Hurt

~
Kategorien: 
~

 

Hurt….

Aus der Anlage im Auto klang die brüchige Stimme von Johnny Cash…

„I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that's real

The needle tears a hole
The old familiar sting
Try to kill it all away
But I remember everything

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
Goes away in the end“

Schmerz, das war es, was er suchte, was er wollte, und was ihn erwartete … So vieles war schief in seinem Leben, so viel war aus dem Gleichgewicht. Schmerz, das würde ihm Klarheit bringen, ihn erden, auf Null zurücksetzen.

Die Frau, die er liebte, aber mit er jetzt nicht zusammen sein konnte, hatte ihre Beziehung beendet. Eine Beziehung, in der Schmerz auch immer präsent gewesen war. Seelisch, weil sie ihre Liebe nicht so leben konnten, wie sie es wollten. Und gelegentlich auch körperlich, in Phasen großer Vertrautheit hatten sie sich an Grenzen herangetastet, hatte sie ihn geschlagen,mit dem Gürtel, der Peitsche, dem Rohrstock, hatte ihn gebissen, gekratzt, seine Nippel malträtiert.

Ab und zu hatte er gedacht: Das ist noch nicht meine Grenze.Ich will weiter gehen, in den Schmerz, mich ganz verlieren, nur noch den Schmerz fühlen. Nicht gezwungen, sonder freiwillig. Im Schmerz hatte er eine Freiheit gespürt, an nichts anderes zu denken, nur zu fühlen. Sich zu fühlen. Und das, was von ihr kam.

Bei manchen Videos im Internet hatte er geträumt, an der Stelle der gepeinigten Männer zu sein. Peitsche und Stock zu erdulden, ganz in den Schmerz hinein gehen. Und sich dann darin aufzulösen, zu weinen, alles auf Null zu setzen. An nichts anderes zu denken als an den nächsten Schlag. Und den Schlag danach. Und den danach….

Er hatte eine Bekannte seiner Verflossenen angesprochen, von der er wußte, dass sie hart, sehr hart spielen konnte. Sie hatte ihm einmal Fotos gezeigt, von einem Mann, den sie „bespielt“ hatte …

Sie war einverstanden gewesen, ihn zu bespielen, ihn zu schlagen, so lange er es wollte, heftiger, als er es bisher erlebt hatte. Sie hatten sich für heute in einer Spielwohnung verabredet. Im Mail hatte gestanden:

Wir treffen uns um 16:00 Uhr  in der Wohnung. Du wirst dort eine halbe Stunden früher sein. Wenn ich komme, liegst Du nackt und frisch geduscht auf dem Bett. Augen verbunden. Du trägst einen Keuschheitskäfig, denn ich will keinen steifen Schwanz sehen. Und Du wirst auf dem Bauch liegen bleiben. Ich werde nichts mit Dir reden, außer kurzen vielleicht kurze Anweisungen. Du kannst schreien und um Gnade betteln. Aber das alles wird nichts nutzen, denn Du willst das ja so. Es wird auch kein Safe-Wort geben, denn vielleicht muss ich Dich knebeln, wenn mich Dein Geschrei stört.

Du wirst deshalb die Arme und Hände immer ausgestreckt über demKopf haben. Wenn Du die Hände länger als 2 Sekunden von der Matratze hochhebst, oder Deine getroffenen Stellen anfasst, werde ich aufhören und weggehen.

Er kannte das Mail fast auswendig.

Er fuhr auf den Parkplatz der Wohnung. Mit dem Vermieter sprach er nur wenig. Dann duschte er sich, zündete die Kerzen an, legte den Keuschheitskäfig an, und legte sich aufs Bett, mit dem Gesicht nach unten. Den Schlüssel hatte er unter die Fußmatte gelegt. Er dachte daran, wie es sein würde, von einer fast fremden Frau so behandelt zu werden. Er hatte einige wenige Besuche bei Profi-Damen im Laufe seines Lebens gemacht, da waren immer Grenzen ausgemacht und eingehalten worden. Seine Verflossene hatte ihm immer gesagt, sie könne noch weiter gehen, als sie bis dahin mit ihm gespielt hatte.

Aber das heute war etwas anderes. Es gab keine persönliche Beziehung zu der Frau, die er jetzt erwartete. Es war ein Arrangement, von dem beide etwas hatten. Ihr gefiel es, einen Mann so zu behandeln. Und er, ja, er würde das Erlebnis haben, das er sich wünschte. Wenn er es durchhielt. Denn nach ihrem Arrangement war er ja nicht wehrlos ausgeliefert, nicht gefesselt. Er musste bestimmen, wie weit er es ertragen würde, ob er sein Ziel, ohne an etwas anderes zu denken, ganz im Schmerz aufzugehen, erreichen würde.

Und er hatte Angst davor. Zum einen, ob er nicht „zu früh“ abbrechen würde, bevor er sein Ziel erreicht hatte. Aber das hatte er in der Hand, völlig in der Hand. Der zweite Gedanke war, ob er das erreichen würde, was er suchte. Ob er sich zunächst in den Schmerzen ganz verlieren könnte, um sich dann daraus neu zu finden. Alles auf Anfang zu setzen.

Er hörte den Schlüssel im Schloss. Sie war da. Er hörte Ihre Schritte, gedämpft, denn die Augenmaske verdeckte auch teilweise seine Ohren. Die Tür zum Zimmer klapperte. Sie war da. Er hörte ein Klappern, hörte, wie etwas auf den Nachttisch gelegt wurde.

„Du willst es immer noch? So, wie Du es mir beschrieben hast?“

„Ja, bitte.“

„Gut. Es gibt nur eine Regel. Bewegst Du Die Hände von der Matratze, ist es vorbei. Ich werde Dich erst etwas aufwärmen. Dann haben wir beide mehr davon…“

Er lag auf dem Bauch, den Kopf seitlich gedreht. Die Hände über den Kopf ausgestreckt, flach auf der Matratze.

Smack, smack, smack,  ein lautes Klatschen, das jeden Schlag begleitete. Ein Paddle, vermutete er, klassisch, zum aufwärmen. Die Schläge trafen seinen Hintern, dann wanderten sie auch nach oben, bedeckten den ganzen Rücken. Er erinnerte sich an einige Sessions, die er mit seiner Verflossene gehabt hatte. Das war anders gewesen. Das war ein anderer Rhythmus. Ein Rhythmus, der nicht auf seine Reaktionen einging. Hier ging es darum, dass seine Haut möglichst flächendenkend „aufgewärmt“ wurde. Seine Reaktionen spielten keine Rolle.

Das Paddle traf jetzt wieder seinen Hintern. Es begann zu ziehen. Er spannte sich an.

Eine kurze Pause.

Whap … der Schlag war anders als der mit dem Paddle. Nicht so dumpf, eher spitz, scharf, schneidend. Es mußte sich um eine Peitsche handeln, keine Bullwhip, sondern eher etwas weicheres, breiteres.

Whap …. Whap … Whap … die Schläge auf seinem Arsch wurden fester. Präzise trafen sie, quer über beide Backen … Whap … Er überlegte, welche Peitsche es sein könnte.

Und er dachte: Solange ich mir noch solche Gedanken machen kann, bin ich noch nicht richtig im Schmerz … Er hatte in einem Krimi gelesen, in dem der Held ausgepeitscht wurde, um ein Geheimnis zu verraten, dass Gedanken oder die Wiederholung bestimmter Sätze dem Geist helfen konnten, den Schmerz nicht in den Vordergrund des Empfindens kommen zu lassen. Als mußte er aufhören ….

Aaaahhhhhh! Noch während er das dachte, riss ihn ein Schlag parallel zur Wirbelsäule aus diesen Gedanken. War das so fest, wie sie es damals … Aaaahhhh! Der nächste Schlag riss ihn aus seiner Überlegungen. Er nahm ihm den Atem, kurz. Er atmete tief ein und aus. Noch bevor er sich wieder im Griff hatte, kam der nächste Schlag. Seine Gedanken wurden unklar, „Woran habe ich gerade noch geda….“ Aaaahhhh! Mit einem anderen zeitlichen Abstand traf in der nächste Schlag.

Er mußte sich auf seine Hände konzentrieren. Sie lagen nicht mehr flach auf der Matratze. Nach dem letzten Schlag waren sie zu Fäusten geballt, um den Schmerz zu kontrollieren.

Aaahhhh! … Aahhhhhhhhhh ! Drei Schläge in kurzer Zeit trafen seinen Rücken. Er drückte die Fäuste fest in die Matratze.

„Wie viele werde ich  noch aushalten?“ dachte er. „Solange ich mir diese Gedanken noch machen kann, beherrscht der Schmerz nicht den Geist … „Sein Ziel war damit noch nicht erreicht, längst nicht erreicht. Andererseits … Sssst! Ein anderes Geräusch und ein anderer Schmerz rissen ihn aus seinen Gedanken. Scharf, präzise, stechend. Die volle Wirkung erst nach einigen Sekunden, wenn man dachte, der Schmerz läßt schon nach.

Sssst! … Eine Gerte oder ein dünner Stock dachte er … aber …. egaaaaahhhhhhhl. Sssst, der nächste Schlag. Er verkrampfte kurz, trommelte mit einer Faust auf die Matratze.  Der Scherz ließ nach … und dann. Ssssst! Ssssst! Ssssst! Ssssst! Ssssst! Ssssst! Das Stakkato nahm ihm fast den Atem…. Er dachte … nichts. Kein Vergleich mehr mit anderen Situationen mit seiner Verflossenen. Nur der Versuch, den Schmerz zu kontrollieren, abzubauen und für den nächsten Schlag bereit zu sein.

Whap! Whap! Whap! ….. Whap! …. Whap!  

Es musste eine Art Paddle oder ein breiter Gürtel sein, der jetzt seinen Hintern und seinen Rücken in unregelmäßigen Abständen traf. Immer wenn er glaubte, er müsse jetzt das Signal zum Abbruch geben, machte sie eine kurze Pause oder wechselte ihr Ziel. Er hatte nur noch einen Gedanken: Den letzten Schlag zu kompensieren, den Schmerz langsam abzubauen und dann bereit zu sein - oder doch nicht bereit, aber zumindest fähig, ihn zu ertragen.

Flap! … Flap! … Flap! …

Ein anderes Gefühl, ein lautes Klatschen, gefolgt einem breiten Schlag, ein breiter Treffer. Eine Lederpeitsche, mit langen, breiten Riemen. Der Schmerz baute sich anders auf, nicht wie bei der Gerte oder dem Stock als Spitze, sonder eher wie der Schlag eine Welle am Atlantik….

Aaahahhhh! Er schrie bei jedem Schlag. Aber das war ihm egal, es tat gut, den Schmerz rauszubrüllen. Aaahhhhh! Seine Hände ballten sich bei jedem Schlag zu Fäusten, aber allmählich erreichte er auch das Level, das er bei manchen Spielen in Videos gesehen hatte: Einige Opfer, die sich zunächst unter den Schlägen gewunden und an ihren Fesseln gezerrt hatte, wurden irgendwann ruhiger, schienen die Schläge fast zu genießen.

Er dachte - an nichts. Er fühlte - nichts.

Außer:
Er dachte an Schmerz, der inzwischen immer da war, mal stärker,mal schwächer, je nachdem, wie lange der letzte Schlag her war.
Er fühlte nur den Schmerz - dachte an nichts anderes.
Und er bemerkte noch etwas: Er weinte, gab sich ganz dem Schmerz hin.

Inzwischen mußte es wieder der Rohrstock sein, der einen Hintern traf, immer wieder.

Fest, intensiv. Schier unerträglich. Aber dennoch - er wollte mehr, brauchte mehr. „Fester!“ wollte er schreien, aber ein Stakkato aus fünf oder mehr Schlägen nahm ihm den Atem.

Seine Gefühle begannen sich aufzulösen. Er WAR noch noch das, was der Stock traf. Oder die Peitsche.

Halluzinierte er? Er glaubte, eine Hand um seine Handgelenke zu spüren. Gleichzeitig spürte er, wie sich eine zweite Hand zunächst in seinen gestreiften Rücken krallte und dann die Fingernägel einen lange, feste Diagonale über seinen Rücken zogen. Seine Schmerztränen hatten aufgehört. Die Fingernägel zogen eine zweite Diagonale über seinen Rücken.

Eine Hand streichelte leicht über seinen Kopf.

„Geht es Dir gut?“ flüsterte ihm eine Stimme ins Ohr. Eine Stimme, die ihm so vertraut vorkam.

Er nickte.

„Du glaubst, Du kannst mich so aus Deinen Gedanken vertreiben? Aber ich bin da. Ich war immer da. Es war niemand sonst da. Ich habe Dich geschlagen, so heftig wie Du es gebraucht hast.“

„Bitte, lass sie weiter machen. Ich brauche noch mehr, um wieder ganz ich selbst zu werden.“

„Ich hab doch gesagt. Es ist niemand da außer mir. Wenn Du noch nicht genug hast - Du kennst die einzige Regel.“

Er spürte, wie die Fingernägel beider Hände eine Spur von seinem Hintern bis zu den Schultern zogen.

„Aaaaahhhh““

Whap! … Whap ….Whap…. Der Gürtel traf ihn immer wieder …

Nach einigen Schlägen begann sich seine Umgebung wieder aufzulösen. Nein, das konnte unmöglich wahr sein, dass seine Verflossene das hier mit ihm machte. Aber viel weiter konnte er nicht denken, der Schmerz benebelte seine Sinne, er schrie vor Schmerz und Verzweiflung….

Und dann, irgendwann, hob er die Hände von der Matratze.

„Bitte, genug,,, genug,,,nicht mehr ….Bitte!!“

Die Schläge hörte auf.

Er rollte sich zusammen, wie ein Baby im Mutterleib, auf der Suche nach Geborgenheit. Er spürte, wie sich jemand zu ihm auf das Bett legte, ihn von hinten umarmte und ganz fest hielt. Ein vertrautes Gefühl, ein vertrauter Geruch …

„Sie hat mir von Deinem Wunsch erzählt, von dem, was Du von ihr wolltest. Ob es für mich ok sei, wollte sie wissen. Ich wollte es aber selbst tun. Wollte Dich so aus meinen Sinnen vertreiben.“

 

—————-

 

Bewertung gesamt: 
Average: 5 (3 votes)
Mit einem Klick den Gesamteindruck dieser Geschichte beurteilen.

Hier kannst du einzelne Gesichtspunkte der Story bewerten.
Bewerte die Handlung, die Idee der Geschichte.
Wie findest du den Schreibstil
Beurteile die Rechtschreibung und die Form
Wird das Thema BDSM gut beschrieben und wie erotisch findest du die Geschichte

Kommentare

Bild des Benutzers Loreley

Großartig.

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu
Bild des Benutzers r.desade

Von der Idee sehr gut.

Nur die Beschreibung der eigentlichen Session ist zu kurz geraten

nach oben
0 Mitglieder stimmen zu