Don't Judge Me 5

 
Kapitel 5
Für Richard und Christina zu arbeiten war ganz anders als ich es mir zuerst vorgestellt hatte. Während meines ersten Besuchs hatte ich mich schon halbnackt in einem albernen schwarz-weißen Rüschenkostüm gesehen, wie ich mit einem überdimensionalen Staubwedel durchs Wohnzimmer tanzte.
Okay, zugegebenermaßen wäre das das worst-case-Szenario gewesen, aber zumindest hatte ich erwartet, dass den ganzen Tag sexuelle Anspielungen (zumindest von Seiten Richards) erfolgen würden, oder immer mal wieder unscheinbare Berührungen oder so etwas in der Art. Entsprechend überfahren fühlte ich mich, als nichts dergleichen geschah.
Im Vorfeld machten wir aus wann mindestens einer der beiden zu Hause sein würde und dann fuhr ich, meist nach der Uni, hin.
Zuerst war ich immer so um 4 gekommen, sodass Christina, die viel von zu Hause aus arbeitete, meist da war, Richard aber noch auf der Arbeit war. Nach der ersten Woche ertappte ich mich dabei, wie ich mir immer spätere Zeitpunkte aussuchte, um hinzufahren - in der Hoffnung, wie ich mir zähneknirschend eingestehen musste, Richard zu begegnen.
Aber selbst wenn Richard von der Arbeit kam, hatte er meist nicht mehr als eine freundliche Begrüßung für mich übrig. Einmal luden sie mich ein, zum Abendessen zu bleiben, doch ich lehnte höflich ab. Long story short, ich war sehr verwirrt. Die beiden hatten mir sehr offen gesagt, dass sie bei diesem Arrangement durchaus Hintergedanken hatten, aber bisher bestand nicht einmal der Hauch eines sexuellen Untertons - zumindest von ihrer Seite. Bei mir sah es da schon anders aus. Jedes Mal wenn ich von der nächsten Bushaltestelle zu ihnen nach Hause lief, pochte mein Herz unglaublich schnell, weil ich mir ausmalte, wie vielleicht heute irgendetwas passieren würde. Abends fuhr ich dann meist eher enttäuscht nach Hause.
Natürlich war mir klar, was die beiden versuchten. Sie wollten, dass meine Neugierde so groß wurde, dass ich aus Eigeninitiative auf sie zu kam. Das blöde an der Sache war, dass es zu klappen schien.
Eigentlich wollte ich ihnen nicht so in die Hände spielen, aber meine Neugierde wuchs von Tag zu Tag.
Wenn ich es mir abends selbst machte, stellte ich mir ihr so genanntes "Hobbyzimmer" vor und wann immer ich an der geschlossenen Tür vorbeiging, kribbelte mein Bauch. Gleichzeitig würde ich eher nie wieder Sex haben, bevor ich die beiden mit meiner Neugierde konfrontierte. Dazu war ich einfach zu stolz.
Nach einiger Zeit änderte ich meine Strategie.
Mein Plan war es, Richard eine Reaktion zu entlocken, indem ich ihn so lange reizte, bis er praktisch explodierte. Aber auch das schien überhaupt keinen Effekt zu haben. Als ich sein Glas umstieß und damit seinen Schritt komplett durchnässte, fluchte er zwar, reagierte in meine Richtung allerdings gar nicht. Als ich mit total verdreckten Schuhen durchs Haus lief hatte das nur zur Folge, dass ich den Schmutz aufsaugen musste. Als ich mich auf den Wohnzimmerteppich kniete und mich unter dem Vorwand etwas unter dem Sofa zu suchen, an Christinas Beine schmiegte, zog sie diese nur zu sich auf die Couch hoch. Alles in Allem war ich tatsächlich nicht mehr als die Studentin, die ein paar Mal in der Woche zum Putzen kam.
Das verteufelte daran war, dass ich wusste, dass ich darüber hätte erleichtert sein müssen, aber stattdessen machte sich ein unglaublicher Frust in mir breit. Es fühlte sich an, als hätten sie einen riesigen Lutscher vor meinem Gesicht hin und her gebaumelt und im letzten Moment doch wieder außer Reichweite gezogen.
Aber wie gesagt, das hätte ich den beiden gegenüber nie im Leben zugegeben.
Stattdessen versuchte ich, mir meine Erfahrungen, nach denen ich mich jetzt so unglaublich sehnte, auf anderem Wege zu finden.
Im Internet stieß ich relativ schnell auf ein Forum für BDSM-Interessierte. Zugegebenermaßen schreckten mich Begriffe wie Fisting, Nadeln, Sharing, Reizstrom und Bloodplay eher ab, aber es war sehr schnell ersichtlich, dass eben jeder eigene Vorlieben hatte und einige der Profile waren durchaus ansprechend und schienen sich eher mit dem zu decken, was mich, zumindest in meiner Fantasie, anmachte.
Um auf die privaten Fotostrecken der Nutzer zugreifen zu können, erstellte ich mir kurzerhand auch ein Profil. Als Nutzernamen wählte ich 20Gretchen04, was ich sehr unverfänglich fand.
Unerwarteterweise erhielt ich prompt unzählige private Nachrichten, größtenteils von Männern, die anfragten ob Interesse bestünde.
Ich ignorierte sie alle.
Ich hatte bestimmt nicht vor, mich mit jemandem aus dem Internet zu treffen, um mich von Tieren vergewaltigen zu lassen oder mir seinen Stuhl ins Gesicht zu schmieren! Einige schrieben mich durchaus höflich an, aber wie gesagt, in die Richtung hatte ich keinerlei Interesse. Ich las mir aufmerksam viele der Blog-artigen Beiträge anderer Nutzer durch, mehr aber auch nicht.
Als ich zwei Tage nach meiner Anmeldung dort wieder bei Richard und Christina war, fragte mich Christina plötzlich: "Wann hast du eigentlich Geburtstag, Greta?" Als sie meinen Namen sagte beschleunigte sich mal wieder mein Puls. Ich war mir sehr sicher, dass sie genau wusste, was es in mir auslöste, wenn sie meinen Namen sagte.
"Am 20. April, wieso?", antwortete ich ohne nachzudenken.
Sie saß mal wieder auf dem Sofa, hatte den Laptop auf dem Schoß und schien bis eben sehr in ihre Arbeit vertieft zu sein. Ich war gerade dabei Staub zu wischen und stand über den Fernseher gebeugt, sodass ich ihr Gesicht nicht sehen konnte.
Als sie nicht antwortete, drehte ich mich fragend zu ihr um. Unmerklich zuckte ich zurück, als mein Blick unmittelbar dem ihren begegnete. Ihre Mine war neutral, sodass ich unmöglich lesen konnte, was sie dachte.
"Komm mal her.", sagte sie einfach und klopfte auf das Sofapolster neben sich. Stirnrunzelnd blickte ich sie an, versuchte sie einzuschätzen. Was zum Kuckuck war denn jetzt los!?
Mehr oder weniger um ihren starrenden Blick abzuschütteln, legte ich das Tuch das ich noch in den Händen hielt beiseite und ging langsam zu ihr rüber. Trotzdem starrte sie weiter, bis ich wirklich neben ihr saß.
Sie verlagerte das Gewicht etwas und drehte den Laptop auf ihrem Schoß so, dass ich das Display sehen konnte. Mir rutschte das Herz in die Hose. Shit! Vor mir war ganz eindeutig die Website auf der ich mich zwei Tage zuvor angemeldet hatte, mehr als nur das, es war mein Profil. 20Gretchen04. Ich schluckte. Gleichzeitig ärgerte ich mich tierisch über die Wahl des Namens. Aber wie war sie darauf gekommen, dass ich das war!?
Ohne überhaupt nur ein Wort zu sprechen, gab sie mir das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Ich klappte den Mund auf und wieder zu, ohne dass ein Ton herauskam.
"Ich...ähm...das bin-" "Erzähl' mir jetzt nicht, dass du das nicht bist!", schnaubte sie. "Mal ganz davon abgesehen dass die Zahlenkombination wirklich ein riesiger Zufall wäre, leuchtest du gerade wie eine rote Ampel." Prompt wurde ich natürlich noch roter. Ich hasste es, wenn mein Körper das tat.
Okay, selbst wenn ich das war, warum war sie so wütend darüber? Ich verstand die Welt nicht mehr.
"Warum bist du jetzt so angefressen?" In einem verzweifelten Versuch, meine Contenance wiederzugewinnen, verschränkte ich die Arme vor der Brust. "Es ist doch schließlich meine Sache, wann und wo ich mich wie anmelde!" Sie funkelte mich nur weiterhin wütend an.
"Oh, ich bin gespannt was Richard dazu zu sagen hat." Sie warf einen Blick auf die Uhr am unteren Bildschirmrand. "Er müsste in etwa einer halben Stunde hier sein." Ich schluckte.
"Tja.", machte ich trotzig. "Zu blöd, dass ich jetzt nach Hause muss. Ich habe noch Zeug für die Uni vorzubereiten." Ich machte mich daran, aufzustehen. Ihre Finger schlossen sich um mein Handgelenk. Nicht schmerzhaft, aber doch bestimmt.
"Warte bitte noch kurz." Ihr Ton war wieder so warm und freundlich wie ich es von ihr gewohnt war, weshalb ich nicht gleich misstrauisch wurde. "Ich wollte dir noch was geben." Sie stellte den Laptop beiseite und stand auf.
"Ich bin gleich wieder da." Schnellen Schrittes ging sie auf den Flur hinaus und ich hörte, wie sie die Treppe hochging, während ich völlig verdattert auf dem Sofa sitzen blieb. Seit wann hatte sie denn derartige Stimmungsschwankungen?
Meine Verwirrung steigerte sich noch, als sie wieder nach unten kam und nichts dabei zu haben schien. Sie ging schnurstracks an mir vorbei ins Esszimmer, nur um wenig später mit einem Stuhl in den Armen wiederzukommen. Sie stellte den Stuhl neben das Sofa und deutete mir an, mich darauf zu setzen. Mein Misstrauen kehrte augenblicklich zurück. Was auch immer sie vor hatte, es konnte nichts Gutes sein.
"Ich sollte jetzt wirklich gehen.", stammelte ich und warf einen verzweifelten Blick ins Esszimmer. Dort hatte ich meine Sachen abgestellt und ich musste an ihr vorbei gehen, um dorthin zu kommen.
Als ich etwa auf ihrer Höhe war, berührte sie mich wieder am Arm.
"Setz' dich bitte kurz. Schau, es ist doch ein ganz normaler Stuhl, es werden schon keine Speere aus dem Polster geschossen kommen."
"Ich sollte wirklich -"
"Bitte!", sie sagte das mit solchem Nachdruck, dass ich einfach nicht anders konnte.
"Na gut, aber wirklich nur kurz, ja?" Unsicher ließ ich mich auf den Stuhl sinken. Sie ging hinter mir in die Hocke. Anstatt meinen Kopf zu drehen und zu schauen was sie da tat, hätte ich aufspringen sollen.
"Was machst - hey!" Jetzt sprang ich doch auf und wäre beinahe vorn über gefallen. Mit einer Geschwindigkeit die viel Übung indizierte, hatte sie mein linkes Fußgelenk mit einem Paar Handschellen an das Stuhlbein gefesselt.
"Mach mich sofort los!" Von hinten legte sie die Hände auf meine Schultern und zwang mich wieder nach hinten auf den Stuhl. Mit einem überheblichen Grinsen im Gesicht trat sie um den Stuhl herum und blickte hämisch grinsend auf mich herab.
"Nichts da. Du geht nirgendwo hin, bis Richard nicht zu Hause ist. Oh, ich kann gar nicht abwarten zu sehen, was er mit dir macht, wenn er hört, dass du dir ein Profil in einem SM-Forum erstellt hast." Nun war ich es, die sie wütend anstarrte.
"Geht's noch!? Du kannst mich hier nicht einfach festhalten. Das ist Freiheitsberaubung!" Sie schnaubte.
"Bei mir kannst du es dir sparen die Jurastudentin raushängen zu lassen. Bei Richard mag das ziehen, bei mir garantiert nicht." Ich beschloss meine Taktik zu ändern und argumentativ vorzugehen.
"Ich verstehe dein Problem nicht! Ich kann mich anmelden wo ich will. Gerade ihr solltet das doch verstehen." Sie entschied sich, mich zu ignorieren und ging wieder zu dem Sofa hinüber.
"Okay okay, ich verspreche, dass ich noch nicht nach Hause fahre, du kannst mich wieder losmachen." Sie warf mir einen verächtlichen Blick zu.
"Eher nicht, Süße. Ich will noch in Ruhe zu Ende arbeiten und wenn ich dich aus den Augen lasse, bist du schneller zur Tür raus als ich Rohrstock sagen kann." Ich schluckte. Sollte die Anspielung etwa bedeuten was ich dachte das sie bedeutet?
Während sie sich wieder ihrem Laptop widmete als sei nichts gewesen, wanderte mein Blick wieder ins Esszimmer. Wenn ich aufstand und den Stuhl an einem Bein hinter mir herzog, könnte ich es bis zu meiner Tasche schaffen.
"Denk nicht mal dran.", kam es da von Christina. "Wenn es sein muss, binde ich auch noch deine Arme und dein anderes Bein fest." Als ich protestieren wollte, fügte sie noch hinzu: "Und einen Knebel verpasse ich dir auch noch, wenn du darauf bestehst. Jetzt sei ruhig, ich will das hier noch schaffen, bevor Richard kommt." Normalerweise würde ich mich nicht so einfach in meine Schranken weisen lassen, aber ihr Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass sie meinte was sie sagte. Und da ich das Gefühl hatte, alles an körperlicher Freiheit was ich hatte gegen Richard zu brauchen, hielt ich tatsächlich den Mund.
Stumm ließ ich die letzten Minuten Revue passieren und hatte meine Probleme damit, zu verstehen wie die Situation so schnell hatte kippen können. Im einen Moment hatte ich noch ganz normal Staub gewischt, im nächsten Moment saß ich mit Handschellen auf dem Stuhl in der Mitte des Raumes und wartete so darauf, dass Richard nach Hause kam.
Bei dem Gedanken an die Scham, wenn er in den Raum kam und ich hier so saß, drehte sich mir der Magen um und mein Adrenalinspiegel stieg schlagartig an.
Ist das hier nicht das, worauf du so lange gewartet hast?, höhnte mein Kopf und hatte damit leider nicht ganz Unrecht. Seit ich das erste Mal hier gewesen war, hatte ich unterbewusst damit gerechnet, dass so etwas passieren würde, es mir sogar herbei gesehnt, doch jetzt da es so weit war, wünschte ich mir nichts mehr, als die Konfrontation mit Richard so lange wie möglich hinauszögern zu können.
Noch schlimmer als die tatsächliche Fixierung, die sich ja eigentlich in Grenzen hielt, war die Tatsache, dass ich mit meinen Gedanken ganz alleine war und mein Kopfkino es sich zur Aufgabe gemacht hatte, mich zu unterhalten. Tausend Szenen die ich bereits in Pornos beobachtet hatte, schossen mir in den Kopf und die Unsicherheit wuchs mit jeder Minute.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, die tatsächlich nur zwanzig Minuten war, war das Geräusch eines Schlüssels der in das Schloss der Haustür geschoben wurde zu hören. Augenblicklich schoss das Adrenalin wieder durch meinen Körper und ich konnte meinen Puls auf der Zunge schmecken.
Mit einer entschiedenen Bewegung klappte Christina den Deckel ihres Laptops zu und raffte das Papier das sich mal wieder wie automatisch um sie herum ausgebreitet hatte zusammen und legte es auf den kleinen Couchtisch.
Sie hatte die ganzen zwanzig Minuten kein Wort mehr mit mir gesprochen und ich konnte schlecht einschätzen, wie wütend sie tatsächlich auf mich war. Obwohl ich nach wie vor der Meinung war, dass sie überhaupt keinen Grund dazu hatte! Es ging sie überhaupt nichts an, wo ich mich anmeldete.
Innerlich versuchte ich, mich darauf vorzubereiten, dass Richard den Raum jeden Moment betreten würde. Es war zu hören, wie er seinen Mantel und seine Schuhe auszog und beides verstaute.
"Hallo, das war ein Tag. So viele Akten hatte ich schon lange nicht mehr auf-" Er brach mitten im Satz ab und blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen.
Ich hatte mir fest vorgenommen nicht wieder rot zu werden, aber ich konnte es nicht aufhalten und spürte prompt wieder wie meine Wangen anfingen zu glühen.
Beschämt wandte ich den Blick ab und studierte stattdessen lieber die einzelnen Fransen des Teppichs.
"Hallo Richard.", begrüßte Christina ihn, ganz so als ob nichts wäre. Mir war schon aufgefallen, dass sie ihn immer beim Vornamen nannte und keine Spitznamen oder Kosenamen für ihn verwendete. Unweigerlich fragte ich mich, ob sie ihn wohl "Herr" oder "Sir" oder so nannte, wenn die beiden...ihrem Hobby nachgingen.
"Habe ich was verpasst?" Normalerweise hätte ich angesichts der Unsicherheit in seiner Stimme wohl Triumph empfunden, einfach weil er sich so selten aus der Ruhe bringen ließ, aber in meiner aktuellen Situation wäre das wohl etwas weit her geholt gewesen.
Er ging zum Sofa herüber und gab Christina einen leichten Kuss auf die Lippen, bevor er wieder fragte: "Also, was ist hier los?"
"Wonach sieht es denn aus? Uns war langweilig und wir haben Räuber und Gendarme gespielt. Christina hat mich hinterhältig überfallen und mich hier fest gekettet." Innerlich verpasste ich mir selbst eine Ohrfeige. Warum konnte ich nie einfach den Mund halten? Er entfernte sich von Christina und trat stattdessen vor den Stuhl auf dem ich immer noch saß.
Sofort stand ich auch wieder auf, taumelte allerdings prompt und fiel wenig elegant wieder nach hinten. Er lachte leise, ein Geräusch das mir direkt in den Unterleib zog.
Mir blieb nichts anderes übrig als meinen Kopf in den Nacken zu legen und zu ihm aufzublinken, was ich gleichermaßen hasste und als erregend empfand. Während ich es hasste, dass er so auf mich herab schauen konnte, konnte ich es nicht leugnen, dass zumindest mein Körper es unglaublich heiß fand, dass er mir körperlich so überlegen war. Da er gerade von der Arbeit kam trug er noch seine Anzughose und ein weißes Hemd. Männer in Anzügen waren ohnehin meine Schwäche. Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich wollte den Blick nicht senken, denn dann hätte ich unweigerlich auf seinen Schritt gestarrt und das hätte meine Situation gerade sicherlich nicht verbessert.
"Wenn du immer noch so eine große Klappe hast, kann es so schlimm ja nicht gewesen sein.", meinte er amüsierte und lächelte hochnäsig auf mich herab. Da war er wieder. Mr. Arrogant.
"Schlimm genug.", brummte ich, einfach nur um ihn nicht das letzte Wort haben zu lassen.
"Aha. Und warum hat sie dich hier festgebunden?"
"Weil von ihr akute Fluchtgefahr ausging.", warf Christina sofort von der Seite ein.
"Sh.", fuhr er sie an. "Ich möchte die Geschichte erst von Greta hören." Wie jetzt?
"Da musst du schon sie fragen.", erwiderte ich trotzig. Ich würde mir bestimmt nicht die Blöße geben, laut auszusprechen dass ich mich in einem SM-Forum registriert hatte. Nun schaute ich doch auf meine Knie und knetete dabei nervös meine Hände in meinem Schoß.
Er trat noch näher an mich heran, sodass seine Knie jetzt auf gleicher Höhe waren wie meine. Ich schnappte nach Luft, als ich seine Hand auf einmal auf meinem Kopf spürte, wie sie sich in meinem Haar vergrub und meinen Kopf in den Nacken zog. Es kostete mich einiges an Überwindung, die Hände in meinem Schoß zu lassen. Sein Gesicht schwebte bedrohlich über meinem.
"Ich möchte es jetzt aber von dir hören." Seine Stimme war minimal leiser geworden, dafür aber umso dunkler. Zwischen meinen Beinen hatte sich ein fast brennendes Kribbeln breit gemacht.
"Sie hat mir im Internet nachgestellt und bildet sich jetzt ein, mir vorschreiben zu können wie und wo ich mich anmelde.", lautete meine kurze Schilderung. Seine hochgezogenen Augenbrauen verrieten mir, dass er sich ziemlich sicher war, dass das Ganze nicht so abgelaufen war. Ich hingegen war der Meinung, dass ich verbal gut um das eigentliche Thema herum gekommen war.
"Christina?" Noch immer hielt er meine Haare fest und studierte aufmerksam mein Gesicht.
"Ich habe kurz die Website von diesem Portal geöffnet auf dem ich manchmal lese, da habe ich eine Benachrichtigung gesehen, dass sich wenige Kilometer von meinem Standort jemand Neues registriert hätte. Eine gewisse 20Gretchen04. Und da unsere liebe Greta hier am 20. April Geburtstag hat, braucht man nicht Sherlock Holmes sein um eins und eins zusammen zu zählen. Als ich gesagt habe, dass dich das sehr interessieren würde wenn du nach Hause kommst, wollte sie die Flucht ergreifen. Da habe ich sie eben festgebunden." Ihre Stimme war mindestens genauso trotzig wie meine und ich hatte fast das Gefühl wir seien zwei kleine Kinder die sich um ein Spielzeug stritten. Immerhin wusste ich jetzt, wie sie mich auf dem Portal ausfindig gemacht hatte. Ich hatte nicht gewusst, dass der Standort angezeigt wurde! 
"Und ich verstehe immer noch nicht, was dich das angeht.", fauchte ich, war aber erleichtert als Richard mein Haar losließ und wieder einen Schritt zurücktrat.
"Greta?"
"Hm."
"Was meinst du, wie viele Schläge hat Christina verdient?" Ich blinzelte. Was!? Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Christina ebenfalls alles aus dem Gesicht fiel.
"Richard, was -" Mit dem Heben seiner Hand brachte er sie zum Schweigen.
"Ich erinnere mich ganz deutlich dir gesagt zu haben, dass du die Finger von Greta zu lassen hast. Zumindest in jeglicher Hinsicht, die irgendwie unserem gemeinsamen Hobby zuzuordnen ist. Und jemanden mit Handschellen an einen Stuhl zu fesseln gehört definitiv dazu, meinst du nicht?" Ich hatte erwartet, dass Christina ihren Standpunkt verteidigen würde, erklären würde warum sie das ungerecht fand, aber stattdessen senkte sie ihren Blick und sagte leise: "Du hast Recht, es tut mir leid. Ich war so wütend, dass ich mich vergessen habe. Ich habe Strafe verdient." Mit offenem Mund starrte ich sie an. Wie konnte sie so leicht aufgeben? Richard hingegen nickte zufrieden.
"Und da Greta hier das Opfer ist, hat sie das Recht zu entscheiden wie du bestraft wirst, oder?"
"Ja, hat sie." Richard lächelte sie stolz an, bevor er sich wieder mir zuwandte.
"Also, wie viele Schläge?" Mein Gehirn hatte ernsthaft Probleme mit dem Tempo der beiden mitzuhalten.
"Schläge? Womit denn?" Vermutlich hätte ich mich daran stören müssen, dass er überhaupt vor hatte seine Freundin zu schlagen, aber stattdessen wanderten meine Gedanken zu den ganzen Schlaginstrumenten die ich oben im rechten Zimmer gesehen hatte.
"Womit du möchtest." Ich konnte nicht verhindern das sich ein Grinsen auf meine Lippen stahl, als ich das erste sagte, was mir in den Sinn kam: "Rohrstock." Aus dem Augenwinkel konnte ich beobachten, wie Christina kurz die Fassung verlor, sich dann aber wieder fing. Richard nickte.
"Und wie viele Schläge mit dem Rohrstock hat sie verdient?" Ich überlegte. Ich hatte keine Ahnung, wie sich ein Rohrstock anfühlte oder wie viele Schläge sich damit gut aushalten ließen.
"Ähm...vielleicht 15?" Ich hörte wie Christina nach Luft schnappte.
"Oder auch nur 10, keine Ahnung, ich kenne mich da nicht aus.", beeilte ich mich schnell zu sagen. Ein wenig überkam mich das schlechte Gewissen. Ich wollte nicht, dass Christina wegen meiner Unwissenheit irgendwelche Schäden davontrug.
"Christina, komm her." Seine Stimme war die pure Dominanz und es überraschte mich nicht mehr, dass sie sofort machte was er sagte. Er gab ihr einen tiefen Kuss, der mich noch feuchter machte als ich ohnehin schon war und sagte dann zu ihr: "Beug' dich vor, sodass du dich auf Gretas Oberschenkeln abstützen kannst."
Er korrigierte ihre Pose ein wenig, sodass ihre Beine und ihr Rücken am Ende fast im rechten Winkel zueinander waren. Sie stützte sich auf meinen Oberschenkeln ab, was zur Folge hatte, dass ihr Gesicht ganz nah vor meinem schwebte. Obwohl ihr gesamter Körper angespannt war, leuchteten ihre grünen Augen und ihre Lippen waren fast zu einem Lächeln verzogen.
Richard ging aus dem Raum, zweifelsohne um den Rohrstock zu holen.
"Dir ist schon klar, dass du das sowas von zurück kriegst, oder?", zischte sie sobald sie sicher sein konnte, dass Richard außer Hörweite war. Ich erwiderte ihr Grinsen.
"Ach, sobald er etwas sagt, kuscht du und jetzt wieder große Töne spucken?" Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, was meinen Triumph noch süßer machte. Tja, die Sache hatte sich sehr schnell gewendet.
"Du glaubst ja wohl nicht, dass er schon mit dir fertig ist, oder?" erwiderte sie und mein Lächeln verrutschte etwas.
"Wer wartet denn gerade auf den Rohrstock, du oder ich?"
"Du bist unglaublich frech, weißt du das? Kein Wunder dass Richard so besessen von dir ist." Sie lehnte sich noch ein Stück vor und verwickelte mich in einen intensiven Kuss. Es war mehr ein Kampf. Sie versuchte mich zu beißen und ich versuchte das gleiche.
Hinter Christinas Rücken ertönte ein missbilligendes Zungenschnalzen.
"Da lässt man euch zwei mal einmal alleine. Was habt ihr denn den ganzen Nachmittag gemacht dass ihr so raschig seid?" Wir ließen voneinander ab und ich sah, wie Richard sich an Christinas Jeans zu schaffen machte.
Ohne große Umschweife zog er ihr die Hose samt Unterhose herunter und es tat mir ein wenig Leid, dass ich nicht um die Ecke schauen konnte.
"Ich möchte, dass du mitzählst." Wenig später war ein unmissverständliches Zischen zu hören, als der Rohrstock durch die Luft fuhr.
Es gab kein lautes Klatschen, aber Christina zog scharf die Luft ein und schloss die Augen, während sich ihre Hände fester in meine Hose krallten.
"Eins." Richard wartete bis sich ihr Atem wieder beruhigt hatte, ehe er wieder zuschlug. Diesmal war sie etwas gefasster, anscheinend war der zweite Schlag nicht so schlimm wie der erste. So ging es weiter, bis sie bei "Zehn." Angekommen war.
"Okay Süße, sei stark.", flüsterte Richard und holte aus. Ich zuckte zusammen als Christina laut aufschrie. Wie es schien hatte Richard sich die ersten zehn Schläge zurückgehalten. Es folgten zwei schnell aufeinander und sie schluchzte laut und ihre Arme zitterten.
Beim nächsten Schlag kippte sie nach vorne, sodass wir nun Stirn an Stirn lehnten. Ich konnte den dünnen Schweißfilm auf ihrer Haut fühlen. Meine Schadenfreude und Erregung verpufften plötzlich, sie hatte wirklich Schmerzen. Das hatte ich nicht gewollt.
Richard schlug wieder zu. Sie wimmerte.
"Nein, hör auf.", krächzte ich. Er hielt tatsächlich inne.
"Christina, soll ich aufhören?", fragte er ernst. Sie öffnete die Augen und zu meiner Überraschung war ihr Blick durch und durch lüstern, ging mir direkt unter die Haut.
"Nein.", hauchte sie und Richards Stimme klang unglaublich stolz als er sagte: "Gutes Mädchen."
Nach dem letzten Schlag liefen ihr die Tränen stumm die Wangen hinab und sie zitterte am ganzen Körper.
"Komm her.", flüsterte Richard und schlang von hinten die Arme um sie und zog sie in eine Umarmung. Er gab ihr einen zärtlichen Kuss, in dem so viel Intimität mitschwang, dass ich mir ziemlich fehl am Platz vorkam.
"Das hast du sehr gut gemacht." Sie lächelte stolz.
 
Er führte sie zum Sofa hinüber und kam dann zu mir, um endlich diese verdammten Handschellen zu lösen und zog mich ebenfalls zum Sofa hinüber.
Unsicher ließ ich mich auf Christinas anderer Seite auf das Sofa sinken. Noch immer hatte ich das Gefühl, einen unglaublich privaten Moment zu infiltrieren.
"Du schaust so geschockt aus.", flüsterte Christina nach einer Weile.
"Mhm. Das muss wirklich wehgetan haben." Sie lachte trocken.
"Was dachtest du denn?"
"Keine Ahnung.", murmelte ich und schämte mich prompt etwas für meine Unwissenheit.
"Ne, der Rohrstock tut verdammt weh. Und ich weiß, dass Richard sich die ersten zehn Schläge sehr zurückgehalten hat, aber die letzten fünf waren sehr hart." Liebevoll tätschelte sie seinen Oberschenkel und strahlte ihn an.
"Willst du es mal ausprobieren? Wie sich der Rohrstock anfühlt, meine ich." Die Panik musste mir förmlich aus dem Gesicht springen, denn Richard lachte herzhaft. "Nicht so wie du jetzt denkst. Streck' mal die Hand aus, mit der Handfläche nach oben." Unsicher tat ich was er wollte. Er nahm sich den schmalen Bambusstock, den er neben das Sofa gelegt hatte und schlug zu.
"Au!", quietschte ich und zog reflexartig die Hand zurück. Verdammt, das tat weh! Richard und Christina lachten laut.
Nachdem eine Weile niemand mehr gesprochen hatte, sagte ich irgendwann: "Ich dachte vorhin echt, dass du wirklich sauer auf mich bist, weil ich mich da angemeldet habe." Mittlerweile hatte ich verstanden, dass das alles nur ein Vorwand gewesen war, um dieses Spiel einzuleiten. Mit einem Schlag wurden beide wieder ernst und blickten mich an.
"Oh, das sind wir. Weniger sauer als mehr enttäuscht.", meinte Richard und meine Augen wurden groß.
"Aber warum denn?"
"Uns war schon klar, dass du neugierig geworden bist, aber wir dachten, wenn du soweit wärst deine ersten echten Erfahrungen zu sammeln, würdest du zu uns kommen und dich nicht an irgendwelche Fremden im Internet wenden." Ich blickte die beiden sprachlos an.
"Aber ich wende mich doch nicht an irgendwelche Fremden! Ich habe mich nur angemeldet um uneingeschränkt alles lesen zu können, nicht um mich mit irgendwem zu treffen!"
"Ach komm, du willst uns erzählen, dass niemand zu dir Kontakt aufgenommen hat?" Ich zögerte.
"Doch...aber ich habe alle Nachrichten ignoriert." Die beiden sahen tatsächlich etwas besänftigt aus.
"Aber jetzt wo ihr euch daran so stört...frage ich mich schon, warum ihr denn nicht mal eher was gesagt habt?", fragte ich vorsichtig und bemühte mich dabei, den Vorwurf in meiner Stimme so gering wie möglich zu halten.
"Wir? Wieso hätten wir denn was sagen sollen? Wir haben unser Interesse an dir doch sehr klar zum Ausdruck gebracht. Aber ohne dein Einverständnis machen wir gar nichts.", meinte Richard und etwas in seinem Blick sagte mir, dass ich ausnahmsweise mal nicht streiten sollte, auch wenn ich ganz und gar nicht fand, dass sie ihr Interesse an mir klar zum Ausdruck gebracht hätten.
"Also möchtest du tatsächlich die Welt des BDSM weiter erkunden?", hakte Christina nach und blickte mich gespannt von der Seite an. War das denn nicht mittlerweile eindeutig?
"Das klingt als wollte man einer Sekte beitreten.", murmelte ich, ergänzte dann aber noch: "Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher."
"Ich denke es besteht kein Zweifel daran, dass du dem Ganzen körperlich sehr zugetan bist. Die Blockade die du errichtest, besteht ausschließlich in deinem Kopf. Du bist es nicht gewohnt die Kontrolle aufzugeben und fürchtest dich davor so sehr, wie du es dir eigentlich herbeisehnst." Christina blickte Richard vorwurfsvoll an.
"Was er eigentlich damit sagen will ist, dass wir natürlich nichts überstürzen. Wir führen dich ganz langsam in die Thematik ein und ertasten gemeinsam deine Grenzen."
Nach einigem Zögern sprach ich das aus, was mir tatsächlich am meisten Sorge bereitete: "Ich glaube ich kann das nicht."
"Du kannst was nicht?", fragte Christina verwirrt.
"So sein wie du. Ich bin ja nicht blind, sobald Richard irgendetwas sagt, schmilzt du dahin wie Wachs. Du bist so unglaublich...gefügig und unterwürfig ihm gegenüber. Ich glaube, das kann ich nicht." Meine Wangen brannten schon wieder wie Feuer und ich blickte verlegen auf meine Füße.
"Sieh mich mal an." Richard beugte sich ein Stück über Christinas Schoß und als ich ihm widerwillig in die Augen schaute sagte er: "Soll ich dir mal ein Geheimnis verraten? Das ist genau der Grund weswegen du überhaupt hier bist. Ich liebe Christina über alles und ihre absolute Hingabe und uneingeschränkte Submission ist sehr erfüllend, aber oft sehne ich mich nach jemandem der eine Herausforderung darstellt, der mich zurück fordert und an dem man sich auch mal einen Zahn ausbeißt." Christina lächelte bei diesen Ausführungen.
"Jap. Und das kann ich ihm nicht bieten. Er braucht mich nur schräg von der Seite anschauen und mein Widerstand zerbröckelt völlig. Gleichzeitig liebe ich Richard, aber...wie sage ich das jetzt...komplett erfüllt fühle ich mich erst, wenn eine andere Frau mit von der Partie ist, ich hoffe du weißt wie ich das meine." Sie lächelte fast schüchtern.
Wow, das waren ziemlich große Eröffnungen und unterschwellig fragte ich mich, wie viele Mädchen sich vor mir schon in genau dieser Situation befunden hatten. Entschieden schluckte ich die Frage herunter.
Christina spürte wohl dass ich das erstmal verdauen musste, denn sie lenkte das Gespräch schnell wieder in vertrautere Gefilde und fragte Richard wie sein Tag auf der Arbeit gewesen sei. Ich hörte die ganze Zeit nur mit einem Ohr zu, während ich mich fragte was der heutige Nachmittag jetzt für uns bedeutete. Richard hatte gesagt, dass sie nichts ohne mein Einverständnis tun würden, also musste ich wirklich ausdrücklich sagen, dass ich wollte, dass sie...ja was eigentlich? Sie mussten doch ahnen, wie viel Überwindung mich das kostete.
Irgendwann räusperte ich mich leise und studierte wieder die Hände in meinem Schoß.
"Ja?"
"Okay, ich weiß nicht recht wie ich das jetzt sagen soll, nicht lachen! Du hast vorhin gesagt, dass ihr nichts macht ohne mein Einverständnis, aber wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich nicht recht, was ich sagen soll. Ich war mir ziemlich sicher, euch schon konkludent mein Einverständnis gegeben zu haben, aber anscheinend wollt ihr es ja ausdrücklich hören, deshalb weiß ich nicht recht was genau ich sagen soll." Beide schwiegen eine Weile. Erst als ich aufblickte und Richards Blick begegnete, antwortete er langsam: "Dann lass mich dir helfen. Stimmst du zu, dass du beim nächsten Mal wenn du durch unsere Tür trittst, dies als unsere Sub tust?" Bei der Verwendung des Wortes Sub bekam ich eine Gänsehaut.
"Was genau bedeutet das denn für mich?" Meine Stimme brach und verlegen wandte ich wieder den Blick ab.
"Das bedeutet, dass du mir, aber auch Christina, zu Diensten bist. Das bedeutet, dass du dich an unsere Regeln hältst und dass du, wenn du es nicht tust, bestraft wirst." Ich erschauderte bei der Vorstellung wie es wäre, von Richard bestraft zu werden. Ich nickte.
"Ausdrücklich bitte.", forderte Richard und ich schluckte.
"Ja, ich stimme zu." Christina schlang die Arme um mich und küsste mich wieder. Als wir uns voneinander lösten, sagte sie: "Das freut mich."
"Mich auch.", bestätigte Richard und lächelte warm. Ich warf einen schnellen Blick auf die Uhr.
"Ich sollte jetzt aber wirklich fahren, ich habe echt noch Sachen für die Uni zu machen." Die beiden nickten verständnisvoll.
"In Ordnung. Wann kannst du denn wiederkommen?"
"Hm, Samstag könnte ich?"
"Super, Samstag wollte ich den Garten wieder richtig in Betrieb nehmen, dabei könnte ich deine Hilfe gut gebrauchen.", meinte Richard und ich nickte.
"Okay." Etwas unsicher, die Dynamik zwischen uns hatte sich in der letzten halben Stunde eindeutig verändert, stand ich auf und ging meine Jacke und meine Schuhe anziehen.
"Tschüss." Richard und Christina hatten mich zur Haustür gebracht, doch bevor ich sie ganz geöffnet hatte, sagte Richard wie beiläufig: "Ach übrigens, am Samstag lege ich dich übers Knie. Bis du mich anflehst aufzuhören und dich aufrichtig und ehrlich entschuldigst." Ich erstarrte in meiner Bewegung und für den Bruchteil einer Sekunde kostete ich das heiße Ziehen aus, das sich bei seinen Worten zwischen meinen Beinen breit machte.
Mein ganzer Körper begann zu zittern.
"Entschuldigen? Wofür?" Was zum Teufel hatte ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht!? Er packte mich am Oberarm und wirbelte mich herum.
Bevor ich richtig wusste wie mir geschah, presste er mich mit dem Rücken gegen die geschlossene Haustür und seine Lippen auf meine. Er küsste mich derart intensiv, dass ich nach Luft schnappen musste als er von mir abließ.
"Weil du mir in mein Glas gespuckt hast.", knurrte er an meinen Lippen. Sprachlos starrte ich ihn an. Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er die Haustür geöffnet und mich hinausgeschoben.
Ich starrte die geschlossene Tür noch eine Weile an, bevor ich mich kopfschüttelnd umdrehte und die Auffahrt entlang lief. Ich könnte ihm natürlich sagen, dass das damals nur ein Scherz gewesen war. Oder ich ließ es bleiben. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verließ ich das Grundstück.
 

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