Daemon VI

 
Vorwort:
Ich freue mich über jegliche Kritik, mag sie noch so scharf sein, wenn sie konstruktiv bleibt.
(c) Realitätsfremd. Bitte verbreitet diese Geschichte nicht weiter.
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Sie hatte sich an den Tisch gesetzt, wartete darauf, dass das Brot fertig wurde. Mit den Fingerspitzen fuhr sie über die Ringe unter ihren Augen. Es war doch keine so gute Idee gewesen die ganze Nacht wach zu bleiben. Vielleicht sollte sie sich kurz ausruhen...
„Ist der Geruch normal?“, wurde sie von ihm aus dem Schlaf gerissen. Sie wusste sofort was er meinte, eilte zum Ofen um vielleicht noch etwas vom Brot zu retten. Dass sie sich dabei den Handrücken am Ofen verbrannte, kümmerte sie nicht, stattdessen fluchte sie über den schwarzen Klumpen, der Brot hätte werden sollen.
„Verzeiht, Herr. Ich backe sofort Neues. Es tut mir Leid, dass es...“ Ihre Entschuldigungen wurden zu einem Murmeln, während sie sich an die Arbeit machte. Nur nicht daran denken, dass sie schon wieder gegen eine seiner Regeln verstoßen hatte. Und diese Entschuldigung wollte er auch noch.
Sie drehte sich zu ihm um, versuchte seine Laune einzuschätzen. Besonders wütend schien er nicht zu sein, aber sicher war sie sich bei ihm nicht.
„Es … es tut mir Leid. Das mit dem Brot und gestern ...“ Sie hoffte, dass er sie unterbrach, sie nicht zwang weiter zu sprechen, aber er tat ihr den Gefallen nicht. Sie holte Luft, rief sich die Worte ins Gedächtnis die sie sich in der Nacht zurechtgelegt hatte. „Ich war einfach zu frustriert. Darüber, dass ich einen kurzen Moment abgelenkt war und beim Schach verloren hatte. Und dann wusste ich nicht, was ich tun soll.“ Sie hob den Kopf, zog einen Mundwinkel kurz nach oben. „Ihr habt es bestimmt bemerkt, ich habe keine Erfahrung mit Männern. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, um Euch zu gefallen, war nervös. Die Nächte davor hattet Ihr Euch immer genommen, was Ihr wolltet, aber ...“ Sie brach ab, wischte die Tränen weg, die ihr in die Augen getreten waren. „Ich hatte Euch falsch verstanden, als Ihr mir angeboten habt, mir den freien Willen zu nehmen. Ich dachte, dass ich wenigstens ich selbst bleiben könnte. Die Angst hat mich fast um den Verstand gebracht, deshalb habe ich Euch auch angeschrien. Ich wollte Euch nicht beleidigen, ich habe nur nicht verstanden, wieso Ihr mir die Freiheit nehmt, fand es ungerecht. Bitte vergebt mir.“
Sie sank auf die Knie, wartete seine Reaktion ab. Hoffentlich war sie überzeugend genug gewesen. Wirklich gelogen hatte sie zwar nicht, aber die Wahrheit sah doch etwas anders aus.
„Kein Wort dazu, dass du mich töten wolltest?“
„Das hatte ich nie vor, Herr. Ich war nur überrascht und habe zu viel nachgedacht. Ich wusste nicht, wie ich Euch massieren sollte, nachdem Ihr keine Verspannungen hattet. Ich habe das noch nie erlebt.“
Er lachte. „Da hast du dir ein paar hübsche Worte ausgesucht. Ich erwarte, dass du weniger nachlässig bist, und das Essen pünktlich fertig ist. Keine Spiele mehr, bis ich glaube, dass du es verdient hast. Außerdem wirst du in den nächsten Tagen das gesamte Holz für den Winter hacken. Vielleicht hast du dann weniger dumme Ideen.“
Da war sie gut davon gekommen.
„Ja, Herr.“
„Komm.“
Als er die Tür zum Kräuterzimmer aufsperrte, stellte sie fest, dass er einen zweiten Schlüssel dafür hatte. Aber warum ließ er die Tür nicht einfach offen? Außer ihnen war niemand hier – zumindest hatte sie sonst niemanden gesehen. Andererseits hatte sie immer wieder festgestellt, dass über Nacht Arbeiten erledigt waren, die er sicher nicht verrichten würde.
„Zeig mir deine Hand.“
Er fuhr mit einem Finger über die Verbrennung, jagte ihr damit einen Schauer über den Körper.
„Sei in Zukunft vorsichtiger.“
Er suchte ein Töpfchen aus, das sie noch nicht kannte und reichte es ihr.
„Das hilft bei Verbrennungen. Fang an zu backen, sobald du hier fertig bist. Ich warte im Garten.“
Sie atmete auf, als er gegangen war. Keine harten Strafen, stattdessen kümmerte er sich um ihre Verletzungen. Sie hatte Schlimmeres erwartet, als Holz hacken zu müssen.
 
Sie hatte ein Tablett gefunden, auf dem sie außer dem Brot auch noch einen Krug Wein mit einem Becher balancierte. Er war tatsächlich im Garten, las im Schatten eines Baumes. Er blickte nicht auf, als sie das Tablett abstellte, ihm Wein in den Becher füllte. Als sie sich zum Gehen wandte, klopfte er auf den freien Platz neben sich, sah aber immer noch nicht auf. Sie setzte sich, wagte es nicht, ihn anzusprechen. Während sie abwartete, was er von ihr wollte, betrachtete sie den Garten. Alles war grün, keine Blumen wuchsen auf der Wiese. Nicht einmal Löwenzahn konnte sie entdecken, obwohl die Pflanze fast überall wachsen konnte. Auch am Bach war keine Uferböschung. Nur die Obstbäume und ein paar Hecken bildeten eine Abwechslung dazu, zeigten erste Blüten. Als hätte er bestimmt, was hier wachsen durfte und was nicht. Aber irgendwo musste es noch mehr Pflanzen geben. Sie hatte gesehen, wie viele Kräuter er hatte, vermutlich war irgendwo ein Kräutergarten versteckt. Sobald sie wieder Freizeit hatte, würde sie sich den Garten genauer anschauen. Und die Burg erkunden. Vielleicht konnte sie so mehr über ihn herausfinden und Möglichkeiten finden, sich ihm zu entziehen.
Sie schrak aus ihren Gedanken, als er das Buch zuschlug. Wortlos reichte er ihr ein Stück des Brotes und danach den Becher Wein. Wie immer wartete er ab, bis sie gegessen hatte, bevor er sich selbst etwas nahm.
„Das Holz ist dort hinten.“, meinte er und deutete auf einen Turm. „Geh.“
Offensichtlich hatte er doch schlechtere Laune als sie gedacht hatte. So einsilbig war er selten. Hinter dem Turm fand sie einen kleinen Schuppen in dem sie das Holz fand. Sie lächelte. Die Arbeit würde ihr helfen, den Erinnerungen an seine Taten zu entfliehen. Sie griff nach dem Beil und arbeitete, bis die Sonne sich dem Horizont näherte. Dann machte sie sich auf den Weg in die Küche.
 
Er betrat die Küche, als sie gerade den Tisch deckte. Während sie aßen, beobachtete sie ihn verstohlen. Sein Haar war durcheinander, das hatte sie bisher nur einmal erlebt. Außerdem war er so sehr in Gedanken, dass er nicht einmal darauf geachtet hatte, ob sie das Essen vergiftet hatte. Nicht dass sie es wagen würde.
„Ich habe dir ein Kleid auf dein Zimmer gelegt. Zieh es an, ich komm gleich nach.“, riss er sie nun aus ihren Gedanken.
„Ja, Herr.“ Sie ließ den Abwasch stehen, hoffte, dass es diese Nacht angenehmer werden würde. Oder gefiel ihm einfach nicht, was sie gerade trug?
Das Kleid, das sie fand, war alles andere als sie erwartet hatte. Ein schlichtes, weißes Kleid, ohne jegliche Verzierungen lag auf dem Bett. Sie zog es an, fühlte sich nackt. Kein Überkleid, nicht einmal ein Gürtel. Aber er würde sie sowieso sofort ausziehen, was also half es, sich geziemende Kleidung anzuziehen?
Als sich die Tür kurz danach öffnete, sprang sie vom Bett auf. Er musterte sie kurz, wandte sich dann zum Gehen.
„Komm.“
Die Laterne die er trug erhellte nur wenig, und der Weg, den er nahm kam ihr unbekannt vor. Nur eins bemerkte sie: Es ging abwärts. Als er ihr schließlich eine Tür aufhielt, war sie sich sicher, in einem Keller zu sein. Sie betrat den Raum und hielt inne.
Ein großer Steinquader stand in der Mitte des Raumes, darum herum waren Kreise und Symbole auf den Boden gezeichnet. Ihre innere Stimme schrie sie an, den Raum zu verlassen, als er gerade die Tür schloss. Er lächelte leicht, als er die Panik in ihrem Blick sah, berührte ihre Schulter. Sie war einen Moment wie gelähmt, bemerkte dann, dass er sie auf den Stein zuschob.
„Herr, bitte. Ich werde in Zukunft immer alles pünktlich erledigen. Bitte, lasst mich... Ich werde mich nicht mehr widersetzen, ich tu alles, aber bitte, lasst mich am Leben.“
Er reagierte auf ihr Flehen nur damit, dass er sie stattdessen am Arm packte und weiter zerrte. Jetzt bemerkte sie, dass an dem Stein Ketten angebracht waren. Ihre Phantasie malte sich die wildesten Szenarien aus, und sie war sich sicher, dass er zu allem fähig war. Alles zerren half nichts, sie konnte sich nicht aus seinem Griff winden.
„Bitte nicht, Herr.“
Im nächsten Moment spürte sie das Metall an ihrem Handgelenk. „Bitte, ich flehe Euch an.“, versuchte sie ihn umzustimmen.
„Wehr dich nicht, oder es wird weh tun.“ Seine Stimme war eisig. Dann hob er sie hoch, setzte sie auf den Altar. Er ging um sie herum, fesselte ihren anderen Arm und ihre Beine.
„Verzeiht mir, Herr. Ich werde nie wieder … ich wollte das alles nicht. Ihr ...“
„Mach den Mund auf.“
Ängstlich gehorchte sie. Er wollte doch nicht schon wieder … Sie war fast erleichtert, als er ihr ein Tuch in den Mund stopfte.
„Sag etwas.“, forderte er sie auf. Sie versuchte ihn nochmals anzuflehen, aber das Tuch dämpfte ihre Worte zu sehr und sorgte gleichzeitig dafür, dass sie würgen musste. Auch davon war kaum etwas zu hören.
„Besser.“, kommentierte er. Dann umrundete er sie nochmals, zog alle Ketten an, bis sie nur noch den Kopf bewegen konnte. Es half nicht einmal ansatzweise, sich zu wehren, und auch den Knebel konnte sie nicht loswerden. Dafür fiel ihr das Atmen bei jeder Bewegung schwerer, sie hatte das Gefühl, kaum noch Luft zu kriegen.
 
Sie musste wohl kurz ohnmächtig gewesen sein. Als sie die Augen wieder öffnete, brannten um sie herum Kerzen. Jetzt sah sie auch genaueres von dem Raum, ein riesiges Bücherregal, das eine ganze Wand beanspruchte, Regale mit Utensilien an den anderen Wänden. Als nächstes sah sie den Dolch, der auf ihrer Brust lag. Wieder wurde sie von Panik gepackt, brauchte etwas länger, bis sie sich soweit unter Kontrolle hatte, dass sie wieder klar denken konnte. Er würde sie umbringen. Und er hatte nicht vor, es schnell zu tun.
Sie zuckte zusammen, als sie Schritte hinter sich hörte. Er trat in ihr Sichtfeld, nahm den Dolch. Sie wusste nicht, ob sie beten sollte, dass es schnell ging, oder darum, dass er sie länger am Leben ließ. Dann spürte sie einen scharfen Schmerz an ihrem Arm. Ihr Schrei blieb ungehört, stattdessen konnte sie beobachten, wie sich Blut an dem Schnitt sammelte und in eine Schüssel tropfte, die er darunter hielt. Der Anblick sorgte dafür, dass ihr übel wurde. Wieso musste er sie quälen? Tränen verschleierten ihre Sicht. Auch hören konnte sie kaum etwas, nur hin und wieder raschelte der Stoff seiner Robe. Sie wünschte sich fast, seine Stimme zu hören, wollte, dass er lachte und ihr sagte, dass dies alles nur ein grausamer Scherz war. Gleichzeitig wusste sie, dass dem nicht so war.
Die Minuten zogen sich dahin, er war wieder aus ihrem Blickfeld verschwunden. Ihr Arm pochte dumpf, sie versuchte nicht daran zu denken, dass sie noch immer blutete. Wie tief der Schnitt war konnte sie nicht sagen. Sie schloss die Augen, versuchte, an etwas Schönes zu denken, aber stattdessen sah sie nur Visionen von dem, was er tun könnte. Als sie die Augen aufriss, stand er vor ihr, den Dolch in der Hand. Er würde … Gelähmt beobachtete sie, wie er die Hand hob, das Eisen immer näher kam. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Kostete er ihre Angst etwa aus? Dann zerschnitt er den Stoff des Kleides.
Als er seinen Gürtel löste, wagte sie es Hoffnung zu schöpfen. Es war doch nur eines seiner perversen Spielchen. Wenigstens konnte er diesmal nicht von ihr fordern, dass sie irgendetwas tat, sie musste nur hoffen, dass es schnell vorbei war.
Es dauerte nicht lange, bis er über ihr kniete. Sie hatte die Augen wieder geschlossen, versuchte den Ekel zu überwinden, der sie bei jeder seiner Berührungen überkam. Wenigstens war er nicht zu grob – auch wenn es unangenehm war, dass er nach einer Weile seine Hand direkt auf den Schnitt legte den er ihr zugefügt hatte.
Seine Bewegungen wurden nach einer Weile schneller, dann fing er an zu sprechen. Sie verstand die Worte nicht, sah zu ihm auf, stellte fest, dass er seinerseits die Augen geschlossen hatte. Als ihr Körper begann, sich in den Fesseln zu winden, ihn anzuflehen, nicht aufzuhören, wusste sie, dass etwas nicht stimmte. Sie war sich sicher, dass sie diesmal bei klarem Verstand war, wie konnte es sein, dass es ihr gefiel? Sie versuchte die Lust zu unterdrücken, schrie in den Knebel, bemerkte dann, dass der Schrei durch ein Stöhnen abgelöst wurde. Was passierte mit ihr? Dann veränderte sich das Gefühl, gleichzeitig sprach er lauter.
Wieder kam Panik in ihr auf. Sie wusste nicht was er tat, warum er es tat, aber sie wusste, dass es nichts Gutes sein konnte. Es war als würde eine fremde Macht in sie fahren, zu stark als dass sie sich wehren konnte. Sie fühlte, dass Müdigkeit sie überkam, schaffte es nicht mehr, die Augen offen zu halten. Sie hatte das Gefühl in dem Stein zu versinken, alles fühlte sich so schwer an. Am Rande des Bewusstseins hörte sie weiterhin diese fremdartigen Worte. Dann wurde alles schwarz.
 
Sie schlug die Augen auf, starrte zur Decke.

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