeduldig, ich auf meiner Pritsche, Katharina auf dem Stuhl gewartet haben oder auf und ab gelaufen sind, und in der wir uns gegenseitig immer wieder beschwichtigt haben, dass sie kommen wird, wenn sie es gesagt hat, ist Ramon plötzlich da und bedeutet uns, ihm zu folgen. Wir trippeln hinter ihm her, wie ungeduldige Kinder, aber er beschleunigt seinen Schritt uns zuliebe nicht.

„Oh, Putas. A dónde vas? Regresas”, tönt es uns aus den Zellen wehmütig hinterher, als wir Ramon, dem mit dem auffallend gut gestalteten Rücken, der selbst Gefangener ist, folgen, bis es ins Freie geht und Ramon stehenbleibt und auf einen Wagen deutet, der etwa hundert Meter vor dem Hintereingang steht und wartet. Wahrscheinlich darf er nicht weiter als bis zur Tür und so fassen wir uns bei den Händen und gehen ohne ihn auf das Auto zu.

Schemenhaft erkenne ich hinter der Scheibe den weißen Hut. Es muss Lili sein, die da im Fonds des Wagens auf uns wartet.

Beim Laufen halte ich die eine Hand zwischen meine Beine und drücke damit den Schlauch in meine Spalte, aber sobald ich loslasse, plumpst er wieder nach unten, wie eine zu Materie gewordene Demütigung. Katharina hingegen kann es sich leisten, sich auf halber Strecke von mir loszureißen und auf den Wagen zuzurennen. Aber erst als sie die hintere Tür aufreißen will, erscheint ein Mann mit Schirmmütze wie aus dem Nichts und ich sehe, wie er meine Leidensgenossin am Arm faßt und hinter das Fahrzeug führt. Und als ich den Wagen erreiche, liegt Katharina bereits in dem großzügigen Kofferraum und ich werde hinzugebeten. Umständlich steige ich ein und versuche, mir neben Katharina Platz zu verschaffen. Es geht nur, indem wir wie Löffelchen liegen. Dann wird der Deckel geschlossen. Und erst als wir merken, dass sich der Wagen in Gang setzt, trauen wir uns, zu sprechen.

„Was hat das zu bedeuten“, will Katharina wissen. „Warum lässt man uns nicht zu ihr in den Wagen?“

„Wahrscheinlich weil wir stinken“, gebe ich leise zurück. „Und das tun wir mit Sicherheit. Das kannst du mir glauben. Und wir selbst riechen diese Pest schon gar nicht mehr, verstehst du? Wann durftest du das letzte Mal duschen, hm?“

„Weiß nicht. Letzte Woche vielleicht.“

„Siehst du“, flüstere ich.

„Ich ahne nichts Gutes“, seufzt Katharina und tastet nach meiner Hand. „Wir sollten verschwinden, wenn sich uns die erste, beste Gelegenheit bietet.“

„Aber wie denn“, flüstere ich zurück und merke, wie Wasser aus meinen Achselhöhlen hinunter auf den Kofferraumboden tropft.

„Keine Ahnung. Aber wenn wir können, gebe ich dir ein Zeichen und dann laufen wir los. Hörst Du? Einfach losrennen und nicht stehenbleiben, egal, was passiert.

„Wir haben null Geld“, gebe ich zu bedenken.

„Na und? Im Knast hatten wir auch nichts. Und? Sind wir nicht zurechtgekommen? Wir haben alles, das man braucht, um überall auf der Welt an Geld zu kommen. Das reicht, dass wir nicht verhungern oder verdursten müssen. Und du hast doch gehört, die reichen Einheimischen stehen auf Europäerinnen.“

Sie hat natürlich Recht. Mit diesen Voraussetzungen und mit der Erfahrung eines Glory Holes steht uns die Welt im Grunde wirklich offen. Solange es Schwänze gibt, und solange wir bereit sind, mit deren Versorgung zu zahlen, können wir überallhin. Im Grunde eine befreiende Erkenntnis, denke ich. Zumindest so lange wir jung sind und unsere Körper ansehnlich. Das würde noch zehn, fünfzehn Jahre dauern, bis etwas anfangen würde, hängen zu wollen. 

Kurz denke ich über Katharinas Vorschlag nach, aber auch darüber, wie wir gerade angezogen sind. Wir besitzen zwar keine Slips mehr, aber zumindest hat jede von uns ein Kleid an. Wir könnten einen Arzt suchen, ihm anbieten, ihn zu ficken und dafür könnte er uns die Schläuche aus den Blasen holen. Vielleicht würde er uns sogar noch ein einigermaßen anständiges Kleid von seiner Frau oder seiner Schwester für mich besorgen.

„Du weißt aber schon, dass – wenn wir jetzt abhauen – alles umsonst war, was wir für "deinen Herrn" bisher an Opfer gebracht haben. Wenn er uns zu fassen bekommt, dann gnade uns Gott!“

„Ja, das weiß ich. Aber bevor ich in irgendeinem südamerikanischen Dschungel bei irgendwelchen Freiheitskämpfern lande, gestalte ich mein Leben lieber selbst. Und du?“

Wie sie jetzt auf Freiheitskämpfer kommt, ist mir schleierhaft.

„Wieso Freiheitskämpfer?“

„Mir fällt dieses Gespräch ein. Weißt du? Ich habe doch davon erzählt, als ich vom Oberaufseher zurückkam.“

„Du meinst, deine Vermutung, dass zwischen „Eywish“ und extremen, politisch ulatra-linken Gruppen in Südamerika eine Verbindung besteht?“

„Ganz genau. Das meine ich. Erinnerst Du dich? Der „Alte“ hat doch mit jemandem telefoniert, während ich auf ihn warten musste. Ich habe mitangehört, dass es so eine Art neuer Che Guevara geben soll. Charismatisch, intellektuell, sehr mutig aber auch sehr rigide soll er sein und viele Leute würden ihm folgen. Im Moment soll er sich in Bolivien aufhalten. Es hieß, die Guerilleros bräuchten dringend Fickfleisch damit die Moral nicht vollends durch sexuellen Entzug zusammenbreche. Andernfalls drohe eine Revolte. Man könne Männer eben nicht ewig von Fotzen fernhalten, hörte ich den Chef des Gefängnisses zu jemandem sagen. Manche seien bereits seit Jahren im Untergrund. Aber das Problem könne bald gelöst werden. Zwei Chicas würden nur darauf warten, bald abgeholt und ins Gebirge gebracht zu werden.

Mehr weiß ich nicht. Aber bestimmt haben sie uns beide damit gemeint. Ich meine, das liegt doch auf der Hand. Überleg´ doch mal. Vorher hat der Herr uns ans Glory Hole geschickt. Jetzt die Zeit im Gefängnis. Was soll uns da noch schrecken, wird er sich gedacht haben. Dabei werden wir uns wahrscheinlich nach dem Glory Hole zurücksehnen, weil die gesichtslosen Typen hinter den Löchern wenigstens sauber waren. Aber stell dir einen Haufen verschwitzter Guerilleros vor, die tagelang, ach was sag ich, wochenlang, durch den Wald gerobbt sind, bevor sie dich ficken. Brrrh, ich kriege Gänsehaut bei dem Gedanken.“

Auch mich schüttelt es bei der Vorstellung, die Kathi da leise, dafür aber umso eindringlicher gezeichnet hat. Ich als Stadtpflanze, vor meiner Karriere als Glory-Hole.Nutte, war ebenes Pflaster gewohnt und gut riechende Männer in gutsitzenden Anzügen mit ausgezeichneten Manieren.

Wir sind mittlerweile etwa eine halbe Stunde unterwegs. Ab und zu dringt Musik zu uns in den Kofferraum, wahrscheinlich Straßenmusiker. Herrliche Rhythmen, denen man gerne mit einem Cuba Libre in der Hand, die Füße im weißen Sand vergraben, gelauscht hätte. Aber bisher kennen wir von Kuba nur Valentina, unsere Mitgefangenen und Jorge und seine Kollegen.

„Trotzdem“, flüstere ich Kathi ans Ohr. „Ich habe Angst vor deinem Herrn, wenn wir abhauen. Du hast es doch gesehen, dass er hier mächtige Freunde zu haben scheint. Oder glaubst du, man hätte uns als normale Touristen hier monatelang festhalten können, nur, weil wir nicht genügend Geld bei uns gehabt haben? Ohne Anklage, ohne uns zu informieren über irgendetwas. Sogar für Wasser mussten wir ficken. Er war es, der uns einsperren ließ und der angeordnet hat, uns nicht genug zu trinken zu geben. Und so hat er wahrscheinlich überall seine Finger im Spiel, denke ich. Hallo? Er besitzt fünfundzwanzig Millionen. Dafür kannst du beinah diese ganze Insel hier kaufen.“

„Jetzt übertreib mal nicht“, kommt es von Kathi.

„Weißt du, was ich gelesen habe? Ein Arzt verdient hier im Monat hundert Dollar! Für das Zehnfache trennt er jedem hier schön sauber das Ohr ab.“

„Das stimmt, dass die so wenig verdienen. Aber dafür zahlt er nichts fürs Wohnen, nichts für die Schule seiner Kinder und auch nichts für die Gesundheit seiner Familie.“

„Willst du mir jetzt den Vorteil des Sozialismus erklären, und mir damit sagen, dass mein Erpresser und dein Herr keine Möglichkeit hat, uns so richtig abzuwatschen, wenn er uns findet?“

„Nein. Na klar kann er uns einheizen. Aber wer sagt denn, dass er uns finden muss? Wir schaffen an und wenn wir das Geld zusammenhaben, gehen wir ganz gepflegt zum Flughafen und kaufen uns ein Ticket nachhause.“

„Super-Idee, zum Flughafen. Ausgerechnet da hin. Warum nicht gleich zu Valentina zum Kaffeetrinken? Wir müssten übers Meer nach Miami, um von dort aus zurückzufliegen. Kapierst du denn nicht? Von hier aus nachhause fliegen? Vergiss es!“

„Wir könnten es schaffen …, irgendwie …, denke ich …“

„Ich bleibe hier bei Lili. Das ist immer noch besser, als da draußen herumzuirren, die Sprache nicht zu verstehen und allem und jedem ausgeliefert zu sein. Aber wenn du möchtest, helfe ich dir abzuhauen, wenn ich jemals in die Situation kommen sollte, das für dich tun zu können.“

„Vergiss es“, kommt es von Kathi und sie klingt enttäuscht. „Wenn, dann hauen wir gemeinsam ab. Alleine traue ich mir das alles auch nicht zu. Dann landen wir eben als Fickfleisch für einen Haufen junger Männer im Urwald.“

„Das ist ja noch gar nicht raus“, gebe ich trotzig zurück. "Vielleicht hast du geträumt, als du beim Oberaufseher warst!"

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