Das Ende der Freiheit – Teil 04 (illustriert)

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SM-Roman (illustrierte Fassung)

Exposé-Auszug: Eine junge Frau erfährt, dass ihrer besten Freundin von einer skrupellosen Clique übel mitgespielt wird. Sie beginnt, sich in einen Mann zu verlieben, von dem sie nicht ahnt, dass er zu eben dieser Clique gehört. Von ihrer Neugier getrieben, erfährt sie allmählich immer mehr über das Treiben dieser Leute, bis der Moment gekommen ist, an dem sie zu viel weiß. Man beschließt, sie auf bizarre Weise an der Weitergabe ihres Wissens zu hindern.

 

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18. FREUNDSCHAFT

Ich habe keine Ahnung, wie lange ich weggetreten war.

Als ich erwachte, wurde meine Wange sanft gestreichelt. Mein Kopf lag in Susis Schoß. „Guten Morgen“, meinte sie.

„Uff“, sagte ich.

Ein Blick auf die Spiegelwand machte klar: Man hatte mich wieder in meine Zelle gebracht.

Ein weiterer Blick auf mein Spiegelbild ließ mich erschauern. Alles war zwar zunächst wie immer. Erwartungsgemäß war ich nackt. Allerdings handelte es sich um die radikalste Nacktheit, denn mein Schamhaar war verschwunden. Ein Griff an meinen kahlen Venushügel ließ mich nicht den geringsten Hauch von Stoppeln ertasten. Alles war total glatt.

„Mist“, entfuhr es mir. Damit war ich nun komplett entblößt. Ich befürchtete, dass dieser Zustand für immer wäre.

„Wie lange bin ich schon hier?“, wollte ich von Susi wissen.

„Die haben Dich gestern ganz früh gebracht. Du hast bis jetzt tief geschlafen.“

„Also etwa 24 Stunden?“

„Ungefähr.“

Keine Stoppeln nach 24 Stunden. Das bedeutete zweifelsfrei, dass ich nicht nur rasiert worden war. Ich bekam eine Gänsehaut. Toni schreckte jetzt also offenbar auch nicht mehr davor zurück, meinen Körper in einer Weise zu manipulieren, die nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Zum Glück stellte ich keine weiteren Modifikationen an mir fest. Naja, dachte ich, wenn es keine Stoppeln gibt, werde ich schon mit dieser Sache leben können. Viele Frauen meines Alters waren untenrum komplett haarlos.

„Wie lange war ich insgesamt weg? Ich meine, seit meiner Flucht?“

„Ungefähr eine Woche, schätze ich“, antwortete Susi.

Also hatte mich die Spritze für mehrere Tage ausgeschaltet.

„Warum bist Du denn überhaupt abgehauen?“, wollte Susi wissen.

„Susi, ich bin nicht freiwillig hier. Toni, der Kumpel meines Freundes, meines Ex-Freundes, hat mich entführt.“

„Wie kommt der denn dazu?“

„Das ist eine lange Geschichte.“

„Macht nichts. Wir haben heute bis Mittag frei. Heute ist Ausbildermeeting. Es gibt wohl einen Neuen.“

Das war interessant. „Sag mal, Susi, woher weißt Du eigentlich so gut Bescheid, was hier läuft?“

Susi lachte. „Ganz einfach. Mein Herr erzählt es mir. Der ist in so einer Art Vorstand. Dort wird die Ausbildung koordiniert.“

„Wann hast Du denn Gelegenheit, Deinen Herrn zu sprechen?“

Erneutes Lachen. „Eigentlich gar nicht. Mein Herr spricht mit mir. In meine Ohren wurden kleine Lautsprecher implantiert. Mein Herr kann mit mir sprechen, wann er will oder mir Befehle erteilen. Antworten darf ich ihm hier zwar nicht, aber die Anstaltsleitung wird sich hüten, mitzuhören, wenn er mir etwas sagt. Das geht nur hier in dieser abgeschirmten Zelle nicht, aber während der Zeit draußen erzählt er mir manchmal, was in der Welt und um uns herum so vor sich geht. Aber jetzt bist Du erstmal an der Reihe. Was ist das für eine Schweinerei mit der Entführung und so?“

In meinem Zustand, so kurz vor der totalen Verzweiflung, war ich für diese Möglichkeit dankbar und so berichtete ich … alles. Angefangen von meinen sexuellen Phantasien, meiner Affinität zu SM und meinen Problemen damit über meine bisherigen Erfahrungen, die ganze Geschichte mit Falk, Vera, Toni bis hin zu meiner anfänglichen Vorsicht gegenüber Susi.

Nachdem ich geendet hatte, war Susis kahler Kopf puterrot. Ich hatte Angst, sie würde gleich platzen.

„Das ist … das ist … ekelhaft. Das sind Schweine. Die müsste man umbringen!“ Der Zorn in Susis Stimme war ebenso ungewohnt wie echt. „Das führt alles ad absurdum, was mein Herr und seine Freunde aufgebaut haben. Du solltest nicht hier sein. Du darfst nicht hier sein. Du gehörst hier nicht hin.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Tja, so habe ich das auch gesehen, Deshalb bin ich abgehauen. Leider hat das nichts genützt. Habe ich die Ausbilderin schwer verletzt?“

„Gehirnerschütterung. Die erholt sich wieder“, war Susis beruhigende Antwort, „aber das ist typisch Frau. Du sitzt selbst in der Klemme und machst Dir Sorgen um andere Leute. Sowas passiert mir auch regelmäßig. Bei der ersten Gelegenheit werde ich meinen Herrn informieren. Der hat eine Menge Einfluss. Ich bin sicher, dass er Dir helfen kann.“

„Vielleicht kann er das, aber wird er es auch wollen?“

  

„Du verstehst es immer noch nicht. Ich bin Sklavin aus Überzeugung. Das ist die Art, in der ich leben will. Ich selbst habe das entschieden. Ich. Ich allein habe entschieden, dass mein Herr jetzt alle Entscheidungen über mich trifft. Mich macht das glücklich. Du hast diese Entscheidung aber nicht getroffen. Es ist absolut unerheblich, ob Du Spaß am Fesselsex oder an Unterwerfungsspielchen hast. Wenn Du keine Sklavin sein willst, ja, selbst, wenn Du es vielleicht doch irgendwie willst und Dir nur noch nicht sicher bist – so oder so hat kein Mensch das Recht, Dich zu einer von uns zu machen. Das ist nicht hinnehmbar. Das muss Konsequenzen haben.“

Ich war sehr überrascht. Ich hatte Susi für ein Muster an Unterwürfigkeit gehalten und das war sie auch nach wie vor, aber diese Tirade passte irgendwie nicht dazu. Oder gab es das etwa doch: Eine Sklavin mit eigenem Willen? Merkwürdig.

„Ich verstehe das nicht“, sagte ich wahrheitsgemäß, „ich dachte, Du bist eher … äh … so eine Art … entschuldige bitte … Spielzeug.“

„Na klar. Ein Sexspielzeug, um mal etwas präziser zu sein. Weil ich es will, Du Dummerchen! Weil ich es will. Ich liebe die Dildoausbildung. Ich finde es geil, zu Dingen gezwungen zu werden, die ich mich sonst nicht trauen würde.“

„Aber … ich meine … Du wirst nie wieder eigene Haare haben. Das ist doch irgendwie … freaky.“

„Dann bin ich eben ein Freak, weil mein Herr das so wünscht. Darauf stehe ich. Hast Du noch nie total verrückte Dinge aus reiner Lust oder aus Liebe getan?“

„Doch“, musste ich zugeben, „aber nie etwas, das ich nicht mehr korrigieren konnte.“

„Tja, Nadja, das ist eben das Problem. Du kannst nicht eine Sklavin spielen, wenn Du keine bist. Du hast es doch selbst erlebt: Wenn Du entscheidest, wie und wann Du Sex hast, macht es nur halb soviel Spaß. Das ist ein Kompromiss. Ich mag aber keine Kompromisse. Dafür ist das Leben zu kurz.“

„Mag sein“, stimmte ich zu, „dass ich mich gar nicht so sehr von Dir unterscheide. Aber die Sache mit Falk bestätigt meine schlimmsten Ängste und auch meine Vorsicht, mich einem Mann ganz hinzugeben. Weil ich nicht vorsichtig genug war, stecke ich jetzt in dieser Zelle.“

„Weil Du Dir den Falschen ausgesucht hast“, widersprach Susi, „weil Du nicht auf Deine innere Stimme gehört hast. Du hast schon in der ersten Nacht gewusst, dass er nicht richtig für Dich ist und dann hast Du Dich wider besseres Wissen einwickeln lassen.“

„Meinetwegen. Das bringt mich aber hier auch nicht wieder raus.“

„Stimmt“, pflichtete sie mir bei, „das Problem ist, dass ich meinen Herrn erst informieren kann, wenn die Ausbildung hier zu Ende ist.“

„Wann wird das sein?“

„Bei mir in ungefähr drei Monaten.“

„Drei Monate? Ich weiß nicht, ob ich das durchstehe.“

„Wir stehen das gemeinsam durch. Wir sind Freundinnen, Nadja. Das bleibt so. Eher werden uns Schamhaare wachsen, als dass man unseren Zusammenhalt kaputt kriegt.“

„Dann kann ich mich ja wohl darauf verlassen, denn bei mir hat man anscheinend auch die Radikalkur angewandt.“

„So sieht es aus.“

 

19. DER NEUE

Die tägliche Routine holte mich schnell wieder ein. Wenig hatte sich während meiner Abwesenheit geändert: Das Mobiliar für das Dildotraining war erneuert worden. Jetzt steckten aufblasbare und vibrierende Analplugs direkt in den Sitzflächen. Wir hatten eine neue Haltungstrainerin bekommen, weil die Vorgängerin noch krankgeschrieben war.

Ich lernte den neuen Ausbilder kennen.

Das war ungewöhnlich.

Über einen Zeitraum von mehreren Tagen wurden wir jeweils einzeln aus den Zellen oder aus den Kursen geholt. Ich war vor Susi an der Reihe, so dass ich nicht wusste, was mich erwartete.

Man führte mich aus dem Trainingsbereich heraus über den Innenhof zu einem der Seitengebäude. Dort ging es über einen kurzen Flur in ein Büro, das sehr viel größer und moderner war als die, die ich bei meiner Flucht gesehen hatte.

Hinter einem großen Schreibtisch saß ein gutaussehender Mann undefinierbaren Alters. Lediglich die grauen Schläfen wiesen auf einen Enddreißiger + X hin.

Die Tür wurde hinter mir geschlossen und ich war mit dem Unbekannten allein. Der deutete auf einen Sessel vor dem Schreibtisch und meinte mit angenehmer, tiefer Stimme: „Setz Dich!“

Ich nahm die vorgeschriebene Sitzhaltung ein.

„Du kannst Dich entspannen“, sagte der Mann, „dieses Büro ist abgeschirmt.“

Ich blieb in meiner Haltung, aber riskierte es, endlich wieder mit einer anderen Person als Susi zu sprechen.

„Danke. Es ist bequem so“, sagte ich.

  

Kein Schock. Wie schön!

„Na gut. Mein Name ist Marc Gessner. Ich bin hier für die Bondage-Ausbildung zuständig und weiß gern, mit wem ich arbeiten soll. Deshalb führe ich Einzelgespräche, um die Schülerinnen besser kennen zu lernen. Wir können ganz frei miteinander reden. Es wird nichts mitgehört oder aufgezeichnet.“

Nichts lag mir ferner, als einem Mann noch einmal einfach zu glauben. Ich blieb lieber vorsichtig.

„Du bist jetzt seit zwei Monaten hier“, fuhr er fort, „aber in Deiner Datei hier fehlt eine Woche. Warum?“

„Da war ich wohl … unpässlich“, antwortete ich.

„Oh. Geht es Dir wieder gut?“

„Scheint so.“

„Hm. Naja. Es gibt hier noch ein paar … äh … ungewöhnliche Einträge. Die Weisungen für Deine Ausbildung kommen nicht von Deinem Herrn, sondern von einem gewissen Antonio Pugliese.“

„Kennen Sie den nicht?“

„Nein. Ich bin noch nicht lange hier. Ich war vorher in einem anderen Zentrum. Das Hauptinstitut. Sehr groß, sehr anonym. Nicht so mein Ding. Mir ist der persönliche Kontakt wichtig. Das ist hier viel familiärer.“

„Ach so“, meinte ich, „wir sind hier alle eine Familie?“

Gessner sah mich stirnrunzelnd an. „Hast Du ein Problem? Du kannst es mir sagen. Dafür bin ich da.“

„Für meine Probleme?“

„Deine Probleme, Deine Bedürfnisse, Deine Schwierigkeiten, Deine Erfolge und Misserfolge. Genau.“

Entweder war das ein ganz gerissener Hund oder die personifizierte Ahnungslosigkeit. Ich wollte wissen, woran ich war und beugte mich vor, bis meine Brüste auf seiner Schreibtischkante lagen. „Ich hätte da schon ein Bedürfnis … Ich will hier weg.“

„Heimweh?“

„So würde ich das nicht nennen. Die fehlende Woche war ein gescheiterter Fluchtversuch.“

„Was?!“ Seine Bestürzung wirkte nicht gespielt.

„Ich bin nicht freiwillig hier. Toni, Antonio Pugliese, hält mich gegen meinen Willen hier fest.“

„Was sagt denn Dein Herr dazu?“

„Ich habe keinen Herrn. Falk Sattler ist mein Exfreund und ein Mitarbeiter von Toni. Er dachte, ich würde eine gute Sklavin für ihn abgegeben, aber weil er so ein armseliges Würstchen ist, hat Toni die Sache in die Hand genommen.“

„Exfreund? Das heißt, Du bist gezwungen worden, hier zu sein? Von einem Mann, mit dem Du nicht einmal zusammen bist; geschweige denn, dass er Dein Herr wäre?“

„Bingo. Ganz genau so ist das.“

„Das ist … das kann nicht sein! Das darf nicht passieren. Nicht schon wieder!“

„Sie meinen, ich bin nicht die einzige?“

Gessner war aschfahl geworden.

„Vor ein paar Jahren gab es eine ganze Reihe solcher Fälle. Der Verantwortliche war ein mächtiger Politiker aus den Niederlanden, der bis an die Spitze unserer Gemeinschaft gelangen konnte, bevor seine Machenschaften aufflogen.“

„Kennen Sie eine Gruppe, die sich ‚die Holländer‘ nennt?“

„Nein, aber das klingt nicht gut. Das klingt gar nicht gut.“

„Toni gehört dazu und Falk, das Arschloch, das mich in diese Lage gebracht hat, auch.“

Gessner stand auf und kam auf mich zu. „Das tut mir unendlich leid. Das hätte niemals passieren dürfen. Wenn wir es hier mit einer Verschwörung zu tun haben, müssen wir sehr vorsichtig sein. Ich hole Dich hier raus, aber ich will nichts über das Telefon veranlassen. Ich setze mich noch heute Abend ins Auto und fahre nach Hamburg. Dort residiert einer unserer Großmeister. Der ist absolut vertrauenswürdig. Wenn ich mit ihm gesprochen habe, machen wir dieser Sauerei ein Ende. Bis dahin musst Du noch aushalten. Bitte mach das Programm so lange mit, als wäre alles in Ordnung. In dieser Einrichtung muss es Leute geben, die mit den Verbrechern zusammenarbeiten, sonst wärst Du längst schon wieder zu Hause. Also sei bitte vorsichtig!“

„Versprochen. Aber Sie müssen auch vorsichtig sein. Im Moment sind Sie meine einzige Hoffnung.“

„Ich heiße Marc. Du bist keine Sklavin und ich bin deshalb für Dich auch nur ein Typ, der Dich sehr nett und hübsch findet und Dir einfach nur helfen will, okay?“

„Okay, Marc. Ich gehe dann mal wieder in meine Zelle. Lass mich bloß nicht hängen!“

„Morgen, spätestens Übermorgen bist Du frei. Darauf hast Du mein Wort.“

„Danke.“

Ich drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und der gestrenge Herr Ausbilder wurde tatsächlich ein wenig rot.

Jetzt hatte ich wieder Hoffnung.

Ich wusste nicht, dass es meine letzte Hoffnung war.

 

20. PROTOTYP

Am nächsten Morgen wurde ich praktisch von der Toilette weg von zwei vierschrötigen Kerlen abgeholt.

Im ersten Moment dachte ich noch, sie kämen von Marc, um mich zu befreien.

Wortlos führten sie mich in den Innenhof, wo ein weiterer Mann mit einer großen Reisetasche in der Hand wartete. Dieser ließ die Tasche auf den Boden sinken, öffnete den Reißverschluss und holte, eine nach der anderen, goldglänzende Metallröhren heraus.

Zwei Röhren wurden geöffnet und um meine Oberarme gelegt, wo sie mit einem „Klick“ einrasteten. Sie saßen so perfekt, dass es sich um Maßanfertigungen handeln musste. Zwei weitere, kürzere Röhren, eher von der Größe breiter Reifen, umschlossen kurz darauf in gleicher Weise meine Handgelenke.

Die Männer bogen meine Arme nach hinten und setzen zwei kurze, zylindrische Verbindungsstücke zwischen die Handreifen in entsprechende Aussparungen ein, die mir vorher gar nicht aufgefallen waren. Im Nu waren meine Hände hinter meinem Rücken gefesselt. Die Reifen waren so gearbeitet, dass ich meine Handgelenke überhaupt nicht mehr bewegen konnte. Dann wurden meine Ellenbogen noch weiter nach hinten gezogen, bis sie sich fast berührten. Dadurch wurde ich gezwungen, den Rücken durchzudrücken und meine Brüste obszön nach vorn zu recken. Etwas längere Verbindungszylinder wurden dann zwischen den Oberarmfesseln arretiert. Meine Arme waren nun komplett nutzlos geworden.

Es folgten Fußschellen in gleicher Bauart; nur, dass diese nicht durch einen Zylinder, sondern durch eine relativ kurze Kette miteinander verbunden waren. Mit dieser Fußfessel konnte ich nur noch ganz kurze Trippelschritte machen (und ich hatte gedacht, meine durch das Training verkürzte Schrittlänge wäre schon genug gewesen!) und bekam Panik, das Gleichgewicht zu verlieren, weil ich mich ja mit meinen funktionslos gemachten Armen nicht mehr hätte abstützen können.

Einen Augenblick lang klammerte ich mich noch an den Gedanken, das Ganze könne ja vielleicht doch mit Marcs Eigenschaft als „Bondage-Trainer“ zu tun haben, aber relativ schnell setzte sich die Einsicht durch, dass das alles eher das genaue Gegenteil einer Befreiungsaktion sein musste.

Die Männer führten mich, so schnell es meine Fußfesseln gerade noch zuließen, aus dem Gebäude in einen schwarzen Van mit getönten Scheiben. Dort warfen sie mich unsanft auf den Rücksitz.

Dann zog einer der Männer eine Spritze auf.

Nicht schon wieder, dachte ich noch und dann war es auch schon geschehen.

In diesem Moment schloss ich mit meinem Leben ab.

 

Als ich erwachte und immer noch auf diese rigide Art gefesselt war, fand ich es für einen Moment gar nicht gut, überhaupt wieder aufzuwachen. Ich lag auf dem Boden. Er war nicht allzu hart und relativ warm. Ich hatte Kopfschmerzen. Es war eher eine Art Stechen; fast wie bei einer leichten, beidseitigen Mittelohrentzündung. Ich sah mich um.

Wieder eine Zelle. Diesmal ohne Spiegel. Keine Susi.

Kein Fenster. Künstliches Licht von Strahlern in der Decke.

Eine Tür ohne Griff.

Auf dem Boden direkt unter meinem Kopf waren mehrere kleine, dunkle Flecken.

Wie Blut.

Mein Blut?

Ich konnte ohne meine Hände nicht feststellen, ob ich irgendwelche Verletzungen hatte, aber abgesehen von den Stichen in meinen Ohren schien ich keine Blessuren aufzuweisen.

Ich lag dort nur herum.

Stundenlang.

Die Stiche wurden schwächer.

Dafür kamen die Krämpfe.

Meine Arme waren in einer Position gefesselt, an die sie einfach nicht gewöhnt waren und beschwerten sich darüber in sehr schmerzhafter Weise.

Stundenlang.

Irgendwann meldete sich meine Blase.

Weitere, endlos scheinende Zeit verging. Irgendwann konnte ich es nicht mehr halten. Mit der kurzen Kette zwischen meinen Füßen und meinen nutzlosen Armen kostete es mich enorme Anstrengungen, mich aufzurichten. Nachdem ich es dann doch geschafft hatte, ging ich in eine Ecke der Zelle, ließ mich an der Wand in die Hocke rutschen und pisste einfach auf den Boden.

Weitere Stunden vergingen.

Allmählich ließen auch die Krämpfe wieder nach.

Ich wurde müde.

Als ich gerade beschlossen hatte, mich meinem Schlafbedürfnis zu fügen und mich vorsichtig hinzulegen begann, passierte es:

„Steh auf!“

Ich kannte die Stimme nicht.

Sie kam nicht von außen.

Sie schien direkt aus meinem Kopf zu kommen.

Die Tür öffnete sich.

Niemand war da.

„Geh den Gang nach links!“

Ich gehorchte.

Der Gang war lang und mit meinen winzigen Schritten brauchte ich eine Ewigkeit, um eine weitere Tür am Ende des Ganges zu erreichen. Dort angekommen, öffnete sich auch diese.

„Geh hindurch und bleib dort stehen!“

Ein weiterer Gang.

Ich wartete.

Eine neuerliche Ewigkeit verging.

Ich war doch so müde!

Dann, endlich, wurde auch die gegenüberliegende Tür geöffnet. Diesmal kamen zwei Personen hindurch.

Personen?

Wesen!

An den Körperkonturen konnte ich erkennen, dass es sich um Frauen handeln musste. Die Gestalten waren schwarz.

Total schwarz.

Sogar über den Augen waren dunkle Linsen. Der Rest der Oberfläche bestand aus Latex. Das war mir ja selbst schon vertraut (aus einem früheren Leben – so kam es mir vor). Die Latexfrauen hatten Nasen und Ohren (unter der Latexschicht), aber Mundöffnungen konnte ich nicht erkennen. Sie sprachen auch nicht.

Das erledigte die Stimme in meinem Kopf.

„Folge den Zofen! Sie werden Dich säubern.“

Na gut, dachte ich. Mir blieb ja ohnehin keine Wahl.

Die „Zofen“ waren zu meinem Glück auch nicht schneller als ich, denn beide trugen Ballettstiefel.

Ich trippelte hinter den Frauen her, bis wir einen Waschraum erreichten. Ich hatte nicht wirklich gehofft, aus meinen Fesseln befreit zu werden und so war ich auch nicht enttäuscht, als die Zofen anfingen, mich mit Schwämmen in ihren gummierten Händen abzuwaschen.

Sie machten das gut. Sanft und gründlich.

Natürlich wurde mein haarloser Intimbereich nicht ausgespart, aber ich empfand keinerlei Scham dabei. Das war eben ihr Job.

Nachdem ich abgeduscht und frottiert worden war, meldete sich der Kerl in meinem Kopf wieder:

„Folge den Zofen!“

Inzwischen war mir klar geworden, woher die Stimme kam.

Ohrimplantate.

Wie bei Susi.

Das erklärte auch die Stiche am Anfang und die Blutflecken auf dem Zellenboden. Jetzt konnte man mich also auch noch fernsteuern!

Diesmal wurde ich zu einer Tür geführt, vor der die Zofen stehenblieben. Als die Tür geöffnet wurde, hörte ich eine Art Raunen oder Tuscheln wie von einer größeren Anzahl von Menschen.

Hinter der Tür war es dunkel.

„Tritt vor!“

Ich gehorchte (was auch sonst?).

Von einem Moment zum anderen war ich in gleißendes Licht gehüllt. Ich musste meine Augen zukneifen - so hell war es.

Applaus ertönte.

Als ich wieder meine Augen öffnen konnte, sah ich im Halbdunkel schemenhafte Gestalten, die etwas niedriger postiert waren als ich.

Ich stand auf einer Bühne.

Im Scheinwerferlicht.

Gefesselt.

Nackt.

Ohne Angst.

Diesmal kam die Stimme nicht aus meinem Kopf, sondern aus einem Lautsprecher: „Meine sehr verehrten Herren, liebe Freunde … der Prototyp!“

Wieder Applaus.

Die meinten mich.

Mir wurde schlecht.

Die Stimme fuhr fort: „Sie sehen keine Sklavin, sondern eine unabhängige, starke Frau, die sich leider gerade in einer misslichen Lage befindet. Ihr Name ist Nadja. Sie ist neunzehn Jahre alt und Studentin der Literaturwissenschaft.“

Beifall. Für mich klang es wie Hohn.

„Betrachten Sie sie bitte ganz genau, denn Sie werden Nadja nie wiedersehen. Nach Abschluss unseres Experiments wird hier Modell C vor Ihnen stehen, eine absolut gehorsame Sklavin, in einer heute noch nicht vorstellbaren Weise von ihrem Herrn oder ihren Herren abhängig, nicht mehr in der Lage, etwas anderes zu tun oder zu sein, als das, was von ihr erwartet wird. Sie werden dann vielleicht denken, Nadja vor sich zu haben, denn abgesehen von einigen notwendigen Modifikationen werden sie nicht viele äußerliche Veränderungen erkennen können, aber das wird nicht mehr Nadja sein. Vielmehr wird es sich um den fertigen Prototyp unseres Modells C handeln, der nur noch als Nadja verkleidet ist. Möglicherweise immer noch eine Studentin der Literaturwissenschaft, möglicherweise eine scheinbar ganz normale, junge Frau – in Wirklichkeit aber eine Gefangene. Gefangen im sichersten Kerker der Welt, dem menschlichen Körper. Gefangen in einem Körper, der nicht mehr ihr gehören wird.“

Ich weiß nicht mehr, was danach passierte, denn meine Knie gaben nach und alles um mich herum wurde schwarz.

 

21. AM KRANKENBETT

Diesmal erwachte ich in einem richtigen Bett. Es war hell. Tageslicht. Schön.

Ich konnte mich nicht bewegen. Aus dem Augenwinkel sah ich den Gurt, mit dem mein Kopf fixiert war. Meine Arme und Beine waren ebenso fixiert wie mein Oberkörper. Ich konnte die Gurte spüren. Der über meiner Brust war schmerzhaft. Überhaupt schmerzten meine Brüste. Ich hatte leichte Atemprobleme.

Ein Kopf kam in mein Blickfeld.

Falk.

„Du bist wach? Schön“, meinte er, „Du kannst ruhig sprechen. Das ist hier erlaubt“.

„Ich wüsste nicht, was ich Dir zu sagen hätte, Du Mistkerl!“

„Nadja, das bringt doch nichts. Du kannst mich beleidigen und beschimpfen. Das hilft Dir auch nicht weiter.“

„Mag sein, aber es tut mir gut.“

Falk schüttelte den Kopf. „Es ist nicht so, wie Du denkst. Ich habe das nicht vorgehabt, aber Dein Fluchtversuch hat alles auf den Kopf gestellt. Es blieb mir keine Wahl. Ich musste Toni informieren, um zu verhindern, dass Du zur Polizei gehst.“

„Und dann hast Du nachgesehen, wann mein Zug in Frankfurt ankommt, damit Toni rechtzeitig da ist, um mich abzugreifen.“

„Ja.“

„Du bist ein Schwein.“

„Ich liebe Dich.“

„Du Idiot! Du weißt doch gar nicht, was das ist. Du liebst höchstens Dich selbst. Was Du mir angetan hast, hat rein gar nichts mit Liebe zu tun. Aber ich bin ja auch selbst schuld. Ich habe Dir vertraut. Schön blöd. Würdest Du jetzt bitte gehen!“

„Ich wollte Dich nur noch mal sehen, bevor es richtig losgeht.“

„Bevor was losgeht? Meine Umwandlung in ‚Modell C‘?“

„Das habe ich nicht gewollt, ehrlich! Ich wollte nicht, dass Dir etwas passiert, aber das ist für mich die einzige Möglichkeit, Dich nicht zu verlieren. Du darfst keine Gelegenheit mehr haben, uns zu verraten. Das geht nur auf diese Weise, wenn Du am Leben bleiben willst.“

„Wenn das wahr wird, was ich gehört habe, als ich auf dieser Bühne stand, dann wäre es für mich vermutlich besser, ich wäre tot.“

„Das sehe ich anders.“

„Schön für Dich. Das interessiert mich allerdings einen Dreck, wie Du was siehst. Wenn Du auch nur noch einen winzigen Funken Anstand in Dir hast, dann sagst Du mir wenigstens, was jetzt mit mir passieren soll.“

„Nadja, das weiß ich auch nicht im Detail. Ich weiß nur, dass Du zwei Operationen schon hinter Dir hast. Dir wurden kleine Lautsprecher in die Ohren implantiert, die man von außen nicht sehen kann. Von der zweiten OP bist Du gerade aufgewacht. Die war schon etwas komplizierter. Damit Du künftig nicht mehr mit technischen Tricks die Kontrolle umgehen kannst, befinden sich leistungsfähige Mini-Computer in Deinen Brustimplantaten. Klein genug, um sie nicht ertasten zu können.“

„Brustimplantate?“

„Naja. Ich war so frei, bei der Gelegenheit gleich noch einen kleinen Wunsch in Bezug auf Dein Aussehen anzumelden. Cup D ist irgendwie spannender als B.“

Ich kämpfte – diesmal erfolgreich – gegen die Tränen an. Zwei BH-Größen mehr. Kein Wunder, dass mir das Atmen schwerfiel bei dem neuen Gewicht auf meinem Brustkorb. Ich versuchte, halbwegs cool zu wirken. „Was sollen denn diese Computer machen und wo bekommen die Strom her? Habt Ihr mir auch gleich ein Kraftwerk eingebaut?“

„Batterien aus der Herzchirurgie. Die halten Jahrzehnte durch. Was die Computer leisten, wirst Du schon noch sehen. Erstmal sorgen sie dafür, dass Dein Halsband immer perfekt funktioniert.“

„Was kommt noch?“

„Verschiedene Maßnahmen, die dazu führen, dass Du auf mich angewiesen sein wirst. In fast allen Dingen. Das wird Schritt für Schritt gehen, damit Du keinen Schaden nimmst. Da passen wir schon auf.“

„Soll ich Dir dafür etwa dankbar sein? Auf Dich angewiesen? Ich schlage Dir einen Deal vor: Du holst den nächstbesten Penner von der Straße und ich verspreche, für den Rest meines Lebens dessen Sklavin zu sein, wenn Du dafür vor einen Zug springst.“

„Du wirst Dich schon noch beruhigen und dann siehst Du die Dinge wieder klarer.“

„Niemals!“

„Schade. Ich hatte gehofft, wir könnten einen Weg finden, der es uns beiden nicht so schwer macht.“

„Es gibt kein ‚uns‘, Du Schwachkopf! Es wird nie ein ‚uns‘ geben. Du kannst mich mit Elektroschocks quälen, mich erniedrigen und zum Tittenmonster machen. Versuch ruhig, mich in meinem eigenen Körper einzusperren. Du kannst sicher sein: Egal, was Ihr noch mit mir anstellt – das einzige Gefühl, das ich jemals für Dich haben werde, ist Abscheu. Du ekelst mich an!“

Endlich hatte ich ihn soweit, dass er ging.

Endlich konnte ich losheulen.

 

22. C & A

Einen Arzt bekam ich nicht zu sehen. Nur Krankenschwestern, von denen keine jemals ein Wort sprach. Aufstehen durfte ich nur, um im Beisein einer Schwester mein großes Geschäft zu verrichten oder mich zu waschen. Zum Pinkeln gab es die Ente. Selber essen durfte ich auch nicht. Das Zeug, mit dem ich gefüttert wurde, schmeckte allerdings erträglich.

Nach drei Tagen kamen die Schläuche in meinen Achseln, durch die das Blut abgeleitet wurde, raus und die Verbände wurden durch Pflaster ersetzt. Dabei sah ich erstmalig meine neuen Brüste in ganzer Pracht.

Jetzt war ich der Freak.

Die Dinger waren einfach viel zu groß für meinen Körper. Ich war sicher, dass ich mich nie daran gewöhnen würde.

Drei Wochen lang musste ich einen speziellen BH tragen. Dann waren auch die Schwellungen soweit abgeklungen, dass ich davon ausgehen konnte, dass die beiden Globen auf meinem Brustkorb ihre endgültige Größe hatten. Ich sah immer noch aus wie eine Sexpuppe.

Nachdem ich wieder angeschnallt in meinem Bett lag, weinte ich mich in den Schlaf.

Am nächsten Tag bekam ich wieder Männerbesuch. Ich kannte die Kerle schon. Die Fesseln, die mir wieder angelegt wurden, kannte ich auch.

Der einzige Unterschied lag darin, dass ich gezwungen war, statt meiner hübschen Brüste jetzt diese Riesentitten nach vorn zu drücken.

Natürlich war mir klar, dass damit mein Aufenthalt in diesem Zimmer ein Ende hatte. Ich würde das weiche Bett vermissen, auch wenn ich meine Zeit darin überwiegend in erzwungener Bewegungslosigkeit verbracht hatte.

Diesmal bekam ich zusätzlich zu meinen Fesseln auch noch eine Latexmaske mit Mund- und Nasen-, allerdings ohne Augenöffnungen übergezogen. Auf diese Weise blind gemacht, gefesselt und – natürlich – nackt wurde ich aus dem Raum geführt. Unter meinen Fußsohlen spürte ich erst Linoleum, dann Stein (in einem Lift) und später Beton (draußen). Dann wurde ich in ein Auto verfrachtet.

Eine ziemlich kurze Fahrt endete auf Kies. Ich fand die kleinen Steine unter meinen nackten Füßen recht unangenehm. Ich wurde wieder in ein Gebäude geführt und hörte dort das Öffnen und Schließen diverser Türen, durch die ich gebracht wurde. Ich wurde auf einen Stuhl verfrachtet (meine Füße streckte ich automatisch, als ich saß; es machte mir nichts mehr aus) und hörte, wie die Männer den Raum verließen.

Nach einer Weile näherten sich schnelle, klickende Schritte. Die Tür öffnete sich und das Klicken kam näher. Die Maske wurde mir abgenommen und ich hatte plötzlich ein sehr hübsches Frauengesicht vor mir.

Keine Haare. Dafür ein Ring in der Nase, der bis zur Oberlippe reichte. Starkes Make-up, wie ich es selbst auch schon seit vielen Wochen trug. Ein Lächeln auf prallen Lippen (eindeutig aufgepumpt), der Mund immer leicht geöffnet, so dass extrem gleichmäßige Zähne zu sehen waren, die keinerlei Unebenheiten hatten und glänzend weiß waren. Irgendwie künstlich, dachte ich.

Die Frau war auch nackt – allerdings nicht unbekleidet, denn sie trug einen Ganzkörperanzug aus transparentem Latex. Nur die Ballettstiefel waren schwarz. In ihren Brustwarzen (die Brüste waren fast so groß wie meine), Schamlippen und ihrer Klitoris trug die Frau ebenfalls schwere Piercingringe. Überhaupt – dieser Kitzler … etwas stimmte nicht und ich musste genauer hinsehen. Dann bemerkte ich es: Die umgebende Haut fehlte. Die inneren Schamlippen (knallrot eingefärbt) waren noch da, aber die Klit selbst lag vollkommen frei. Ich fand sie außerdem unnatürlich groß.

In einer Hand trug die Frau einen Aktenkoffer.

„Hi“, sagte sie, „ich bin A 5. Du kannst mich A nennen. Wir werden uns in nächster Zeit häufig sehen. Ich werde Dir helfen, Dein neues Leben zu beginnen.“

Ganz vorsichtig versuchte ich herauszufinden, ob ich sprechen durfte: „Ich … bin Nadja. A 5 ist doch nicht Dein Name.“

„Doch. Du wirst es gleich begreifen.“

A 5 (oder wie auch immer) holte ein Notebook aus dem Koffer und startete es. Dann hielt Sie es mir entgegen; genauer gesagt: vor meine Brust. „Bitte einen Moment den Atem anhalten!“

Na gut, dachte ich und entsprach der Bitte.

A 5 fummelte einen Moment auf dem Pad herum. Etwas piepste im Notebook.

„Schon fertig“, meinte sie, „bitte sag mir nochmal Deinen Namen!“

„Nadj … aah!“ Der Elektroschock warf mich fast vom Stuhl. „Verdammt! Was soll das? Ich heiße Nadj … aah!“ Der Schmerz war kaum zu ertragen. Neuer Versuch: „Ich bin Barbara, Sandra, Babette, Gundula, Nadj … argh!“

Diesmal fiel ich tatsächlich vom Stuhl.

A 5 war mir behilflich, wieder hoch zu kommen. Dabei sah sie mich mit einem Ausdruck tiefsten Bedauerns an.

„Du musst wissen, dass ich Befehlen gehorche. Es macht mir keine Freude, Dich leiden zu sehen – im Gegenteil. Leider musste dieser Test sein, weil wir sonst nicht feststellen können, ob das Programm gut läuft.“

„Das Programm? Heißt das, ich kann meinen Namen nicht mehr aussprechen, ohne Elektroschocks zu bekommen?“

„Ja. Leider. Wir müssen noch einen weiteren Test machen.“ A 5 wiederholte die Prozedur mit dem Notebook. Wieder piepste es.

„Und was jetzt? Wofür werde ich jetzt gefoltert?“

„Bitte, ich kann doch nicht anders. Sage bitte ‚ich bin‘ und dann irgendeinen Namen und danach ‚mein Name ist‘ und dann wieder irgendeinen Namen.“

„Egal, welcher Name?“

„Egal. Nur nicht ‚Nadja‘!“

„Also gut. Ich bin Ba … auaaa! Scheiße! Mein Name ist Re … aaaah! Was soll denn das? Was hast Du gemacht mit diesem Scheiß-Notebook?“

„Bitte. Noch ein letzter Test. Du wirst keine Schmerzen haben. Sag ‚Ich bin C‘ und danach ‚mein Name ist C‘!“

„Ich bin C. Mein Name ist C.“

Kein Schock.

„Barbara. Renate.“

Kein Schock.

„Würdest Du mir jetzt bitte erklären, A, was gerade passiert ist?!“

„Eine Spracherkennung wurde aktiviert. Du kannst Deinen früheren Namen nicht mehr nennen und Dich auch nicht mit einem anderen als Deinem neuen Namen vorstellen. Du bist C. Ich muss Dir auch noch sagen, dass es keine Ausnahmen gibt. Dieses Programm läuft innerhalb Deiner Implantate automatisch ab. Das Notebook diente nur dazu, es per Bluetooth zu aktivieren.“

„Nein! Nein! Das ist doch alles nicht wahr!“

Ich wollte nicht weinen, aber ich konnte nicht anders.

„Am Anfang ging es mir ähnlich“, versuchte A mich zu trösten, „dann habe ich mir gedacht, was sind schon Namen? Wichtig ist, dass ich weiß, wer ich bin. A oder B oder irgendeine Bezeichnung, die ich früher mal hatte … eigentlich ist das nicht so wichtig.“

„Ich … will … aber nicht … C sein!“, stammelte ich zwischen den Tränen.

„Du wirst Dich damit abfinden. Es wird leichter mit der Zeit. Das verspreche ich Dir.“

„Warum … sollte ich Dir denn trauen?“

„Einiges von dem, was Dir noch bevorsteht, habe ich schon hinter mir. Auch ich bin eine Gefangene, aber brechen konnten die mich nicht.“

Das klang allerdings ein wenig tröstlich.

„Weißt Du, was genau mir noch bevorsteht? Und … wenn Du A 5 bist, wer ist A 1 bis A 4 und B?“, wollte ich wissen.

„Viele Fragen. Was noch vor Dir liegt, weiß ich nur zum Teil. Vielleicht fange ich mal bei mir selbst an. Vor ungefähr fünf Jahren hatte ich mich in einen feurigen Italiener verknallt. Der führte mich in die Welt des SM ein und ich fand es einfach nur geil. Alles war rosarot und ich fühlte mich glücklich, bis er ein paar Kumpels einlud.“

As Gesichtsausdruck veränderte sich. Sie sah plötzlich sehr traurig aus.

„Ich will Dich nicht mit Einzelheiten langweilen“, fuhr sie fort, „es waren vier Männer. Sie packten mich einfach, schnitten mir mein Kleid, unter dem ich nichts trug, weil Toni, mein Ex, das toll fand, mit einem Messer vom Leib und vergewaltigten mich. Toni sah einfach zu. Es dauerte eine ganze Nacht. Ich hatte Schmerzen. Mein Schließmuskel war gerissen, einer der Männer hatte mir einen Zahn ausgeschlagen, weil ich ihn versehentlich in den Schwanz gebissen hatte und ich bekam Krämpfe in meinen Oberschenkeln und im gesamten Unterleib. Am nächsten Morgen wollte ich fliehen, aber Toni verhinderte es. Natürlich empfand ich nur noch Hass für ihn. Naja. Das Ende vom Lied ist, dass ich hier gelandet bin. Ich wurde A 5. Am Anfang bediente ich verschiedene Freunde von Toni mit meinem Körper. Nachdem ich zweimal versucht hatte, mich umzubringen, hörte das auf. Inzwischen genieße ich ein paar Freizügigkeiten. Dafür helfe ich bei der Einweisung neuer Modelle. Ich versuche, es den Frauen etwas leichter zu machen, denn wie Du und ich sind das meist keine Freiwilligen.“

„Es gibt Freiwillige?“

„Ja. Typ B. B und B 1 bis 3. Die fanden das alles ganz toll. Es gibt derart devote und masochistische Frauen tatsächlich. Bei denen fiel es mir natürlich ganz leicht, an der Umgestaltung mitzuwirken.“

„Hast Du nie versucht, zu fliehen?“

„Natürlich. Das ist aussichtslos. Du weißt ja nicht, wo wir hier sind. Das ist eine Insel. Ein kleiner Privatflugplatz, dieses Institut mit einer angeschlossenen Klinik und einem Forschungslabor sind die einzigen Gebäude. Ringsherum ist Ozean. Es ist immer warm, also sind wir in südlichen Gefilden. Irgendwo vor Südamerika, schätze ich. Die Wachmannschaften sprechen spanisch. Es gibt Zäune, Wachtürme und Sicherungsanlagen am Strand.“

„Es muss einen Weg geben! Werden wir hier eigentlich nicht abgehört?“

A lächelte freudlos. „Ach, C! Du wirst noch viele Dinge verstehen lernen. Es gibt keine abhörfreien Zonen mehr. Wenn gerade mal kein GPS-Signal möglich ist, wie in den geschlossenen Räumen, in denen kein Empfänger installiert ist, dann wird alles von den Implantaten aufgezeichnet und dann eben bei nächster Gelegenheit gesendet. Für Videosignale gilt das Gleiche. Wir können keine Fluchtpläne schmieden. Wir können auch keine Nachrichten austauschen. Alles wird gehört und gesehen. Ich kann aber ganz offen mit Dir reden, weil unsere Herren wissen, dass das nichts am Erfolg ihrer Pläne ändert. Übrigens wirst Du, im Gegensatz zu mir, diese Insel garantiert wieder verlassen.“

„Was wird mit mir passieren?“

„Wie gesagt – genau weiß ich das auch nicht. Klar ist aber, dass, seit ich A 5 wurde, die Fortschritte bei Hard- und Software riesig sind. Die Spracherkennung wurde enorm verfeinert und die Bildabtastung ist extrem verbessert worden. In meinem Zimmer befindet sich ein Spiegel vor der Tür. Ich werde bestraft, wenn meine Ringe nicht zu sehen sind und wenn mein Kopf nicht in einer bestimmten Höhe über dem Fußboden erkannt wird. Daher kann ich nur auf 20 Zentimeter hohen Absätzen mein Zimmer verlassen. Das stellt meine Kamera anhand des Spiegels leicht fest. Bei Dir wird schon jedes einzelne Kleidungsstück zu identifizieren sein. Du wirst einfach ein verbessertes Modell werden. Auf jeden Fall ist geplant, dass Du wieder in Dein altes Leben zurückkehrst. Deshalb müssen Deine Modifikationen sehr unauffällig sein.“

„Ich weiß nicht, was an diesen Dingern hier unauffällig ist.“ Ich drehte meine Schultern schnell hin und her, so dass meine Brüste wackelten.

„Ganz einfach“, bemerkte A, „Brustvergrößerungen gibt es auch bei ‚normalen‘ Frauen. Du warst eben beim Schönheitschirurgen. Daran ist nichts Auffälliges.“

„Dann könnte man Dich doch auch wieder gehen lassen. Ich meine, Du könntest eine Perücke tragen und Deine Piercings … das ist doch auch bei ‚normalen‘ Frauen nicht so ungewöhnlich. Naja, vielleicht der Nasenring … aber das gibt es auch hin und wieder.“

„Das ist nicht sicher genug. Ich könnte womöglich tatsächlich fliehen, denn ich wäre in der Lage, zu überleben. Bei Dir wird das anders sein, denn Deine modernen Implantate sind gesichert. Wenn jemand versucht, sie zu entfernen oder an der Software herum zu manipulieren, wird ein Stromstoß direkt in Dein Gefäßsystem freigesetzt. Den kannst Du überleben, aber Dein Gehirn würde regelrecht gegrillt. Alle höheren Hirnfunktionen würden ausgeschaltet. Kannst Du Dir vorstellen, was das bedeutet?“

„Ja. Aber … wäre das wirklich schlimmer, als das, was mich erwartet?“

„Hey. Bist Du früher noch nie manipuliert worden? Hast Du keine Erziehung bekommen? Wolltest Du nicht auch lieber ins Freibad statt zur Schule gehen und musstest Dich fügen? Du bleibst doch Du selbst. Das ist ganz sicher besser, als ein hirnloses Stück Fleisch zu sein.“

„Hm. Da ist was dran. Aber als Kind konnte ich irgendwann verstehen und einsehen, was von mir verlangt oder was mir verboten wurde. Ich sehe allerdings absolut nicht ein, warum ich große Brüste haben muss und meinen Namen nicht mehr aussprechen kann. Ich finde, das ist ein entscheidender Unterschied.“

A nickte. „Natürlich. Ich wollte es auch nicht verharmlosen. Du solltest nur wissen, dass auch Dein neues Leben nicht ganz unerträglich sein wird. Toni hat übrigens irgendwann begriffen, dass ich ihm keinerlei positive Gefühle mehr entgegenbringe. Seit ein paar Monaten werde ich neuen Herren angeboten. Vielleicht ist ja einer dabei, der mir gefällt. Wenn ich weiterhin gut kooperiere, darf ich sogar mitentscheiden, wem ich gehören werde. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Dir auch eines Tages so kommt.“

„Danke, A. Danke für dieses Gespräch und dafür, dass Du versuchst, mich zu trösten, aber ich will überhaupt niemandem gehören. Ich will nur frei sein.“

A sah mir tief in die Augen. „Es tut mir leid, C, aber diese Option steht Dir nicht mehr zur Verfügung.“

Ich spürte, dass A mir nichts vormachen wollte. Sie meinte alles ernst, was sie mir gesagt hatte. Dieser letzte Satz stand wie ein Fels im Raum. Hart, unumgänglich, endgültig.

Mein Magen schien regelrecht durchzusacken. Meine Unterlippe begann unkontrolliert zu zucken. Tränen schossen regelrecht aus meinen Augen.

In diesem Moment wusste ich, dass mein Schicksal besiegelt war.

 

23. EIN NEUES LEBEN

Die nächsten Tage (oder waren es Wochen?) verbrachte ich in völliger Apathie. Ich sprach fast kein Wort, weinte ab und zu vor mich hin, ohne jeweils genau zu wissen, was der konkrete Anlass war und starrte meist nur an die Decke meiner neuen Zelle.

Eigentlich war es eher ein Zimmer – mit einem richtigen Bett, einem Tisch, zwei bequemen Sesseln und einem Bad mit Wanne, Dusche, WC und Bidet.

Ich blieb die ganze Zeit gefesselt. Krämpfe hatte ich keine mehr.

A kümmerte sich rührend um mich, fütterte und wusch mich, half mir bei den Toilettengängen und redete ab und zu sanft und beruhigend auf mich ein.

Einmal kam sie in Begleitung eines Mannes im weißen Kittel. Tatsächlich ein Arzt, dachte ich, denn der Mann untersuchte mich gründlich.

„Gibt es irgendwelche Medikamente dagegen?“, hörte ich A fragen.

„Sicher“, antwortete der Arzt, „wir könnten sie mit Anti-Depressiva vollpumpen, aber das halte ich nicht für angezeigt. Du hast ihr ja reichlich schonungslos gesagt, was sie erwartet. Die Reaktion ist vollkommen normal. Wir müssen ihr einfach Zeit geben. Alle weiteren Maßnahmen bleiben ausgesetzt, bis sie wieder zu Kräften kommt. Ich verschreibe lieber eine Therapie: Sonne, Strand und Meer. Nimm ihr die Fesseln ab, aber bereite sie darauf vor, dass die Muskulatur geschwächt ist.“

Hatte er das tatsächlich gesagt? War das eine akustische Halluzination? Sonne, Strand, Meer?

„C? Hallo! C! Hörst Du mich?“

„Was? Ja … ja, sicher.“

„Ich nehme Dir jetzt die Fesseln ab. Du wirst keine Kraft in den Armen haben, also erschrick bitte nicht. Das gibt sich wieder. Hast Du das verstanden?“

„Keine Kraft. Sonne. Jaja, ist gut.“

Ich hörte metallische Geräusche. Dann nahm A mir die Reifen ab. Meine Arme blieben in der Position, in der sie so lange gefesselt gewesen waren. Behutsam versuchte A, einen Arm nach vorn zu ziehen.

„Au. Das tut weh“, meinte ich.

„Ich weiß“, sagte A.

Irgendwann war es dann doch geschafft.

Allerdings war ich tatsächlich nicht einmal in der Lage, meine Hände an mein Gesicht zu führen. Meine Unterarme schienen eine Tonne zu wiegen.

„O je“, konnte ich nur feststellen.

Vorsichtig führte A mich aus dem Zimmer. Auch ohne die Kette zwischen meinen Füßen fiel es mir schwer, halbwegs normale Schritte zu machen, aber da A mit ihren Schuhen auch nur trippeln konnte, war das ganz egal.

So gingen wir langsam durch das Gebäude, bis wir es durch eine Glastür verließen.

Sonne auf meiner nackten Haut. Frische Luft. Eine Salzwasserbrise. Das Geräusch von sich brechenden Wellen. Für mich war es in diesem Moment das Paradies.

„Hallo! Moment noch!“ Der Arzt kam uns hinterhergelaufen. In einer Hand hielt er eine Baseballkappe, in der anderen eine Flasche Sonnenöl. „Vorsicht mit der Sonne! Hier.“ Er hielt A die Mütze hin. „Du darfst auch die Schuhe ausziehen“, sagte er zu ihr.

Dann ging er wieder.

A sah mich an. „Das lasse ich mir nicht zweimal sagen“, meinte sie, und begann, ihre Ballettstiefel auszuziehen. Auf Zehenspitzen entledigte sie sich dann ihres Gummianzuges, was einige Zeit in Anspruch nahm. Als sie ebenso nackt war wie ich, nahm sie das Sonnenöl und rieb damit erst mich und dann sich selbst überall ein. Dann ergriff sie meine Hand und führte mich durch ein paar Büsche und Palmen hindurch zum Strand.

Weicher, weißer, warmer Strand streichelte meine Fußsohlen.

Zielstrebig ging A, mich mit sich ziehend, auf die kleinen, blauen Wellen zu.

Das Wasser war warm.

„Ich kann mit meinen schlaffen Armen nicht schwimmen“, musste ich rufen, denn durch die Geräusche der Wellen hätte A mich sonst womöglich nicht gehört.

„Egal“, rief sie zurück, „ich halte Dich. Komm!“

Sie hielt mich tatsächlich und irgendwann verlor ich meine Angst. Sanft ließen wir uns von den Wellen schaukeln und trieben im warmen Wasser des Ozeans umher.

In diesem Moment fühlte ich mich wohl wie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr.

Das Leben fand wieder zu mir zurück.

Irgendwann war es genug und wir ließen uns auf den weichen Sand fallen.

Ich zog meine Knie an und konnte mit meinen Händen meine Fußgelenke umfassen und sogar schon ein wenig festhalten. Es wurde tatsächlich besser.

A rief: „Ahhh! War das gut?“

Ich nickte vehement. „Das war … supergut. Meinst Du, wir können das wiederholen?“

„Bestimmt“, antwortete A, „dieser Doktor Helm ist eigentlich ein ganz Netter.“

„Es gibt hier Nette?“

„Klar. Der macht doch nur das, was er am besten kann – seine Arbeit.“

„Aha. So wie Mengele, hm?“

„Ich glaube nicht, dass der weiß, dass wir nicht freiwillig hier sind. Du vergisst, dass das nicht die Norm ist. Alle Bs waren Sklavinnen aus Überzeugung. A 1 und A 2 auch.“

„Wer hört denn jetzt eigentlich mit?“, wollte ich wissen.

„Keine Ahnung. Ganz sicher aber nicht Doktor Helm. Ich glaube nicht, dass der das dulden würde, was hier abläuft. Nein, ich vermute, dass alle unsere Signale direkt weitergeleitet werden in eine Zentrale, in der Tonis Leute sitzen.“

„Ist Toni eigentlich der Drahtzieher?“

„Eher nicht, denke ich. Das müssen Leute mit noch mehr Einfluss sein, sonst könnten die das nicht vor der eigentlichen Gemeinschaft, bei der alles auf Freiwilligkeit basiert, verbergen.“

„A?“

„Ja?“

„Bist Du eigentlich … fertig? Ich meine …“

„Ich weiß, was Du meinst. Grundsätzlich wohl schon. Es kann sein, dass da noch mehr kommt. Das wissen wir nie. Vielleicht bekomme ich auch irgendwann so moderne Implantate wie Du, aber alles in allem bin ich wohl ‚fertig‘“.

„Das heißt, Du bist eine Sklavin, die alles tut, was man ihr sagt?“

„Ja.“

„Gegen Deinen Willen.“

„Ja.“

„Hast Du später nochmal versucht, Dich umzubringen?“

„Nein. Ich sagte ja schon, ich habe mich abgefunden. Es gibt keinen Ausweg, also nehme ich alles Gute mit, was mir mein Leben noch so bietet und das ist mehr, als Du vermutlich glaubst.“

„Ist es nicht genau das, was die wollen?“

„Kann sein“, stimmte A zu, „aber irgendwann habe ich aufgehört, dagegen anzukämpfen. Ich muss sowieso tun, was die wollen, also warum soll ich mir darüber noch Gedanken machen?“

„Und Rache?“

„Rache? Klar habe ich Rachegelüste. Jedesmal wenn ich in diesen verdammten Spiegel sehe, möchte ich jemanden umbringen, aber das geht auch wieder vorbei. Wenn ich immer nur mit meinem Schicksal hadern würde, könnte ich einen Tag wie diesen überhaupt nicht mehr genießen. Ich weiß, dass jeden Moment eine Stimme in meinen Ohren mir irgendetwas befehlen kann, was ich dann selbstverständlich tun würde, aber im Moment bin ich frei. Frei, das Meer und den Strand und den Himmel über uns zu genießen. Wenn ich mich umbringen würde, wäre das nicht mehr möglich. Unterscheide ich mich denn wirklich so stark von einem Urlauber, der auch gerade an einem anderen Strand liegt und sich wohlfühlt. Der muss auch garantiert irgendwann wieder in sein Büro oder seine Werkstatt. Ist der so viel freier als ich?“

„Ich verstehe allmählich, was Du meinst“, musste ich zugeben, „aber ich habe trotzdem Angst. Ich bin ein Prototyp. Was die Stimme auf der Bühne erzählt hat, war purer Horror. Die haben mir schon meinen Namen genommen und meinen Körper … jedenfalls zwei Teile davon … irgendwie auch. Was bleibt mir?“

„Zumindest dieser Tag am Strand und viele andere schöne Tage, die noch kommen werden, aber so wie in der letzten Woche darf es nicht wieder werden, hörst Du? Erst, wenn Du Dich selbst aufgibst, haben die gewonnen. Ist Dir das klar?“

„Ja. Zumindest wird es mir langsam klar.“

„Also, C, wenn wir schon keine andere Wahl haben, als Sklavinnen zu sein, dass lass uns wenigstens gut dabei aussehen und stolz sein.“

Ich musste kichern. Keine Ahnung, warum.

Wieder ernst geworden, holte ich tief Luft.

Dann sagte ich mit fester Stimme:

„Mein Name ist C.“

 

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Kommentare

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Dieser Marc hat entweder falsch gespielt oder die Macht der Loge falsch eingeschätzt. Was für ein perfider Plan, eine eigene Stromversorgung in Implantate einzubauen. Aber soweit ich vor ein paar Tagen gehört habe, müssen die Dinger für Herzschrittmacher alle 8 Jahre ausgetauscht werden. Doch das ist ja Wurscht. Der Vergleich mit Dr. Mengele ist mir auch spontan eingefallen, aber dieser Arzt ist eher blind als bösartig. Noch Nadjas Kampfgeist ungebrochen, mal sehen ob das so bleibt. A5 ist wirklich klasse. Toni und Falk sollen die Haie fressen.

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Bild des Benutzers Chris Dell

ich habe den Kommentar übersehen. Da muss ich wohl im Urlaub gewesen sein. Also: Vielen Dank für's "Mitgehen".

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Bild des Benutzers Raale

ich weiß nicht ob ich begeistert oder entsetzt sein soll. Die Charaktere und die Schilderungen finde ich sehr stimmig. Die ungewollte Selbstaufgabe ist geradezu grässlich. Am meisten gruselt mich die Vorstellung, daß einiges davon durchaus schon möglich ist.
Raale

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Bild des Benutzers Chris Dell

Wie wäre es mit begeistert und entsetzt? Dann wäre nämlich - in aller Bescheidenheit - erreicht, was ich erreichen wollte.

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