Eine ungewöhnliche Hochzeitsfeier 1/8

"Klappentext": 
Eine nicht ganz kleine, stellenweise romantische Liebesgeschichte für die, die beim Hören das Wortes ‚goreanisch’ nicht zuerst an die Herkunfts- Bezeichnung eines ostasiatischen Staates in sächsischem Dialekt denken. Hard-core SM-ler werden nur auf einigen Seiten der Gesamtgeschichte zufriedengestellt werden.
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Einladung

 

Bald war es soweit. Kirsten und Jürgen wollten vor den Traualtar treten. Nach so langer Zeit der unlegalisierten Beziehung, schön für die beiden. Aber mir?, mir graute vor der Feier. Wenn es einige Dinge gab, die auf der Beliebtheitsskala für sommerliche Hochzeitsfeiern sehr weit unten standen, dann waren es solche Sachen wie Nagel- oder Fußpilz, aber das war nicht mein Problem.

 

Noch weiter unten auf der Liste des Grauens standen  … : Singles. Das war mein Problem, seit nunmehr fast drei Jahren. Nicht so sehr, dass es den Alltag belastet hätte, ich bin erfolgreich im Beruf und habe einen ansehnlichen Freundeskreis, aber an diesem guten Dutzend Tagen im Jahr  ….

 

Einer dieser Tage stand eben bevor, ein Tag am Katzentisch der zusammen Gewürfelten, schon von weitem erkennbar als Tisch der Resterampe. Gesteigert wurden derartige Befürchtungen durch das Wissen, dass Kirstens Freundeskreis deutlich größer war als der von Jürgen und beide in einem Beruf arbeiteten, in dem der Frauenanteil den von Männern erheblich überstieg. Ich sah mich also schon inmitten bezauberndster Damen herrenlos im wahrsten Sinne des Wortes den Abend verbringen.

 

Und das war die beste der drei Möglichkeiten. Schlimmer: ein armer Single teilt den Tisch mit drei oder vier Pärchen, vertraute Zärtlichkeiten beobachtend oder das Unterlassen derer nach diesem mitleidigem Blick.

Noch schlimmer: dem „passenden“ Single Herren zugeordnet werden, in meinem Fall wohl der dicke Thomas mit dem unangenehmen Mundgeruch und den fettigen Haaren, zumindest die, die noch da waren.

 

Eine grauenhafte Vorstellung, denn wenn ich auch bei den meisten Damen nicht nachvollziehen konnte, warum sie nicht in festen Händen waren, bei jedem einzelnen der Herren, zumindest bei denen, die ich kannte, war es mir möglich.

 

In meiner Vorstellungswelt waren damit die Möglichkeiten erschöpft, meine Phantasie hatte nicht ausgereicht, zu erahnen, dass ist noch weitere, zutiefst demütigende, aber tief im Inneren extrem schöne Varianten gab.

Und eine solche hatten sich Kirsten und Jürgen ausgedacht.

 

Es war Anfang Mai, herrliches Frühlingswetter, die Kleider wurden luftiger und dünner, jedes Gesicht offenbarte die Freude darüber. Bei den Frauen darüber, nicht mehr so dick eingepackt zu sein, mit ihren Reizen spielend, bei den Männern darüber, dass sie eben diese Reize zu sehen bekamen.

 

Der Weg durch den Park war daher ein großes Vergnügen, das den kleinen Umweg sicher lohnte. Zuhause vor dem Weg hinauf den Briefkasten leeren: Wochenzeitung, Werbeblätter, Rechnung und ein silbrig glitzernder Brief, Absender Kirsten und Jürgen. Ach ja, die Einladung zur Hochzeit, aber dafür ungewöhnlich dick und mit einem fühlbaren Inhalt.

Die restlichen Sendungen zur Seite gelegt, Verpackungen wecken immerzu die Neugierde speziell wenn sie von Menschen stammen, versehen mit scheinbar unendlicher Fantasie. 

 

Der Brief enthielt die Einladung, zur Seite, Inhalt bekannt, und das Objekt der Begierde: ein verschlossener Umschlag, „Bitte vor dem Öffnen die Einladung genau lesen!!!“ stand in Großbuchstaben darauf.     Hmmm    Aber, was wäre geschehen, hätte der Gott der Zufälle die Seiten gewechselt? „Bitte vor dem Öffnen wenden!!!“ Scheiße, die kannten mich, und meinesgleichen. Also dann:

 

 

 

Einladung

 

Wir laden Dich/Euch am Freitag, den 20 Juni 2014

 

zur Feier des Beginns der Endgültigkeit unserer Beziehung ein.

 

Ort: Burghotel Siegen

 

Beginn:18.00 Uhr

 

Dauer der Feier: bis Sonntagnachmittag

 

P S: von den drei kleinen Kuverts bitte die zwei nicht zutreffenden

 

ungeöffnet!!    und    unversehrt!!

 

mit der Bestätigung der Teilnahme zurück senden.

Erst dann werden die Hotelzimmer entsprechend buchen.

 

Kirsten und Jürgen

 

 

Wie ein Kind zu Weihnachten riss ich das Papier auf. Die darin befindlichen kleinen Umschläge verdanken ihre weitere Existenz nur der Außentemperatur, der Feuertod im Kamin blieb ihnen erspart.

Erst die dämliche geschwollene Ausdrucksweise ‚Feier des Beginns der Endgültigkeit unserer Beziehung’, und jetzt noch diese elende Diskriminierung. ‚Für Paare’,  ‚für alleinstehende Herren’ und die Krönung: ‚für alleinstehende Damen’ stand auf ihnen, ihr Schweine!

 

Was soll’s, wegschmeißen ging immer noch, öffnen, sehr vorsichtig, um zu sehen, ob es eventuell spurenfrei  ….  Sch…, nein. Die Angaben darin waren mehr als dürftig und lohnten diesen geheimniskrämerischen Aufwand nicht: Neckholderkleid, ansprechende Unterwäsche, Strümpfe, halterlos oder mit Gürtel und Schuhe mit hohem Absatz, auf denen ihr aber noch länger laufen und stehen könnt.

 

Luft verschaffen, dringend. Kirsten fehlte die Zeit, sich vernünftig zu melden. „Sag einmal, was soll dieses Rumgehacke auf der Tatsache, dass die Beziehung zu diesem Arsch Stefan nicht gehalten hat. Und hättet ihr nicht einfach Hochzeit schreiben können und außerdem habt ihr euch im Datum vertan, ihr heiratet doch erst im Juli.“

 

„Keep cool, Vera. Nein, wir haben uns nicht im Datum vertan, es ist nicht unsere Hochzeitsfeier. Keine Familie, keine Kollegen, dieser Termin ist nur für die Freunde, für die goreanisch nicht die Herkunftsbezeichnung eines ostasiatischen Staates in sächsischen Dialekt ist. Du kannst es doch nicht vergessen haben? Wir waren doch damals zu viert im …“

 

Natürlich brauchte sie nicht weiter reden, ich hatte nichts vergessen. Wir waren damals zu viert, vier Freundinnen, die sich in einem Urlaub gestanden, dass sie die Romane von John Norman unheimlich inspirierend fanden.

Zum Ende des Urlaubs stürmten wir ein Piercing Studio und ließen und jeweils die rechte Brustwarze durchstechen: als Zeichen unserer Freundschaft in der realen Welt und in der Gegenwelt als Zeichen unserer Stellung.

Die Brustwarze auf der Seite des Herzens sollte unserem Mann vorbehalten bleiben, je nach Welt, als Zeichen des Verliebens, des Verlobens, der Hochzeit, oder eben auch als Dokumentation, in Besitz genommen worden zu sein.

 

„ … und deswegen auch fünf Wochen vor der Hochzeit, damit alles noch abheilen kann, denn ich möchte auf meine Hochzeit schließlich tanzen können, ohne dass etwas zwickt oder zwackt.

Und weiter: Nein, wir hacken nicht auf dir rum, Stefan war ein Arsch, Stefan ist ein Arsch und er wird immer einer bleiben. Du kannst nur froh sein, dass du den Idioten los bist. Was allerdings die Feier angeht, so sind die Anforderungen für die unterschiedlichen Lebenssituationen eben unterschiedlich. Ich bin mir aber sicher, es wird dir gefallen.“

 

Alle Versuche, einige Details zu den Planungen für das Wochenende zu erfahren, erfolglos, Kirsten litt bei diesen Fragen an selektiver Schwerhörigkeit.

Dann eben anders. In einem Telefonat mit Sigrid und Rainer würde ich sicher einiges mehr zu den Unterschieden erfahren, Sigrid würde mich nicht im Regen stehen lassen.

Und sie tat es doch! Sie erklärte mir, dass in ihrem Schreiben ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, über den Inhalt keine Informationen an andere zu geben. Ich solle mich einfach in den nächsten Wochen der Vorfreude hingeben, es werde schon schön werden.

Nächster Versuch: „Wir haben schon mit deinem Anruf gerechnet“ lachte mir Dirk entgegen „aber von mir erfährst du kein Wort.“

 

So tief sinken und Thomas anrufen? Nein, die Würde des Menschen ist unantastbar!

Man darf sie sich aber auch nicht selber nehmen.

Also, Vorfreude ‚genießen’.

 

 

Vorbereitung

 

Es war Donnerstag und morgen würde ich nach Siegen fahren. Die Anspannung und die blöden Andeutungen der Freunde über das Bevorstehende, die die Neugierde nur noch steigerten, endeten endlich. Die Zwischenzeit hatte ich genutzt, etwas Sonne (und damit Bräune) zu tanken, meinen Körper noch etwas in Form zu bringen. Noch packen, für ein paar Tage, damit es Freitag nach der Arbeit schnell ging.

 

Und die Sachen zum Anziehen gleich draußen lassen:

Neckholderkleid, warum unbedingt? aber was soll’s, ich entschied mich für das grün schimmernde mit den hohen Beinschlitzen, denn wenn etwas in mir schön ist, dann sind es meine Beine. ‚Für die würden manche Frauen morden’ hatte ich oft gehört.

 

Ansprechende Unterwäsche, eine Selbstverständlichkeit bei einer solchen Veranstaltung, als BH durfte es auch ein dünnerer sein, den ich bei der Arbeit eher meide, aber für den Anlass durfte der kleine Metallring ruhig durchdrücken. Dazu der passende String.

Strümpfe, halterlos, da ich den passenden Gürtel dazu nicht hatte.

 

Schuhe mit hohem Absatz hatte ich dafür reichlich, für jedes eingepackte Kleidungsstück eines in der passenden Farbe. Auf hohen Absätzen gehen ist freilich eine Selbstverständlichkeit für mich, dazu kam dennoch ein Paar neutral schwarze mit etwas niedrigeren Absätzen und Sneakers, für den Fall, dass ich bei der Burg ein wenig wandern möchte (ich Dummchen).

 

Freitag dauerte alles etwas länger, glücklicherweise hatte ich bereits alles vorbereitet, nach der Arbeit nach Hause, duschen, anziehen, ab ins Auto und los fahren, trotzdem etwas zu spät.

 

Der Parkplatz war fast leer, eben eine recht kleine Veranstaltung mit engsten Freunden.

„Sie kommen allein? Bitte dort entlang, Fräulein Luise zeigt Ihnen den Weg“ wurde ich vom Portier empfangen.

In dem Raum warteten schon einige Frauen, Beate kannte ich gut, zwei andere vom Sehen, die letzten beiden waren wir völlig unbekannt, aber beide hätten ohne weiteres bei Germany’s next Top Model mitmachen können.

 

„Du kommst spät, Vera, du bist die letzte“ begrüßte mich Kirsten, die von hinten dazu stieß, „Dann kann ich euch ja jetzt erklären, was dieses Wochenende passieren wird. Wie ihr vielleicht wisst, bekomme ich morgen mein letztes Piercing. Was ihr aber wohl noch nicht wisst, Jürgen wird mir morgen ein silbernes Collar um den Hals legen und es fest verschließen. Ich werde also ab morgen einen metallenen Halsreif tragen und freue mich unheimlich darauf.

 

Das Collar ist das Symbol der Freiheit, die Entscheidung, welches Leben ich führen will, gehabt und in Liebe abgegeben zu haben.

 

Der Moment soll einen würdigen Rahmen haben, insofern wird bei dieser Feier von jedem Gästepaar einer der Partner durch ein metallenes Collar die Zugehörigkeit zum Anderen zeigen.

Da ihr derzeit (zu) niemandem gehört, werden wir euch für dieses Wochenende nach guter alter goreanischer Sitte an den Mann bringen, der euch den Stahlreif um den Hals legt.“

 

Fast ungläubig hatten alle verstanden, wir begannen alle, uns gegenseitig anzuschauen.

Waren diese Blicke nun die Suche nach weiblicher Solidarität, um gemeinsam kund zu tun, dass das ja nun nicht ginge, oder waren sie ein Ausdruck der Hoffnung, dass eben diese Solidarität nicht entstehen möge oder etwas anderes ausdrückte.

Denn unweigerlich begann ich, die anderen Frauen zu taxieren, anders zu anzusehen als vorher, nicht mehr wohlwollend wie vorhin, sondern als Konkurrentinnen.

 

„Ich, mich mit denen auf einer Bühne vergleichen lassen, niemals, da kann frau doch nur verlieren“, empörte sich Beate mit Blick auf die Models.

Beate ist wie ich eine attraktive, aber normal und nicht überwältigend attraktive, Frau, solidarisch pflichtete ich ihr also bei: „Dann wird sich für die beiden zu Tode geboten, während wir Normalos für einen Heiermann als Trostpreis weggehen.“ Schon beim Sprechen merkte ich, dass ich mich, genauso wie schon Beate zuvor, nicht gegen eine Versteigerung an sich wandte, sondern gegen die Übermächtigkeit der Konkurrenz. Auch bei den anderen, kein lauter Protest, leise latente Zustimmung, jede fühlte sich in ihren Phantasien ertappt.

 

„Wir wussten, dass es euch gefallen wird“ Kirsten nutzte die in der Stille verborgene Akzeptanz sofort als Einfallstor, die Bedenken wegzuwischen.

 

„Die Befürchtungen haben wir erwartet, manche Vergleiche sind unmenschlich, das kann jede Frau nachvollziehen. Es hat uns einige Mühe, noch mehr Gedanken und viele lustige Abende im Kreise unserer gemeinsamen Freunde gekostet, einen Versteigerungsmodus zu entwickeln,  der verhindert, dass so etwas passiert.

Es geht heute Abend  doch nicht darum, Geld zu verdienen, sondern Spaß zu haben, vielleicht gerade mal die Hotelkosten zu zahlen. Deswegen gilt bei der Auktion ein Höchstgebot, Ladies, schaut in den Spiegel, keine von euch braucht doch nur ansatzweise die Sorge haben, es gäbe niemanden, dem sie die Zimmerrechnung wert ist!

 

Jetzt kann ich es euch ja sagen, in dem Briefchen für die Paare stand die Mitteilung, dass ein Partner den anderen von der Auktion freikaufen kann, wenn er ihm ein metallener Halskragen umgelegt und den Höchstbetrag bei der Versteigerung bezahlt, im Endeffekt also die Übernachtungskosten, nur adäquat zum Spiel formuliert.“

 

Leise zischte ein „dieses Schwein“ durch den Raum.

 

„Für die Herren, dann wohl auch Partner, die auf euch bieten“, fuhr Kirsten mit einem Blick auf die Verursacherin fort, „wird es geringfügig teurer, denn da zu erwarten ist, dass für jede  bis zum Höchstgebot geboten wird, zeigen sich keine Unterschiede.

Infolgedessen kann auch ein gewisser Betrag auf Einzelheiten wie eure Stimme oder ein Lebensmotto gesetzt werden, denn wir wollen nicht, dass der Reichste euch ersteigert, sondern der, der euch am meisten zu schätzen weiß.

 

Außerdem wird so vermieden, dass eure  Reihenfolge einen Einfluss hat. Man stelle sich den ‚armen Herrn’ vor, der dich am tollsten findet, Beate, aber vernünftig mitspielt und schon bei Vera mit bietet und Zuschlag erhält.

Wem ist denn damit geholfen? Niemandem! Dir nicht, Vera, mit einem Mann an deiner Seite, dem Beate besser gefällt. Beate und dem Mann auch nicht, die lernen sich so gar nicht richtig kennen. Sigrid und Rainer waren da sehr kreativ. Überlegt immer mal wieder, welches Motto zu euch passt.“

 

„Oh, wir dürfen auch was sagen?“

 

„Ihr dürft nicht nur was sagen, ihr dürft sogar mitbestimmen, denn auch die Herren müssen ein Lebensmotto abgeben, auf dass auch ihr eine kleine Summe bieten könnt, der Betrag ist gering, kann aber den Ausschlag geben.

Und, Vera, ich kann dich beruhigen, Thomas ist nicht dabei.“

 

„Sehr schön“ sagte eine der Frauen, die ich vom Sehen her kannte, „aber Thomas ist nicht der einzige unsympathische Mensch auf der Welt. Können wir uns gegen den, der uns ersteigert hat, wehren?“

 

„Das könnt ihr, ich bitte euch aber: erst morgen früh. Wenn ihr dann sagt, mit dem geht es nicht, können wir morgen einen neuen Herrn für euch finden.

Wenn sofort absolut klar ist, mit dem ist es nun wirklich, auf gar keinen Fall und niemals vorstellbar, auch nur eine Nacht im gleichen Raum zu verbringen, dann auch heute Abend.

Ich bin mir aber sicher, dass im Burgsaal drüben neben unseren Freunden, die sich das Spiel ausgedacht haben, wenigsten für die ein oder andere auch der ‚Mann ihres Lebens’ auf sie wartet.

 

Und, zur Beruhigung, ihr werdet nicht begrabscht, es wird keinen Sex geben, es sei denn, ihr wollt es ausdrücklich.

Also los meine Damen, seid keine Memmen, seid stolze und starke Frauen, wer macht den Anfang?“ und wies auf die Tür an der gegenüberliegenden Seite des Raumes.

 

Erinnerungen an meine Erregung beim Sklavenhandel in alten römischer Filmschinken, daran, dass ich  meine ersten sexuellen Erfahrungen dem F von Fantomas auf der Brust von Jean Marais verdanke, später den Gor- Romanen.

Die Erinnerungen an Erregung wichen mehr und mehr neuer Erregung. Ich bekam Lust auf das Spiel, Lust auf den Abend, auch darüber hinaus.

 

Auch sonst war kein Protest zu vernehmen, warum auch, waren doch nur diejenigen der Freunde eingeladen, welche eine Affinität zu dieser Art Beziehungen haben.

Was sollte also schon passieren, auf der anderen Seite der Türe waren keine Kollegen, keine Familie, nur die paar Freunde und Bekannte, denen es ebenso erging.

 

Nur, woher sollte da der ‚Mann meines Lebens’ auftauchen, ich sortierte also schon die Rechtfertigungsgründe, für den Fall, dass für mich wenig geboten würde. ’Von den wenigen, die da waren, bin ich mit Sicherheit der Hälfte schon mal auf den Schlips getreten’ hörte ich mich zu mir sagen.

 

„Ich mach’s“, kam mir eine der anderen Frauen zuvor und ging zur Tür „Ich habe schon die langweiligsten und dämlichsten Spiele auf Hochzeiten mitgemacht, dies ist mal was neues.“ sagte sie noch im Wegdrehen.

 

Der Bann war gebrochen, die Mauern des Unerhörten geschleift. Kirsten musste mich bremsen, damit ich nicht direkt hinterher gehe. „Auch wenn du es nicht mehr abwarten kannst, ein paar Minuten wirst du warten müssen“ lächelte sie.

Nach gefühlt endlosen Minuten wurde von der anderen Seite die Tür geöffnet, und Jürgen rief hindurch: „Die nächste“.

Wieder zuckte ich, aber eine der Schönheiten war näher an der Tür.

 

Beim nächsten Mal zwinkerte mir Beate zu: „meine Liebe, first come, first go.“

Was passierte hinter der der Tür? Für ein paar Instruktionen war die Zeit deutlich zu lang, für die Versteigerung erbärmlich zu kurz. Doch wenn ich nicht als letzte, als Feigling auftauchen wollte, musste ich mich jetzt in Position bringen. Mit den Worten ‚Alter vor Schönheit’ drängelte ich mich beim nächsten Öffnen der Tür nach vorn.

 

„Hallo Vera“, umarmte mich Sigrid kurz „schön dass du auch den Mut gefasst hast“ und ließ mich wieder los. Dabei hielt sie jedoch meine langen Haare nach oben. Rainer reichte mir die Hand, als wolle er mich förmlich begrüßen, verdutzt wollte ich seinen Handschlag erwidern, doch er nahm die Hand und hielt sie nach oben. Noch perplexer war ich, als auch meine linke Hand ergriffen und nach oben gehalten wurde.

 

Jürgen legte mir von hinten etwas kaltes metallenes an den Hals, und ehe ich richtig realisiert hatte und reagieren konnte, waren schon beide Handgelenke mit den kleinen äußeren Bügeln eines Prangers eingeschlossen.

Zu Sigrids Worten „Wir wollen es doch authentisch machen“ verriegelte Jürgen auch den vorderen Bügel um den Hals. „Du wirst sehen, das wird ein unvergessliches Erlebnis“ sprach sie weiter und befestigte eine Kette an einer Öse des Halsbügels.

 

„Na, willst du wohl folgen“ und ruckte zweimal kurz an der Kette. Als ob ich eine Wahl gehabt hätte, zog sie mich in den nächsten Raum, in dem die drei anderen Grazien genauso vorbereitet standen und warteten. Nur noch das Einhaken der Kette an der rückwärtigen Öse an Beates Pranger, dann waren wir wieder allein.

 

Allein. Allein und wehrlos. Allein und wehrlos und ...  ein klein bisschen erregt. Jedes moralische ‚das darfst du nicht’ war weg, abgegeben, abgegeben an die Unfähigkeit, sich zu wehren.

 

Vier Frauen, in festlicher Garderobe, hilflos aneinandergekettet und vorbereitet, an den nächstbesten verhökert zu werden, einfach ein bizarres Spiel.

 

Jede von uns hatte auch den Blick auf sich gerichtet, beobachtete aber auch die anderen, scherzten gegenseitig über unser Aussehen, stehend mit auseinander gebreiteten Armen, Beate und das Model stritten darüber, welche meiner Knospen deutlicher hervorträte, um mitzuteilen, dass die groteske Situation mir nicht unangenehm sei. Die linke, die einfach spitz gegen den dünnen BH drücken konnte oder die rechte, bei der das Piercing zusätzlich aufträgt oder sie am Hervortreten hinderte.

 

Die Tür wieder geöffnet, die zweite der Schönheiten hereingeführt und an mir befestigt.

’dann wird’s ja gleich losgehen, was sagt ihr, in einer Stunde an der Sektbar?’

 

Nach einer gefühlten Unendlichkeit wurde auch die letzte von uns hereingebracht, die, deren Partner wohl draußen wartet; sie musste wohl doch noch überredet werden.

Das Einhängen der Kette an der Vorderfrau, eine hintere an der Wand befestigt.

 

Gefühlte Unendlichkeit? Lächerlich.

 

Mit ihr kam auch Jürgen herein, „So, ich möchte mich jetzt von euch verabschieden und werde mich mit Kirsten in den großen Saal begeben, ihr kommt später ja auch. Es geziemt sich nicht für einen angehenden Ehemann, die Vorzüge anderer Frauen hervorzuheben.

Diese Aufgabe wird gleich ein Auktionator übernehmen, der euch im wahrsten Sinne des Wortes durch den weiteren Abend führen wird.

Ihr könnt in der Zwischenzeit kurz über das Leben und das Sein nachdenken und welches Motto ihr ihm geben wollt.

Ach, da ist er ja doch schon. Das ist Robert, der macht jetzt weiter, ich geh dann mal“

 

 

 

Bewertung gesamt: 
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Kommentare

Bild des Benutzers Rose Topas

Das ist eine sehr gute Idee für eine Geschichte und ich bin sehr gespannt wie es weiter geht!

Vielen Dank!

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Ich lese und schreibe gerne.

Als Rose Topas veröffentliche ich auch e-books.
Band 2 von Leonie ist gerade erschienen.

Bild des Benutzers bella gioconda

ich werde mich bemühen, weiterhin zu unterhalten, auch wenn es mir fast  unmöglich scheint, hohen Ansprüchen gerecht zu werden und ich befürchte, dass dir speziell der Teil drei stellenweise etwas zu technisch ist.

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Bild des Benutzers O_devot

endlich mal eine Hochzeitsfeier auf die man auch gerne eingeladen wäre. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

LG Ornella

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Bild des Benutzers bella gioconda

hoffentlich geht die Feier so weiter, dass du dich amüsierst und gern bis zum Ende bleibst und nicht nur, um die Gastgeber nicht zu enttäuschen.

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Bild des Benutzers O_devot

Ich bleibe sehr gern bis zum Ende ;-)

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Bild des Benutzers bella gioconda

für die wohlwollenden Beurteilungen, sie geben den Schwung, die Geschichte zu Ende zu schreiben.

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Bild des Benutzers Beate

Eine neue Variante zun Thema! Gefällt mir sehr!

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Bild des Benutzers sena

da kann ich nur ehrfurchtsvoll staunen. Toller Stil, flüssige Schreibe, eine Erzählung ohne aufkommende Langeweile. Hier hängt an jeder Zeile Gefühl und Anspruch, ich bin wirklich begeistert. Verstehe nicht wie solch ein Stück Text schlechter als 6 bewertet werden kann. Bitte weiter so! Und ab mit dir zu einem Verlag! 

Deine Sena

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Ein kluger Mann ist der, der seiner Frau artig folgt.

Auf Amazon und Neobooks unter dem Pseudonym Madame Mala unterwegs. Für euren Support und Unterstützung wäre ich euch dankbar.  

Bild des Benutzers bella gioconda

Gestern Morgen nach den ersten Reaktionen war ich erleichtert, wähnte mich geadelt und geehrt.

Aber gestern Abend? Auch wenn ich mit femdom nicht viel am Hut habe, knie ich vor dir, denn ein solcher Kommentar von dir fühlt sich wahrlich an wie ein Ritterschlag.

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Bild des Benutzers Mrirwisch

Es ist nicht unbedingt einfach zu einer Hochzeit zu kommen, wenn die Gastgeber es so wollen. Die Nöte der Singles sind prickelnd dargestellt, ich freue mich auf die Lektüre des 2. Teiles, der ja auch schon vorliegt.

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