Oh Käptn, mein Käptn!

"Klappentext": 
die Schatzinsel - Kurzgeschichte in zwei Teilen
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Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön, denn da kann man die Matrosen in den Unterhosen sehn!  

Vielleicht lustig und schön für die etwa zwanzig Piratenkommandeurinnen auf einem großen, aber schnellen Segler Ende des 18. Jahrhunderts. Das war kein Handelsschiff, diese flotte Fregatte hatten sie der Marine Ihrer Majestät geklaut. Nicht so lustig für die rund 60 Matrosen, teils irgendwo shanghait, teils von überfallenen Schiffen entführt.  

Deck schrubben, Zwieback, Kiel holen, Stiefel lecken, an die Rah hängen, tagaus, tagein.  

Gegen die Übermacht der Waffen, die Geschicklichkeit, das Training, die Disziplin hatten auch dreimal so viele kräftige Kerle keine Chance. So mancher hatte es versucht, keiner zweimal. Käptn Fook hatte ihren Kahn in eisenhartem Griff.  

Beim Entern wurden wir Männer freilich auch bewaffnet, aber erst, wenn nur die Wahl blieb, von vorne oder von hinten erschossen zu werden. Da versenkten wir doch lieber die anderen.  

Viele hatten sich auch ganz gut damit eingerichtet, denn wo hat man schon auf hoher See Frauen an Bord? Die hatten auch ihre Bedürfnisse und haben sich bedient. In dieser Hinsicht war das Regiment des Käptns wirklich überzeugend: Sie hatte an Deck zwei Duschen installiert, das Konzept hatten schon die alten Griechen erfunden, und für die der Damen eine Entsalzungsanlage dazu - grandios. Wir Kerle durften uns mit Meerwasser säubern, gegen den Gestank hilft das auch ganz gut, macht nur etwas trockene Haut. Ab und zu gab es dafür Palmöl, besonders vorm Vögeln. Kabinen gab es dazu nicht, die Männer mussten sich entblößen, und die Ladies genossen es, sich sehen zu lassen.  

Freilich saß bei ruhiger See meist ein Drittel der Offizierinnen auf irgendwelcher Besatzung rum und ließ es sich gut gehen. Meuterei kam praktisch nicht vor, so dass sie aus reiner Willkür, oder Vorsorge, schreckliche Bestrafungen vornahmen. Das beliebte Standardmuster jeden Morgen war: ankriechen lassen, irgendwen, Stiefel küssen - die waren an Deck natürlich immer blitzsauber -, ausziehen, an den Mast binden, einen üblen Schlag mit der Langpeitsche von jeder der Frauen, und jeder musste eine blutige Strieme reißen, dann ab unter die Salzdusche und zum Trocknen an den Besan. Scheiße, hatten sie Doktor Livesey heute morgen wieder übel mitgespielt. Wenigstens wurde er danach auch immer zur Kajüte des Käptns geführt, und sah nicht mehr so unglücklich aus, wenn er am Abend mit einem Fitt im Hintern und ordentlicher Rumfahne herausgekrochen kam.  

Als Schiffsjunge, grad alt genug, um zur See zu fahren, kam ich selten dran und meist mit Milde davon. Hawkins, Jim Hawkins, Urahn von Cynthia Hawkins und auch Stephen Hawking, ein Schreibfehler in den Zeitläuften. Ich musste der einbeinigen Smutje helfen, Short Joanne Golden,  der ich nicht über den Weg traute. Sie tat mir gegenüber nett und unschuldig, schien mir aber ziemlich gerissen. Es genügte ihr, wenn ich beim endlosen Kartoffelschälen an ihren Zehen nuckelte, die auf einem Schiff wie diesem stets von jedem Schmützchen unberührt waren, oder unter ihren Rock schlüpfte, wo es ebenso aufgeräumt aussah.  

Sie war klein, drall und hübsch, aber ein Rotschopf. Denen darf man nie trauen.  

Mit der Zeit erwachte auch bei der Steuerfrau Moonbutt ein gewisses Interesse für meinen jungen Alabasterleib. Sie wirkte sehr klar und aufrichtig, auch in ihren Wünschen und Methoden. Während sie auf Wache war, ließ sie mich ihre Stiefel bald jeden Tag mit Feehaarpinsel Nr. 3 säubern und gründlichst nachlecken, dann das Deck um sie herum mit der Zahnbürste schrubben. Gerne stellte sie dann einen Fuß auf mir ab, oder trat mir zärtlich in den Hintern oder tiefer. Sie war für eine aus der Karibik ziemlich stattlich, nicht zu schlank, die schwarzen Haare streng zurückgebunden - und richtig romantisch. Bei einer Nachtwache zog sie mich zum Bug, breitete ihre Arme aus, ließ mich von hinten ihre Möpse kneten und rief "ich bin die Königin der Welt!". Sie band mich auf das Galion und ritt mich dort hoch über den nächtlichen Wellen oben und unten, dass die Delphine nicht aus dem Staunen kamen. Ich hatte den Eindruck, diese Säugetiere versuchten es uns nachzutun, und sorgte mich, ob sie dabei ertrinken könnten. Irgendwer hat mich dort am nächsten Morgen aufgesammelt.  

Es waren einige hübsche unter den Offizierinnen, zumindest gepflegt waren sie alle, dafür sorgte Käptn Fook. Einmal hatte sie Bootsfrau Futt wegen Unreinlichkeit an den Titten Kiel holen und beim nächsten Sturm Wasserski fahren lassen, das hatte keine vergessen. Je nach den letzten Raubzügen gab es sogar Parfum.  

Es gab auch einige nette, also nicht ganz so grobe, und Moonbutt war beides. Ich hatte sie richtig lieb gewonnen. Nicht, dass wir sowas wie ein Paar gewesen wären. Zum Ersten gab es hier keine Gleichheit. Zum Zweiten hatte sie reichlich andere Männer zur Verfügung, und ich war noch unerfahren. Und schließlich gab es da auch noch Golden, die noch immer meine Dienste einforderte.  

 

Die war richtig sickig. Zwar durfte ich immer noch Kartoffeln schälen, wer sonst, mit einem Nudelholz im Rektum, und dabei die Spitzen ihrer Zehen küssen, aber um mich fertig zu machen, war sie zu sauer und beleidigt. Das überließ sie der jüngsten Kadettin und drei Matrosen. Nach einer grauenhaften Nacht erwachte ich nackt im Mastkorb.  

Unten an Deck wurden schon wieder die ersten Demütigungen geübt. Jeder Matrose, der mit einer Morgenlatte erwischt wurde, also fast jeder, musste sich nach Luv einen runterholen, bis ihm die eigene Sahne ins Gesicht spritzte, oder die seines Nachbarn.  

 

Da sah ich aus dem Korb die Erlösung: die Schatzinsel! 

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Kommentare

Bild des Benutzers sena

Lustig, originell und unkompliziert. Ich fühle mich versöhnt und habe mich über diesen Text sehr amüsiert gezeigt, ohne dem Gefühl einer Überforderung. Bitte weiter so!

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Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Bild des Benutzers Lügenmiststück

Hallo fukov,

Vielen Dank für die Geschichte.

Sehr kurzweilig und lustig. Das war spitze.....

Dankeschön Lügenmiststück

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