Don't Judge Me

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Kapitel 1

Der Tag hatte eigentlich so normal angefangen, wie ein Tag eben normal sein konnte. Wie allzu oft stellte ich den Wecker auf meinem Handy aus, als dieser am frühen Morgen klingelte und drehte mich noch einmal auf die andere Seite. Eine halbe Stunde später erwachte ich mit bis zum Hals klopfenden Herzen, sprang wie wild durch mein Zimmer, zog mein T-Shirt falsch herum an und rannte zur Bushaltestelle. In der Hoffnung unbemerkt zu bleiben, schlüpfte ich eine halbe Stunde nach Vorlesungsbeginn in den Hörsaal und prompt drehten sich alle Köpfe in meine Richtung um, als der Professor ins Mikrofon sagte: “Man sollte meinen, dass Sie mittlerweile alle wüssten, wann unsere Veranstaltung losgeht.” Mit hochrotem Kopf, den Professor innerlich verfluchend, glitt ich in die letzte Reihe und kramte mein Zeug hervor. Ich verschlief jede Woche mindestens einmal. Im Nachhinein ärgerte ich mich immer tierisch darüber und scholt mich dafür, nicht einfach meinen Arsch aus dem Bett zu kriegen, aber wenn dann der Moment gekommen war und der Wecker klingelte, konnte ich einfach nicht die nötige Disziplin aufbringen. Ich hatte nur diese eine Vorlesung und zu allem Überfluss hatte ich das Thema schon in der vergangenen Woche vorbereitet, sodass der Professor mir nicht wirklich irgendetwas Neues erzählen konnte. Da ich aber nicht direkt wieder nach Hause fahren wollte, man fuhr knapp eine Dreiviertelstunde, um die 5km von der Uni zu meiner Wohnung zu kommen, beschloss ich, mich stattdessen in die Bibliothek zu setzen und die übernächste AG schon mal zumindest in Ansätzen vorzubereiten. Das beschäftigte mich tatsächlich auch bis zum frühen Nachmittag und ich war tatsächlich immer noch nicht ganz mit dem Erstellen meiner Powerpoint fertig, als ich zur Arbeit musste. Ich kellnerte in einem Restaurant in Bahnhofsnähe. Meine Eltern unterstützten mich zwar großzügigerweise, aber um die Wohnung, die teuren Lehrbücher, Strom, Internet und meine Bücher zu finanzieren reichte es einfach bei Weitem nicht. Besonders viel Spaß machte mir die Arbeit nicht und besonders in der Klausurenphase war es äußerst ätzend, sich von den Büchern loseisen zu müssen, um kellnern zu gehen. Aber wenn ich meinen Chef bat, mir eine Auszeit nehmen zu können, sagte er immer, dass ich mir gerne eine dauerhafte Auszeit nehmen könne und dass er eine ganze Liste Studenten hätte, die den Job gerne annehmen würden.
Aber immerhin, mit 15 Wochenstunden war ich nicht so arm dran wie einige meiner Kommilitonen, die teilweise über 20 Stunden arbeiteten.
“Hallo”, grüßte ich, als ich in den kleinen Mitarbeiterraum kam. Meine beiden Kolleginnen grüßten freundlich, bevor sie wieder in die Küche verschwanden. Ich war eine Viertelstunde zu früh und machte mich ganz in Ruhe fertig. Die braunen Haare band ich zu einem strengen Dutt zusammen, legte meine Armbanduhr ab und schlüpfte in meine Arbeitskleidung, die aus einer schwarzen Jeans und einer weißen Bluse bestand. Zumindest das musste man meinem Chef lassen, unsere Klamotten waren hochwertig, nicht das Billigzeug aus Polyester.
Jannik, unser Barkeeper begrüßte mich mit einem Highfive als ich das Restaurant betrat.
“Na wie geht’s?” Er schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nur zu gern erwiderte. Mein Freundeskreis war nicht sehr weitläufig. Dadurch dass mein Studiengang so aufwendig war, ging ich keinen aufwendigen Hobbies nach und auch ansonsten war ich eher Einzelgängerin, weshalb es immer schön war, sich freundlich mit Jannik zu unterhalten.
“Ganz gut soweit, hab heute morgen wieder verpennt, aber ansonsten.” Ich ließ den Satz unbeendet, zuckte stattdessen mit den Schultern und grinste schief. Er lachte und schüttelte den Kopf.
“Wie du mal im Berufsleben klarkommen willst ist mir schleierhaft.”
“Mir auch.”, seufzte ich. Shirin, eine meiner Kolleginen kam herüber und drückte mir ein Aufnahmegerät und ein Portemonnaie in die Hand.
“An Tisch sechs hat sich gerade ein Pärchen bedient, die kannst du übernehmen.”
“Geht klar.” Mit einem Zwinkern verabschiedete ich mich von Jannik und schlenderte zu Tisch sechs hinüber. Am Tisch saß eine brünette Frau und mit dem Rücken zu mir ein dunkelhaariger Mann.
“Darf es bei Ihnen etwas zu trinken sein?”, fragte ich, während ich mein Gerät aus der Tasche fummelte. Erst als von den beiden keine Antwort kam, blickte ich auf. Die hellen Augen der Frau ruhten auf mir und auch der Mann hatte sich fast komplett zu mir herum gedreht.
“Entschuldigen Sie, wir haben uns gerade unterhalten.” Ich blinzelte. Wie bitte? Verwirrt schaute ich den Kerl an. Er hatte ordentlich gestyltes schwarzes Haar, stechende blaue Augen und schmale Lippen, die zu einer missbilligenden Linie zusammengepresst waren.
“Das heißt wie bitte. Man unterbricht Leute nicht, wenn sie sich gerade unterhalten, das ist sehr unhöflich.” Völlig verständnislos blickte ich ihn an. Wenn man mit Kunden arbeitete, erlebte man einiges an Unhöflichkeit, aber es war mir noch nie jemand derart arrogant und snobbisch daher gekommen. Ich rümpfte die Nase und streckte das Kreuz durch.
“Na gut, ich bin dann dahinten. Wenn Sie dann bereit sind zu bestellen, melden Sie sich einfach.”, sagte ich zuckersüß und wandte mich ab. Am liebsten hätte ich ihm noch den Mittelfinger gezeigt. Was bildete der sich eigentlich ein!? Wütend stapfte ich zurück zu Jannik und ignorierte dabei die auf sich aufmerksam machen wollende alte Dame, die versuchte mich an ihren Tisch zu winken. Jannik blickte mich irritiert und fragend zu gleich an.
“Du wirst nicht glauben, was das für ein Arsch ist.”, spuckte ich. Ich lehnte mich gegen die Bar und trat leicht mit der Fußspitze gegen den nächsten Barhocker.
“Wieso, was ist denn passiert?”, fragte er neugierig nach, während er ein Weizen einschenkte und auf das nächste Tablett stellte.
“Ich bin ganz normal da rüber gegangen und hab gefragt, was er und seine Freundin trinken wollen und der mault mich voll an, dass es mega unhöflich wäre, jemanden im Gespräch zu unterbrechen. Ganz ehrlich? Die sitzen da und flüstern sich gegenseitig an, da kann ich doch nicht riechen, dass die gerade voll intim am quatschen sind oder so.” Ich machte eine kurze Pause um Luft zu holen und drehte einen Bierdeckel zwischen den Fingern hin und her.
“Greta.” “Ganz ehrlich, manche Leute meinen auch, die Welt würde ihnen gehören. Nur weil sie einen Stock im Arsch haben, meinen sie, andere Leute wie Dreck behandeln zu können. Wie lange arbeite ich jetzt schon hier? Eineinhalb Jahre? Ich glaube es ist noch kein Tag vorbeigegangen, an dem ich nicht angebaggert, beleidigt oder angeschnauzt wurde. Aber als ersten - was?” Fragend blickte ich Jannik an, dessen Mine eingefroren war, während er einen Punkt über meiner rechten Schulter anvisiert hatte. Ich holte tief Luft und schloss die Augen. Nein, nein, nein!
“Bitte sag mir, dass nicht der Kerl von Tisch sechs hinter mir steht.”
“Doch, tut er.” Es war nicht Jannik der mit antwortete, sondern die tiefe Stimme, die mich wenige Minuten zuvor so unsanft zurechtgewiesen hatte. Ich spürte meinen Puls auf meiner Zunge und meine Handflächen wurden unangenehm schwitzig als ich mich zu dem Fremden umdrehte. Er stand gerade so dicht vor mir, dass es nicht anstößig wirkte, aber auch nicht weit genug, um diskret zu wirken. Ich schluckte. Er überragte mich um gut einen Kopf und es ärgerte mich, dass ich den Kopf leicht in den Nacken legen musste, um ihm in die Augen sehen zu können. Diese eisblauen Augen. Ein Schauer überlief mich und ich kreuzte rasch die Arme vor der Brust, um mir nichts anmerken zu lassen. Mein Mund klappte auf, und wieder zu. Doch bevor mein Ringen um Worte zu einem Ergebnis kommen konnte, sprach der Fremde. Mit einem schnellen Blick über meine Schulter auf Jannik, sagte er: “Wir würden dann jetzt gerne bestellen, wenn es Ihnen nichts ausmacht.” Er sagte dies in einem derart geschäftigen Ton, dass man denken könnte, er hätte nicht soeben mit angehört, wie ich über ihn hergezogen habe. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und ging, nein stolzierte, an den Tisch zurück. Was für ein eingebildeter Arsch. Mit brennenden Wangen drehte ich mich wieder zu Jannik um, der ein derart dämliches Grinsen im Gesicht trug, dass ich ihm am liebsten eine verpasst hätte.
“Was grinst du denn so dämlich!?”, zischte ich und fasste mir an die Stirn.
“Sorry, aber so ein Pech kannst wirklich nur du haben.”
“Hör auf zu lachen und sag mir lieber was ich machen soll.” Ich sah ihn flehend an. Ich wollte nicht wieder darüber gehen und mir weitere Kommentare von dem Kerl anhören. Zum Glück kam in dem Moment Shirin aus der Küche. Ich sprang ihr in den Weg und packte sie an den Schultern.
“Shirin”, beschwor ich sie. “Willst du mein Leben retten?” Sie kam ziemlich schnell über ihre Verwirrung hinweg und schaute neugierig drein.
“Kommt darauf an, was soll ich machen?”
“Kannst du bitte bitte zu Tisch sechs gehen und die Getränkebestellung aufnehmen?”
“Von mir aus. Warum gehst du denn nicht?”
“Du bist spitze, danke! Erkläre ich dir später.” Shirin war die Beste! Während sie also zu Mr. und Mrs. Arrogant hinüber ging, lief ich zu Tisch 18 rüber, der sich am anderen Ende des Raumes befand. Ich räumte die Teller ab und machte die Rechnung fertig. Als ich den Beleg gerade an den Tisch bringen wollte, fing Shirin mich ab. Sie sah nicht gerade glücklich aus.
“Danke dass du mich dahin geschickt hast. Man, der Typ geht echt unter die Haut.” Ich lächelte schief und wollte mich an ihr vorbei schieben.
“Moment, ich bin noch nicht fertig. Ich habe gefragt was sie trinken wollen, aber sie haben mich wieder weggeschickt, meinten sie wollten von dir bedient werden.” Wortlos schaute ich sie an. Als ich auch nach einigen Sekunden keine Regung zeigte, nahm sie mir den Kassenzettel aus der Hand und schob mich entschieden in Richtung Tisch sechs.
“Na los, du machst das schon.” Mit wild klopfendem Herzen machte ich mich auf. Welchen Grund könnten die beiden haben, außer mir unbedingt die Leviten lesen zu wollen? Ich schickte Beschwörungen und Gebete an mein Hirn, bloß nichts zu kontern, sondern jeden Anschiss brav zu schlucken und sich später im Stillen darüber aufzuregen.
Diesmal trat ich seitlich an den Tisch heran, sodass sich sowohl die Frau als auch der Mann mit den Eisaugen ein Stück zu mir drehen mussten.
“Was kann ich Ihnen zu trinken bringen?”, fragte ich in ähnlich geschäftsmäßigem Ton wie Mr. Arrogant, als er das letzte Mal mit mir gesprochen hatte, in der Hoffnung, er würde weiter so tun als sei nichts vorgefallen. Dem war natürlich nicht so.
“Sagen Sie, machen Sie das mit jedem Kunden so?”
“Wie bitte?” Seine Mundwinkel zuckten und es ärgerte mich, dass ich instinktiv die Wortwahl benutzt hatte, auf die er mich vorhin so penibel verwiesen hatte. Dabei sprach ich normalerweise äußerst bedacht und grammatikalisch korrekt, nur wenn ich mich in Rage redete, verfiel ich manchmal sehr stark in Umgangssprache.
“Erst lassen Sie vorlaute Sprüche fallen und zerreißen sich dann Ihren hübschen Mund bei dem Barkeeper?” Ich konnte nicht verhindern, dass mir die Röte erneut in die Wangen schoss. Hübscher Mund? Automatisch zuckte mein Blick zu seiner Begleiterin, die ihm gegenüber saß. Sie zeigte keinerlei Ausdruck von Irritation, weder mit ihrer Begleitung, noch mit mir. Ihre Augen waren grün, wie ich jetzt erkannte, und ruhten interessiert auf mir. Ein merkwürdiges Kribbeln machte sich in meiner Magengegend breit als ich ihre Gesichtszüge musterte. Ihre Nase war nahezu griechisch perfekt, ihre Lippen waren voll, aber markant geformt, genau wie ihre spitzen Wangenknochen,auf denen etwas Rouge lag. Ich konnte schlecht schätzen wie alt sie war, sie hatte viele Sommersprossen und die ein oder andere subtile Andeutung einer Falte, aber ansonsten hatte sie gute Haut und eine sehr gesetzte, aber trotzdem jugendliche Ausstrahlung. Mein Mund wurde ganz trocken als ich mir automatisch vorstellte, wie sich diese Lippen auf den meinen anfühlen würden. Wie sie wohl schmeckte?
Ein Räuspern holte mich wieder zurück in die Realität. Ich blinzelte ein paar Mal und wandte mich dann wieder dem Mann zu, der mich mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete. Keine Ahnung ob ich es mir nur einbildete, aber ich hatte das Gefühl, etwas in seinem Blick hatte sich verändert, auch wenn ich nicht benennen konnte, was genau es war.
“Wenn Sie dann damit fertig sind, meine Freundin anzustarren, hätte ich ganz gerne eine Antwort von Ihnen.” Aha, also waren sie ein Paar. Mein Rückgrat besann sich plötzlich wieder auf seine Funktion. Ich stellte mich aufrechter hin und gab ihm den verächtlichsten Blick den ich drauf hatte.
“Nein, das mache ich nicht mit jedem Kunden. Nur bei denen die besonders arrogant und spießig sind.” Ich setzte ein zuckersüßes Lächeln auf. Von Rechts kam ein amüsiertes Glucksen und ich blickte gerade lang genug zu seiner Freundin, um zu sehen, wie sie sich grinsend über ihre Handtasche beugte. Aber die eigentliche Bedrohung hier ging von ihm aus, weshalb ich meinen Blick nicht von ihm lösen wollte. Seine Augenbrauen wanderten noch höher, wenn das überhaupt möglich war.
“Sie finden also, ich sei spießig?”
“Jap.”
“Das ist aber nicht sehr nett.”
“Sie sind ein erwachsener Mann, ich bin mir sicher, dass Sie damit umgehen können wenn Ihnen mal nicht jeder in den Arsch kriecht.”
“Was?” Angesichts meiner Direktheit war er nun doch perplex. Ich konnte ein Grinsen nur schwer unterdrücken. Tja, Punkt für mich!
“Das heißt wie bitte. Also, was darf es zu trinken sein?” Dabei wandte ich mich gezielt der Frau zu, die mir in ihrer höflichen Zurückhaltung wesentlich sympathischer war. Wieso hatte sie sich nur so einen Mann ausgesucht? In ihrer Natürlichkeit wirkte sie nicht so als würde sie nur wegen seines Geldes oder seinen Muskeln mit einem Mann ausgehen, aber mir viel absolut kein alternativer Grund ein, warum man mit diesem Vollidioten ausgehen sollte. Sie lächelte höflich.
“Ich nehme nur ein Wasser bitte, danke.” Ihre Stimme war ziemlich tief, aber trotzdem merkwürdig melodisch. Wieder durchlief mich ein Schauer. Im Blick des Mannes begegnete mir offene Wut, aber auch etwas Anderes, etwas das mich leicht beunruhigte. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, dass er bei unserer Unterhaltung einen Ständer bekommen hatte. Ich sah eindeutig Lust in seinen Augen aufflackern. Toll, ein Perversling war er auch noch.
“Was können Sie denn empfehlen?”, grollte der Kerl, sichtlich um Selbstbeherrschung bemüht. Ich verdrehte die Augen und sein Blick schien sich noch zu verdunkeln.
“Naja, was trinken Sie denn sonst immer? Wir haben Cola, Wasser, Bier, Alster, Wein?”
“Ich denke ich nehme auch ein Wasser.” Die Worte kamen merkwürdig gepresst und ich sah die Knöchel seiner Hand weiß hervortreten, so fest hatte er sie zur Faust geballt. Unsicher machte ich einen Schritt zurück. Der Kerl wollte mich doch wohl nicht schlagen, oder? Ich verabschiedete mich und ging zwei Wasser holen. Am liebsten hätte ich in das eine Glas rein gespuckt, aber mein Restgefühl für Anstand hielt mich dann doch zurück. Trotzdem war ich heilfroh, als die beiden endlich ihre Getränke hatten und auch die Essensbestellung aufgegeben hatten. In aller Ruhe bediente ich die anderen Gäste, behielt das merkwürdige Paar dabei jedoch immer im Blick. Nach wie vor verschaffte mir die Reaktion des Mannes eine Gänsehaut. Wäre er nicht so ein arroganter Arsch und das hier nicht mein Job, hätte ich die Sticheleien mit ihm vielleicht sogar durchaus anregend gefunden, aber so… Seine Freundin ging zwischenzeitlich einmal zur Toilette und als sie wieder kam wechselte sie den Platz, saß ihm jetzt nicht mehr gegenüber, sondern saß seitlich von ihm. Ich dachte mir dabei nichts, behielt sie aber trotzdem im Auge. Sie faszinierten mich auf merkwürdige Art und Weise. Der Mann schien leise auf sie einzureden, während ihre Lippen leicht geöffnet waren und ihre Lider flackerten. Ich blinzelte. Hatte dieses perverse Schwein ihr etwa was in das Getränk getan, während sie auf Klo war!? Doch dann beobachtete ich sie genauer. Sie hatte den Stuhl so weit wie möglich an den Tisch gezogen, sodass ihr die Tischdecke auf dem Schoß lag. An ihren Knöcheln konnte ich sehen, dass ihre Beine leicht gespreizt waren und der zarte Hauch von Rot auf ihren Wangen sprach eine sehr eindeutige Sprache. Ich konnte kaum glauben was ich sah, der Kerl besorgte es ihr unter dem Tisch, hier, vor allen Leuten.
“Entschuldigen Sie, was ist denn mit meinem Wechselgeld?” Mit einem leichten Kopfschütteln wandte ich mich wieder dem Herrn vor mir zu.
“Oh natürlich, bitte entschuldigen Sie. Hier bitte. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.”
Ich ging weiter meiner Arbeit nach, nahm Bestellungen auf, trug leere und volle Teller hin und her, wischte Tische ab und deckte neue ein. Doch wann immer ich konnte beobachtete ich die beiden an Tisch sechs. Der ganze Körper der Brünetten war mittlerweile angespannt, sie hielt die Augen immer länger geschlossen und hin und wieder gaben ihre Schultern ein verräterisches Zucken. Es bestand kein Zweifel, dass er sie gerade unter dem Tisch fingerte. Ich konnte nicht leugnen, dass mich der Gedanke unglaublich heiß machte. Ungewollt stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich hier mit ihm säße und wir das gleiche Spiel spielen würden. Ein sanftes Pochen breitete sich in meinem Unterleib aus. Gleichzeitig stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, diese absonderlich schöne Frau dazu zu bringen, derart delikat die Fassung zu verlieren. Wie feucht sie wohl für ihn war? Ich brauchte eine halbe Ewigkeit um zu bemerken, dass die Augen des Mannes an Tisch sechs auf mir ruhten. Seine schmalen Lippen waren zu einem dreckigen Grinsen verzogen. Er wusste, dass ich es wusste. In seinem Blick lag die pure Herausforderung. So als fordere er mich auf, ihn noch einmal als spießig zu bezeichnen. Ging es darum bei der ganzen Geschichte? Hatte ich sein Ego angekratzt? Ich wollte gerade das Abwischen des Tisches wieder aufnehmen, als er mich herüber winkte. Unsicher, aber durch das Kribbeln in meinem Körper gelenkt, ging ich zu den beiden hinüber. Ein merkwürdiges Kribbeln lag in der Luft, so als würden wir drei ein Geheimnis teilen, ein Geheimnis das so dunkel und schmutzig war, dass der Rest der Welt es sich nicht mal vorstellen konnte.
“Ja?”, krächzte ich und ein siegessicheres Lächeln umspielte seine Lippen. Er wusste, dass er meinen gesamten Körper unter Elektrizität gestellt hatte, er wusste es einfach. In dem Moment gab seine Freundin etwas von sich, was wie eine Mischung aus Husten und Ächzen klang. Mein Blick wanderte automatisch zu ihr. Ihre Hände umklammerten die Tischkante, ihr Gesicht glänzte leicht und ihre grünen Augen funkelten vor Lust. Ich schluckte. Das war der erotischste Anblick, den ich seit langer Zeit zu Gesicht bekommen hatte.
“Meine Freundin hätte ganz gerne noch ein Wasser.” Sie nickte und bemühte sich, mir ein Lächeln zu schenken. Ich lächelte schwach zurück und wankte auf weichen Knien davon. Ich brachte das Wasser und da die beiden mittlerweile aufgegessen hatten, beschloss ich, den Tisch gleich mit abzuräumen. Dabei versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, dass mir sehr wohl bewusst war, was seine Finger in diesem Moment taten. Ich musste mich über ihn beugen um sein Besteck auf seinen Teller zu legen, da spürte ich eine hauchzarte Berührung an meiner Brust und wie etwas in die Brusttasche meiner Bluse rutschte. Verwirrt hielt ich inne, beschloss dann aber doch, schnell den Rücktritt anzutreten. Unter dem Vorwand, etwas trinken gehen zu wollen, ging ich in den Mitarbeiterraum.
Mit zittrigen Fingern griff ich in die Tasche und zog ein kleines Stück Stoff hervor. Verwirrt lockerte ich das Stoffknäul und schnappte nach Luft. Das war definitiv Unterwäsche! Und da sie aus dunkelblauer Spitze bestand ging ich schwer davon aus, dass es nicht seine Unterwäsche war. Wie gebannt starrte ich auf den Tanga. Meine Fingerspitzen kribbelten. Dieses unscheinbare Stück Stoff hatte sie berührt, genau dort wo in diesem Moment seine Finger waren. Bevor ich richtig wusste was ich tat, presste ich die Wäsche an mein Gesicht und atmete tief ein. Ein heftiges Ziehen durchfuhr meinen Körper. Himmel, sie roch gut! Mit einem raschen Blick zur Tür ließ ich das Ding in meine Tasche wandern und war schon auf halbem Weg wieder nach draußen, als mir eine Idee kam.

Ich ging zu Tisch sechs zurück, um ihr leeres Glas abzuräumen. Ich hätte mich von rechts an den Tisch stellen können und es wäre mit einem einfachen Handgriff erledigt gewesen, aber stattdessen stellte ich mich links hinter den Mann, sodass ich mich über ihn beugen musste. Automatisch lehnte er sich ein Stück nach rechts, damit ich besser über ihn rüber reichen konnte. Er roch fantastisch. Nach einer Mischung aus Aftershave und, wie ich vermutete, seinem natürlichen Geruch. Mit einer schnellen Handbewegung schob ich ihm nun meinerseits etwas in die Tasche seines Hemdes.
“Wir würden dann gerne bezahlen.” Seine Stimme war rau und belegt. Es war eindeutig, dass ihn diese ganze Situation auch alles andere als kalt ließ. Ich nickte, bemerkte dann aber wieder, dass ich ja hinter ihm stand.
“Ist gut, ich mach die Rechnung fertig.” Ich hatte mich schon wieder umgedreht, als ich seine Finger an meinem Handgelenk spürte. Ein Blitz durchzuckte mich und ich konnte nicht anders, als meine Oberschenkel zusammen zu pressen. Seine Haut auf meiner löste ein unglaubliches Kribbeln in mir aus. Was war denn bloß los? Obwohl mein Kopf der Meinung war, das Arschloch des Jahrhunderts vor sich zu haben, hätte mein Körper nichts lieber getan, als genau diesem Arschloch das Hemd vom Leib zu reißen. Es war nicht nur die Tatsache, dass er mich berührte, die mich so aus dem Konzept brachte, sondern auch die Art, wie er mich berührte. Anstatt nach meinem Arm zu greifen, hatte er mich gezielt am Handgelenk gepackt. Das war…merkwürdig erotisch.
“Ihre Handynummer hätten wir auch gerne dazu.” Okay, das brach den sexy Bann, den er auf mich ausübte. Ich schnaubte und riss mich los. Was war das denn bitte für eine billige Anmache!? Ich schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur derart von sich überzeugt sein!? Vor allem war das doch richtig mies seiner Freundin gegenüber! Vor fünf Minuten hatte er sie noch fröhlich unter dem Tisch gefingert und jetzt fragte er die Kellnerin nach ihrer Nummer. Wichser!
Ich machte die Rechnung wie gewohnt fertig, aber statt meiner Telefonnummer schrieb ich ihm meine ganz eigene Nachricht auf die Rückseite des Kassenzettels.
Er bezahlte und schien offenbar enttäuscht zu sein, dass keine Nummern unter dem Betrag standen. Ich grinste in mich hinein. Zu meiner Überraschung gab er mehr als großzügiges Trinkgeld, was ich seiner Überheblichkeit zu schrieb. Die beiden erhoben sich.
“Vergessen Sie den Bon nicht.”, sagte ich noch, bevor ich mich aus dem Staub machte. Während ich hinter der Bar so tat als würde ich Gläser spülen, beobachtete ich die beiden gespannt. Sie zogen sich ihre Jacken an und gingen vor die Tür. Dadurch, dass die Außenwände des Restaurants fast komplett verglast waren, hatte ich weiterhin beste Sicht. Fast nebensächlich griff er in seine Brusttasche, in der Erwartung die Unterwäsche seiner Freundin herauszuziehen. Er blieb abrupt stehen. Grinsend rieb ich meine nackten Schenkel aneinander. Er hielt eine graue Unterhose in der Hand. Sie hatte die Worte You shall not pass auf der Rückseite stehen und einen kleinen Gandalf, der seinen Stab schwang. Tja, ich ging halt lieber in bequemer Unterwäsche aus dem Haus. Schließlich musste man ja nicht damit rechnen, sie einem Fremden zustecken zu müssen. Im Stillen trauerte ich ihr nach. Sie war mein Lieblingsstück aus meiner Herr-der-Ringe-Kollektion gewesen, aber den fassungslosen Gesichtsausdruck des Mannes war ihr Verlust allemal wert. Dreh ihn um, dreh ihn um!, dachte ich und tatsächlich, langsam drehte er den Kassenzettel, den er noch immer in der Hand hielt, um und las meine Nachricht auf der Rückseite.

Übrigens, ich habe in Ihr Glas gespuckt!

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank fürs Vorbeischauen! Ich hoffe die Geschichte gefällt euch bis hierhin. Für Kritik, Anregungen und Meinungen bin ich immer sehr dankbar.  Vielen Dank!

Liebe Grüße

Euer Füchschen

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