Der Freitagabend - Kapitel V bis VIII

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Kapitel 5

 

Sina zog die Tür des Nebenzimmers hinter sich zu und ließ den Blick kurz über ihre Umgebung schweifen. Das Zimmer war ähnlich eingerichtet wie der Raum, in dem sie sich gerade mit Kingsley unterhalten hatte. Auch hier sorgten die Möbel aus dunklem Holz und der rote Teppich für eine angenehme, warme und irgendwie auch etwas vornehme Atmosphäre. 

 

Die junge Frau machte ein paar Schritte in den Raum hinein, legte ihre Tasche auf einen Stuhl und stellte das Glas auf der halbhohen Kommode ab. Dabei bemerkte sie, dass ihre Finger ganz leicht zitterten. Über sich selbst lächelnd, atmete sie ein paar Mal tief durch. “Ganz ruhig”, ermahnte sie sich selbst. “Es gibt keinen Grund, so aufgeregt zu sein. Es wird garantiert ein toller Abend”, dachte sie. Tatsächlich folgten auf die Einladungen von Kingsley immer aufregende, aber auch bisher absolut ausnahmslos grandiose Abende. Vielleicht resultierte ihr Zittern aber auch mehr der Vorfreude auf die folgenden Stunden, als aus Angst oder Nervosität? 

 

Sie legte die wenig zielführenden Gedanken mit einem Schulterzucken beiseite. Stattdessen galt es nun, sich für den Abend vorzubereiten. Bevor sie damit begann, sich wie von Kingsley gefordert umzuziehen, verließ sie das Zimmer noch einmal, um das Badezimmer auf der anderen Seite des Flurs aufzusuchen. Zwar verspürte sie in diesem Augenblick sie keinen unmittelbaren Drang dazu, doch wer konnte schon sagen, wann sie die nächste Gelegenheit dazu bekam, sich zu erleichtern. 

 

Zurück in ihrem Zimmer schlüpfte Sina erst einmal aus ihren Stiefeln und stellte selbige ordentlich nebeneinander neben den gepolsterten Stuhl. Anschließend streifte sie sich das Longshirt über den Kopf, faltete es einmal grob in der Mitte und legte es über die Stuhllehne. Ihr Rock folgte gleich darauf, so dass lediglich ihre Unterwäsche übrig blieb. 

Mit den Augen den Raum absuchend, hielt Sina Ausschau nach der Kleidung, die Kingsley für sie bereitgelegt hatte. Erst fand sie nichts, so dass sie bereits vermutete, dass es sich um einen kleinen Scherz gehandelt hatte, und sie vollkommen nackt bleiben sollte. Doch nach kurzer Suche entdeckte sie einen schwarzen Beutel auf der Anrichte, auf dem ein Zettel mit ihrem Namen klebte. 

 

Gleich darauf musste sie jedoch feststellen, dass der Inhalt des Beutels “Nichts” ausgesprochen nahe kam. Genau genommen fand sie nicht einmal ein einziges richtiges Kleidungsstück, sondern lediglich ein silbernes Halsband aus Edelstahl. 

“Witzbold”, murmelte sie halb beleidigt, halb belustigt. Den Beutel ließ sie achtlos zu Boden fallen, während sie das Halsband langsam in ihren Händen drehte. Das Metall war etwa einen Zentimeter breit und hatte eine matte Oberfläche. Ein kleiner, ebenfalls silberner Ring war ungefähr in der Mitte angebracht und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich bei dem Halsband nicht um handelsüblichen Schmuck handelte. 

Schon bevor sie den Verschluss öffnete und sich den stählernen Ring um den Hals legte, wusste Sina, dass er ihr perfekt passen würde. Bei solchen Dingen überließ Kingsley nie etwas dem Zufall. Tatsächlich schmiegte sich das Metall sanft um ihren Hals, ohne dabei so eng zu sein, dass es sich unangenehm anfühlte. Kurz nestelte sie an dem im Nacken liegenden Verschluss herum, ehe er mit einem leisen Klicken einrastete. 

 

Sina durchquerte den Raum und blieb vor einem schmalen, jedoch fast zwei Meter hohen Spiegel stehen. Sie musste zugeben, dass der Stahl an ihrem Hals einen recht eleganten Eindruck machte. Er war weniger klobig als ein Exemplar aus Leder und machte irgendwie auch einen hochwertigeren Eindruck. Zudem war der Verschluss des Halsbandes derart unauffällig, dass es fast den Eindruck erweckte, als wäre der Stahlring aus einem einzigen Stück. 

Spielerisch ließ sie einen Finger durch den Ring gleiten und übte einen sanften Zug darauf aus. Ein sanfter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie die Macht spürte, die das Halsband nun über ihren Körper hatte. 

 

Obwohl sie der Meinung war, dass ihre schwarze Unterwäsche wunderbar mit dem silbernen Halsband harmonierte, zog Sina sich gänzlich aus. Schließlich war die Anweisung des Mannes eindeutig gewesen. Ihre Wäsche legte sie zu den übrigen Kleidungsstücken auf den Stuhl, ehe sie noch einmal zu dem Spiegel zurückkehrte. 

Tatsächlich kam die Wirkung des Edelstahls auf ihrer nackten Haut sogar noch besser zur Geltung. Zwar fehlte ein wenig der Kontrast zu der dunklen Spitzenwäsche, doch dafür sah sie nun doch sehr deutlich wie eine Sklavin aus. Ein freches Grinsen huschte über ihre Lippen, als sie sich einmal um die eigene Achse drehte, und ihren entblößten Körper im Spiegel beobachtete. Oh, sie würde bestimmt ein tolles Vorbild für die unerfahrenen Subs sein, da war sie sich sicher. 

 

Barfuß kehrte sie zurück zur Kommode und nahm noch einen Schluck Wasser. Das Glas mit sich nehmend, ließ sie sich auf einen kleinen, aber äußerst bequemen Sessel sinken, der unweit der Kommode stand. Der weiche Stoff fühlte sich auf ihrer nackten Haut ausgesprochen angenehm an. 

Sina lehnte sich entspannt zurück und schlug die Beine übereinander. Nach dem Gespräch mit Kingsley hatte ihre Aufregung ein wenig nachgelassen, kehrte nun allerdings allmählich zurück. Sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie abgeholt werden würde. Bis dahin genoss sie es, einen Raum für sich alleine zu haben und noch einen Moment die Stille genießen zu können. 

Im Kopf malte sie sich aber bereits aus, was passieren würde, nachdem sie das Zimmer wieder verlassen hatte. Kingsley hatte ihr nur einen sehr groben Überblick darüber gegeben, was er für den Abend geplant hatte. Es gehörte zu seiner Gewohnheit, ihr nicht mehr als ein paar Eckpunkte zu nennen, und obwohl sie eine unglaubliche Neugierde verspürte, hätte sie auch nicht weiter nachgefragt. Auf diese Weise war der Abend einfach authentischer - nicht nur für die Gäste, sondern auch für sie. 

 

Kapitel 6

 

Einige Minuten später klopfte es an der Tür zu Sinas Zimmer. 

“Es ist offen”, rief sie. Noch immer auf dem Sessel sitzend, richtete sie ihren Blick auf die Tür. 

Die riesige Gestalt von Kingsley schob sich durch den Türrahmen. Kaum, dass er den Raum betreten hatte, schien er das Zimmer völlig für sich einzunehmen. Abgesehen von seiner beeindruckenden Gestalt hatte dieser Mann auch eine ganz besondere Aura, die von ihm ausging. Den Blick auf Sina gerichtet, verzogen sich seine dunklen Lippen zu einem breiten Lächeln. “Wie ich sehe, hast du es gefunden.” 

Sina verzog den Mund zu einem leicht spöttischen Gesichtsausdruck. “Ja, ich hatte allerdings etwas mehr Stoff erwartet….”

Kingsley lachte vergnügt. “Nun, vielleicht beim nächsten Mal. Bist du so weit?” 

 

Sina nippte noch einmal an ihrem Glas. Sie hatte es kaum zur Hälfte ausgetrunken, doch die Erfahrung lehrte sie, dass es nicht unbedingt förderlich war, vor einem derartigen Abend besonders viel zu trinken. Eine trockene Kehle konnte allerdings auf Dauer ebenfalls recht unangenehm werden, so dass sie nicht ganz ohne ausgekommen war. 

“Ja, von mir aus kann es losgehen”, erklärte sie und erhob sich. Zufrieden stellte sie fest, wie Kingsley ihren Körper für einen Moment ausgiebig musterte. Selbst auf ihn hatte sie offenbar eine gewisse Wirkung. 

“Sehr gut. Also dann… nach dir.” Wie um seine Worte zu unterstreichen trat er einen Schritt zur Seite und gab damit den Weg zum Flur frei. 

 

Grazil ging sie an Kingsley vorbei, schaute dabei aus den Augenwinkeln zu ihm auf und trat nackt wie sie war auf den Flur hinaus. Der Mann folgte ihr, zog die Tür hinter sich zu und schloss ab. Der Schlüssel war an seinem eigenen Schlüsselbund befestigt, den er nun in den Taschen seiner Hose verschwinden ließ. Es gab keinen Zweifel daran, dass der Raum verschlossen bleiben würde, bis er mit Sina zusammen zurückkehrte. 

 

Mit Kingsley dicht auf den Versen ging Sina den Flur entlang. Sie konnte es nicht lassen, dabei ein wenig mit dem Hintern zu wackeln, um den Mann ein wenig zu reizen. Bisher hatte er sich immer als recht unnahbar gegeben, und soweit sie es wusste, hatte er auch noch nie selbst an den Veranstaltungen teilgenommen. Falls doch, war sie entweder nicht dabei gewesen, oder hatte keine Möglichkeit gehabt, ihn zu erkennen. 

Sie verstärkte ihren Hüftschwung noch ein wenig, doch abgesehen von einem Schmunzeln, das ihr jedoch entging, reagierte er jedoch nicht weiter darauf. 

 

Sie hatten den Flur fast gänzlich zurückgelegt, als Kingsley mit seiner tiefen Stimme rief: “Hier rechts.”

Sina blieb vor einer Doppeltür stehen und wartete, bis er zu ihr aufgeschlossen hatte. Erneut klopfte ihr Herz aufgeregt in ihrer Brust. Für eine Sekunde schloss sie die Augen, atmete noch einmal tief durch und legte dann ein sanftes Lächeln auf. Was auch immer sie hinter der Tür erwartete, sie war bereit dafür! 

 

Kingsley öffnete die Tür, trat an ihr vorbei und hielt die schwere Tür für sie auf, bis sie hindurch getreten war. Leicht überrascht stellte Sina fest, dass der Raum viel kleiner war, als sie es erwartet hatte. Er war ungefähr sechs Meter lang, jedoch kaum drei Meter breit. Erst auf den zweiten Blick erkannte sie, dass eine der Längsseiten nicht durch eine Wand, sondern durch einen schweren, dunkelroten Vorhang begrenzt wurde. “Wo…?”, setzte sie halblaut an, und drehte sich zu Kingsley um. 

Der Mann lächelte, während er erklärte: “Das ist die Bühne, die ich erwähnt habe. Die Gäste sind übrigens noch nicht im Raum, wir können uns daher in normaler Lautstärke unterhalten.” 

Sina nickte sachte mit dem Kopf. Bei einer Bühne hatte sie nur an einen kleinen Podest gedacht, und keine richtige Theaterbühne im Sinn gehabt. “Aber wenn der Vorhang aufgeht, sitzen da keine 100 Leute, ja?”, hakte sie mit einem leisen Hauch von Zweifeln nach. 

Kingsley lachte schallend. “Auch eine gute Idee, das muss ich mir merken! Aber ich habe dir doch gesagt, wie viele Leute kommen, und bei der Zahl ist es auch geblieben.” Er fügte hinzu: “Ich werde Samuel sagen, dass er darauf aufpassen soll, dass sich keine weiteren Gäste hinein schleichen.” 

 

Sina streckte ihm kurz die Zunge raus und machte gleichzeitig einen kleinen Schritt nach vorne, um ihren Hintern aus der Reichweite des Mannes zu bringen, damit er sie für die freche Geste nicht mit einem Klapps auf ihre Pobacken bestrafte. “Also… wie sieht denn mein Auftritt nun genau aus?”, fragte sie und ließ den Blick über die Bühne schweifen. 

“Frech UND ungeduldig…”, schmunzelte Kingsley. “Um deinen Auftritt brauchst du dir keine großen Sorgen machen, deine Choreografie ist schnell gelernt”, versprach er. “Samuel kommt gleich und hilft dir mit den letzten Vorbereitungen.” 

“Ich vermute, ich muss nicht viele Schritte lernen?”, hakte Sina nach, die sich schon vorstellen konnte, dass sie kaum die nötige Bewegungsfreiheit dafür haben würde. 

Kingsley grinste. “Richtig”, bestätigte er. Den Kopf leicht zur Tür drehend lauschte er eine Sekunde, ehe er meinte: “Ah, Samuel ist unterwegs. Ich werde euch einen Moment alleine lassen. Wir sehen uns gleich noch einmal wieder.” 

“Bis gleich”, erwiderte Sina. Sie beobachtete den Mann, wie er sich mit einem Kopfnicken umdrehte und durch die noch immer offen stehende Tür verschwand. 

 

Kapitel 7

 

Kingsley war noch nicht lange verschwunden, als Samuel die Bühne betrat. In der Hand hielt er eine große Reisetasche, die offenbar recht schwer war. “Na, hast du dich schon ein wenig mit der Umgebung vertraut gemacht?” Sein offenes Lächeln bezeugte, dass er den Kommentar nicht böse meinte, sondern sich tatsächlich nach ihrem Wohl erkundigte. 

Sina nickte sachte mit dem Kopf. “Ja… das hatte ich so nicht erwartet. Ich bin gespannt, was Kingsley sich dieses Mal wieder ausgedacht hat.” Sie linste den blonden Mann in der Hoffnung an, dass er ihr ein paar weitere Details verraten würde. Doch er lächelte nur vielsagend und stellte die Tasche in der Mitte der Bühne auf den Boden.

“Ich brauche ein paar Minuten, aber ich beeile mich”, versprach er und öffnete die Sporttasche. In schneller Folge holte er mehrere Metallstangen heraus, die er nun vor sich auf dem Boden ausbreitete. 

 

Sina bezog zwei Meter entfernt Stellung und beobachtete neugierig, wie Samuel die Stangen innerhalb weniger Minuten zu einem äußerst stabil aussehenden Bodenpranger zusammenbaute. Das Grundgerüst bildeten die am Boden verlaufenden Stangen, die ein großes H bildeten. Auf der nicht ganz mittigen, sondern ungefähr nach einem Drittel der langen Seite angebrachten Mittelstange, wurde eine Vertikalstange aufgesetzt, die wiederum in einer gepolsterten Horizontalstange endete. Sina war klar, dass es sich dabei um eine Auflage für ihre Hüfte handelte. Zusätzlich befestigte Samuel noch eine weitere, jedoch etwas kleinere Vertikalstange an einem Ende der Längsstange.

“Gut, ich bin so weit”, erklärte er, hob den Blick und schaute zu Sina. 

Die junge Frau nickte leicht mit dem Kopf und kam langsam näher. Den Bodenpranger halb umrundend stellte sie sich neben Samuel, der sie erwartungsvoll anschaute. Ihre Aufregung gekonnt überspielend fragte sie: “Wow… gibt es die bei Ikea?”

Samuel lachte leise. “Zum Glück nicht, sonst müsste ich einen Tag vorher mit dem Aufbau beginnen.” 

Sina stimmte in sein Lachen ein. Sie war froh, dass sie sowohl zu ihm, als auch zu Kinsley so ein gutes Verhältnis hatte. Das half ihr dabei, ihre Nervosität einigermaßen in Grenzen zu halten. 

 

“Gut, dann knie dich mal über die Polsterung”, forderte Samuel und klopfte mit einer Hand auf den schwarzen Schaumstoff. 

Sina ging neben ihm in die Hocke und musterte das Gestände noch einmal kurz. Etwas ungelenk beugte sie sich vor, kletterte halb auf allen Vieren über den Pranger und stützte sich mit dem Bauch auf der Polsterung ab. Ihr Kopf zeigte in Richtung der Wand, während ihr Gesäß dem Vorhang zugewandt war. 

“Gut, jetzt rutsch ein wenig nach vorn”, dirigierte Samuel, der sie für keine Sekunde aus den Augen ließ. 

Sie folgte seiner Anweisung, hob die Hüfte ein wenig an und setzte die Knie behutsam vor, bis sie mit den Oberschenkeln gegen den Schaumstoff stieß. “So?”, fragte sie etwas verunsichert nach. 

“Fast”, bestätigte Samuel. Er legte eine Hand auf ihre Schulter und die andere auf ihre Hüfte, dirigierte sie ein paar Zentimeter zurück und forderte: “Gut, bleib genau so.” 

 

Auf allen Vieren verharrte Sina in ihrer Position. Den Kopf leicht zur Seite drehend beobachtete sie, wie der Blondschopf sich neben ihre Schulter kniete. “Reich mir mal deinen rechten Arm”, bat er, woraufhin sie den Arm etwas anhob und ihm hinstreckte. Gleich darauf konnte sie spüren, wie sich kühles Metall um ihr Handgelenk legte. Anschließend führte Samuel ihre Hand wieder zurück auf den Boden, drückte sie etwas näher an die Metallstange des Prangers und befestigte die stählerne Handgelenksfessel mithilfe eines kleinen Karabiners mit dem Gestänge. 

Samuel rückte halb um sie herum und wiederholte den Vorgang mit ihrer linken Hand. “Drückt es irgendwo?”, erkundigte er sich und schaute ihr einen Moment lang in die Augen. 

Sina nutzte den winzigen Spielraum, den die Fesseln ihr ließen, und vergewisserte sich, dass ihre Gelenke nicht eingeklemmt wurden. “Passt alles”, erwiderte sie zustimmend. 

 

“Sehr gut.” Samuel lächelte sie kurz an, ehe er weiter zur Seite rutschte. Sie spürte seine Hand an ihrem Fußgelenk, als er auch hier einen Metallring anbrachte. Ehe sie sich versah, hatte er auch diesen mit dem Pranger verbunden. Ihre Mobilität sank mit jeder weiteren Minute. 

Für einen Moment die Augen schließend wartete Sina darauf, dass der Mann auch ihr rechtes Bein fixierte. Ruhig und gleichmäßig atmend störte sie sich gar nicht daran, dass sie keine Kleidung trug und Samuel, der inzwischen hinter ihr kniete, daher sicherlich einen ungehinderten Blick auf ihren Intimbereich hatte. 

Doch wenn das für sie ein Problem gewesen wäre, hätte sie sich niemals an diesem Ort befunden. Im Gegenteil, Sina empfand es sogar als überaus erregend, auf diese Weise fixiert zu werden und den Blicken des Mannes daher vollkommen ungeschützt ausgeliefert zu sein. Ein aufgeregtes Kribbeln breitete sich irgendwo hinter ihrem Bauchnabel aus und ließ sie sachte erschaudern. 

 

“Wie sieht es an den Füßen aus? Ist irgendwas unangenehm?”, vergewisserte Samuel sich erneut. 

Die junge Frau testete ihre Bewegungsmöglichkeiten aus. Sie war noch dazu in der Lage, ihre Beine etwa zwei Zentimeter vor oder zurück zu bewegen. Mehr Spielraum ließen die kleinen Karabiner nicht zu. Obwohl die Fesseln recht eng an ihren Gelenken lagen, waren sie nicht direkt unangenehm. “Ist in Ordnung”, bestätigte sie erneut. 

 

“Ausgezeichnet”, meinte Samuel. Er kehrte zu Sinas Kopf zurück und lächelte sie erneut aufbauend an. “Jetzt haben wir es auch schon fast geschafft”, versicherte er ihr. Während er mit ihr sprach, machte er sich an der vorderen Vertikalstange zu schaffen. Geschickt stellte er sie noch etwas länger ein, so dass sie fast bis zu Sinas Hals reichte. 

Sinas Blick folgte der Hand des Mannes, die nach ihrem Hals griff und sich an den Ring ihres Halsbandes legte. “Komm ein wenig nach unten”, bat er und zog sie gleichzeitig mit sanfter Gewalt etwas zu Boden. Die junge Frau konnte gar nicht anders, als ihm zu gehorchen, und mit einem leisen Schnappen eines weiteren Karabiners war ihr Hals fest mit dem Bodenpranger verbunden. Die daraus resultierende Position war etwas unbequem, was insbesondere an der Auflage unter ihrem Bauch lag, die ihre Hüfte unangenehm stark nach oben drückte. 

 

“Warte eine Sekunde…” Samuel begab sich wieder an ihre Seite, und im nächsten Augenblick spürte sie, wie er die Vertikalstange mit der Auflage lockerte und neu justierte. Er verringerte die Höhe um einige Zentimeter, wartete, bis Sinas Rücken nicht mehr einen Buckel, sondern eine gerade Linie bildete, schob ihn fest unter ihre Hüfte und fixierte ihn wieder. 

Indem er den Pranger passend auf ihren Körper einstellte, nahm er Sina den letzten Spielraum, den die Fesseln ihr noch gelassen hatten. An Händen und Füßen an den Bodenpranger gefesselt, ruhte ihre Hüfte nun fest auf der weichen Polsterung. Ihr Rücken stellte eine nahezu perfekt gerade Linie dar, und selbst ihr Kopf wurde durch die Verbindung zwischen der kleinen Vertikalstange und dem Halsband sicher in Position gehalten. Die einzige Bewegung, die nun noch möglich war, bestand aus einer leichten Drehung des Kopfes. 

“So, jetzt sieht es richtig aus”, stellte Samuel zufrieden fest. Noch einmal fragte er, ob es irgendwo schmerzte, doch erneut verneinte Sina die Frage. 

 

“Dann werde ich dem Boss mal Bescheid geben, dass du bereit bist”, verkündete er. Sina drehte den Kopf leicht in seine Richtung und sah, wie er durch die Tür von der Bühne verschwand. 

 

Kapitel 8

 

Alleine auf der Bühne zurückbleibend, konnte Sina nichts weiter machen, als den sich entfernenden Schritten des Mannes zu lauschen. Unwillkürlich versuchte sie, ihre Arme und Beine zu bewegen. Das Metall der Karabiner klirrte leise, doch davon abgesehen hatten ihre Bemühungen nicht den geringsten Effekt. Samuel hatte ganze Arbeit geleistet und sie sicher auf dem Pranger fixiert. 

 

Sina gab ein leises, wohliges Seufzen von sich. Sie mochte es, derart bewegungsunfähig zu sein. Obwohl es gegen die Natur des Menschen war, fühlte es sich für sie dennoch richtig an. Das aufgeregte Kribbeln in ihrem Bauch verwandelte sich allmählich in ein erregendes Prickeln. Spielend kämpfte sie gegen die Fesseln an, wodurch ihre Lust jedoch nur noch zunahm. 

Ihre Vorfreude auf das unmittelbar anstehende Event wurde mit jeder Minute, die sie auf allen Vieren kniete, größer. Deutlich konnte sie spüren, wie sich ihre Wangen bei dem Gedanken, wie der Vorhang sich öffnete und den Gästen den Blick auf ihren Körper freigab, erwärmten. 

 

Schritte näherten sich, doch Sina konnte nur vermuten, wer sich ihr näherte. Anhand der dumpfen Laute schloss sie darauf, dass der Verursacher einen recht schweren Körper haben musste. Sie hatte jedoch den Moment verpasst, an dem er durch die Tür gekommen war, und anschließend hatte er sich geschickt so bewegt, dass er außerhalb ihres Blickwinkels blieb. 

Stumm lauschte sie den Schritten, die sich in einem Bogen über die Bühne zu bewegen schienen. Plötzlich verstummten sie, und für einige Sekunden herrschte vollkommene Stille. 

Sina wagte es kaum zu atmen. Sie erahnte die Gestalt unmittelbar hinter sich. Unfähig, sich zu bewegen, und nicht dazu in der Lage, den Kopf weit genug zu drehen, um einen Blick auf die Person zu erhaschen, konnte sie nichts weiter machen, als zu warten. 

 

Eine große Hand schlug ihr schwungvoll und ohne jede Vorwarnung auf die rechte Pobacke. Sina stieß einen halblauten Schrei aus, der jedoch mehr dem Schreck, als dem Schmerz entsprang. 

“Das war für deine kleinen Frechheiten vorhin”, verkündete Kingsley mit seiner tiefen Stimme. Fast als wollte er ein Ungleichgewicht ausgleichen, gab er Sina auch noch einen Klapps auf die andere Pobacke, ehe er um sie herum schritt und sich vor ihr hinkniete. 

Sina warf dem Mann einen funkelnden Blick zu, der irgendwo zwischen Trotz, Aufmüpfigkeit und Verlangen pendelte. 

Kingsley schmunzelte. “Wie ich sehe, hat Samuel ganze Arbeit geleistet. Ich habe dir ja versprochen, dass deine Choreografie nicht all zu kompliziert werden würde.” 

“Bleibe ich den ganzen Abend im Pranger?”, fragte Sina, den Blick auf den dunkelhäutigen Mann gerichtet. In seinem tadellos sitzenden Anzug strahlte er eine gewaltige Autorität aus, die durch ihre eigene Nacktheit noch einmal unterstrichen wurde. 

“Das steht noch nicht fest. Es kommt ein wenig darauf an, wie der Abend verläuft”, erklärte er unverbindlich. “Wenn alles schon vorher feststehen würde, wäre es doch langweilig, nicht wahr?” 

 

Sinas Lippen kräuselten sich zu einem spöttischen Lächeln. Sie wusste genau, dass Kingsley den Abend längst bis in alle Einzelheiten durchgeplant hatte. Es mochte einige noch nicht festgelegte Optionen geben, doch auch darüber hatte er sich zweifelsfrei ausführliche Gedanken gemacht. Bei diesen Veranstaltungen überließ er generell nichts dem Zufall. So hatte Sina ihn kennen gelernt, und es war auch einer der Gründe, warum sie ihm blind vertraute. 

 

“Ich habe dir noch ein kleines Geschenk mitgebracht”, verkündete Kingsley. Mit einem Lächeln, als wäre er der Weihnachtsmann, der gerade ein besonders großes Päckchen aus seinem Beutel holte, griff er in seine Hemdtasche. Zum Vorschein kam eine schwarze Augenbinde, die er Sina im nächsten Moment feierlich präsentierte. 

“Wunderbar, so eine habe ich mir schon immer gewünscht”, scherzte sie grinsend. 

Kingsley schmunzelte erneut. “Na dann ist ja heute dein Glückstag.” Mit diesen Worten zog er das elastische Material auseinander und legte es um Sinas Kopf. Geschickt zog er den weichen Stoff in die richtige Position, so dass er sich fest über ihre Augen legte. 

Im ersten Moment schimmerte noch etwas Licht unter der Augenbinde hindurch, doch nachdem Kingsley sie noch einmal etwas verschoben hatte, war sie von vollkommener Dunkelheit umgeben. Die Schwärze war so undurchdringlich, dass Sina nach wenigen Momenten die Augen schloss. 

 

Auch ohne etwas zu sehen ahnte sie, wie der Mann vor ihr aufstand. Seine Schritte entfernten sich, kehrten jedoch gleich darauf wieder zurück. Ihre Muskeln vor Erwartung leicht anspannend wartete sie auf das, was als Nächstes kam, und von dem sie bereits wusste, worum es sich handelte. 

Ein “Pffft” ertönte, und im nächsten Moment spürte sie, wie ein Nebel aus kühler Flüssigkeit über ihren Rücken gesprüht wurde. “Pffft Pffft”, machte es erneut, und binnen weniger Augenblicke wurde ihr gesamter Körper eingesprüht. Sina wusste, dass ihr Körper nun auf eine wunderbare Art und Weise feucht schimmerte und damit einen noch verlockenderen Eindruck bot. Ein letztes “Pffft” ertönte und entlockte der Frau ein leises Quietschen. Das Ziel des Sprühnebels war in diesem Fall ihr leicht gespreizter Schritt gewesen. 

 

“Gut, ich denke damit sind die Vorbereitungen abgeschlossen”, überlegte Kingsley laut. Noch einmal entfernten sich seine Schritte und kehrten gleich darauf zu ihr zurück. “Du erinnerst dich ja sicherlich an dein Safewort?”

Sina hatte mit dem Kopf nicken wollen, wurde jedoch von ihrer Fixierung daran gehindert. “Mango”, sagte sie einmal laut und deutlich. Es war der Code, den sie mit Kingsley vereinbart hatte, um die Veranstaltung augenblicklich zu unterbrechen. Bisher hatte sie ihn jedoch noch nie verwenden müssen. 

“Dann wünsche ich dir viel Spaß”, meinte Kingsley, streichelte ihr einmal kurz über den Kopf und entfernte sich anschließend mit langsamen Schritten von der Bühne. 

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Realitätsfremd

Ich mag es, wie du die Spannung so langsam aufbaust, und man immer erwartet, dass es im nächsten Kapitel dann losgeht, aber dann doch nur die Vorbereitungen weitergehen. 
Und irgendwie find ich es auf der anderen Seite gemein, wie sehr du einen damit auf die Folter spannst. Dass die Kapitel so kurz sind, macht es nicht besser, man erwartet viel mehr, dass jetzt endlich der Vorhang fällt ...
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht!

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