Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen - Teil 2

"Klappentext": 
Es wird ernst für die Lehrerin Dr. Maria Engelstösser, die die Zukunft ihrer Tochter nur durch eigenen körperlichen Einsatz retten kann.
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Nie im Leben vergingen für Maria dreieinhalb Tage so schmerzhaft. Obwohl jede Faser Ihres Körpers dagegen rebellierte, wusste sie, dass sie Miri zuliebe kein Risiko eingehen würde. Sicher, diese Stimme war furchteinflößend. Aber Furcht war zumindest etwas in unbestimmter Ferne Liegendes. Die Offenbarung der Drogenkarriere ihrer Tochter schlug jedoch sofort ein. Wie eine abgefeuerte Rakete, die unabwendbar furchtbare Zerstörung verursacht, unmittelbar nachdem man sie wahrgenommen hat. Und Ihre Tochter war nun einmal das Wichtigste in ihrem Leben. Sie würde alles geben, um sie zu schützen und ihr eine glückliche Zukunft zu ermöglichen.

Nun war es natürlich nicht so, dass Maria ohne inneren Kampf den Anweisungen des Erpressers Folge leistete. Es war ein Kampf, den sie am Sonntag durch ein verausgabendes Joggen kämpfte, am Montag mit ungewohnt schlechter Laune an ihrem Mann ausließ und den am Dienstag ihre Schüler zu spüren bekamen. Nichts mit Frau Dr. Engelstößer. „Schnauze, ihr hirnlosen Vollidioten!“, für die doch jede Bemühung des verkorksten bundesdeutschen Bildungssystems nur vergebene Mühe sein konnte. Natürlich sagte sie das in der Klasse nicht so deutlich. Aber die winzige Minorität der Schüler mit einer gewissen Minimaltintelligenz verstand, was sie meinte. Am Mittwochvormittag war sie einfach nur leer. Kein Kampf, nur verzweifelte Suche nach einem Ausweg, den es nicht gab. 11:00 Uhr endete eine Besprechung der Fachlehrer und schon um 11:20 Uhr betrat sie – zu ungewohnt früher Stunde – ihr Reihenhaus. Das obligatorische wöchentliche Reiten ließ sie ausfallen.

Um 11:23 Uhr betrat sie Miriams Zimmer. Die Unordnung war grenzenlos aber für die liebende Mutter alles andere als neu. Schon mit zwei Jahren hatte Miri ihr Umfeld verblüfft, indem sie jegliche Form von Ordnung bekämpfte. Tischdecken und Bettwäsche durften nie auf Kante im Schrank gestapelt sein, im Schuhregal wurden Papas schwarzglänzende Business-Schnürer systematisch mit Mamas flachen Pumps kombiniert, am besten noch in verschiedenen Farben. Bei einer Zugfahrt nach Berlin wanderte die Vesperdose in Mamas Manteltasche, nachdem Miri sie mit tausend anderen Sachen aus dem Rucksack auf den Boden geschüttet hatte. Das Abteil hatte damals pikiert weggesehen, den Kopf geschüttelt oder war in schallendes Lachen ausgebrochen. Damals wäre Maria am liebsten im Boden versunken. Samt Vesperdose. Samt Rucksack und Kind.

Im Boden versunken, von dieser Welt verschwunden, wenn auch nur temporär, wäre Maria auch gern an diesem Mittwoch. Sie stolperte durch ungleichmäßig auf dem Boden verteilte Wäscheberge ihres Sprösslings, vorbei an den einzigen geordneten Bereichen in diesem Zimmer – der Ecke mit den Pferdedevotionalien und den Büchern ihrer Tochter, die fein säuberlich primär nach Genre und sekundär nach der Farbe des Einbands geordnet waren. Die meisten Menschen ordneten Bücher im Regal nach Größe. Aber wie in fast jeder Hinsicht war Miri anders als die Masse.

Diese Unterschiede waren immanent und drückten sich auch in ihrem Kleidungsstil aus, der bis ins Letzte, den ihrer Mutter zu konterkarieren schien. Das, was Maria als zurückhaltend, elegant bis sportlich auszeichnete, antispiegelte Miri durch extrem kurze Röcke, wenig verdeckende Oberteile und zerrissene Beinkleider. Ein weiterer Quell ständiger Auseinandersetzungen, der zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Vater und Tochter, zugleich aber zu tiefgehenden klugen Diskussionen mit der Mutter führte. Oft konnte Maria nicht glauben, dass Miri erst 14 war und noch nicht über einen Doktor in Philosophie verfügte.

Aber all dies waren nur Gedanken, die die Lehrerin von Ihrem nur fünf Meter langen aber unendlich erscheinenden Weg zwischen Zimmertür und Kleiderschrank der Tochter ablenken sollten. Dann öffnete sie die Schranktür und hatte nach einigem Suchen Miris zerschlissenen Jeansmini und das wenig verdeckende schwarze Netzoberteil in den Händen. Slip und BH fanden sich ebenfalls, am Ende auch ein Paar schwarzen Kniestrümpfe.

Gerade war sie dabei, die Sachen ihre Tochter in die befohlene Puma-Sporttasche zu packen, klingelte ihr Handy. Noch bevor sie den Anruf annahm, wusste sie, dass „er“ dran war. Die verzerrte Stimme bellte ihr ins Ohr, dass sie, abweichend vom ersten Befehl, die Sachen nicht in der Puma-Sporttasche zur Kiesgrube bringen sollte, sondern dass sie diese am Leib tragen werde. Bevor sie etwas erwidern konnte, tutete es bereits wieder in der Leitung. Fassungslos starrte sie in die Tasche und bewegte sich wie in der Trance in ihr eigenes Schlafzimmer. Mit roboterhaften Bewegungen entkleidete sie sich und griff dann unter Tränen zu den Sachen ihrer Tochter. Das Mädchen und die Frau trennte etwa eine Größe. Und das sah man. Das, was an ihrer Tochter gewagt bis grenzwertig aussah, wirkte an ihr selbst verboten. Unmöglich konnte sie so zum befohlenen Treffpunkt fahren. Sie musste schließlich erst zum Auto kommen, durch die ganze Stadt fahren und dann noch der Landstraße mehrere Kilometer folgen, bis sie zur Kiesgrube in der Mertenschaussee gelangte. Aus dem Spiegel starrte sie der Abklatsch einer ordinären, gealterten Cheerleaderin an. Aber dann erhellte für einen Sekundenbruchteil ein Lächeln Marias Gesicht. Kurz vor der Kiesgrube gab es einen kleinen von Bäumen abgeschirmten Parkplatz direkt neben der Straße. Dort würde sie sich umziehen.

Kaum hatte sie das Haus verlassen, klingelte ihr Handy erneut. „Drecksau – bevor ich es vergesse. Du nimmst nicht Deine eigene Karre, sondern den BMW Deines Loosers.“ Und wieder das Freizeichen, bevor sie die Worte begreifen, geschweige denn antworten konnte. Zweifelnd wechselte ihr Blick zwischen den beiden in der Doppelgarage stehenden Autos. Ihre knallgelbe Ente, aus demselben Baujahr wie sie selbst, wirkte geradezu verloren neben der Protzschleuder Ihres Mannes. Warum kannte sich dieser Unbekannte eigentlich so gut in ihrer Familie aus? Jedenfalls hätte ihr Göttergatte überlegen müssen, ob ihm seine Frau oder der kaum drei Monate alte schwarze X5 wichtiger war. Zum Glück war der X7, der unmittelbare Ausdruck überbordender Dekadenz, noch nicht lieferbar. Das ersparte ihrem Familienbudget gute 50.000 €, gleichwohl musste es natürlich der M50d sein. Und natürlich war der Wagen nicht einfach schwarz, sondern „Diamantschwarz Metallic“! Und die Bezeichnung „Ceriumgrau“ hatte sie mehr als 46 Jahre nie gehört, ohne irgendetwas zu vermissen. Nun verwendete ihr Rektor diese Phrase ebenso häufig wie das Wort „bitte“ und das nur, weil Auspuff, Stoßfänger und Schriftzug dieser überproportionierten Nobelkarosse in diesem Phantasiefarbton gestaltet waren. „Ceriumgrau! Männer!“. Und da stand er nun, der ganze Stolz ihres Mannes, den er wegen des Schneeregens am Morgen in der trockenen Garage gelassen und sich stattdessen ein Taxi gerufen hatte. Nicht zum ersten Mal …

Mike würde sie umbringen, wenn Sie auch nur die kleinste Schramme an seinem Schatz verursachen würde. Natürlich, das musste sie mit Blick auf ihre geliebte Ente zugeben, war sie in dieser Disziplin Expertin und die Befürchtungen ihres Mannes sie fahren zu lassen nicht völlig unbegründet. Aber ihr blieb keine Zeit zum Nachdenken. Sie hastete zurück in die Küche, nahm den „Schlüssel“ vom Kühlschrank und rollte wenig später das Ungetüm aus der Garage. Die Sonne strahlte, die Straßen waren abgetrocknet. Mit etwas Glück würde ihr Mann überhaupt nicht mitbekommen, dass sie den BMW genommen hatte. Und für den Fall, dass er es doch registrierte, musste sie sich einfach eine Ausrede zurechtlegen. Miri zuliebe!

Der Ort glitt an ihr vorbei aber sie sah ihn nicht. Sie erkannte weder die vertrauten Straßen noch die Menschen. Daher hätte sie später kaum rekapitulieren können, wie sie eigentlich auf den kleinen Straßenparkplatz gekommen war. Aber auf diesem stand sie nun und der BMW summte kaum hörbar und wärmte zusammen mit der fast unverschämt strahlenden Wintersonne ihr Gesicht. Sie hätte sich für ihren Ausritt mit Matador kein besseres Wetter wünschen können. Matador … Wütend schlug sie auf das vermutlich einige tausend Euro teure Armaturenbrett und war wieder in dieser Welt. Sie sah sich um und der Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es Zeit wurde. Im Boden versinken, wegrennen, irgendwohin fliegen. Einfach fliehen. Das wollte sie. Aber das konnte sie nicht – Miri zuliebe.

Ihr nervös wachsamer Blick musterte die hinter den kahlen Bäumen und Sträuchern verlaufende Straße. Nur ab und an glitt in schnellem Tempo ein Auto vorbei. Den Parkplatz hatte vor ihr am heutigen Tag offenbar noch niemand befahren, wie die jungfräuliche, gerade im Tauen begriffene dünne Schneedecke verriet. Sie griff zur Sporttasche auf dem Beifahrersitz. Beim Öffnen kam ihr wieder dieser Würgereiz hoch, den sie im letzten Sommer verspürte, als ihr an der Schule eine fette Ratte fast über den Fuß gelaufen war. Damals hatte sie einen spitzen, quiekenden Schrei des Erschreckens nicht unterdrücken können. Jetzt kam nichts Überraschendes. Aber um das Kommende zu vermeiden, hätte sich Maria lieber in einen Käfig mit zehn Ratten sperren lassen. Vielleicht auch nicht. Aber das waren ohnehin nur sinnlose Überlegungen, gedankliche Fluchten vor dem, was sie erwartete.

Es half alles nichts. Mit einem letzten Blick auf die leere Straße streifte sie die leichte Winterjacke ab. In schneller Folge wanderten Jacke, Rolli, BH, Jeans, Strumpfhosen und Slip auf den Rücksitz. Dann der Griff in die Tasche. Diesen „Dreck“ anzuziehen kostete sie so unendlich viel Überwindung! Sie projizierte Bilder der kleinen Miri vor ihre Augen, dachte an das tiefe Mutter-Tochter-Gespräch vom Wochenende. Und fand die Kraft. Wie vorhin war es einfach ordinär, jetzt allerdings mit dem Vorteil, dass sie im Spiegel nur ihr Oberteil sah. Auf ihre in den schwarzen Strümpfen steckenden, auf weiter Strecke sichtbaren Beine vermied sie zu blicken. In diesem Moment war sie sehr froh über die getönten Scheiben, die ihr wenigstens neugierige Blicke von hinten ersparen würden.

Sie hatte noch fünf Minuten. Vor ihrem Wagen sprangen plötzlich einige bunt gefärbte Vögel im Schnee umher. Unwillkürlich musste sie lachen, als sie sich jagten, wieder zum Ausgangspunkt zurückkahmen und sich dann wieder zeternd verfolgten. Vielleicht hatte dort jemand ein Stück Brot fallen lassen, die Vögel suchten unter dem Schnee nach den Krumen und stritten sich darum. Schöne heile Welt, zu der sie keinen Zugang mehr hatte …

Mit einem tiefen Brummen setzte sich der Bolide in Bewegung, als Maria sanft das Gaspedal bediente. Nur langsam dachte sie. Keinen Schnee aufwerfen, dann bleibt diese Potenzschleuder sauber. Und sie müsste sich keine Erklärungen ausdenken.

13:58 Uhr bog sie auf die Einfahrt zur Kiesgrube und wartete neben dem offenstehenden großen rostigen Tor. Sie ließ die Scheibe einige Zentimeter herunter und genoss die wunderbar klare, wenn auch kalte Winterluft. Aus der Ferne hörte sie Maschinenlärm, sonst war es totenstill. Bis um 14:00 Uhr und null Sekunden das Handy klingelte.

„Schön du alte Lehrerfotze. Ich sehe, Du hast es geschafft. Aber ich kann nicht erkennen, ob Du Dich an meine Anweisungen gehalten hast, die Scheißscheiben sind zu dunkel. Los, beweg Deinen Arsch aus dem Wagen!“ Maria erstarrte, ihr Blick scannte panisch die Umgebung. Es war so ruhig wie eben. Zitternd öffnete sie die Tür. Die Heels berührten den sandigen Boden und sie stieg aus. Dieser Mistkerl musste sie von irgendwo beobachten. Nur von wo, wusste sie nicht. Aus ihrem Handy schnarrte es. „Du Sau. Weg vom Wagen, nicht dahinter verstecken!“ Gut, das war ein Hinweis. Der Kerl konnte sie nicht sehen, musste also irgendwo rechst von ihr sein, dort wo die tiefstehende Sonne sich langsam weiter dem Horizont näherte und sie so stark blendete, dass sie nur schwach den Rand der riesigen Kiesgrube erkennen konnte. Keine Chance, dort jemanden auszumachen. Mühevoll, einen einigermaßen würdevollen Gang versuchend, trat sie einige Schritte vor, sich ständig ängstlich nach Menschen umsehend. Und richtig – kaum war sie hinter der Motorhaube hervorgetreten, kam ein fast zufrieden wirkendes Raunen aus dem Handy. „Einmal auf der Stelle drehen.“ Wie ferngesteuert gehorchte sie. Die Kälte fuhr ihr unter den Rock, Das Netzoberteil hatte als wärmendes Kleidungstück keinerlei Funktion. Umso erlösender war die nun neutral klingende Anweisung „Wieder einsteigen.“

Beruhigend umfing sie die Wärme des Wagens. Zum ersten Mal fühlte sie sich in diesem Luxus geborgen. Der BMW war für sie in diesem Moment so etwas wie eine Burg, eine sie beschützende Festung, die die Unbill der bösen Welt von ihr abhielt. Besonders wohltuend war das dezente Ploppen, mit dem das Auto automatisch verriegelte nachdem sie eingestiegen war.

„Auf Freisprechen.“ kam das Kommando und nun klang die Stimme des Unbekannten nicht mehr aus dem piepsigen Handy, sondern aus der unverschämt teuren Harman Kardon-Anlage. Der Fremde schien überall zu sein, das ganze Auto auszufüllen. Beängstigend.

„Du fährst jetzt nach meinen Anweisungen in die Kiesgrube. Los“! Langsam rollte der Wagen auf dem knirschenden Kies in den großen Tagebau. Die Zufahrt war von vielen LKW-Spuren völlig schneefrei. An einigen Stellen hatten sich Schmelzwasserpfützen gebildet, die Maria langsam umfuhr, um ja diesen verdammten Wagen nicht dreckig zu machen. Die Fahrerei ging ohne erkennbares System durch das riesige Areal. Frisch abgekieste Bereiche wechselten mit alten Halden, von denen die Natur langsam wieder Besitz ergriff. Kleine Tümpel fügten sich in die verwundete Erde, und an einem großen Platz war eine riesige Maschine mit großem Maul dabei, Erde auf ein Förderband zu schaufeln. Die Erde fiel durch Siebe und wurde dann auf verschiedene Haufen verteilt. Der Fahrer war so auf seine Arbeit konzentriert, dass er Maria nicht bemerkte. Er konnte sicher nicht ihr Erpresser sein. Im Moment waren also mindestens drei Menschen in der Kiesgrube: der Arbeiter, der Teufel und sie selbst.

Nach einer gefühlten Ewigkeit dirigierte die Stimme sie zu einer von Kieshaufen und gestapelten Betonplatten umgebenen Freifläche von etwa 30 Meter Durchmesser. Wie befohlen, stellte sie den Motor ab und stieg aus. Anders als vor dem Eingangstor war es hier absolut windstill und die Wintersonne brachte einen ersten Hauch von Wärme. Sofort wurde ihr klar, warum der Anrufer diesen Platz gewählt hatte – er war von der erhöhten Kante der Kiesgrube einsehbar, genau von dort, wo sie ihn die ganze Zeit vermutete. Sie hatte die Autotür offen gelassen und die kräftigen Lautsprecher tönten mühelos nach draußen.

„Jetzt wird es spaßig Lehrersau!“ Unsicher blickte sie gegen die Sonne und glaubte für einen Sekundenbruchteil ein Blinken zu sehen. Sie konnte sich aber auch getäuscht haben. In die Mitte der Freifläche mit Dir. Und dann tanz.“ Entsetzt schüttelte Maria den Kopf nur um sofort zu hören zu bekommen, dass sie ihren Hurenarsch natürlich auch nach Hause bewegen könne, es sich dann aber für Miri erledigt hätte. Was blieb ihr übrig – sie begann ihren sporttrainierten Körper rhythmisch zu bewegen. Irgendwie war das sogar gut, denn die Sonnenstrahlen, die ihr zunächst warm erschienen waren, täuschten nur – sie hatte begonnen kläglich zu bibbern. Kein Wunder, sie hatte ja kaum Kleidung am Leib. Die Tanzbewegungen erwärmten sie wenigstens etwas.

Das Ganze dauerte etwa zehn Minuten, sehr lange zehn Minuten. Immer wieder schaute Maria ängstlich in Richtung der arbeitenden Maschine, die nicht zu sehen aber gut zu hören war. Dann kam ein lautes „Stop!“ Augenblicklich erstarrte sie in der Bewegung.

Was denn kam, hatte sie in den vergangenen 14 Tagen wieder und wieder rekapituliert. Dazu hatte sie schließlich Zeit, denn sie lag mit einer schweren Lungenentzündung im Bett.

Das Monster am Telefon verlangte von ihr, hinter den Betonplattenstapel zu gehen. Dort fand sie eine Sektflasche – „Rotkäppchen halbtrocken“, eiskalt. Sei wurde rüde aufgefordert, die Flasche zu schütteln, mehrfach. Dann musste sie sich, trotz der elenden Kälte, auf den Boden legen, den Jeansmini über die Hüften gezerrt, die Beine weit geöffnet in Richtung des Erpressers und dann den vom Sicherheitsdraht befreiten Korken in ihre Muschi einführen. Der unter Druck stehende Verschluss schoss in ihren Unterleib, gefolgt von einer eisigen Sektwoge, die sie innerlich gefrieren ließ. Als sie aufstehen durfte, steif, heulend, zitternd, bewegte sich das Getränk an ihren Beinen abwärts. Sie glaubte zu erfrieren.

Das war aber erst der körperlich gemeine Teil, besser gesagt der erste Part dieses Teils. Es kam schlimmer. Das Monster befahl ihr, wieder in den Wagen zu steigen und in der Kiesgrube weitere Runden zu drehen. Als sie, wie auf der Hinfahrt, den Pfützen auszuweichen begann, bekam er einen Tobsuchtsanfall und schwor ihr, sie und ihr nichtsnutziges Gör zu vernichten. Er jagte sie in Höchstgeschwindigkeit durch die größten Pfützen. Wasser, Schlamm und Schneereste bedeckten sehr bald den teuren Wagen und aus dem Diamantschwarz war ein milchiges tropfende Schmutziggrau geworden.

Nun ja, das würde Ärger mit Mike geben. Dafür fiel ihr beim besten Willen keine Entschuldigung ein. Vermutlich hatte dieser Penisersatz zum ersten und letzten Mal in seinem Himmelsstößerschen Autoleben „Gelände“ gesehen. Aber es kam schlimmer. Und es bewies, dass der Unbekannte sie und ihre Familie sehr gut kennen musste.

Kaum hatte sie die Straße erreicht, kam die fast milde Anweisung „Fahr nach Hause Lehrersau, das reicht für den Anfang.“ Aber die langsam aufkommende Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Aus dem Wald, kurz hinter der Kiesgrube schoss ein dunkler Wagen und setzte sich etwa 100 Meter hinter ihr fest. Beschleunigte sie, tat er das auch, bremste sie, ließ er sich zurückfallen. Dann kamen die ersten Häuser, das Gewebegebiet zog vorbei.

Und dann der brutale Schrei „Rechts rein Du elende Drecksau, zur Tankstelle.“ Erschrocken zog sie den Wagen nach rechts und starrte zitternd in den Rückspiegel. Der Wagen war ihr natürlich gefolgt, überholte sie jetzt und positionierte sich etwa 10 m vor den Waschboxen. Dann säuselte die Stimme ihr zu „Wir wollen doch nicht, dass Mike etwas von der Spritztour merkt und am Ende noch ärgerlich wird, weil Du seinen kleinen Liebling verschmutzt hast?“ Sie konnte nur bestätigen, dass sie das auf keinen Fall wolle. In der bekannt fordernden Stimme wurde sie dann angewiesen, in die Tankstelle zu gehen und sich Chips für die Waschbox zu holen. Es war ein Gang nach Canossa, denn sie sah aus wie eine billige Hure. Eigentlich noch billiger. Zudem roch sie nach Sekt. Aber sie schaffte es, die Chips zu bekommen Und dann musste sie, unter den Augen von drei wartenden Taxifahrern, bei zwei Grad über Null den Wagen waschen. Nach drei Minuten glaubte sie zu erfrieren, nach fünf Minuten konnte sie sich kaum noch bewegen. Der kalte Sprühnebel benetzte Ihre dünnen Sachen, ihre Haut, ihre Haare. Durch die zu beiden Seiten offenn Waschbox pfiff der Wind und sie glaubte zu sterben.

Nach zehn Minuten fuhr sie einen perfekt gereinigten X5 vom Tankstellengelände, nach 30 min lag sie im Bett. Hustend, röchelnd und heulend …

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Kommentare

Bild des Benutzers annisub

Eine gut erzählte Geschichte, wie nicht anders zu erwarten bei dieser Verfasserin! Das was im ersten Teil thematisiert wurde, wird in diesem ansatzweise in Angriff genommen und real umgesetzt! Die Aktion mit dem Sekt gefällt mir besomders! Eine Frage bleibt nur: wo ist der Sektkorken geblieben? Ob die Protagonistin ihn noch in sich herum trägt? Würd mich freuen, wenn die Geschichte schnell weiter erzählt wird. Da macht das Lesen echt Spaß!!!

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3 Mitglieder stimmen zu
Bild des Benutzers Beate

Die Folge ist natürlich wieder excellent geschrieben! Für alle, die es gerne härter haben, eindeutig eine Pflichtlektüre!

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4 Mitglieder stimmen zu
Bild des Benutzers SirGeorge

Das sind so tolle Geschichten, die Du schreibst. Ich bin jedes mal neu begeistert! 

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1 Leser stimmt/stimmen zu.
Bild des Benutzers julie01

liebe Nina!

ich bin mal wieder begeistert und neugierig wie es weitergeht. ich bewundere deine phantasie und deinen schreibstil. bei mir wäre das woh in ein stockcarrennen, weil ich mich damit auskenne, in der kiesgrube ausgeartet, du hältst spannung in deiner story. bisous

Juliet (tankgirl)

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1 Leser stimmt/stimmen zu.
Bild des Benutzers Piet62

Wie immer ganz toll geschrieben und man kann mit dem Lesen einfach nicht aufhören bevor es zu Ende ist. Ich warte bei dir immer sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Geschichten. Klasse geschrieben, immer spannend und für mich immer mindestens 10 Sterne.

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Bild des Benutzers r.desade

Ich mag deine Geschichten.

Ich finde es aber schade, dass du neue Geschichten beginnst, ohne die alten zu beenden.

Die Geschichte von der Proffesorin ist m.E. noch nicht zu Ende erzählt

 

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Bild des Benutzers Hilde45

Mir gefällt die Geschichte auch sehr gut! Hoffe auch, dass sie bald weitergeht. Und die Geschichte der Professorin natürlich auch. Aber wie ich gelesen habe, soll die nächste Folge der letzteren Geschichte schon im Kommen sein? Freu mich schon darauf!!

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