Die "wahre" Nachtgeschichte

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Die nachstehende Geschichte lehnt sich stark an die kürzlich erschienene "Nachtschicht" von Belice Bemont an. Das geschieht nicht grundlos, wie sich sicher jede/r Leser/in denken kann. Neben vielen anderen Aspekten, die für ihre Entstehung eine Rolle spielten, ist sie vor allem ein Danke und eine Art Antwort auf viele ungestellte Fragen. Viel Spaß beim Lesen der von mir ungewohnten Story.

Ja, sie steht ganz still. Keinerlei Anzeichen von Unruhe oder Nervosität für das getrübte Auge des ungeübten Betrachters zu erkennen. Dabei genügt ein Blick in die Augen oder die Hand an der Flanke, um Bescheid zu wissen. Sie ist aufs Äußerste angespannt und nicht wenig nervös. Beruhigend streichle ich sie sanft, bevor ich die Riemen ohne Hast und Eile auf richtige Lage prüfe und etwas nachziehe.

Wortlos gebe ich zu verstehen, dass alles perfekt sitzt. Der Anblick ist wundervoll. Keine schwarze Exotin, aber der Anzug sitzt perfekt. Enges elastisches Material, welches sich wie eine zweite Haut anschmiegt und dadurch schlanke wie kurvige Stellen gleichermaßen dezent betont. Nirgends trägt es auf, an jeder Stelle ist er wie gemacht für sie.

Kniehohe Hufstiefel und lange Handschuhe, die es ermöglichen, die Arme auf dem Rücken zu fixieren. Ein breiter Gürtel um ihre Taille ist über zwei große metallene Ringe mit den langen Stangen eines Sulkys verbunden, der hinter ihr steht. Davon kann sie nichts sehen, es nur spüren. Denn große, schwarze Scheuklappen am Zaumzeug verhindern das und richten ihren Blick nach vorn.

Wenige Augenblicke später ist auch die Trense befestigt, die kleine Metallkette unter ihrem Kinn gespannt. Bereit zur Arbeit steht sie da, es bedarf nur noch des Kommandos und der auffordernden Bewegung durch die Zügel. Mit einer fast beiläufig wirkenden Handbewegung streiche ich ihr das zusammengebundene Haar zärtlich nach hinten. Wir atmen beide ein letztes Mal tief durch, bevor ich sie in die vollmondhelle Nacht hinaus lenke.

Still ist es. Ungewohnt still für eine vielfache Millionenstadt. Einsame Ruhe am Rand. Kein Vergleich zum pausenlosen, lärmenden Treiben des Tages hier. Sprichwörtlich sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Das ins gegenüberliegende Feld flüchtende Langohr und der neugierige Nachtwandler mitten auf der Brücke vor dem Gespann sind neben Mond und Sternen für Minuten die einzigen neugierigen Betrachter des ungewöhnlichen Geschehens. Niemand begegnet uns. Die Zeit ist perfekt gewählt. Geisterstunde und kurz nach dem Passieren des ersten öffentlichen Nachtverkehrs.

Trotzdem sucht sie die Umgebung mit den Augen ab. Ein eigenartiges und ungewohntes Gefühl für sie, so ganz anders halt. Was, wenn man sie doch sieht? So, in ihrem Outfit, zwar gänzlich verhüllt, doch irgendwie nackt und ungeschützt? Unsicherheit breitet sich in ihr aus und vermischt sich vermehrt mit Angst und Zweifel. Zögerlich ist der nächste Schritt. Schon will sie stehen bleiben und umkehren, sich in gewohnte Sicherheit bringen. Ich würde enttäuscht sein.

Sie nimmt den Schritt wieder auf und beginnt die Fahrt fortzusetzen. Der glatte Asphalt ist trügerisch, lässt die vor ihr stehende Aufgabe in falschem Licht erscheinen. Schon der erste lange Anstieg zur Brücke hinauf hat seine Tücken. Er zieht sich in weitem Bogen schier endlos dahin und lässt den Wagen tüchtig schaukeln. Risse und Schlaglöcher, sowie Verwerfungen über Verwerfungen sorgen für das Fahrverhalten einer Schaluppe auf rauer, offener See.

Noch immer verunsichert, hat sie das Gefühl, dass ihre Knie zittern. Die Gedanken jagen sich. Ein Martinshorn in weiter Ferne sorgt für zusätzliche Anspannung. Ich kenne den Ton, er gehört hier zur Natur der Sache. So fällt es mir nicht schwer, ihn zu orten. Er kommt den Pflasterweg herauf und wird uns deutlich verfehlen. Keine Gefahr für unser Unterfangen, oder gar als Schlagzeile bzw. Randnotiz in der Zeitung zu landen.

„Hep!“, feuere ich sie an und nehme ihr die Entscheidung ab. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, lautet das Motto. Es nimmt ihr das lästige Denken und Grübeln, denn nur ich habe es in der Hand. Einerseits die Zügel, andererseits das Geschehen. Die Hufe klappern die gefühlt endlose Straße hinab. Weithin zu hören, zerschneiden sie die sonst herrschende Totenstille. Der Weg gepflastert mit Gullideckeln, zahllosen Rissen und Verwerfungen, schlimmstenfalls sogar durch Schlaglöcher gezeichnet. Der letzte Sturm sorgt zusätzlich für reichlich Äste und Zweige auf der Straße. Alles andere als eine Spazierfahrt im Mondenschein. Nur die Straßenmarkierung hält uns in der Spur.

Das alles ist wenig hauptstädtisch. An diesem Eindruck ändert auch das Leuchten der ersten zweier Ampeln auf dem Weg zum vorläufigen Ziel, der Ausgabestelle, nichts. Noch immer fühlt man sich eher ländlich. Nur wenig wird sich im Lauf der Nacht daran ändern. Denn kleine, in sich geschlossene Neubaugebiete kennt inzwischen auch jedes Dorf mit Existenzberechtigung. Fußgänger? Fehlanzeige! Autos? Keine Spur! Von ihr unerwartet und doch ist es so. Nacht für Nacht.

Das größte Problem kommt noch und spielt in den Gedanken der jungen Dame keine Rolle. Es ist ihr schlechthin unbekannt. Der ins grelle Licht von Strahlern getauchte Parkplatz hinter der Halle. Es gibt nur eine Stelle, die ausreichend Schutz vor Blicken und emsigem Treiben bietet. Dorthin lenke ich sie, direkt hinter die zweite Reihe wartender Transporter auf vier Rädern. Endloses Warten folgt, ihr sichtlich unangenehm und Nerven aufreibend. Denn die Gefahr der Entdeckung wächst minütlich.

Ich beobachte sie aufmerksam aus den Augenwinkeln heraus, unbemerkt und mit steigendem Interesse. Sie gibt in ihrer Rolle eine gute Figur ab, wenngleich ich auch sonst an ihr Gefallen finde. Paket für Paket, Zeitung für Zeitung wandern in vorbereitete Taschen rund um den Sitz. Bequem zu erreichen und in der Last gut verteilt. An die einhundertfünfzig Kilogramm insgesamt. Keine leichte Fracht, wenn ich bedenke, dass jetzt noch gut dreißigtausend Meter Strecke auf uns warten. Für ein ungeübtes „Pferd“ wie sie kein Pappenstiel.

Endlich ist es so weit. Die Warterei hat für sie und die Packerei für mich ein Ende. Unerkannt vom Gehöft zu gelangen, ist ein beinah unmögliches Unterfangen. Entweder wir schaffen es in zügigem Trab vor allen anderen Nachtschwärmern oder verlieren viel Zeit. Zeit, die uns am Ende des Schutzes der Dunkelheit berauben könnte. Mir bleibt nichts, als sie anzutreiben. Das ist hart, aber unerlässlich.

Wie hart, merkt sie schon auf den ersten Metern. Das, was ich sonst in Teilen rundum am Körper trage und wie ein einarmiger Bandit eigenständig durch die Straßen ziehe, ist schwer und treibt ihr schnell den Schweiß aus den Poren. Doch sie schlägt sich tapfer. Meter für Meter nähern wir uns dem ersten Ziel. Nicht annähernd so schnell wie sonst, aber immer noch schnell genug. Wenn es einmal rollt, dann rollt es.

Genau darin liegt das eigentliche Problem. Die fehlende Stetigkeit der Bewegung. Der Belag ist es auf dem ersten Abschnitt weniger. Glatt und eben. Kein Wunder, führt über diese Straße doch der Zugang zur örtlichen Polizeidienststelle. Soll ich es ihr sagen? Denn hier herrscht oft reges Treiben. Es passieren einfach zu viele Dinge in der Stadt. Nein, ich will sie nicht unnötig ängstigen. Vielleicht haben wir ja Glück und es bleibt ausnahmsweise einmal ruhig. Keine Schlägereien Betrunkener, kein Einbruch, kein Ehestreit … einfach nur Ruhe. Wer weiß?!

Der Ablauf ist im Prinzip ganz simpel und leicht zu verstehen, der Weg tausende Male gegangen. Für sie ist es neu, für mich nicht. Die paar Schritte zum jeweiligen Hauseingang lasse ich sie nicht warten, sondern weiter traben. Erspare ihr so zusätzlich mein Eigengewicht. Der Atem ist ohnehin meilenweit hörbar und die Hufe weckt vielleicht klappernd den einen oder anderen Nachtwandler aus seinem Schlaf. Sie hat es so einfacher, spürt nicht die endlosen Tempiwechsel im Geschehen.

"Gut so", lobe ich sie gelegentlich und schenke anspornendes Streicheln. Dankbar nimmt sie es entgegen. Es wird Zeit für ein wenig Stärkung. Das süße Stück ist gut für den Energiehaushalt, auch der kleine Schluck bitter nötig. Die erste Runde ist geschafft, das Klappern der Briefkastendeckel vorerst verklungen. Doch es ist die leichteste Runde von insgesamt vier, die heute nur auf uns warten. Auch die kürzeste. Sie wirkt schon jetzt erschöpft und müde.

Das nächste Wohngebiet liegt in knapp zwei Kilometern Entfernung. Hauptverkehrsstraße ist unerlässlich. Entlang der Schienen einer Tramlinie, die in etwa einer Stunde wieder den Betrieb aufnimmt, geht es ostwärts. Der Orion ist der stumme Begleiter. Die vierstöckigen Häuserzeilen entlang der Strecke verheißen nichts Gutes. Einige Fenster sind bereits erleuchtet. Ich könnte hier blind entlang laufen, oft habe ich das schon probiert. Schritte zu zählen, dem Klang des Belages zu folgen und zu versuchen, die Richtung beizubehalten, ist gar nicht so schwierig. Ob sie dazu wohl auch in der Lage ist? Ich weiß es nicht, will es auch nicht probieren. Denn beim ersten Mal hat sie es ohnehin nicht leicht.

Die zweite Etappe löst sich vom tristen Einerlei des Asphalts. Ein in sich geschlossenes Wohngebiet mit aneinandergereihten Sechsgeschossern, nicht mit Autos befahrbar und wenig fußgängerfreundlich mit Katzenkopfpflaster versehen. Die beiden einzigen Vorteile: keine parkenden Autos störend im Weg und gelegentliche Verschnaufpausen für sie, da sich mitunter mehrere Hauseingänge gegenüberliegen. Durch das unablässige Gerumpel des Wagens wird es allemal ausgeglichen. Die Anstrengungen zeigen deutlich Wirkung.

Am Ende dieser Runde und auf dem Rückweg zur Zentrale, um nachzuladen, sind ihr das erste Drittel der Wegstrecke deutlich anzumerken. Die kühle Nachtluft fühlt sich wunderbar an, für sie noch mehr als für mich, der die Strecke und Anstrengung täglich gewohnt ist. Der Blick hinauf zum sternenbehangenen Nachthimmel lohnt sich und entschädigt für die bisherigen Mühen. Sie ahnt nicht, dass der schwerste Teil eigentlich noch vor ihr liegt.

Zuerst nachladen, dann noch zwei Drittel der Arbeit. Längst nicht auf so „erholsamem“ Geläuf wie in der gut ersten Stunde, welche bereits die zweite des jungen Tages gewesen ist. So in Gedanken versunken und mit dem Blick bei den Sternen, wird sie plötzlich geblendet. Ein Auto ist nicht weit von uns entfernt in die Straße eingebogen und bewegt sich nun auf uns zu.

„Ganz ruhig!“, meldet sich meine dunkle Stimme. Um ihr Gewissheit zu geben, dass ich bei ihr bin, ziehe ich die Zügel etwas an. Es kostet sie alle Kraft, die sie aufbringen kann. Entlang des Bordsteins führe ich sie entgegen und schließlich vorbei. Das Gesicht des Fahrers ist mir bekannt und spricht Bände. Einer unserer Verteiler, der nun für den Rest der Nacht genügend Stoff zum Grübeln hat. Ich lächle, ja feixe. Verwirrung zu stiften, ist ein Hobby meinerseits. In diesem Fall scheint es wieder einmal gelungen. „So ist es gut. Siehst du, dir passiert nichts.“

Mit der angebotenen Hilfe hatte sie anderes im Sinn gehabt. Zusammen die Zeitung auszutragen, beinhaltete keine Kostümierung, doch ist es letztlich logische Konsequenz unseres Verhältnisses untereinander. „Endlich“, denkt sie, als wir den Hof der Ablage wieder erreichen. Und irrt doch so sehr. Denn es warten weitere 150 Kilogramm bedrucktes Papier. Ruhig, und als ginge mich das alles nichts an, belade ich erneut, wie vor knapp zwei Stunden. Was tun? Es hinnehmen, ohne zu murren? Oder rebellieren und zurück in die normale Realität?  So oder so ähnlich kreisen ihre Gedanken. Ich nehme ihr die Entscheidung ab, spanne sie aus. Keinerlei Gegenwehr ihrerseits, eher dankbares Leuchten der grünen Augen und ein erleichtertes Schütteln der braunen Mähne.

„Es ist genug für heute“, bedeute ich ihr. Sie nickt dankbar und ist doch in einer Mischung aus Enttäuschung und Glückseligkeit gefangen. Enttäuschung über vermeintliches eigenes Versagen und Glückseligkeit ob des Endes der Tortur. Nur im Unterbewusstsein nimmt sie wahr, dass sie in meinen Armen schwebt. Ich setze sie statt meiner in den Sulky und übernehme ihren Platz. „Hep!“, feuere ich mich selbst an und verlasse zügig den Hof.

Die nächste Stunde ist im Grunde ein Kinderspiel, reine Routine. Straße für Straße, Karree für Karree auf spiegelglattem Asphalt. Die Tempobeschränkung auf 30 km/h verfehle ich naturgemäß. Aber ich schwanke zwischen den Werten 10 und 12. Die Uhr tickt unaufhörlich und hat planmäßig taktvoll 60 Minuten hinter sich, als ich wieder verschnaufe.

Sie schläft, sanft wurde sie nur unwesentlich geschaukelt. Die Anstrengung von zuvor hatte sie sozusagen übermannt. Welch schreckliches Wort in diesem zarten weiblichen Zusammenhang. Ich streichle sie und schenke ihr einen Kuss auf die Stirn. Ja, sie ist beides, „Pferd“ und Frau. Und es macht auch keinen Unterschied, denn beide muss man achten und beide benötigen viel Zuwendung. Nur wenige wissen, wie einfühlsam und sensibel ihrer beider Seelen sind. Zuhören, mit offenen und wachen Augen ihnen lauschen, können nur diejenigen, die mit dem Herzen denken. Sie starrt mich an, weiß nicht, wo wir sind. Für die Zeit fehlt ihr jedes Gefühl. „Was ist los?“, fragt sie und lächelt müde. „Nichts!“, sage ich. „Nichts, außer dass ich dich liebe!“ Wortlos nimmt sie es hin.

Was jetzt folgt, wird sie eh wecken, also erkläre ich ihr die nächste Stunde. Der Himmel, inzwischen mit dunklen Wolken verhangen, spendet kein Licht. „Wir verlassen jetzt die Straße und durchqueren das Märchenland“, ist meine spärliche Antwort. „Das Märchenland?“, fragt sie ohne zu verstehen. Ich nicke schweigend. Und schon betreten wir die letzten Meter glatten Asphalt, Rübezahl entgegen.

Nacheinander besuchen wir rumpelnd und pumpelnd alle möglichen Gestalten. Erst besagten Rübezahl, dann Schneewittchen, nachfolgend Rotkäppchen und wenig später die sieben Raben. Niemand erwartet uns, niemand ist wach. Auch beim Froschkönig und den Sterntalern herrscht Totenstille, Eulenspiegel treibt wohl auswärts seine Possen und Frau Holle ist nicht daheim. Beim Däumling haben wir auch kein Glück oder wir haben ihn in der Finsternis übersehen. Schnatterinchen und Pittiplatsch schlafen tief und fest. Ein letzter erneuter Versuch bei den sieben Raben treibt nur Frau Igel aus ihrem Versteck und lässt einige Frösche quaken. Kein Wunder, dass uns niemand begegnet ist. Es gibt keine Laternen im Märchenland.

Schnell ist diese dritte Stunde vergangen, nicht ohne Folgen. Denn wie gesagt: kein Spaziergang über Stock und Stein und in totaler Finsternis! Das Gerumpel des Wagens erinnert nicht grundlos an Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Wir haben noch Glück gehabt, die Hexen sind uns erspart geblieben und selbst der Teufel meidet dieses Revier. Zwischen den Häusern haben uns Andersen und die Gebrüder Grimm den Weg gewiesen. So ist jetzt rund drei Viertel der Arbeit getan, ähnlich verhält es sich mit Strecke und Last.

Die Uhr zeigt fünf, kein Grund mehr zur Hast. Knapp zwei Kilometer den Weg hinaus aus dem verwunschenen Wald, ein kurzer Schwenk und wieder die erste Ampel unserer Nacht. Dann stehen wir am Anfang unserer für heute letzten Runde. Diese ist im Prinzip schnell erzählt. Sie schläft – ich laufe, ziehe und stecke. Ja, alles ist wie jede Nacht. Die tiefe Dunkelheit, die endlose Strecke, das fehlende Zeitgefühl. Nein! Eines ist dieses Mal anders. Sie ist hier bei mir! Danke, dass du da bist!

Die letzte Zeitung, geschafft! Nochmal zur Brücke, hinüber und sieben Grundstücke – dann endlich … Ich atme tief durch, genieße die klare Luft und einen letzten Blick hinauf zum wieder aufgeklarten Himmel. Ich suche ihn, meinen Orion. Ja, meinen! Er ist der Einzige, der mir immer treu ist. Langsam hebe ich sie aus dem Sulky, trage sie ins Haus und lege sie behutsam auf die Couch. „Geschafft“, flüstere ich vor mich hin und lächle. Im Schlaf erwidert sie mit gleicher Münze.

Mein letzter Gedanke, bevor ich mich in ihren Rücken lege und ebenfalls ins Reich der Träume entschwinde: „Ob sie mich künftig den Orion vergessen lässt?“

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Kommentare

Bild des Benutzers Black cat

Wieder eine sehr schöne Geschichte. Die Gefühle von ihr und ihm sind gut beschrieben und nehmen den Leser mit auf dieser Fahrt durch die Nacht.

gerne mehr davon

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Bild des Benutzers Till Bedrich

Hallo Tony,

ich finde deine Geschichte, die Beschreibung des „Austrägers“ (ist der Begriff korrekt?) richtig gut. Im Grunde bräuchte es die Latex-Frau noch nicht einmal. Die Einsamkeit des Mannes, der Nacht für Nacht die Straßen des nördlichen Berlins durchwandert, wird verständlich vermittelt. Bisher besaß er lediglich einen Begleiter oder so etwas wie einen Freund, den Orion. Nun hat ihn eine Frau begleitet.

Es ist deine Geschichte, klar, doch erlaube mir einen Gedanken dazu. Könnte die „Latex-Frau“ nicht einfach nur eingebildet sein, also so etwas wie ein Geist, den nur er sieht? Ein Produkt seiner Sehnsucht?

Einen winzigen Kritikpunkt habe ich dennoch: Einmal wechselst du die Sichtweise. Da wird beschrieben, was sie denkt, obwohl „Die ‚wahre‘ Nachtgeschichte“ aus seiner bzw. deiner Perspektive geschrieben wurde.

Aber wie gesagt, ich finde deinen Beitrag für die Bibliothek richtig gut.

 

Beste Grüße

Till

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Wenn es nicht wahr ist, sollte es zumindest gut erfunden sein.

Bild des Benutzers Tony 2360

... diese Stelle im Text. Wenn vorhanden, wovon ich ausgehe, dann war es entweder ein Versehen und wird korrigiert, oder aber beabsichtigt. Das weiß ich, wenn ich die Stelle gefunden habe. Danke für den Hinweis.

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Bild des Benutzers Tony 2360

... habe ich entdeckt, die bei ganz genauer Betrachtung personell nicht ebenso sauber waren. Dort rutschte ich von der Ich-Perspektive in allgemeinen Modus des Unbeteiligten. Sie wären vertretbar gewesen, trotzdem habe ich sie geändert. Einen Wechsel der Perspektive und damit Erzählrichtung war nirgends gegeben. Danke noch einmal für den Hinweis, da ich ja bei mir selbst gern überkritisch bin.

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Bild des Benutzers Tony 2360

Natürlich wird auch an zwei Stellen geschildert, was wohl in ihrem Kopf vorgehen mag, jedoch nicht aus ihrer Sicht. Und: Ich finde Belice ihre "Nachtgeschichte" um Längen besser als meine Antwort darauf. Warum? Ganz einfach. Sie trifft es, ohne den Job im Detail zu kennen, ziemlich genau. Eine unglaubliche Leistung, sich derart in eine fremde Seele und Situation einzufühlen.

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Bild des Benutzers Realitätsfremd

Die ganze Geschichte kommt mir mehr wie ein Traum vor, als eine wahre Begebenheit.
Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit über das Gefühl, dass es unwirklich ist - und das, obwohl die Situation eigentlich durchaus denkbar wäre, und der Grundgedanke - das Zeitung austragen - eine völlig alltägliche Tätigkeit ist.

Ich bin sehr neugierig, was ich sonst noch so von dir finde :)

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Bild des Benutzers Tony 2360

... aber genau so, wie hier beschrieben, könnte es sein. Zumindest auf meinen Touren. Die Zeiten, die ich dabei schaffe, wären so niemals zu realisieren. Zumal ein kleiner Fakt außen vor gelassen wurde: die Gartenanlage ist mit einem Sulky-Gespann nicht befahrbar, weil überall mittig in den Zugängen Poller stehen. Ich müsste also hoffen, dass die Hauptwege, zumindest einer davon, mal mit einer offenen Schranke vorzufinden wäre. Aber auch dann käme ich mit dem Sulky in die vielen unzähligen Seitenwege nicht hinein. Ansonsten ist alles genau so, wie beschrieben. Fahrbahnbelag, Straßenverlauf, entgegenkommende Fahrzeuge et. pp. Und selbst Fuchs und Hase sind nicht erfunden. Es gibt dort sogar ein Rehpaar und seit kurzem einen rechts hinten humpelnden Fuchs. Es mag sich alles wie ein Märchen anhören, vielleicht wegen der Märchenfiguren, die namentlich erwähnt sind. Doch, das ist pure Realität. Kein Scherz!

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