Die Augenbinde

"Klappentext": 
Eine kleine Geschichten-Idee, ein Schnipsel. Ruft er so etwas wie Begeisterung oder liebend gerne auch Kritik hervor, schreibe ich voraussichtlich weiter. Berührt er nur lauwarm, soll´s das gewesen sein!
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Ein warmer Geruch strömte dem elegant gekleideten Herrn entgegen, als der die Tür zum Stall, auf die er mit seiner für diese Gelegenheit unpassend zurecht gemachten Begleitung zugeschritten war, quietschend geöffnet und seinen Kopf hineinsteckt hatte.

Hallo? Ist da jemand?, rief er und das Gebell, das die beiden Besucher schon von weitem angelockt hatte, wurde lauter.

Rechts und links des Ganges, der von Holzverschlägen gebildet wurde, sozusagen von hölzernen, halbraumhohen Einzäunungen, war erwartendes und aufgeregtes Hin und Herspringen und Getrappel, neben neugierigem, manchmal verhaltenem, hin und wieder auch offenem Gebell zu hören.

Just in diesem Moment saß Julius noch am Tisch im Haupthaus des Hofes.

Eigentlich war es seine Absicht gewesen, in aller Ruhe ein kräftiges Frühstück zu sich zu nehmen, aber nun sah er, aufgescheucht durch unerwartetes Autotürenschlagen und Wirbel auf dem Hof durchs Fenster nach draußen auf einen vornehm gekleideten Herrn, der etwas im Stall bei Julius´ Schützlingen zu suchen schien, in der rechten, der herabhängenden Hand hielt er eine Kette, die etwa einen Meter weiter oben am Hals einer Frau endete. Sie trägt tatsächlich ein Halsband, wie früher meine Hunde, wenn ich mit ihnen spazieren ging, schoss es Julius in den Kopf.

Aber nicht nur das Halsband sondern ihre ganze Gestalt verschlug Julius augenblicklich den Atem, und das nicht einzig, weil sie außer ein paar breiten, dunklen Riemen, auf denen glänzende Nieten das Sonnenlicht zu ihm, Julius, warfen und die sich geometrisch und spiegelbildlich um ihre Körperpartien rankten, absolut nichts an irgendeinem Stoffstück an ihr auszumachen war. Die Hände hatte sie ruhig auf dem Rücken liegen und Julius glaubte, zu erkennen, dass sie mit dem Gürtel um ihre Taille verbunden waren, aber sie könnte sie auch freiwillig nach hinten gelegt haben, das ließ sich aus der Entfernung nicht erkennen und auch nicht, was da um ihren Kopf lag, das den freien Fall ihres bis zwischen die Schulterblätter reichenden, braunen Haares verhinderte.

Plötzlich fiel es Julius siedend heiß ein, war da nicht dieser Anruf vor ein paar Tagen gewesen, dieser Herr am Telefon, der sich für den Ankauf eines von Julius´ Rüden interessiert hatte? Er wollte unbedingt persönlich vorbeikommen, statt sich die Rüden, wie angeboten, erst einmal auf der Internetseite anzusehen.

Natürlich!

Am Ende des Gesprächs waren sie bei Freitag verblieben und heute war Freitag!  

Julius warf einen raschen Blick auf den Kalender am Kühlschrank, da stand ein Name am heutigen Tag vermerkt, aber das Kalenderblatt, das jedes Jahr zu Weihnachten von seinem Zeitungsausträger an Mathilda übergeben wurde, die ihm für seinen täglichen, langen Weg, den er in die Einöde zu ihnen zurückzulegen hatte, ein ordentliches Trinkgeld in die Hand drückte, war zu weit weg, um etwas lesen zu können.

Dass der Herr allerdings eine Frau mitbringen würde, davon war, wenn Julius in seiner Erinnerung kramte, niemals die Rede gewesen, denn dann hätte er sicherlich Mathilda gebeten, sich für einen Interessentenbesuch hübsch anzuziehen und statt seiner über einen Welpen aus dem neuen Wurf mit den Fremden zu verhandeln, so aber war sie um diese Tageszeit lediglich darauf vorbereitet, und wahrscheinlich bereits in ihrer Kluft, um in den Stall zu gehen und die Näpfe mit Futter und frischem Wasser zu füllen, oder ein gutes Zureden bei dem einen und anderen Tier zu hinterlassen, ein Tätscheln und Klopfen auf die Flanken, und um die männlichen Hunde, die Rüden, die lediglich für die Fortpflanzung einer Aufgabe nachkommen mussten, und die sonst nicht gebraucht wurden, und auch die kinderlosen oder schwangeren Mütter ins Freie zu lassen, damit sie sich auslaufen konnten.

Julius ging auf den Tisch zu, nahm den letzten Schluck aus seiner Kaffeetasse und stieg in seine Gummistiefel, die er gewöhnlich neben der Eckbank abstellte, während ein Widerstreben und eine Sorge in ihm anwuchsen, so unerwartet gleich auf eine Frau, noch dazu auf eine so wohlgestaltete und obendrein noch nackte, zu treffen.

Seit dem Unfall vor ein paar Jahren, der seine rechte Gesichtshälfte in Gekröse verwandelt und bei dem seine Ohrmuschel fast ganz in Rauch aufgegangen war, beides ein nicht mehr zu verbergendes Zeichen, dass ihn ein Schicksalsschlag ereilt hatte, den man liebend gerne vor jedermann verborgen hätte,  und der ein ums andere Mal bei anderen diesen kurzen Atemaussetzer, der nicht dem Willen unterlag, und ein noch kürzeres, aber vernehmbares Zucken im Gesicht der meisten hervorrief, hatte er den Kontakt, insbesondere zum annähernd gleichaltrigen, weiblichen Geschlecht, gemieden.

Im Flur rief er im Vorbeigehen nach oben: Mathilda, ich bin draußen bei den Hunden, da ist ein Kaufinteressent, du kannst solange im Haus bleiben, bis er weg ist!, und die Studentin der Modeschule und des Designs in Hamburg, der er Unterkunft samt Kost und Logis bot, und die im Gegenzug alles erledigte, wozu Julius im Leben das Talent fehlte, wie den Umgang mit den Steuerbehörden beispielsweise, streckte ihren Kopf im ersten Stock übers Treppengeländer und fragte, was denn das für ein Herr sei.

Ich weiß auch nicht, er will einen Rüden, mal sehen!, lenkte Julius seine Stimme hoch in den ersten Stock.

Er will doch nicht womöglich Wanschu haben?, kam es etwas besorgt zurück.

Mal sehen, Mathilda!, mehr fiel Julius im Moment nicht ein, um Mathilda, die ihm seit damals jeden anderen Menschen ersetzte, zu beruhigen, als er die Kappe vom Haken nahm, die seine Male nur unzureichend verbergen konnte, und als er die Tür hinter sich zuzog.

Als er auf die Besucher zuging, die sich mittlerweile, weil sie gehört hatten, dass eine Tür zugeschlagen war, zu ihm umgewandt hatten, und während er überrascht die schwarze Augenbinde der Frau erblickte, die ihm, auch wenn er sich über sie wunderte, augenblicklich etwas von dem Gefühl der Beklemmung nahm, die ihm den Hals noch beim Verlassen des Hauses zugeschnürt hatte, und als er sich nach dieser Feuerpause in seinem Innern gestattete, im Näherkommen einen Blick, nicht nur auf die bloßen Brüste oder die glattrasierte Scham, sondern auch auf ihren Schwanenhals zu werfen, musste er an den kleinen Wanschu denken, Mathildas Liebling, den drei Monate alten Nachkommen des mit den besten Genen des Rudels ausgestatteten Rüden und dem Hauptlieferanten an hochwertigstem Sperma, über das die Fachwelt schrieb und das ihn, Julius, den Züchter, über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hatte.

Ja, sogar aus Bayern, seiner alten Heimat, nahmen manche Menschen die fast tausend Kilometer Anfahrt in Kauf, um sich einen der süßen Kerle in ihr Leben zu holen, weil man sich bei Julius´ Hunden sicher sein konnte, dass dieser lebende Neuerwerb alles in sich tragen würde, das den treuen und wenn man ihn nicht anders erzog, sanften Charakter eines Rottweilers genetisch ausmachte, aber nicht damit zu rechnen war, dass man, wenn der Hund erwachsen sein würde, in ein furchteinflößendes oder gar hässliches Gesicht sehen müsste.

Diese Schönheit der Gesichter, die Julius von Wurf zu Wurf versuchte, ganz ohne Gentechnologie zu befördern, seit er mit der Zucht begonnen hatte, und die es ihm ermöglichte, in höchstmöglicher Abgeschiedenheit vom Rest der Welt einem Broterwerb nachzugehen, lag ihm ganz besonders am Herzen, denn konnte schon er selbst niemanden mehr wie früher mit seiner Attraktivität hinterm Ofen hervorlocken, so sollten es wenigstens die Wesen tun, die er zumeist gemeinsam mit Mathilda aus der wärmenden Gebärmutter einer Hündin in die kalte Welt hob, sie hegte und pflegte, bis sie einem neuen Besitzer übergeben wurden.

Sie müssen der berühmte Herr Julius sein?, streckte der Besucher die rechte, freie Hand aus, froh, endlich jemanden zu sehen, mit dem er über sein Vorhaben, einen neuen Begleiter seines Lebens, verhandeln zu können und seine leicht ergrauten Schläfen und der teure Kaschmirmantel vermittelten dem Fremden etwas, das Julius das Gefühl gab, er könne mit dem Preis ruhig am oberen Rand beginnen, falls es dazu komme, und als der Herr noch einen weiteren Schritt auf ihn zu tat und dabei, der Kette kein bisschen Spiel ließ - denn Julius hatte die Angewohnheit, niemanden mehr zu nahe an sich heranzulassen und darum jeweils, wenn es um eine Begrüßung ging, seinen Oberkörper etwas nach vorne zu strecken und gemeinsam mit dem lang ausgestreckten Arm, sorgte diese Haltung für einen Sicherheitspuffer zwischen sich um dem Rest der Welt - da bemerkte er, wie die Frau, von der für sie unvorhersehbaren Bewegung des Herrn einen plötzlichen Zug auf den Hals erhielt, sodass sie leicht ins Straucheln geriet.

Zu Julius´ Verwunderung aber, beklagte sie sich nicht und der Herr schien ihr Wanken noch nicht einmal bemerkt zu haben.

Herzlich willkommen!, brachte Julius schließlich hervor, auch wenn ihm eher danach gewesen wäre, der Frau unter die Arme zu greifen, sie festzuhalten, ja, augenblicklich ereilte ihn sogar der Wunsch, sie anzufassen, so wie man beispielsweise den Impuls hat, einem Kind, das neben einem steht, während man sich mit den Eltern unterhält, über den Kopf zu streicheln.

Und der Mund erst, der unterhalb ihrer abgedeckten Augen lag, der erschien ihm auf einmal als das Aufregendste, das Allerschönste, was er jemals gesehen hatte, und auch wenn er am liebsten in ihre Augen geblickt oder ihre Brüste berührt oder eine Hand zwischen ihre einladend zugängliche Scham gelegt hätte, so war es doch gerade der Umstand, dass sie ihn nicht sehen konnte, der ihn auf einmal so frei werden ließ, wie er sich früher gefühlt hatte, ein neues, altbekanntes Gefühl, das ihn so durcheinanderbrachte, dass er sich fast bestürzt umwandte und die Stalltür mit einer einladenden Geste aufhielt.

Wieder sah Julius, weil offenbar lediglich die Kette der Frau die Absicht des Herrn andeutete, wie ein Ruck durch den Körper der Schönen ging, und dann auch ein milli-sekunden-währendes und mühevolles Ordnen ihres Gleichgewichtssinns, bemerkbar an ihrem kurzen Wanken, das einen anrührte, und dann konnte man förmlich ihre Konzentration sehen, gleich einem dressierten Pferd, auf jedes noch so kleine Zeichen am Hals zu achten, um keinen der Befehle mehr zu versäumen, die ihr einzig und allein durch den Zug am Halsband vermittelt wurden und deswegen auch streckte sie wohl sachte den Kopf etwas nach vorn und es sah so aus, als lausche sie jetzt auch auf die Geräusche der Umgebung, ein Rascheln, einen Luftzug vielleicht, um keinen weiteren Fehler zu begehen.

Auch hörte Julius, als er vorausgehen wollte, wie ihr Absatz oder die Schuhspitze, wie jedenfalls eins von beiden gegen die Schwelle zum Gang stieß, konnte nicht anders und drehte sich rum und konnte beobachten, wie sie wieder ins Straucheln geraten war, und dass der Herr ihr nicht half und es offenbar von ihr erwartet wurde, dass sie sich selbst fing, und das, ohne Zuhilfenahme ihrer Arme und ohne, dass ihr Begleiter eine Sekunde gezögert hätte einfach weiter voranzuschreiten oder wenigstens die Kette etwas locker zu lassen, als sei da niemand hinter ihm, schon gar nicht jemand der auf seinen Tastsinn und sein Gehör angewiesen war, um sich orientieren zu können und darum hatte sie gar keine Chance, ihr Gleichgewicht wiederzufinden und stieß mit einem lauten Getöse, erst nur mit der Kniescheibe, dann mit dem ganzen Körper an ein Holzgatter, aber auch da war der Herr noch immer nicht auf ihre Rettung aus, und ging statt stehenzubleiben einfach weiter, nur ließ er diesmal achtlos das Ende der Kette fallen, als die Frau erneut auf dem Boden lag, wie ein Käfer, mit dem Rücken nach unten und nachdem sie den metallenen, dumpfen und gleichzeitig rasselnden Plumps vernommen hatte, da sah man ihrem Mund die Angst an, und wie er anfing, zu beben, und wie sich ihre verbundenen Augen hilflos gegen die Stalldecke richteten, so dass sie so verloren aussah, dass Julius unweigerlich die paar Schritte zurück zu ihr gehen und ihr helfen wollte, jedoch von dem Herrn abgehalten wurde, der ihn am Arm festhielt, mit den Worten: Lassen Sie! Sie kommt schon!, und ihn, Julius, weiter in den Stall zu seinem eigenen Ziel, den Welpen, vor sich herschob und zwei Schritte weiter aber dann doch stehenblieb.

Julius konnte nicht anders als ihr zuzusehen, wie sie sich ohne Arme, zunächst auf die Knie hochrappelte,  dann weiter bis sie stand, abplagte und vorsichtig begann, einen Fuß vor den anderen zu setzen, jedoch schlug sie die falsche Richtung, zurück zum Eingang, ein und als Julius etwas sagen wollte, um ihr den Weg vorzugeben, legte der Herr seinen Finger über den Mund und sah zu, wie ein Absatz in den Ritzen der Holzbohlen steckenblieb und sie erneut zu Boden ging, der Herr aber noch immer kein Einsehen hatte, nur leise und so, dass es durch das Gebell und freudige Gejaule der Hunde übertönt wurde, fragte, Wo sind die Welpen?, und Julius auf einen der Verschläge deutete.

Und als sich der Herr über das Gatter beugte, und auf die Mutter mit ihren sechs Welpen hinuntersah und als Julius im Augenwinkel beobachtete, wie die Frau immer noch sehr ungelenk und unsicher auf sie beide zukam, und als der Herr auf einmal, ohne sich umzuwenden, rief: „Hierher!, und man nach dieser Aufforderung ihren Bewegungen ansah, dass sie es jetzt auf einmal verstörend eilig hatte, da fühlte sich Julius erinnert daran, als er eines Tages von einer Hilfsorganisation gebeten wurde, zu helfen, und daraufhin den Weg ins Tierheim genommen hatte und als er, um zu dem hilfsbedürftigen Rüden, genannt Bello, einem Rottweiler-Mischling, der jetzt sein Gnadenbrot hier am Hof erhielt, zu gelangen, an all den Käfigen mit den Tieren, die offenbar niemand mehr haben wollte, vorbei musste.

Als die Frau endlich bei ihnen angekommen war, hatte auch Julius sich in der Manier,  die ihm zur Gewohnheit geworden war, wenn er einen Wurf beobachtete, und das tat er oft und ausgiebig und mit einer Freude im Herzen, die ihm wenig anderes auf dieser Welt noch vermitteln konnte, sich mit beiden Armen auf die halbhohe Holzwand gelehnt.

Sehen Sie, sagte er, und es war einer der wenigen Momente, in denen er wirklich noch von sich selbst überzeugt war, Das sind sie, die Welpen, Einer schöner als der andere!, waren ihm dieser Stolz und diese Liebe anzuhören, die aus seiner Stimme quollen, weil er weder Stolz noch Liebe bei sich behalten konnte, in solchen Momenten, wenn er der entzückenden, in ihren Bewegungen tollpatschigen und neugierig ins Leben blickenden Wesen, gewahr wurde.

Da hinten, deutete er auf einen, dessen Fellfarbe etwas heller war, und der sich deshalb von den anderen abhob, Wir nennen ihn Cat, weil er mutig und draufgängerisch ist und einen ausgeprägten, eigenen Kopf hat und vor allem, weil er unbestechlich ist, wie eine Katze; wenn er jemanden nicht mag, dann geht er noch nicht einmal zu so einem hin, wenn der ihm eine Hand mit Futter offen hinhält! 

Darf ich?, legte der Herr auf Julius´ Begeisterung und seine Worte hin, eine Hand ans Gatter und machte eine Geste, als wolle er es öffnen und weil Julius durch ein Nicken sein Einverständnis gab, öffnete er es auch und schob die Frau unversehens, auch diesmal ohne einen vorherigen Hinweis auf sein Vorhaben, in den Verschlag, schloss das Türchen wieder und erteilte die knappste Anweisung, die Julius jemals im Zusammenhang mit einem Menschen gehört hatte, Rein da!, und die Frau, die ein paar Schritte nach vorne gestolpert war, und sich noch wundern musste, was mit ihr geschehen sollte - denn die Kommunikation mit dem Herrn, ihre Kette, schleifte noch immer hörbar und sichtbar am Boden entlang – blieb fast in der Mitte des Verschlages still stehen und rührte sich nicht.

Sie stand mit dem Rücken zu ihnen beiden, als Julius sich wieder traute, Luft zu holen, und sie bewegte sich auf ein weiteres Kommando, Zurück!, zwei Schritte rückwärts, bis sie mit ihren Pobacken an der Holzwand anstieß, tat dann einen halben Schritt  wieder nach vorne, um den sie niemand gebeten hatte, und Julius konnte aufmerksam und im Herzen aufgewühlt, wie seit langem nicht mehr, mitansehen, wie der Herr geschickt die beiden Karabinerhaken, die bis dahin ihre Hände am Gürtel sichergestellt hatten, öffnete, und kaum war das geschehen, erfolgte die nächste, ebenso mickrige Anweisung, Runter!, und die Frau begab sich fast in der Mitte des Verschlags auf ihre Knie und als die Oberschenkel zu fast einem Drittel raschelnd im Stroh versunken waren, da erst bequemte sich die Mutter der sechs Welpen, Snow, die so hieß, weil es aussah, als sei ihr eine Riesenschneeflocke auf die Stirn gefallen und weigere sich, anzuerkennen, dass es dort für sie eigentlich zu warm war und es sich gehört hätte, sich in einen anderen Aggregatszustand zu verwandeln, behäbig von ihrer Lagerstatt in der Ecke und trottete auf die menschliche Gestalt in ungewöhnlicher Haltung zu, die ein Geschirr, wie sie selbst manchmal umhatte, wenn es beispielsweise mit Mathilda zu einem Ausflug in die Stadt ging.

Als Snow behäbig und gähnend auf das fremde Wesen zu trottete, hielt die Frau noch ihre Hände hinter dem Kopf, so dass die Ellenbogen in den Stall ragten und erst, als der Herr Frei!, ausrief, wieder so eine für Julius bestürzende Ein-Wort-Ansage, ließ die Frau die Hände sinken und fing an, sich mit dem ganzen Körper zu bewegen, so wie er sie, seit sie in sein Leben getreten war, noch nie gesehen hatte, so, als sei sie eine ganz normale Frau.

Jetzt tastete sie mit ihren Händen den Raum ab, zunächst den Boden und gleich darauf legten sich Schnauze und Zunge von Snow in ihre linke Handinnenfläche und ein Lächeln huschte über das halb verborgene Antlitz der Frau, deren Augen Julius zu gern gesehen hätte und gleichzeitig froh war, dass sie hinter der Augenbinde verborgen lagen.

Und nun, nachdem die Mutter der Kleinen dieser ungewöhnlichen Gestalt, eine, die sie in ihrem Leben noch nie gesehen hatte, offensichtlich ihr Vertrauen geschenkt hatte und schon dabei war, das Gesicht der Fremden abzulecken, näherten sich mutig auch die Welpen.

Eines nach dem anderen tapste auf das Wesen zu, und sie beschnüffelten es, liefen zwischen die gespreizten Beine und kamen auf der Rückseite wieder heraus, wie aus einem Tunnel und die Schöne streckte weiter ihre Hände aus, und wo immer sie ein weiches Fell oder eine feuchte Schnauze ertastete, da verharrte sie mit ihren graziösen, schlanken Fingern und streichelte und liebkoste.

Dabei zeigte sich die allergrößte Zärtlichkeit auf ihren Gesichtszügen, die nun nicht mehr starr und unbeweglich waren, wie vorhin, und hätte sie sehen können, sie hätte wahrscheinlich die verspielten Knäuel und ihre Mutter mit den Augen zusätzlich umspielt, aber so sah man all ihre Liebe durch die Hände strömen und ein klein wenig an dem Grübchen, das sich hin und wieder auf der linken  Wange und auf Höhe ihres Nasenflügels bildete.

 Julius sah auf den Herrn, der immer noch neben ihm stand und dessen Züge sich ebenfalls entspannt hatten und auf einmal etwas von einer gewissen Großherzigkeit, oder einem Gönnen-Können erkennen ließen, das, so schien es Julius, nicht zu seinen gewöhnlichen Stärken zu zählen schien, und es sah aus, als stelle er gerade fest oder rufe sich ein uraltes Wissen darüber in Erinnerung, dass Geben manchmal schöner ist, als Nehmen.

Im Moment jedenfalls schien er sich, genau wie Julius, nicht sattsehen zu können an ihrer Freude und an dem zärtlich, verspielten, willkommen-heißenden Tasten, dem ganz typischen Tasten einer Blinden.

Und Julius fiel es wieder ein, welche Wirkung diese Lebewesen, welchen Einfluss ihr unvoreingenommenes Zutrauen auf einen verletzten Menschen ausüben kann, auch wenn die Frau ja nur zeitweise versehrt war, auch wenn man ihr nur die Binde hätte abnehmen müssen und sie wäre wieder heil gewesen, anders als bei Julius seinerzeit, als er die wohltuende Wirkung der Hunde, das Heilsame, das sie spendeten, einfach, weil sie da waren und weil sie waren, wie sie waren, gespürt hatte.

Erst Wochen nach dem Unfall hatte man ihm das erste Mal einen Spiegel überlassen und er hatte seinem Entsetzen Luft verschafft mit einem Schrei, der über die Krankenhausflure gehallt war, so dass Personal und Patienten gleichermaßen zusammenrannten; es könne noch das eine oder andere kosmetisch etwas verbessert werden, wollte man ihm trügerische Hoffnung unterjubeln, aber dass er nie wieder so aussehen würde, wie vorher, damit müsse er sich abfinden, hatten ihm die Ärzte, ganz klaren Wein eingeschenkt.

Erst die auf den Krankenhausaufenthalt folgende REHA, die eher seiner verbrannten Seele als dem geschmolzenen Teil seines Gesichts galt und erst im Kreise noch viel unglücklicher vom Schicksal gezeichneter, hatte er sich wieder Stück für Stück bereit erklärt, sich einer Welt voller Erwartungen an Selbstoptimierung und Perfektionismus zu stellen.

Allerdings ahnte er damals schon, dass er es niemals übers Herz bringen würde, dieses Gesicht, das nicht mehr seins war, ohne diese quälende Erwartung, in seinem Gegenüber den Schreck zu erkennen, unter Menschen zu bringen, schon gar nicht unter Fremde, wenn schon seine Mutter es kaum schaffte, ihm unvoreingenommen zu begegnen und es darum – wie es ihm schien - krampfhaft vermied, das Zucken, das in ihren Augen erscheinen wollte, zurückzuhalten, darüber, dass er es tatsächlich war, den sie auf die Welt gebracht hatte und die seitdem fast gewaltsam die Augen  immer ein wenig weiter offenhielt, als er es von ihr kannte.

Oder die Freundin, die er vor dem Unfall gehabt hatte, Lydia, die letzte Frau, der er offen, ohne Angst in die Augen gesehen hatte.

Sie war an seinem Bett gesessen, das hatte man ihm erzählt, als man ihn zum Ertragen der Schmerzen in ein künstliches Koma gelegt hatte, und er sich daher nicht verbitten konnte, ihn so anzusehen. Gleich nach dem Erwachen aber, war es das erste gewesen, um das er die Ärzte gebeten hatte: niemanden mehr außer seinen Eltern zu ihm zu lassen, aber Lydia hatte monatelang nicht lockergelassen und war immer wieder aufgekreuzt.

Einmal hörte er sie drinnen, draußen mit einer Schwester streiten und er hörte sogar, wie sie behauptet hatte, mit ihm verlobt zu sein, was gelogen war, aber dann hatten sechs Monate doch ausgereicht, dass sie aufgegeben hatte und er ihr die Lüge verzieh und sich erinnerte an den Abend vor dem Tag, an dem er alles verlor, das ihn ausgemacht hatte, und wie er da noch ihre Brüste geküsst hatte, aber auch dieser intensive Eindruck, der letzte, an den er sich noch eine Weile geklammert hatte, war mittlerweile verblasst.

Wahrscheinlich würde er heute nicht mehr leben, wäre ihm da nicht aus der Gruppe all´ der Versehrten in der REHA, ein durch einen Motoradunfall vom Hals ab Gelähmter, mit dem Julius, schon nach kurzer Zeit eine innige Freundschaft verband, Otto, mit einem Geschenk, einem Glücksfall sondergleichen, in die Quere seiner Selbstmordabsichten geraten war, weil er ihm sein Haus samt Hundezucht angeboten hatte.

Sieh mich doch an, hatte Otto ihn überredet, wie soll ich das mit den Hunden denn noch hinbekommen, und du hast wenigstens noch gesunde Arme und Beine, und da draußen, das verspreche ich dir, kommt niemand vorbei, es sei denn, du lädst ihn zu dir ein.

Aber er hatte niemanden mehr eingeladen, außer Kaufinteressenten und bei denen galt es, die Zähne für ein paar Stunden, wenn er Glück hatte, auch nur für eine halbe, zusammenzubeißen und da war auch noch Mathilda mit ihren feurigen, jugendlichen Gelüsten für die sie ab und zu jemanden aus der Stadt mitbrachte, Frauen oder Männer, die mit ihr dann das Bett teilten, und natürlich sagte sich Julius, dass sie viel zu jung war, als dass sie ihr Leben nur mit einem tief in sich zurückgezogenen, versehrten Hundezüchter vergeuden könnte, dass es daher unabwendbar war, dass – wollte er nicht den einzigen Menschen verlieren, der ihm noch guttat – er diese Besuche über sich ergehen lassen musste und weil er sich damit abgefunden hatte, hatte er sich für solche Fälle hinten im Stall ein kleines Schlaflager eingerichtet, in dem er abwarten konnte, bis er den Motor draußen im Hof hörte, der die Eindringlinge wieder dahin zurückbrachte, wo sie hingehörten.

Durch Otto also war Julius damals nicht nur zu einem neuen Beruf, fast tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt gekommen, sondern bald darauf auch zu einer nie für möglich gehaltenen Leidenschaft, der einzigen in seinem versteckten Leben: seine Tiere, bei dem es ihm bei jedem einzelnen die gleiche Überwindung kostete, es herzugeben und ihm den Magen zuschnürte, als schicke er sie achtlos und verräterisch zum Schlachthof, wenn sie von ihren neuen Besitzern abgeholt wurden.

Dabei verwandte er die größtmögliche Sorgfalt auf die Auswahl der Interessenten, so sehr, dass sich Mathilda jeden einzelnen Platz höchstpersönlich erst daraufhin ansehen musste: gab es genügend Platz, waren Auslaufmöglichkeiten da oder lag das neue Zuhause inmitten eines Netztes aus asphaltierten Straßen und abgezäunten Vorgärten, dann nämlich galt es, noch mehr als ohnehin notwendig, auf den zuverlässigen Charakter eines Interessenten zu achten, und Mathilda war sogar der Meinung, dass er es manchmal übertrieb, denn es war ihm am allerliebsten, wenn irgendwie Kinder im Lebensspiel der potenziellen neuen Besitzer eine Rolle spielten, dann hatte er das beruhigende Gefühl, dass, wer Kinder hat, kein Interesse daran haben kann, seine Tiere zu Kampfhunden ausbilden zu lassen, denn dazu eigneten sie sich schließlich auch, wenn man sie statt mit Liebe, mit Gewalt und Aggression fütterte.

Die Gegebenheiten eines neuen Zuhauses also, wägte Julius aufgrund Mathildas Berichten und seiner Intuition ab, was die Menschen anbelangte, in deren Hände er seine Schützlinge geben sollte, das waren die einzigen Kriterien, die für oder gegen eine neue Heimat für seine Lieblinge sprachen und mehr konnte Julius nicht tun, auch wenn es ihm am liebsten gewesen wäre, man hätte ihm vertraglich zugesichert, dass er jedes Jahr einmal Mathilda vorbeischicken könnte und im Falle eines Zuwiderhandelns gegen seine aufgesetzten Statuten, die er jedem Käufer in die Hand drückte, gleich einen Passus mit einem Rückforderungsrecht im Vertrag hätte aufnehmen können, das ruhig sogar die Rückgabe des Kaufpreises hätte beinhalten können, aber das war, weil es sich bei Hunden im juristischen Sinne um eine Sache handelte, gegen die guten Sitten.

Ausgerechnet die kleine „Wanschu“, die ihren Namen auch von Mathilda bekommen hatte, wie übrigens die allermeisten Namen aus ihrer Ideenkiste stammten, weil Mathildas Namen immer etwas mit den Wesen direkt zu tun hatten und nur, wenn sie kein Charakter- oder sonstiges, auffälliges Merkmal ausmachen konnte, einen Allerweltsnamen von ihr erhielten, und weil sie, wenn sie verkauft waren, ohnehin einen Namen von ihren neuen Besitzern erhalten würden, war auf den Oberschenkel der Frau mit der Augenbinde geklettert, weil die sich mittlerweile im Schneidersitz auf dem Boden niedergelassen hatte und seither versuchte Julius, einen Blick auf ihre Scham zu erhaschen, die geöffnet sein musste, eine Aussicht auf ein Versprechen, das ihm seit Jahren keine Frau mehr gegeben hatte, aber diese Frau hier hatte, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, die Ferse so vor ihre Scham drapiert,  und außerdem türmte sich Heu und Stroh so vor dieser anziehenden Öffnung auf, dass jeder Blick vereitelt wurde.

Frei!, hatte ihr Herr gerufen und das hieß offenbar, dass sie im Moment tun und lassen konnte, was sie wollte und das nutzte sie nun weidlich aus, indem sie sich kurz nach Julius´ Enttäuschung über das ebenso lebendige, wie verborgene Stück Frau, zur Seite fallen ließ, um die Zunge von Snow in ihrem Gesicht zu empfangen.

Und sie jauchzte, wenn auch verhalten, aber freudig, als ihr die Hündin vorsichtig und sachte mit der Zunge über die Nase fuhr, eine wundervolle, eine schöne Nase von Gestalt, fand Julius, gerade und nicht zu lang und nicht zu kurz, aber auch keine Stubsnase, eine Greta-Garbo-Nase, wenn Julius sie mit irgendeiner anderen Frau auf dieser Welt hätte vergleichen müssen, dabei wollte er sie gar nicht vergleichen, denn sie schien ihm so einzigartig, so wohltuend, weil er seit Jahren das erste Mal eine Frau in aller Ruhe mustern konnte, unvorbelastet und ohne diese eine Schwere.

Eigentlich wollte ich gar keinen Hund, sagte der Herr neben Julius auf einmal und Julius erschrak, als er diese Worte hörte.

Was will er denn dann, fragte er sich, aber er gab dem Herrn nur Recht in dem er sagte, es passt auch nicht zu jedem Menschen ein Hund!, doch der Herr erwiderte auf das unsensibel verkäuferische Talent von Julius, es sei ihm eher darum gegangen, einen würdigen Platz für seine Sklavin zu finden und es gäbe Zungen, die behaupteten, dass sie es hier bei Julius gut haben würde und ob er denn nicht auch der Meinung sei, eine so gehorsame wie willige Sklavin könne diesem vereinsamten Hof und insbesondere ihm, gut tun?

Julius starrte eine Weile auf die Frau, die sich seitlich liegend mit den Welpen und der Mutter-Hündin am Boden wälzte und es schien eindeutig, dass er da etwas nicht richtig verstanden haben konnte, und daher rief er sich zur Räson, um nachzufragen: wie bitte? und der Herr tat, als sei es um ein akustisches Problem gegangen, dass Julius ihn nicht verstanden hatte und hob die Stimme an, die vorher leise und diskret gesprochen hatte, ja, dieser Satz war so ganz nebenbei gefallen, aber jetzt widerholte er ihn oder einen, der den gleichen Sinn hatte: ich wollte sie hier bei ihnen lassen, wenn sie mir versprechen, dass sie es gut bei ihnen haben wird!

Nun war es offenkundig, zwei Mal konnte sich Julius unmöglich verhört haben, ihm war wirklich und wahrhaftig gerade angetragen worden, diese Frau hier solle bei ihm bleiben und aus einem seltsamen Impuls heraus, und weil er keine Zeit hatte, nachzudenken, sagte er: ich habe schon Mathilda, dabei merkte er allerdings, wie der Herr seine Vorstellung in Wallung gebracht hatte, wie seine Gedanken, als habe jemand in ihm eine Trommel in Gang gesetzt, hin und her flogen, eine Frau mit Augenbinde, eine so wunderschöne Frau noch dazu, und wie sanft sie umging mit Snow, und mit den Welpen erst, und wie atemberaubend ihre Brüste waren, die von Lederriemen gehalten wurden oder ihr Haar, der volle, aber nicht zu volle Mund, die süße, selbstbewusste Nase; alles, einfach alles an ihr war anbetungswürdig, war so, dass jede ihrer Bewegungen Julius den Atem raubten, dass man in ihrem Gesicht auch nach den allerkleinsten Gesten suchte, auf sie wartete, ja, förmlich auf sie lauerte,  und selbst, wenn sie unter der Binde überhaupt keine Augen besessen hätte, wäre sie dennoch die schönste Frau, die ihm jemals untergekommen war.

Seltsam war, dass sie, um die es in Julius´ fast hysterischen Gedanken ging, nicht im Mindesten auf die Worte des Herrn, der sie hierhergebracht hatte, gelauscht hatte, nicht das kleinste Zucken oder Aufhören ihres Spiels mit seinen Lieblingen hatte Julius an ihr ausmachen können, stattdessen schien sie die Berührung der weichen, kleinen Körper zu genießen, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen und einfach nicht genug zu bekommen, von den plumpen, tollpatschigen Annäherungsversuchen der Kleinen, bei denen der eine oder andere von ihnen scheiterte, der ihre Schenkel oder ihren Bauch erklimmen wollte und kläglich und so, dass es einem Beobachter unmöglich war, sein Herz verschlossen zu halten, zurück im Stroh landete.

Und obwohl die Frau keine Beobachterin sein konnte, weil man ihr das Sehen genommen hatte, musste sie das gleiche im gleichen Moment sogar empfinden, das die beiden Männer, deren Oberkörper über das Gatter hinausschauten zu Gesicht bekamen, denn jedes Mal, sozusagen synchron zu Julius´ Lächeln und auch dem des Herrn, huschte ein Lächeln, auch über ihr Gesicht.

Sie möchten nicht die Katze im Sack, hörte Julius, fast als spräche jemand, der draußen vor dem Stall stehe, den Herrn sagen und fühlte die Hand des Fremden, wie sie seine Schulter berührte, als müsse er ihn von irgendwoher zurückholen. Das verstehe ich!, fuhr er fort, als Julius gerade dabei war, sich einigermaßen zu fangen und dem Herrn offen in die Augen zu sehen.

Mathilda wohnt bei mir, eine Studentin der Mode- und Designschule, wissen Sie, Mathilda!, die mir in allem hilft, ich habe ihr extra ein kleines, gebrauchtes Auto gekauft, damit sie den Weg zwischen der Schule und hier, so weit draußen, mühelos zurücklegen kann, ich …,

hätte Julius am liebsten weiter ausgeholt und dass er niemand anderen bräuchte, ja, dass es ihm unmöglich erschien, sich jemand anderen, außer Mathilda in seiner Nähe vorzustellen und dass es keine Frau auf Erden gab und schon gar nicht so eine schöne, wie die, die der Herr da an der Kette mitgebracht hatte, die ihm Mathilda, die burschikose und pragmatische Mathilda, und die Mathilda mit dem allergrößten Vorteil, den eine Frau überhaupt noch für ihn bereithalten konnte, nämlich dass sie fast frei war von Schönheit und man sich nicht anstrengen musste, sich mit ihr in etwa auf der gleichen Stufe zu fühlen, ein Fehlen von Schönheit, das dieser Studentin allerdings nichts ausmachte, und die daher die Anziehungskraft eines Menschen besaß, bei dem man sich fallenlassen konnte, eine kumpelhafte Anziehungskraft, die sie ausübte, und vor allem, dass sie ihn ansah, als klaffe da nicht das Loch auf seiner linken Seite, wo früher einmal eine Ohrmuschel saß und dass sie ihn auch nicht wie ein rohes Ei behandelte, im Gegenteil, sie stauchte ihn unnachgiebig zusammen, wenn er nicht den Müll hinten zum Kompost brachte, wenn der schon angefangen hatte, zu stinken und nahm auch keine Rücksicht darauf, dass sich fast ihr gesamter Lebensunterhalt aus den Einnahmen und dem Unternehmertum Julius` speiste, bis auf die zwei Nächte in der Woche, in denen sie irgendwo in St. Pauli in einer Spelunke Bier zapfte, damit sie den Hof, die Hunde und ihn sechs Wochen im Jahr allein lassen und in der Weltgeschichte herumreisen konnte, eine Zeit, die Julius jedes Mal schmerzlich spüren ließ, was er eigentlich an ihr hatte und die ihm ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, sobald sie zurückkam, ein so starkes Lächeln sogar, dass es ihn schmerzte, wenn die Haut, die eigentlich nicht mehr reichte, um zu Lächeln, wie zum Bersten spannte und ihm damit zum Ausdruck brachte, wie teuer ihm Mathilda war.

Auf einmal hörte Julius wieder ein kleines Zusammenschlagen der Kettenglieder, die der Herr vom Boden aufgehoben hatte und als habe die Frau den Hinweis erhalten, dass es genug sei mit ihrem Vergnügen, zog sie umgehend ihre Hände hinter den Kopf zurück, und zwar noch bevor sie sich aus der seitlichen Lage zurück in eine halbwegs aufrechte, kniende und wieder etwas starre begab, womit sich Julius augenblicklich und fast brutal aus einer Art Traum herausgerissen fühlte.

Der Herr öffnete das Gatter, zog die Kette noch ein wenig straffer und die Frau stand auf und folgte dem Zug, als habe sie das schon tausend Mal gemacht, und bis sie im Gang wieder neben Julius und dem Herrn stand.

Julius konnte sich nicht vorstellen, was der Herr jetzt mit ihr vorhatte, aber ihm war so, als beabsichtige er etwas, das mit diesem unsäglichen Angebot zu tun haben musste, dieses absurde Angebot, er könne die Frau einfach hier bei ihm lassen. Einfach so!

Wenn ich sie hier bei ihnen lassen soll, wandte sich der Herr an Julius, als sei er gerade von Julius um dieses Geschenk gebeten worden, dann sollen sie beide sich zunächst kennenlernen!, so, genauso sprach er und setzte sich damit über Julius bereits erfolgte Absage hinweg, die doch eine Absage gewesen sein sollte, war er sich nun über die Bedeutung seiner Worte unsicher und dachte noch einmal über sie nach, denn er war davon ausgegangen, dass die Sache mit Mathilda einer Absage gleichkam, und dass der Herr eigentlich schon hätte verstanden haben müssen, dass er, Julius, unmöglich zwei Frauen …, und schon gar nicht so eine Schöne, und überhaupt, er würde den Herrn hinausbitten und pfeifen auf den Erlös für den Verkauf eines Welpen, wo er ohnehin nicht sicher war, dass er diesem Herrn einen seiner Schützlinge anvertraut hätte, wo der eine Frau, die nicht sehen konnte, ohne die geringste Rücksichtnahme hinter sich herzog, wie er es mit seinen Hunden niemals getan hätte.

Da würden doch hundert andere kommen, die die Majestät und die liebevollen Gesichter seiner Hunde schätzten, das konnte Julius abwarten und als er noch über das alles nachdachte, hatte der Herr die Frau – und wieder hatte da ein leichter Zug an der Kette gereicht, dass sie erneut niedergesunken war  – auf die Knie gebracht, das heißt, er hatte sie sogar vor Julius hingelenkt, und nun kniete sie vor ihm, und Julius hatte einmal wieder fasziniert bei dieser ungewöhnlichen Art der Kommunikation zugesehen, aber er war wie in einem Schockzustand dagestanden und hatte nur die anmutigen Bewegungen der Frau in sich aufgesaugt, die so berührend wie seine Welpen waren, und nun kniete sie vor ihm und es folgte ein kurzer Ruck an der Kette und die Frau streckte ihre Hände nach ihm, Julius, aus, so, wie vor ein paar Minuten noch nach Snow und ihren Kleinen, tastend, suchend, vorsichtig, bereit, zu liebkosen und dann spürte er, wie sich ihre Finger um seine Unterschenkel legten, und ihn berührten, als würde sie dort nach etwas suchen, vielleicht nach seinem Selbstbewusstsein oder auch nach seiner Angst, und Julius verzieh ihr diesen Übergriff, weil die Frau ohnehin nur tat, wozu der Herr sie aufforderte, aber sie tat es auf eine so wundervolle Weise, dass Julius merkte, wie seine Augen feucht wurden, als er seinen Kopf an den Pfosten hinter sich anlehnte, und weil er nie im Leben gedacht hätte, dass ihn eine schöne Frauenhand jemals noch einmal so berühren könnte, und nicht nur ihre Hand nahm ihn gefangen, denn mit ihrem ganzen Wesen war sie bereits mit ihm verknüpft, bis hinauf zu der spannenden Stelle am Kopf, die er Tag und Nacht und bei jeder kleinen Geste spürte, während sich ihre Hände noch den Weg nach oben suchten, also noch auf ungefährlichem Terrain waren, dort, wo alles an ihm noch war wie früher, bis auf den Nagel in seinem Oberschenkelknochen, aber den würde sie nicht ertasten können, sondern nur seine muskulösen, geraden, wohlgeformten Beine und …

Alles, außer meinem Gesicht ist noch heil an mir, dachte er wie getrieben, und dass sie unmöglich jetzt bereits spüren konnte, dass er ein Versehrter war, nein, sie musste im Moment sogar noch denken, dass sie einen ausgesprochen attraktiven Mann vor sich hatte, auch noch, als ihre Hände, das Dreieck seiner Beine aussparend, schon über seinen Bauch fuhren und ihn abtasteten und viel näher würde sie dem Schrecken an ihm nicht kommen, denn sie saß ja schließlich vor ihm auf den Knien. Und sie trug eine Augenbinde!  

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Kommentare

Bild des Benutzers Strenger6mann

Eine schöne und stimmungsvolle Geschichte. Macht nachdenklich! Habe ich gerne gelesen. Eine Fortsetzung wäre sicher wünschenswert!!

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Bild des Benutzers Alexander

aber eine Fortsetzung ist noch nicht entschieden. Lass Dich überraschen, so, wie ich ;-)

Alexander

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Bild des Benutzers FlorianAnders

Das eigentlich interessante Thema wird in einer Orgie von Bandwurmsätzen verknotet. Die Notwendigkeit dieser verschachtelten Verschachtelung des Verschachtelns erschließt sich mir nicht so ganz. Dadurch entsteht der Eindruck, es sei Selbstzweck. Das ist schade. Grundsätzlich ist die Geschichte wirklich schön. Statt einer Fortsetzung würde ich mir lieber eine Bearbeitung wünschen, die es schafft, einen Absatz in mehrere Sätze zu unterteilen, damit es verdaulicher wird.

LG

Flo

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Bild des Benutzers Alexander

Lieber Florian,

das ist ja mal ein toller Kommentar! Von der Art würde man sich haufenweise wünschen, selbst wenn ich ein klein wenig Wut aus Deinen Worten heraushöre. Nach dem Motto: wie kann man den brauchbaren Gedanken einer Geschichte nur so verhunzen?

Ja, und die Sache mit dem „Selbstzweck“, die hast Du wirklich wie ein Spürhund, natürlich zu meinem Leidwesen, gnadenlos aufgedeckt. Denn in der Tat, ich habe versucht (anscheinend stümperhaft), den Ton eines Schreibstils zu erwischen, bei dem man gar nicht merkt, dass man über halbe Seiten hinweg ohne Satzenden liest. Das Beste daran, man merkt es zunächst gar nicht! Hohe Schriftsteller-Kunst eben!

(Siehe das Epos von Paul Auster – 4.3.2.1.. Atemberaubend! Es lohnt sich für jemanden, der gern schreibt, selbst wenn es nur die Leseprobe ist, sich die bei Rowohlt oder Amazon einmal herunterzuladen).

Wie also fasse ich Deine Worte für mich zusammen? Was lerne ich aus ihnen? Dass ich zu vermessen war - wenn ich es einmal mit dem Klavierspielen vergleichen darf - und gerade vielleicht mal so eben ein leichtes Stück von Mozart hinkriege, und mich schon auf Rachmaninow gestürzt habe?

Klassischer Fall von Selbstüberschätzung also? Aber auch von Experimentierfreude – das musst Du doch zugeben - und der kribbelnden Spannung beim Verlassen ausgetrampelter Pfade!

Aber Freude und Spannung hin oder her, verständlich und gut lesbar muss ein Output immer sein und daher sind Kommentare wie Deine wie Augenbinden. Nachdem man sie abgenommen bekommen hat, sieht man die Dinge auf einmal wie sie sind und nicht, wie man sie sich wünschen würde.

Alexander   

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Bild des Benutzers Campanula

So, jetzt muss ich aber mal Mozart rehabilitieren hier. Denn bloß weil etwas leicht klingt, heißt das noch lange nicht, dass es auch leicht ist. Derart schöne Melodien zu komponieren, wie Mozart es getan hat, ohne dabei in Kitsch und Schwulst abzugleiten, ist eine hohe Kunst. Da fällt es bisweilen deutlich leichter, den Rachmaninow'schen Pathos zu imitieren.

Ich muss gestehen, dass mir die langen Schlangensätze beim Lesen gar nicht sonderlich aufgefallen sind. Von daher ist davon auszugehen, dass sie mich auch nicht gestört haben. Mich hat eher das Zwiegespann aus Herr und Sklavin beschäftigt, weil ich - anders als das eichhörnchen - noch keine Idee habe, was die beiden treibt. Ich kann aber aus literarischer Perspektive ergänzen, dass ich der Idee einer "Vielleicht-Fortsetzung" nur bedingt etwas abgewinnen kann. Es gibt Romane und es gibt Kurzgeschichten. Bei beiden handelt es sich um ganz unterschiedliche literarische Genres, die eigenen Gesetzmäßigkeiten, z.B. hinsichtlich Tempo und Handlungsaufbau, folgen und sich nicht ohne Weiteres ineinander überführen lassen. Das erste Kapitel eines Romans funktioniert völlig anders als eine Kurzgeschichte. Von daher bin ich der Ansicht, dass ein Autor sich vorher überlegen sollte, ob er einen Roman oder eine Kurzgeschichte schreiben möchte. Was allerdings möglich ist: das Motiv einer Kurzgeschichte als Ausgangspunkt für einen Roman zu nehmen. (Das ist etwas, was z.B. Gerwalt schon des Öfteren getan hat.)

Also würde ich sagen: Ob das hier eine Fortsetzung hat oder nicht, überlasse ich ganz allein dir, lieber Alexander!

Herzliche Grüße,

Campanula

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Bild des Benutzers eichhörnchen

So, nach meiner langen Abstinenz und "stillem Lesen", fühle ich doch bei dieser Geschichte, dass ich hier einen Kommentar abgeben sollte:

Ich finde die Geschichte hat eine sehr schöne, wie ich finde außergewöhnliche und mutige Idee. Zumindest kenne ich keine Geschichten mit einem Protagonisten mit Handicap. Die Handlung macht auch Lust mehr zu erfahren über die beteiligten Personen und Hintergründe: Wie kommt der Herr darauf seine Frau bei Julius abzugeben? Von welchen "Zungen" hat er das? Vlt von Mathilda? Wie geht es der Frau? Was sind ihr Gefühle? Ihr Geheimnis? ... Die Geschichte nimmt mich also mit, lädt mich ein weiter zudenken. 

Leider fiel es mir sehr schwer die Geschichte zulesen: Ich neige auch zu Schachtelsätzen, aber hier hatte ich echt zutun. Vlt liegt es auch an meinem Kopf, aber ein Absatz von vier und mehr Zeilen darf ruhig mehr als einen (oder zwei) Sätzen haben. Ein oder zwei Endlos-Sätze sind in Ordnung, aber hier zieht sich dieser Stil duch die ganze Geschichte. Es sind einfach zu viele Informationen und Detailangaben in einem Satz. Lieber kürzere Sätze, dass macht es angenehmer und verständlicher zu lesen.

Ich möchte mit meiner Kritik jetzt nicht ver- und abschrecken: Bitte schreib weiter. Du hast gute Ideen, die Rechtschreibung ist sonst auch gut. Es ist also, wie ich finde, viel Potenzial da! Und wenn mir die Geschichte nicht ansich so gut gefallen würde, hätte ich hier nicht kommentiert.

Was die Frage der Fortsetzung angeht: Die Geschichte hat definiv Raum und Handlungsideen für eine Fortsetzung geöffnet (siehe Fragen oben). Für mich persönlich ist es aber durchaus eine schöne abgeschlossene Kurzgeschichte, die mir die Möglichkeit gibt selber weiterzudenken. Ich habe mir zum Beispiel schon meine eigenen Gedanken gemacht, über das Geheimnis der Frau und brauche keine Fortsetzung. Aber ich überlasse die Entscheidung natürlich dem Autor. Aber da hier gefragt wurde...

Liebe Güße das eichhörnchen

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Bild des Benutzers Alexander

Liebe Kommentatoren, Alle,

zunächst einmal vielen, vielen Dank. Schön für mich, zu sehen, dass ihr Euch Gedanken gemacht habt und noch schöner, diese auch mitgeteilt zu bekommen. Ich weiß schließlich selbst, was ein Kommentar an Zeit, an Kampf gegen den inneren Schweinehund und an Liebe und Leidenschaft zum geschriebenen Wort bedeutet.

Eure Kommentare haben mir den Auftrieb gegeben, nicht aufzuhören mit dem Experiment, verständliche Bandwurmsätze zu produzieren. Und die Betonung soll dabei natürlich in Zukunft auf „verständlich“ liegen!!! Daran werde ich arbeiten! Versprochen!

Aber es macht einfach zu viel Spaß, @Florian, gegen die Regeln des „Handwerks“ zu verstoßen, ob es nun mit dieser Episode ist, oder mit einer anderen.

Ganz genau gegenteilig, wenn man so will, verhält es sich mit der Geschichte „Im Unterholz“, von der meine Frau und strengste Kritikerin behauptet, die sei Mist - weil einfach nicht mein Thema - und sie sagt, diese Gattung solle ich besser „nina44“ überlassen, die darin weit gewiefter sei, als ich. Mal sehen!

Und @Campanula, um Himmels Willen, ich wollte Mozarts Genie in keiner Weise unter den Scheffel stellen. Aber ist es nicht so, dass man sich, gerade als Anfänger, Mozarts Stücken unvoreingenommener nähert, bevor man sich an die von Rachmaninow heranwagt? Vermutlich auch, weil sie dem naturgegebenen Harmonie-Empfinden einfach viel weiter entgegenkommen und weil sie etwas leichter verdaulich sind, wie „eichhörnchen“ sagen würde?

Und @eichhörnchen, dass Du den Fortgang von Julius und der Augenbinden-Frau schon so vor Augen hast? Das finde ich hochinteressant. Nur so eine Frage: läuft man nicht Gefahr, sich die Neugier zu nehmen, wenn man Geschichten antizipiert?

Herzlichen Dank noch einmal!

Alexander

 

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Bild des Benutzers eichhörnchen

So, nun komme ich endlich mal zum Antworten:

Ich habe mir die Geschichte nun nochmal in Ruhe durchgelesen, mit dem Wissen um die gewollten Schachtelsätze und muss sagen, so schlecht ist es gar nicht. Es gibt Passagen, vor allem am Ende, da merke ich nicht mehr, dass es keinen Punkt gibt. Da liest es sich flüssig. Nur oder gerade am Anfang gibt es ein paar Stellen, wo ich stolpere - wo ich finde, dass es etwas hackt. Gerade bei zu vielen Detailaufzählungen und Beschreibungen. Oder bspw. an der Stelle mit dem Kalender und der Erklärung mit dem Boten -> Da fällt es mir persönlich dann schwer zu folgen, weil ich mich im ersten Moment frage "Wie kommt er jetzt auf den Boten? Was hat die Vergangeheit mit dem Moment zu tun?" Wie gesagt, dass ist mein persönliches Empfinden. Aber vlt helfen dir die Hinweise ja, deine Technik zu verfeinern. Aber ich finde es schön, dass du dich an solche Schwierigkeiten heran traust.

Hm, ich möchte nicht behaupten, dass ich weiß wie die Geschichte weitergeht oder wie du sie geplant hast. Auch wenn das vlt in meinem ersten Kommentar etwas hart so rüberkam. Ich habe nur in meinem kleinen Köpfchen eine mögliche "Lösung"/ Erklärung für das seltsame Verhalten gefunden. Aber Alexander du hast natürlich recht, dass es dann schwer ist nicht zu voreingenommen zusein. Sondern offen und neugierig zu bleiben, wohin du als Autor die Reise gehen läßt. Und wie man sieht ist mir das nachdem ersten Lesen auch nicht gelungen. Nun bin ich aber gespannt, welche Lösung du bereit hälst und kann auch zwei Alternativen nebeneinander in meinem Kopf zulassen.

Also, bitte schnell weiter schreiben. ;)

Gruß das eichhörnchen.

PS: @ FlorianAnders: Ich ziehe meinen Hut vor deinem grandiosen ersten Kommentar. Respekt! Es macht Spaß solche Kommentare zulesen. Ich doktor stundenlang an meinen Worten und bekomme nicht mal ansatzweise so einen Kommentar hin.Hätte ich den vorher schon gesehen, hätte ich mich wohl nicht getraut meinen abzuschicken.

 

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Bild des Benutzers FlorianAnders

Hallo Alexander,

ob du dich an Schreibregeln (-gepflogenheiten) hältst oder gegen sie verstößt oder eine fröhliche Mischung daraus mixt, ist mir eigentlich egal. Ich halte deine Geschichte inhaltlich nur für so gut, dass es sich meiner Meinung nach lohnt, die schreiberischen Mittel in den Dienst der Vermittlung dieses Inhalts zu stellen.

Die Übung, Schreibstile anderer Autoren zu imitieren, ist durch aus sinnvoll. (Für alle die es mal probieren wollen: Schreibt ein paar Seiten – so 3 -5 reichen meistens – aus einem Buch ab. Direkt im Anschluss schreibt ihr ein paar Seiten einer eigenen Geschichtenidee in diesem Stil. – Das macht Spaß und bringt einen oft weiter. – Liebe Grüße an Schreibcoach James N. Frey) Aber für das Verfassen einer ganzen Geschichte, ist es nicht unbedingt geeignet. Denn Mozarts geniale Leichtigkeit hin, Rachmaninows schwere Komplexität her, wenn ich eine eigene Melodie im Kopf habe, versuche ich ihren Charakter zu erfassen und zu transportieren. Ob das am Ende mehr in die einer oder andere Richtung läuft wird sich zeigen.

Verstoße gegen Schreibgepflogenheiten, aber bitte nicht um des Verstoßes, sondern um der Geschichte Willen. Wenn ein Gedanke sich aus dem anderen ergibt und dadurch ein Fluss zustande kommt, ist nichts gegen die Konstruktion eines langen Satzes einzuwenden.  Wenn du aber überlegst, wie du das Satzkonstrukt bilden musst, nur um noch mehr Informationen hineinzupfropfen, ohne einen Punkt machen zu müssen, dann wird es verkrampft.

Ich finde nicht, dass ein Punkt den Lesefluss ausbremst. Er dient der Strukturierung. Und je besser die Struktur, desto verständlicher der Text, desto größer der Lesefluss. Also spüre deiner Idee nach und nicht dem Schreibstil, denn wenn du deinem Inhalt den Vorrang gibst, erhältst du die Freiheit, dich an Regeln zu halten oder sie zu brechen. Wenn du beschließt Regeln zu brechen, hast du damit nur eine neue Regel für dich aufgestellt.

LG

Flo

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Bild des Benutzers Campanula

Lieber Florian,

diesen Hinweis finde ich ganz besonders wichtig: Letztlich will eine Geschichte erzählt werden, und sie will in dem ihr gemäßen Tonfall, Tempo und Rhythmus erzählt werden. So sehr ich eine brillante Sprache liebe, darf sie sich doch nicht in den Vordergrund drängen. Wenn die Eitelkeit des Autors ("Na, hast du gesehen, was für eine brillante Formulierung ich benutzt habe?") die Geschichte übertönt, verliere ich selbst an noch so sorgfältig gedrechselten Sätzen rasch die Lust.

(Wobei ich dir, lieber Alexander, keinesfalls diese Art der Eitelkeit unterstellen wollte - nur damit jetzt kein Missverständnis entsteht. Es ging mir nur darum, meinen Gedanken anschaulich zu machen.)

Herzliche Grüße,

Campanula

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Bild des Benutzers fantasy69

Hallo Florian,

klingt plausibel, was Du da schreibst. Ich würde Dir sogar beipflichten, Alexanders Text kratzt noch ein wenig, wenn man mal beim Musikvergleich bleiben möchte. Andererseits, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und wenn ich den Verfasser des Textes richtig verstehe, dann hält er sich selbst wenigstens auch nicht  für einen. Ein Zug an ihm, den sich nicht jeder-(mann) auf die Fahnen schreiben kann.

Und in dem Sinne würde ich mich EICHHÖRNCHEN anschließen. Die Idee ist mutig. Vor allem für hier! Mal etwas Anderes. Ob sie sich für eine längere Geschichte eignet, wer kann das nach ein paar Seiten schon sagen? Vielleicht geht Alexander ja einen Kompromiß ein, mit den Punkten meine ich  :-)?

Dann haben alle, was sie wollten. Weiterschreiben allerdings, wenn es nach mir geht, fände ich schön.

fantasy

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Bild des Benutzers Alexander

Danke @ eichhörnchen, dass Du Dir noch einmal die Mühe gemacht hast. Das ist ein riesiges Entgegenkommen!  Vor allem, dass Du mal Stellen genannt hast, an denen es noch kratzt, wie fantasy sich ausgedrückt hat.

@fantasy, es hätte mich gewundert, wenn du meinen Schreibstil unterm Strich nicht ins Positive gedreht hättest, oder mir zumindest zutrauen würdest, ihn zu verbessern. Hatte ich doch schon immer das Gefühl, dass Du etwas von „meiner Mathilda“ besitzt. Zumindest meinte ich diesen optimistischen Wesenszug aus Deinen bisherigen Äußerungen und Deinen Geschichten herausgelesen zu haben. Jetzt möchtest Du sicher wissen, wie meine Mathilda denn so ist? Abwarten!

@Florian, danke noch einmal für Deine weiteren Tipps.

@Campanula, nein, ich fühle mich nicht zu Unrecht der Eitelkeit bezichtigt. Dafür besitze ich, übrigens wie alle Schreiber, zu viel davon, als dass man mir derlei Schändliches ungerechtfertigt unterstellen könnte ;-)

Liebe Grüße an alle

Alexander 

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