Die zischenden zweiundfünfzig Zentimeter

Ein Seil - ein Symbol der Verbindung. Ein vielseitiger und nützlicher Gegenstand, nicht
nur um Lasten zu ziehen, sondern auch um widerspenstige Seelen zu binden. Die
kräftigen Hände des Mannes präsentierten der jungen Tara das Seil mit den
Handflächen nach oben gekehrt. Sie stand ihm nackt gegenüber, starrte erst das Seil
an, wandte dann den Blick davon ab und richtete ihn stattdessen auf sein Gesicht. Ein
warmes Lächeln stand auf seinen Lippen geschrieben. Ein Lächeln, das sie ermuntern
sollte, zuzustimmen. Dabei war sie an diesem Abend schon weiter gegangen als sie
wollte, denn obwohl sie von ihm fast nichts wusste, begleitete sie ihn in seine
Wohnung. Dafür brauchte es sicher eine gewisse Portion Vertrauen und Mut. Doch um
in die Aktion einzuwilligen, die er ihr soeben vorgeschlagen hatte, musste man schon
den Verstand verloren haben. Er wollte sie fesseln! Mit dem Seil, dass er ihr
präsentierte. Sie wollte sagen, sie könne das nicht, könne sich nicht einfach so von
ihm fesseln lassen. Aber das war, was ihr Verstand dachte, nicht was ihre Seele
verlangte. Denn jene Vorstellung reizte Tara mehr als sie es sich zugestehen wollte.
Sie musste einfach wissen, wie sich das anfühlte, was es bedeutete gefesselt zu sein.
Den Gedanken würde sie so schnell nicht mehr loslassen können. Doch war es das
Risiko wert?

Sie hatte den Mann vor drei Stunden in einer Bar getroffen. Er sprach sie an und
unterhielt sie prächtig mit seinen Anekdoten, obwohl sie größtenteils wie frei erfunden
klangen. Sein Witz und Charme verzauberten sie alsbald. Auch nannte er ihr seinen
Namen: Martin. Jedoch, die meiste Zeit blieb es beim Smalltalk: Wie toll doch ein freies
Wochenende ist, Rezepte für Fischgerichte, Taras Jogging-Ambitionen... Erst zuletzt
wurde das Gespräch intensiver - nur ging es nicht um ihn, sondern um sie. Ihre letzte
Beziehung und das unschöne Ende und so weiter. Um ihre erfolglose Suche nach
einem neuen Partner und um ihr Bedürfnis nach ein wenig Zuneigung. Von ihm erfuhr
sie hingegen herzlich wenig.

Jetzt stand sie vor diesem beinahe Fremden, von dem sie kaum mehr als seinen
Namen wusste. Und dennoch befanden sie sich in seiner Wohnung. Er hielt ihr
immernoch das Seil hin. Sie schloss ihre Augen kurz. Horchte in sich hinein. Und
obwohl ihr Verstand immernoch stur nein sagte, nickte sie ihm zaghaft zu, denn ihr
Gefühl sagte ganz klar ja. Sie wollte diese Erfahrung machen. Martin hatte sie
neugierig gemacht. Allein der Gedanke sich von diesem attraktiven Mann fesseln zu
lassen und ihm vollkommen ausgeliefert zu sein, ließ wohlige Schauer durch ihren
Körper fahren. Sie öffnete ihre Augen wieder und ließ ihrem Mund ein „Ja“ entfleuchen.
Es konnte beginnen. Martin drehte sie herum, griff nach ihren Händen und band sie
überkreuz aneinander. Das Seil war dick und grob, ihre Handgelenke zierlich und
schwach. Sie fühlte das Material auf ihrer Haut. Jetzt war es nicht länger ein Spiel der
Gedanken; die Phantasie wurde real - sie wird gefesselt. Nachdem die Fesseln auf
ihren Sitz geprüft waren, holte Martin weitere Seile herbei. Ihre Augen folgten seinen
Schritten zur Kommode. Überall auf den Boden sah sie ihre Sachen verstreut liegen.
Kaum, dass sie in der Wohnung waren, hatten sie sich unter wilden Küssorgien der
lästigen Kleider entledigt. Martin trug nur noch seine Shorts. Zunächst sah es aus, als
würde es ein One-Night-Stand wie jeder andere werden, doch nun war ihr klar, heute
wird es etwas besonders.

Ein weiteres Seil schlang der Mann um ihren Oberkörper, wobei er sich hinter ihren
Rücken positioniert hatte. Mit jeder Wicklung, die er um sie schlang, streiften seine
kräftigen Arme und Hände ihre Brüste, allerdings so zart, dass Tara kaum sagen
konnte, ob es Absicht oder nur natürliche Folge der Bewegung war. Allerdings konnte
sie gewiss sagen, dass ihre Nippel sehr eindeutig darauf reagierten. Es dauerte länger
als sie erwartet hätte um gefesselt zu werden. Vielleicht lag es gerade an diesem
langsamen, umsichtigen Bewegungen Martins, dass sie diesen Vorgang unglaublich
intensiv wahrnahm. Sie spürte, wie ihr Geschlecht feucht wird, während Martin ihren
Körper erkundete. Bald streiften seine Lippen über ihren Nacken, fuhr die rechte Hand
über ihren Bauch, während die andere ihre linke Brust knetete. Martin hauchte in ihr
Ohr: „Bereit?“ Und wie sie bereit war. Mehr als jemals zuvor.

Er drehte sie herum, sie sahen sich nun direkt an. Seine Stimme änderte sich in der
Tonlage ein wenig:
„So Süße, heute darfst du dir ausnahmsweise deinen Knebel selbst aussuchen, weil es
unser erstes gemeinsames Mal ist.“
„Aber muss das denn sein? Ich bin doch ganz ruhig.“
„Ja es muss. Also folgende Möglichkeiten hast du: Entweder du wählst einen großen
Ball, den ich dir zwischen die Zähne schieben könnte oder du entscheidest dich für ein
Tuch, das ebenfalls zwischen die Zähne kommt. Oder, tja ... wir nehmen deine
getragenen Nylons.“
„Wie großzügig, diese Auswahl doch ist.“ ließ Tara gespielt eingeschnappt verlauten.
Innerlich turnte sie der Gedanke, am Sprechen gehindert zu werden, nur noch mehr
an.
„Wenn du nicht entscheidest, entscheide ich für dich.“
„Ich weiß genau, dass du mir ohnehin meine Nylons hineinstopfen willst, weil du mich
damit am meisten demüt... Ach, vergiss es. Stopf sie mir schon rein!“ Ihr Mund klappte
weit und erwartungsvoll auf.
„Nun gut“, antwortete er lachend, „wie du wünschst.“
Martin hob einen ihrer Strümpfe vom Boden auf und hielt kurz inne. Er fragte sich, wie
lange Tara sie wohl getragen hatte. Nur heute, oder gar seit mehreren Tagen? Musste
sie damit vielleicht gestern auf Arbeit ständig hin und herlaufen, so dass ihre Füße
mächtig ins Schwitzen kamen? Oder trug sie die auch unter den Socken als sie heute
joggen war? Wenn ja würde es wohl gleich ein besonderes geschmackliches Erlebnis
für Tara werden.
„Worauf wartest du?“, unterbrach sie seine Gedanken, „Oder willst du mich gar nicht
mehr knebelmnfff.“

Und schon war Ruhe. Martin nutzte den zweiten Nylon, um zu verhindern, dass sie den
ersten ausspuckte, indem er ihn um Taras Kopf wickelte. Da Tara nicht das Tuch zum
Knebeln gewählt hatte, benutzte es Martin kurzerhand um ihre Augen zu verbinden.
Dann dirigierte er sie zum Bett und half ihr sich rücklings hinzulegen, wobei er ein
zweites Kopfkissen so unter ihr legte, dass die Liegeposition mit den auf den Rücken
aneinander gefesselten Hände nicht allzu unangenehm werden würde. Sie hörte, wie
er danach das Zimmer verließ und erst nach einer Weile zurückkehrte. Was er getan
hatte, blieb ihr verborgen. Ihre Sinne waren schließlich reduziert auf das Hören und
Riechen. Die Augen verbunden, die Zunge durch ihre getragenen Nylons gebändigt
und ihre Hände durch das grobe Seil am Tasten gehindert. Dabei gab es wohl diesen
einen Punkt, den sie jetzt gerne ertasten wollte. Sie würde sonst noch umkommen vor
lauter Lust.

Ein merkwürdiges kurzes Zischen riss Tara aus der Phantasie. Sie horchte
angestrengt; was war das? Dann vernahm sie erneut dieses Zischen. Sie wollte Martin
fragen, was das Geräusch zu bedeuten hatte, aber der Knebel ließ ja kein klares Wort
mehr zu. Er bemerkte ihre Verunsicherung. „Psst! Verhalte dich ganz ruhig, dann wird
sie auch nicht beißen.“, sprach er mit gedämpfter Stimme. Beißen??? Was um
Himmels willen ist in diesem Zimmer? Die Antwort kam schneller als Tara lieb war. Sie
verspürte einen Körper auf sich, was sie sofort zur Salzsäule erstarren ließ. Lang, glatt
und dünn, wand sich dieses etwas auf ihrer Haut. Martin hatte eine Schlange auf sie
abgelegt. Die nackte Angst kroch in Taras Glieder und der Schweiß rann aus jeder
Pore. Sie spürte zugleich ihren Herzschlag so intensiv wie nie zuvor.

Tara fürchtete in die Hände eines Psychopathen geraten zu sein, der seine Schlangen
auf sie drapierte, damit diese ihre Giftzähne in ihr Fleisch schlagen konnte. Sie hoffte
nur, dass diese Schlange eben nicht giftig war. Andererseits - und dies war gänzlich
irrational - spürte sie, wie ihr Körper äußerst erregt darauf reagierte. Kann Angst
soetwas verursachen? Anscheinend schon. Die Schlange züngelte, sie wusste nicht so
recht was sie von dem warmen, sich bewegenden Objekt, auf dem sie lag, halten
sollte. Als Beute kam es nicht in Betracht. Aber war es ein Feind? Der Kopf des Tieres
befand sich südlich von Taras Bauchnabel und zeigte in Richtung ihrer Hüfte, der Rest
der gerade einmal zweiundfünfzig Zentimeter langen Schlange lag auf ihrem Bauch
und das Schwanzende reichte gerade so bis zu ihren Brüsten. Das Tier war verwirrt,
entschied sich aber instinktiv den wärmsten Teil des Objektes in ihrem Sichtfeld zu
beobachten: Taras geschwollene Schamlippen. Denn viel Wärme bedeutete eine gute
Durchblutung, was dem Gift der Schlange verhelfen würde schnell zu wirken. Natürlich
kannte das Reptil diese Zusammenhänge nicht, der Instinkt verriet nur, dass ihre
Beute und ihre Feinde schnell umkippen, wenn die Schlange in solche Stellen biss.
Dass ihr Gift zu schwach wäre um einen Menschen auch nur im Entferntesten
gefährlich zu werden, konnte sie auch nicht wissen. Wenn man bei solchen Tieren
überhaupt von Wissen sprechen konnte.

Tara indes litt Höllenqualen. Martin schien ganz verstummt. Wenn er doch nur endlich
dieses Ding von ihr nehmen würde. Sie tat alles um so ruhig wie möglich zu bleiben,
während sich das Tier seinen Weg weiter in Richtung ihres Geschlechts bahnte. Und
dann auf einmal züngelte es und berührte dabei Taras empfindlichsten Punkt, der
dank Erektion als ein kleiner Knubbel aus der Vorhaut hervor schielte. Sie erschrak
darüber so sehr, dass sie reflexartig ihr Becken abrupt bewegte. Die Schlange
erkannte diese Bewegung als einen Angriff. Blitzschnell schoss sie vor, klappte das
Maul auf, fuhr die Giftzähne aus und rammte sie in Taras Schamlippe. Diese schrie vor
Schmerz in ihren Knebel. Der Biss tat höllisch weh. Das Gift, was injiziert wurde,
konnte ihr zwar nicht gefährlich werden, aber es würde ihre Nerven soweit reizen,
dass sie eine ganze Weile Schmerzen haben würde. Das arme Tier flüchtete sich auf
das Bett, wo es Martin wieder einfing und wegbrachte.

Erst als er wieder zurückkehrte, versuchte er Tara zu beruhigen: „Sei unbesorgt. Das
Gift wird dir keine Schäden zufügen. Es wird nur eine Weile etwas brennen. Sie hat
mich selbst auch schon ein paar Mal gebissen. 'Aber sicher nicht in deinen Schwanz!
Es brennt nicht etwas, sondern höllisch, verdammt nochmal.' schimpfte Tara in
Gedanken. Martin konnte sehen, dass ein paar Tropfen Blut aus den zwei kleinen
Bisslöchern ronnen. Er konnte sich auch nicht erklären warum, aber das Blut gab ihm
den Kick. Er hatte schon das ein oder andere Spiel mit Blut probiert, doch der Antwort
auf die Frage, warum er diese Neigungen hatte, war er kein bisschen näher
gekommen. Seine Shorts wanderten auf den Boden und sein erigiertes Geschlecht
stand nun frei. Er legte sich zu Tara ins Bett, sein Kopf jetzt ganz nahe an ihrer Wunde.
Sogleich begann er die Blutstropfen abzulecken, was Tara mit einem lustvollen
Stöhnen quittierte. Denn obwohl der Schmerz noch deutlich zu spüren war, gewann
die Erregung zunehmend wieder die Oberhand über ihren Körper. Die Begegnung mit
der Schlange war zwar unheimlich, hatte ihre Lust aber letztlich auf eine verrückte Art
und Weise noch gesteigert. Martins Zungenakrobatik, die sich bald auch auf ihren
Kitzler ausdehnte, brachte sie schließlich beinahe um den Verstand.

Plötzlich, mit einem kräftigen Impuls wurde sie in die Bauchlage befördert und bald
schon war Martin auf ihr. Dann drang er in Tara ein. Sein steifes Glied reizte ihre
Vagina in dieser Stellung wesentlich besser als es in Rückenlage der Fall gewesen
wäre. Und so ließ ihr erster Orgasmus nicht lange auf sich warten und auch der zweite
kam bald. Martin stieß jetzt schnell und kräftig in sie, er keuchte dabei schon sehr
heftig. Tara lief der Schweiß in Strömen, auch sie stöhnte immer heftiger, spürte, dass
sich der dritte Orgasmus näherte. Ihre Lust erklomm neue Höhen, vermischte sich mit
dem schmerzhaften Brennen an ihrer Schamlippe. Und dann erlebte sie einen so
heftigen Höhepunkt, dass sie glaubte in eine andere Welt geschleudert zu werden.
Kaum noch spürte sie, wie sich kurz darauf eine warme Flüssigkeit in ihr ergoss und
Martin über sie in animalischem Gestöhne zusammenbrach. Tara schwebte noch
immer im Glück, als Martin begann ihre Fesseln zu lösen. Völlig erschöpft schliefen
beide danach ein.

Doch am nächsten Morgen war alles anders. Als Tara aufwachte, dauerte es nicht
lange, bis sie sich an den Giftbiss der Schlange erinnerte. Wie konnte er mir soetwas
nur antun? Was wenn ich allergisch auf den Biss reagiert hätte? Und das arme Tier
erst. Reptilien sind doch keine Schmusetiere. Sie beschloss, dass dieser Mann zu
gefährlich war und sie besser das Weite suchen sollte.

Martin betrachtete mit halboffenen Augen, wie sich Tara aufgesetzt hatte und nun
angestrengt grübelte.
„Na, worüber denkst du nach?“ Die Antwort fiel ziemlich barsch aus.
„Bastard. Ich will dich nie wieder sehen.“ Sie sprang auf und zog sich ihre Sachen an.
„Davon bin ich nicht sonderlich überzeugt, schließlich hat es dir zu sehr gefallen, auch
wenn du das nicht zugeben magst. Aber wenn du das so willst. Ich lass dich in Ruhe.
Keine Sorge.“ Tara stürmte aus seiner Wohnung.

Martin hielt sein Versprechen. Obwohl sie damals Telefonnummern getauscht hatten,
rief er sie nie an. Und so verstrichen die Wochen, bis eines Abends sein Telefon
klingelte.
„Martin Bäumer. Guten Abend?“
„Ja. Hier ist Tara. Ich habe es mir anders überlegt.“ Martin grinste nur. Er hatte es
doch gewusst.
„Aber eine Bedingung: Keine Schlangen mehr! Nur die Seile.“

-- ENDE --
© Erebos von  Der BDSM-Blog

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