Christopher und Ich - Kapitel 46

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46

Nach diesem phänomenalen Finale eines wunderschönen Abends schlafe ich wie ein Kleinkind, das den gesamten Tag ausgelassen mit seinen Freunden auf einem XXL-Spielplatz getobt hat – tief und fest, traumlos und erholsam. Ich erwache sogar eine ganze halbe Stunde vor dem Wecker und fühle mich ausgeschlafen, was mich im ersten Moment sogar leicht verwundert, und gleichzeitig mit seichtem Glück erfüllt.

Christopher schläft noch, seine blonden Strähnen zerzaust, der hübsche Kopf ins Kissen gedrückt, sein Mund leicht geöffnet und mit etwas Speichel benässt. Erinnerungen an seine gestrigen Küsse, seine intensiven Berührungen, seine durchdringenden Worte wallen in mir auf und lassen Wärme in mir aufsteigen, meine Haut leicht kribbeln. Als ich mich vorsichtig erhebe und aus dem Schlafzimmer schleiche, ohne den Anwalt zu wecken, fließt eine weitere Erinnerung durch mein mentales Zentrum und Christophers Stimme ertönt in meinem Innern.

Du ahnst ja gar nicht, was für eine Macht du über mich hast.

Ich schlucke, und mache mich daran, Frühstück vorzubereiten, nutze die zusätzliche Zeit dank meines frühen Aufwachens, um statt Toastbrot Aufbackbrötchen zu servieren, koche Eier und richte alles ein wenig dekorativ an, sodass der Tisch am Ende aussieht, als wäre es ein entspanntes Sonntagsfrühstück. Dabei ist es Freitagmorgen. Als ich als letzten Schritt Kaffee aufsetze, steckt Christopher seinen Kopf durch die Tür – perfektes Timing. „Oh“, macht er erfreut, als er seinen Blick über den Küchentisch streifen lässt, „das sieht ja toll aus!“

„Kaffee ist gleich fertig, springst du eben noch schnell unter die Dusche?“

„Ja. Ich beeil mich.“

Keine zehn Minuten später kommt Herr Lang herrlich frisch duftend, mit feuchtem Haar und nur in Hose und Hemd bekleidet zurück zu mir. Ich will gerade aufstehen, um die Kaffeekanne herzuholen und unsere Becher mit dem Gebräu zu füllen, als Christopher mich mit sanfter Stimme aufhält. „Bleib sitzen, ich mach das schon.“ Nach seinen vermeintlichen Kellnertätigkeiten setzt er sich jedoch nicht umgehend hin. Stattdessen bleibt er neben meinem Stuhl stehen und beugt sich zu mir herunter. Seine Hand wandert zu meiner rechten Wange und er hebt ganz zärtlich meinen Kopf an. Als sich unsere Blicke treffen, umspielt ein warmes Lächeln seine Lippen. „Geht es dir gut?“, möchte er von mir wissen, und ich nicke lediglich, was Christophers Lächeln nur noch weicher werden lässt. Er küsst mich zärtlich auf den Mund – erst dann nimmt er mir gegenüber Platz; und ich habe ganz weiche Knie und fühle mich ein bisschen so, als wären wir gerade erst zusammengekommen.

Vielleicht, weil wir nach gefühlten Ewigkeiten der „härteren Schiene“ plötzlich wieder wie ein ganz normales Pärchen agiert haben und agieren, und es sich deshalb so „neu“ anfühlt.

Hat mir das etwa doch mehr gefehlt als ich gedacht habe?

Wir reden nicht viel während des Frühstücks, weil Christopher schon jetzt irgendwelche wichtigen Mails übers Tablet beantworten muss. Er entschuldigt sich deswegen aufrichtig und ich versichere ihm, dass es in Ordnung ist. Arbeit geht ja nun einmal vor, das weiß ich. Dennoch finde ich es natürlich schade, dass er sich viel zu schnell von mir verabschiedet, in den Rest seines Anzuges schlüpft und seinen Abflug in die Kanzlei vorbereitet.

Ehe er unsere Wohnung jedoch verlässt, haucht er mir noch einmal einen Kuss auf die Lippen, und bleibt, seine Hand in meinem Nacken ruhend, noch einmal stehen. Ich schaue ihm fragend in die Augen, denn Herr Lang ist schon relativ spät dran und sollte jetzt nicht trödeln, sondern ganz schnell zum Fahrstuhl laufen. „Niko“, adressiert er mich mit sanfter Stimme, „ich möchte, dass wir mindestens das Wochenende im Code Red verbringen. Ist das in Ordnung?“

Auch wenn keiner von uns beiden unser vom Regelwerk losgelöstes Miteinander mit dieser besonderen Bezeichnung ausgerufen hat, agieren wir eigentlich ja eigentlich schon seit zwei Tagen fast nur als Liebespaar, weil Herr Lang wollte, dass ich über die Spanking Geschichte als sein Partner und nicht als sein Sklave nachdenke, und bei Kilian waren wir absolut mehr Pärchen als Master und Sklave. Aber so macht Chris es jetzt noch einmal deutlich – offiziell. Und wäre ich vor einer Woche noch an die Decke gegangen und hätte protestiert, entspannen sich meine Gesichtszüge jetzt und meine Lippen gleiten von allein in ein Lächeln, als ich mit einem „klar“ antworte.

Denn ja, gestehe ich mir ein, ich genieße das gerade total.

Christopher erwidert mein Lächeln, drückt mir einen weiteren Kuss auf die Lippen. Dann scheuche ich ihn regelrecht aus der Bude, damit er nicht zu spät kommt und mit dem Auto durch die Stadt hetzen muss, und mache mich dann selbst fertig.

Obschon ich ausgeschlafen bin, penne ich im Bus zur Uni fast ein, und während der Seminare und Vorlesungen kann ich mich nicht wirklich konzentrieren, weil meine Gedanken, wie schon direkt nach dem Aufwachen, immer wieder zum Vortag zurückwandern.

Mir war es zwar schon während des Besuches bei Kilian klargeworden – jetzt ist es aber erst hundertprozentig durchgesickert: Die Tatsache, dass es absolut richtig von Christopher war, mich vor meiner eigenen Dummheit zu bewahren, und die Erfüllung meines vermeintlichen Wunsches nach dem Spanking in Anwesenheit unserer Freunde abzulehnen. Überhaupt die gesamte BDSM-Komponente auf unser normales Minimum zu reduzieren, das wir innerhalb sozialer Zusammenkünfte pflegen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass ich den zärtlichen Christopher tatsächlich sehr vermisst habe – obwohl mir seine Bestrafungen und seine harte Umgangsart natürlich gefallen haben. Vielleicht geht es mir auch einfach um unsere gängigen Proportionen? Die Mischung aus Master und Partner. Denn in der Tat hat Christopher mir in der vergangenen Zeit fast zu 100 Prozent als Dom gegenübergestanden. Und das ist ja selbst für unsere krassen Verhältnisse eine Extreme.

Zwischen den Vorlesungen vibriert mein Handy, und ich bin wenig überrascht, von meinem Freund zu hören. „Hey mein Spatz,“ schreibt er und ich muss ein wenig grinsen und mit den Augen rollen bei dieser Anrede, „worauf hast du dieses Wochenende eigentlich Lust? Du bestimmst, was wir machen – ich stehe dir bis Sonntag komplett zur Verfügung. Und wenn du etwas ohne deinen alten Mann machen willst, ist das natürlich auch in Ordnung.“ Die Nachricht ist mit einem zwinkernden Smiley versehen und ich verdrehe erneut grinsend die Augen.

„Ich will was mit dir machen, alter Mann“, antworte ich sofort, und weiß plötzlich auch sofort, worauf ich Lust habe. „Wollen wir heute Abend erstmal zu unserem Lieblingsinder?“ Damit meine ich das Restaurant, das ursprünglich mal rein Christophers Favorit war, und in das er mich damals nach der Episode mit Georg geschleppt hat; nachdem er mich das erste Mal ans Bett gekettet und ich für wenige Sekunden geglaubt hatte, er hätte die Wohnung tatsächlich verlassen. Es kribbelt überall bei dieser Erinnerung.

„Tisch ist reserviert“, lautet Christophers Antwort. „Ich freu mich. Und denk dran: Du bestimmst auch, was wir mit dem restlichen Wochenende machen.“

Unweigerlich ertönt die Stimme meines Freundes wieder in meinem Innern.

Du ahnst ja gar nicht, was für eine Macht du über mich hast.

Ich schaffe es, unsere Wohnung auf Vordermann zu bringen, ehe Christopher kurz hereinschneit, seine Arbeitstasche loswird und wir uns dann gemeinsam auf den Weg ins Restaurant machen. Wir sitzen sogar fast genau an dem Platz, an dem wir uns damals das erste Mal so entspannt unterhalten haben, und auch heute bestelle ich das Chicken Tikka aus dem Tandoori-Ofen, das immer noch so köstlich schmeckt wie beim ersten Mal.

Wir reden nicht über den gestrigen Tag, den Besuch bei Kilian oder was davor gewesen ist. Wir führen keine ernsthaften Pärchengespräche, und dennoch ist unsere heutige Unterhaltung enorm wichtig für unsere Beziehung – weil wir uns gefühlte Ewigkeiten nicht mehr so locker ausgetauscht haben. Jedenfalls erscheint mir das Ganze so.

Ich erzähle Christopher ein bisschen was von meinen neusten Horrorentdeckungen und der Geschehnisse an der Uni, unter anderem noch einmal von Ron und Chiyo, weil ich mich immer noch frage, ob die beiden denn nun endlich offiziell ein Paar geworden sind oder noch nicht, und ich mich irgendwie nicht traue, einen der beiden zu fragen, weil ich keinen Druck auf sie ausüben will. „Das ist irgendwie niedlich“, kommentiert Christopher.

„Ich würde mich echt für Chiyo freuen. Und für Ron.“

„Was ist denn nun eigentlich mit Paul und Mareike?“, fragt mein Freund, und ich verdrehe die Augen.

„Ich glaube, Paul bereut es, dass er das zwischen den beiden damals nicht, naja, fest gemacht hat, und sie offenbar irgendwann keinen Bock mehr auf dieses Hin und Her hatte. Jetzt ist sie mit diesem Neuen, Sven, zusammen, und Paul hat offenbar jetzt erst gecheckt, dass sie ihm wohl mehr bedeutet.“

„…das klingt nach dem typischen ‚ich habe Angst mich zu binden‘-Syndrom…“

„Ja. Idiot. Auch wenn er mir natürlich leidtut. Aber: Idiot.“

Christopher ergreift meine auf dem Tisch ruhende Hand, streichelt mit seinen Daumen ganz leicht über meinen Handrücken und lächelt mich versonnen an. „Ich freue mich, dass du damals keine Angst hattest, dich mit mir einzulassen“, sagt er dann mit warmer Stimme, und mein Herz macht bei dieser romantischen Aussage einen freudigen Sprung in meiner Brust.

Ja, irgendwie fühle ich mich an diesem Abend echt in der Zeit versetzt. Alles erscheint plötzlich wieder so frisch wie damals, und ich frage mich, ob wir gerade so etwas wie einen Neustart wagen. Einen Reset nach all dieser ganzen Scheiße mit dem Kranksein, Christophers Beichten, den Adrian-Episoden und meinen bescheuerten Reaktionen auf das Ganze.

Ich frage mich im selben Zuge, wie ich ernsthaft denken konnte, dass ein Spanking vor den Augen meiner Freunde mir irgendwie helfen würde, meine Gedanken zu sortieren…

„Ich bereue es auch kein bisschen“, entgegne ich und schaue Christopher dabei tief in die Augen, und ich bin mir sicher, dass mein Freund versteht, was ich ihm damit wirklich sagen möchte: dass auch dieser blöde „Riss“ in seiner herrischen Fassade und die Tatsache, dass er mir gewisse Dinge verschwiegen hat und mir das nicht gefällt, unserer Beziehung nichts anhaben werden. „Wie war’s denn heute eigentlich in der Kanzlei?“, wechsle ich das Thema, nachdem uns die Kellnerin eine weitere Flasche Wasser gebracht hat, weil das Restaurant wirklich kein geeigneter Ort für intime Gespräche ist.

„Eigentlich ganz gut“, sagt Christopher, und ich bin fast ein wenig erstaunt, dass dies nicht der einzige Kommentar diesbezüglich bleibt, und mein Freund mir heute tatsächlich eine ganze Menge erzählt. Vielleicht, weil nun langsam die ganze Anspannung von ihm abfällt und die losen Enden der ganzen Schnüre nur noch miteinander verbunden werden müssen, die Fusion ist so gut wie abgeschlossen. Vielleicht muss er sich das Ganze aber auch einfach mal von der Seele reden. „Henning passt sehr gut ins Team“, meint Christopher fast am Ende seiner Erzählung über Handwerkertermine, jede Menge Papierkram, Behördengänge und unendliche Diskussionsrunden, „aber eine der neuen Gehilfinnen, Jessica, geht mir jetzt schon tierisch auf den Sack.“

Der Name klingt bekannt. „…war das nicht die, die du letztens nach Hause fahren musstet?“

„Ja, genau die. Henning hat sie mit in die Kanzlei gebracht, darauf hat er bestanden. Sie stammt ursprünglich von hier, ihre Mutter wohnt in der Stadt, und von daher hat es wohl auch gut gepasst, dass sie ihm folgt.“ Christopher klingt tatsächlich wenig begeistert, während ihr von der Frau spricht.

„Und warum geht sie dir tierisch auf den Sack?“, wiederhole ich seine Worte und muss zugeben, dass ich es immer wieder amüsant finde, wenn der feine Herr Lang sich so ausdrückt.

„Unter anderem, weil das Fräulein sich einfach nichts merken kann... Sie hat letztens Christin vertreten“, eine von Christophers Lieblingsfachkräften, „und ich musste ihr alles mindestens dreimal sagen – egal, ob es um eine einzige Akte oder eine schnöde Kontaktinformation ging, sie hat es entweder immer wieder vergessen oder mir etwas völlig Falsches rausgesucht. Und dann stellt sie mir und den Kollegen manchmal so… bescheuerte Fragen, die man vielleicht von den Azubis im ersten Jahr erwarten würde, aber nicht von einer gelernten Rechtsanwaltsfachangestellten mit mehrjähriger Erfahrung. Ich habe das Gefühl, dass ihr Gehirn ein einziger Klumpen Käse mit riesigen Löchern ist, wo alles einfach durchflutscht und nur mit Glück hängenbleibt.“

Ich muss bei der Vorstellung eines Käsegehirns kichern. „Vielleicht ist sie einfach noch viel zu aufgeregt: Neue Kollegen, neue Kanzlei, neuer, heißer Chef…“

Christopher schnaubt. „Jessica ist einfach… etwas zu aufdringlich, und ich denke, ich werde mit ihr, aber wohl auch mit Henning, noch einmal ernsthaft darüber sprechen müssen.“

Jetzt werde ich hellhörig. „Was genau meinst du mit aufdringlich?“

„Jessica ist nett: viel zu nett. Nicht nur, dass mir diese extreme Freundlichkeit fast schon zuwider ist, weil sie auf gewisse Weise unnatürlich wirkt – kein Mensch hat einfach durchgehend supergute Laune – und weil sie mit uns allen redet, als wäre sie unsere beste, super empathische Freundin oder gar Vertrauenslehrerin – sie berührt ihre Kollegen zusätzlich viel zu oft.“ Christopher räuspert sich, und fährt erst fort mit seiner Erzählung, nachdem die Kellnerin unsere mittlerweile leeren Teller abgeräumt hat.

„Sie berührt die Kollegen viel zu oft?“, hake ich interessiert nach.

„Ja. Ich meine: Ein kurzes Schulterklopfen und Ähnliches ist ja gang und gäbe. Ich meine, ich kann meine Hand ja auch ohne Bedenken auf Hans oder Hennings Schulter legen, wenn wir uns nett unterhalten, und das ist auch gut so – allerdings kenne ich beide auch schon Jahrzehnte lang. Aber selbst bei Johanna bin ich da schon etwas vorsichtiger, und ich finde, es ist auch einfach etwas Anderes, wenn jemand der gerade mal ein paar Tage in der Kanzlei arbeitet, einfach jeden sofort anfasst – am Oberarm, an der Schulter – und einfach sofort beginnt, die Leute zu umarmen, und...“

„Jessica hat dich umarmt?“ Ich pruste ich fast vor Lachen, als ich mir vorstelle, wie die Gehilfin die Arme um Herrn Lang legt und meinem Freund dabei alles aus dem Gesicht fällt und er sich verkrampft. Ich habe ja noch nicht wirklich viel Ahnung vom Arbeitsleben – aber dass man seinen neuen Chef nicht gleich umarmen sollte, weiß sogar ich.

„Nein“, macht Christopher auch umgehend mit fester Stimme klar. „Nein, mich nicht. Noch nicht. Himmel, hoffentlich versucht sie es nicht irgendwann! Aber all die anderen Gehilfen und unsere Azubis. Und auch Johanna und Co.“

„Und die finden das auch schlimm?“

„Also. Nur um das eben nochmal klarzustellen: Im Grunde genommen finde ich es ja gut, wenn sich meine Mitarbeiter untereinander gut verstehen und sich Freundschaften daraus entwickeln, in deren Rahmen Umarmungen dann auch die Norm sind. Aber ich habe jetzt mindestens drei Mal beobachtet, wie Jessica ihre neuen Kollegen umarmt hat und die sich dabei völlig versteift haben, und einfach nicht wussten, wie sie damit umgehen sollen. Man konnte sehen, dass ihnen das unangenehm war, die waren überrumpelt. Sie kennen sie ja nicht wirklich. Mir geht es dabei insbesondere um die Männer.“

„…meinst du damit, dass Jessica ihre männlichen Kollegen sexuell belästigt?“ Denn auch wenn das in den Massenmedien nie großes Thema ist: Auch Frauen machen das – baggern und sogar grabbeln am Arbeitsplatz. Und auch Männer können Opfer sein.

„Nein. Nein, das ist es nicht.“

„Hm… Meinst du damit vielleicht, dass sie flirtet…?“

Christopher zögert eine Sekunde. „Ich glaube, ja. Vielleicht sogar unbewusst“, entgegnet er dann schließlich.

„Ups!“, mache ich und halte dann plötzlich inne, als der Gedanke sich manifestiert. „Auch mit dir?“

„…ehrlich gesagt, weiß ich das nicht“, gibt Herr Lang dann zu und starrt auf sein Mineralglas. Und, wer hätte das erwartet, in diesem Moment bin ich nicht wütend oder eifersüchtig oder schlecht drauf, sondern einfach nur etwas geschockt. Und, zugegeben, auch etwas amüsiert.

„Du bist dir nicht sicher, ob deine Mitarbeiterin mit dir flirtet? So etwas merkt man doch, oder nicht?“, necke ich ihn.

„Vielleicht will ich das nicht wahrhaben. Vielleicht interpretiere ich da aber auch einfach zu viel rein“, versucht er, sich zu erklären.

„Was macht sie denn, Herr Lang?“

Christopher verdreht die Augen und entlässt etwas genervt die Luft aus seinen Augen. „Naja…“, setzt er dann an, und scheint nach den richtigen Worten zu suchen. „Ich glaube, sie versucht ihre Fehler durch ihr Verhalten wieder glattzubügeln und hofft, dass man sie nicht kritisieren wird, wenn sie eben extrem nett zu einem ist und dir ein bisschen Honig ums Maul schmiert.“

„Honig ums Maul schmieren? Aha. Was sagt sie denn so?“

Ist das ein neuer Anzug? Der steht Ihnen ja ausgezeichnet, Herr Lang. Waren Sie gestern beim Frisör, Herr Lang? Ihr Haar sieht heute anders aus…“, macht Christopher eine hohe Frauenstimme nach und klingt dabei so dämlich, dass ich lachen muss. „Aber das Beste“, fährt mein Freund fort, beugt sich über unseren kleinen Tisch, legt seine Hand auf meinen Oberarm und drückt leicht aber bestimmt zu, während er mir dabei tief die Augen schaut, ein übertriebenes Lächeln aufsetzt und in dieser nachäffenden Frauenstimme zur mir sagt: „Herr Lang, wenn Sie noch irgendetwas von mir brauchen, dann sagen Sie mir bitte unverzüglich Bescheid, ja?“ Und dann klimpert er zur Unterstreichung auch noch ein paar Mal mit seinen Augen und intensiviert dabei noch einmal den Druck seiner Finger – und obschon ich lachen muss, wird mir gleichzeitig klar, wie unangenehm diese Situation am Arbeitsplatz für Christopher sein muss.

„Okay“, sage ich, nachdem ich mich beruhig habe, und schiebe seine Hand, die meinen Oberarm noch immer umfasst, von mir weg. „Ich verstehe. Und ja: Das ist schon irgendwie Flirten, bewusst oder unbewusst. Kann aber eben auch gespieltes Flirten sein, um, wie du schon selbst gesagt hast, von den eigenen Fehlern abzulenken. Mit diesem Ziel könnte sie dich aber auch vorsätzlich mit ihren Annäherungen verunsichern oder in die Ecke drängen wollen. Nach dem Motto: Wenn er anbeißt, habe ich ihn in der Hand, und er kann mich dann nicht rausschmeißen, weil ich ihm dann… Naja, verwerfliche Dinge vorwerfen kann.“ Ich nehme einen Schluck Wasser nach meinen lauten Analysen. „Aber… weiß die eigentlich, dass du schwul bist?“

„Also, wenn man allein die Tatsache bedenkt, was für eine Tratschtante Johanna manchmal ist und sie davor mehrere Jahre mit Henning zusammengearbeitet hat, der ihr sicherlich das eine oder andere über mich vor der Fusion erzählt hat und ich ein Bild von dir auf meinem Schreibtisch stehen habe, ist es eigentlich unmöglich, dass sie es nicht weiß. Vielleicht ist es ihr aber auch egal. Vielleicht denkt sie aber auch, ich sei bi, oder was auch immer, oder dass das auf dem Foto mein Neffe ist, keine Ahnung. Vielleicht rafft sie es auch einfach nicht, und macht das alles eben total unbewusst und es ist alles gar nicht so gemeint – ich erinnere dich an ihr Käsegehirn.“

Ich lache kurz auf, besinne mich aber wieder schnell. „Hast du überhaupt schon mal mit ihr darüber gesprochen?“

„Also, als sie mich so intensiv am Arm berührt hat und sich dabei über meinen Schreibtisch gebeugt hat, habe ich ihr direkt gesagt, sie soll das bitte unterlassen, weil ich das als unangenehm und unangebracht empfinde.“

„Aber?“

„Aber ich weiß nicht, ob sie das wirklich kapiert hat. Sie hat mich angeschaut wie ein erschrockenes Reh, sich entschuldigt und ist dann mehr oder weniger aus meinem Büro gerannt. Deswegen überlege ich, noch einmal ein Gespräch in Ruhe zu suchen, nicht so zwischen Tür und Angel mitten im Büroalltag.“

Ich nicke. „Ist wahrscheinlich besser. Was sagt Henning überhaupt dazu?“

Christopher schweigt. Dann seufzt er. „Ich befürchte, der genießt diese Art von Aufmerksamkeit im Büro von einer jungen und gutaussehenden Kollegin schon ein bisschen…“

„Oh.“ Und plötzlich fällt mir Johannas Kommentar bezüglich des neuen Kollegen ein: Sie mag Henning nicht, und das könnte natürlich der Grund sein, auch wenn sie ihn mir gegenüber als herrschsüchtig beschrieben hat. Vielleicht war das ja nur eine vorgeschobene Aussage? Allerdings hat Johanna mir aber auch noch etwas Anderes gesagt, was mich jetzt, nach Christophers Aussage, etwas verwundert. „Johanna mag Jessica.“

Christopher schnaubt erneut. „Weil Jessica sich bei ihr einschleimt.“

„Mit Süßigkeiten?“

Mein Freund nickt. „Schokolade, Muffins, Kaffee. Das ganze Büro-Paket.“

Ich kann das schelmische Grinsen, das sich in mein Gesicht schleicht, nicht unterdrücken. „Und dir bringt sie Blaubeermuffins mit?“

Christopher seufzt und fährt sich mit beiden Händen durchs Gesicht. „Ja“, presst er dann heraus, „obwohl ich ihr gesagt habe, sie solle auch das lassen. Aber dann ist angeblich zufällig immer einer über, und den will sie ja nicht wegschmeißen und lässt ihn dann trotz meiner Proteste auf meinem Schreibtisch liegen.“

„O Mann…“, entgegne ich und kichere. „Und dann kannst du ja nicht anders, als ihn zu essen, hm?“

„Ich habe jetzt angefangen, ihn an andere Kollegen weiterzugeben. Auch wenn das weh tut…“, scherzt Christopher. „Wobei nach deinen Muffins stinken die vom Bäcker jetzt total ab…“

Ich lächel zufrieden. „Und Henning?“

„Der kriegt auch fast jeden Tag was. Und Hans auch.“

„Hast du denn schon mit Hans darüber gesprochen?“

„Noch nicht, aber ich habe ihn schon mal verdutzt auf einen Muffin in seiner Hand starren sehen.“

„Der könnte in der Tat von Jessica stammen…“

„Ja…“

„Ich muss mir echt nochmal Jessicas Unterlagen genauer ansehen, die waren aber eigentlich in Ordnung. Ich habe sie allerdings auch nur überflogen, weil ich Henning vertraue, aber irgendetwas könnte ich ja übersehen habe, aber dann fühlt Henning sich wahrscheinlich auf die Füße getreten.  Ich bin derzeit einfach nur ein wenig verwundert, dass er jahrelang mit jemandem wie Jessica ohne Probleme arbeiten konnte… Vielleicht herrschte bei denen in der Kanzlei ja aber auch ein ganz anderes, etwas unkonventionelleres Miteinander, oder sie verhält sich erst jetzt so, weil sie tatsächlich nervös ist, ach, keine Ahnung… Das ist alles ein wenig kompliziert.“

„Du wirst das schon hinkriegen“, ermutige ich ihn und er lächelt dabei etwas angestrengt.

Christopher zahlt und fragt mich, ob ich mir noch irgendein anderes Ziel für heute ausgesucht hätte. „Unser Sofa“, erwidere ich nur und er nickt zufrieden.

„Dein Wunsch ist mir Befehl“, sagt er, als wir zum Auto gehen. Und abermals spielt das imaginäre und antik anmutende Tonbandgerät in meinem Kopf seine gestrigen Worte ab.

Du ahnst ja gar nicht, was für eine Macht du über mich hast.

„Wann lerne ich Henning eigentlich kennen?“, frage ich meinen Freund, als wir bereits unterwegs sind.

„Bald. Wir wollten das eigentlich schon viel früher geschehen lassen, aber Henning war einfach zu gestresst und hat sich jeden Abend nach der Arbeit Wohnungen und Häuser ansehen müssen, und muss jetzt den Umzug finalisieren. Und mit Ehefrau und zwei kleinen Kindern, und dem jetzigen Haus 300 Kilometer entfernt, ist das keine einfache Angelegenheit“, erklärt Christopher. „Die machen das etappenweise. Ein paar Dinge hat er schon hergeholt und richtet schon mal alles nach und nach ein, während seine Frau, Kim, alles im alten Haus zusammenpackt.“

„Das klingt wirklich stressig“, pflichte ich bei, und führe mir vor Augen, wie unkompliziert mein Umzug im Gegensatz dazu eigentlich gewesen ist. Obschon dieses Event nicht weit zurückliegt, kommt es mir plötzlich vor, als würde ich schon Ewigkeiten in Christophers, in unserer, Wohnung leben. Ein schönes und zugleich auch leicht erschreckendes Gefühl.

„Ach ja!“, wirft Christopher plötzlich enthusiastisch ein. „Das habe ich voll vergessen, dir zu sagen: Der Termin für unser Sommerfest steht. Dann lernst du auf jeden Fall den ganzen Rest der neuen Belegschaft kennen. Auch Jessica.“

Die Kanzlei veranstaltet jeden Sommer eine Party für Mitarbeiter und deren Partner und Familien. „Und wo steigt die fette Party dieses Mal?“, ziehe ich meinen Freund auf – denn natürlich handelt es sich bei diesem Event um keine Megasause, bei der sich alle irgendwann total betrunken die Klamotten vom Leib reißen und abgehen wie Schmidts Katze. Es ist ein zivilisiertes Miteinander mit einer begrenzten Menge Alkohol, mal als Grillfest, mal als Restaurantausflug, mal als Tanzabend gestaltet. Und danach gehen vor allem die Azubis noch weiter zusammen feiern – und eskalieren in der Disco. Diesen Teil der Veranstaltung haben Christopher und ich jedoch noch nicht miterlebt, und dabei wird es wohl auch bleiben.

„Wir haben einen kleinen Minigolfplatz am See gemietet.“

Ich lache lauthals los und Christopher wirft mir einen verdutzten Blick zu. „Was?!“, beschwert er sich.

Minigolf? Ist das euer Ernst? Ist das ein Kindergartenausflug?“

„Naja, wenn du in Betracht ziehst, wie viele Mitarbeiter Kinder oder Nichten und Neffen haben, dann macht das schon ein wenig Sinn, eine Aktivität anzubieten, die generationsübergreifend ist“, erklärt er ruhig, aber schon etwas belehrend. „Und keine Sorge: Danach gibt es im schönen Ambiente direkt am Ufer ein tolles Buffet vom Caterer mit den verschiedensten Sorten Alkohol.“

„Na, dann bin ich ja beruhigt!“

„Du hast doch einfach nur Schiss, gegen mich zu verlieren“, neckt Christopher mich.

„Im Minigolf? Gegen dich?“, schnaube ich gespielte empört.

„Ganz genau.“ Er grinst überheblich.

Ich lache. „Wetten, ich zieh dich total ab?“

„Wetten, ich zieh dich ab?“

„Das werden wir sehen. Und zwar schon morgen“, entgegne ich grinsend.

„Achja?“, Christopher zieht amüsiert eine Braue in die Höhe.

„Du sagtest doch, ich bestimme, was wir am Wochenende machen. Also gehen wir morgen Minigolf spielen. Oder hast du jetzt plötzlich Schiss?“

Ich habe keinen Schiss und nehme deine Herausforderung an.“

„Gut. Um was wetten wir also?“

„Überrasch mich.“

Ich verschränke die Arme vor der Brust und denke nach. Meine mentalen Wege führen mich zu einer pikanten Idee, von der ich schnell überzeugt bin.

„Wenn ich gewinne, darf ich dich dabei filmen, wie du dir einen runterholst.“

„Was?“, japst Christopher und fängt an zu lachen.

„Natürlich würde ich nur deine Hand an deinem Schwanz filmen. Also, das Ganze so aufnehmen, dass man dein Gesicht dabei selbstverständlich nicht erkennen kann.“

„Ähm…“, macht mein Freund, seine Augen auf den Verkehr gerichtet. Er lacht immer noch leise, wirkt ein bisschen überrascht, ist aber offenkundig nicht total geschockt. Christopher denkt nach, und schenkt mir nach einer kurzen Weile einen erneuten Blick von der Seite, grinst, und willigt schließlich ein. „Deal. Und wenn ich gewinne?“

„Dann darfst du mich auf diese filmen und kannst dich dann jederzeit an meiner Masturbation auf deinem Smartphone ergötzen.“

„Also, wenn ich gewinne, möchte ich lieber, dass du mir eine Woche lang jeden Abend einen bläst, wenn du schon um schweinische Dinge wetten möchtest. Geht das auch?“ Christophers Vorschlag erinnert mich sehr an unsere Verhandlungen kurz nach unserem Zusammenzug, als er sich noch einen täglichen, morgendlichen Blowjob gewünscht hatte und dann nach einem Selbstversuch einsehen musste, dass dies eine sehr utopische Forderung war. Aber als Wetteinsatz, mit limitierter Zeit, und dann auch noch in die Abendstunden verlegt, finde ich das vollkommen in Ordnung – also willige auch ich ein.

„Deal.“

Zu Hause angekommen schlüpfen wir beide in unsere Hausklamotten, in Jogginghosen und T-Shirts, und das fühlt sich traumhaft an. Ich knipse den Fernseher an, nachdem Chris mir offenbart hat, dass er bereit wäre, eine Folge meiner Horrorserie mit mir zu schauen, die heute frisch rausgekommen ist, obwohl er die Teile davor gar nicht gesehen hat. Aber ihm reicht eine kurze Zusammenfassung von mir, die ich ihm gerne gebe, weil ich nämlich echt scharf auf die Fortsetzung bin.

Als mein Freund zu mir ins Wohnzimmer stößt, bin ich wieder einmal überrascht. Nicht nur von der Tatsache, dass ich ihn auch in diesem Hausoutfit attraktiv finde, sondern, dass er schon wieder etwas Schönes für mich getan hat. Christopher schleppt jede Menge Süßigkeiten an, fast alles meine Favoriten. Marsriegel, Kinderschokolade, Toffifee. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und Chris schiebt mir einen Kinderbonbon in meinen gierigen Schlund – der demnächst sicherlich auch nichts gegen den Schwanz von Herrn Lang hätte…

„Wollen wir?“, Christopher deutet auf den Fernseher und ich starte zunächst meine persönliche Rückblende und dann die aktuelle Folge der Show, die extrem gut ist, und am Ende natürlich wieder einen fiesen Cliffhanger hat. Christopher döst in meinen Armen fast komplett weg. Etwas verdattert setzt er sich auf und kratzt sich am Kopf, als ich den Fernseher bereits ausgeknipst habe.

„War wohl nicht so deins, was?“, hake ich sanft nach und er schüttelt leicht grinsend den Kopf.

„Hat es dir denn gefallen?“

„Die Folge war geil.“

„Na, das ist doch die Hauptsache“, meint er und schenkt mir ein Lächeln. Und wieder denke ich an diesen ganz besonderen Satz.

Du ahnst ja gar nicht, was für eine Macht du über mich hast.

„Christopher…“, setze ich an und mein Freund betrachtet mich.

„Hm?“, hakt er nach einer Weile nach, während der ich überlege, wie ich das Ganze geschickt in Worte verpacken kann. Am Ende entscheide ich mich für die direkte Methode.

„Was hast du gestern Abend gemeint, als du gesagt hast, dass ich… Macht über dich habe?“

Mein Freund braucht nicht wirklich lange, um eine Antwort darauf zu finden. „Na, aber das ist doch ganz logisch, Niko“, setzt er gelassen an. „Ich habe nur Macht über dich, weil du sie mir gibst. Und damit liegt die eigentliche Macht einzig und allein in deinen Händen…“

Christopher klingt, als würde er mir erklären, dass Äpfel auf Bäumen wachsen oder dass der Herd warm wird, wenn man ihn anstellt. Eine simple Angelegenheit, so offensichtlich, dass selbst ein Kind sie nicht hinterfragen würde – und dennoch bedeutet das alles so viel mehr, umfasst ein solch komplexes Konstrukt, dass mir von diesen einfachen Worten ganz schwummrig wird.

Natürlich verstehe ich, was er meint. Und dennoch habe ich es nie wirklich aus diesem Blickwinkel betrachtet.

„Ich sage dir zwar des Öfteren als Master, dass du mich zu nichts zwingen kannst, das ist aber nicht ganz richtig“, fährt Christopher ruhig fort und sucht abermals meinen Blick. „Ich bin es zwar, der die Befehle gibt und über dich verfügt, aber du bist derjenige, der die eigentlichen Zügel in der Hand hält: Ich mache nur das mit dir, was du mir erlaubst mit dir zu tun.“ Er macht eine kurze Pause. „Du bist derjenige, der die wahre Macht besitzt – mir leihst du sie nur.“

Christopher ergreift meine Hand und führt sie zu seinem Mund, haucht zarte Küsse auf meine Knöchel, und ich weiß in dem Moment plötzlich gar nicht mehr, wie ich mit all dieser Zärtlichkeit, dieser Liebe für mich, die dieser Mann ausstrahlt, umgehen soll, und entscheide mich wahrscheinlich deshalb, den Augenblick mit einem frechen Witz aufzulockern.

„Also bist du quasi mein Sklave?“, ziehe ich ihn auf.

Christopher grinst zwar, aber seine Antwort ist kein humoristischer Konter. „Also… Im Grunde genommen… Kann man das so sagen. Ja“, sagt er nämlich und schaut mir dabei tief in die Augen, lächelt. „Wenn du nein sagst, verpufft all meine vermeintliche Macht über dich, und das Zepter in meinen Händen wandert zurück zu seinem Besitzer: Dir.“

Und ich brauche einige Momente, um das zu verarbeiten.

„…krass…“, ist am Ende alles, was ich dazu herausbringen kann, während Christopher sich zu mir beugt und seine Lippen leicht auf meine drückt.

„Ich würde alles für dich tun, Niko“, wispert er dann rau gegen meinen Mund, um ihn kurzerhand wieder mit seinem zu verschließen – und ich schwöre, mein ganzer Leib zittert dabei. „Ich liebe dich“, säuselt er nun und küsst mich ein weiteres Mal, während seine Finger dabei zärtlich in mein Haar fahren und seine andere Hand über meinen Rücken streichelt. Ich erwidere die Umarmung und klammere mich regelrecht an den blonden Mann, der mich mal wieder mit seinen Aktionen und Worten durcheinanderbringt – und ich genieße jeden Moment davon.

„Ich liebe dich auch. Sehr“, beteure ich, als wir uns auf dem Sofa einfach nur festhalten und die Nähe des anderen genießen.

Wir reden nicht mehr. Nicht über heute, nicht über gestern, nicht über das, was die Tage davor geschehen ist. Wir schweigen, aber es ist keine unangenehme Stille, kein Versuch, einem Gespräch aus dem Weg zu gehen. Es ist einfach nur ein Moment der gemeinsamen Ruhe – und er ist wunderschön.

Als wir im Bett liegen, denke ich über die Worte meines Partners, meines Masters, nach. Chris hat wahrscheinlich mal wieder recht: Selbst wenn er es ist, der uns die meiste Zeit in neue Gewässer bringt, und neue Spielarten, neue Regeln einführt – wenn ich nicht mein Okay dazu gebe, ihn dies nicht durchführen lasse, greift absolut nichts davon.

Sich das noch einmal vor Augen zu führen ist irgendwie abgefahren.

Diese Nacht schlafe ich erneut wunderbar, ohne auch nur ein einziges Mal aufzuwachen, und bin am kommenden Morgen erholt. Dieses Mal ist es Christopher, der den Tisch gedeckt und sogar frische Brötchen vom Bäcker geholt hat. Sogar meine heißgeliebte Nutella steht auf dem Tisch. Im Ganzen ist es ist ein schöner, fauler Samstagmorgen. Christopher liest auf dem Sofa irgendwelche Artikel auf seinem Tablet, und ich mache mich direkt an seiner Seite schlau, was für Horrorfilme demnächst rauskommen werden, und welchen Minigolfplatz wir nachher am besten ansteuern sollten. Doch irgendwann kommt der ruhige Tagesbeginn zu einem Ende.

Mein Freund legt sein mobiles Gerät beiseite und sieht mich an. „Ist was?“, hake ich nach, von meinem Smartphone aufblickend. Der Gesichtsausdruck meines Freundes ist irgendwie ernst, auch wenn er mich leicht anlächelt, und es folgt das, was ich im Grunde genommen schon seit gestern irgendwo erwartet habe: ein Gespräch über unsere momentane Situation.

„War der Abend bei Kilian eigentlich für dich in Ordnung?“, möchte Christopher von mir wissen und ich lege mein Handy nun ebenfalls komplett beiseite und setze mich auf, um ihm besser ins Gesicht blicken zu können.

Es ist das erste Mal seit einer ganzen Weile, dass ich der ernsthaften Konversation mit Christopher nicht entfliehen will, sondern den Umstand ihrer sogar begrüße. „Ja, absolut“, antworte ich, signalisierend, dass das noch nicht alles war, was ich dazu zu sagen habe, ich allerdings noch einige Sekunden brauche, um meine Gedanken zu ordnen. Augenblicke, die mein Freund mir schweigend und mich aufmuntern anlächelnd gewährt. Und dann rücke ich mit der ganzen, mir zur Verfügung stehenden Sprache raus, und mache Christopher unmissverständlich klar, dass ich dankbar dafür bin, dass er mir beziehungsweise uns einen Riegel vorgeschoben hat.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass beim Spanking eines deiner Horrorszenarien eingetreten wäre“, lautet mein aufrichtiges Fazit nach meiner kurzen Erzählung, und ich muss mich bei diesem Gedankengang sogar etwas schütteln, weil die Vorstellung mir wirklich unangenehm ist. „Ich kann mir wirklich nicht erklären, wie dieser Wunsch überhaupt zustande gekommen ist. Echt nicht. Und es tut mir leid, dass ich das von dir verlangt habe.“ Christopher hat seine Hand während meines Monologs auf meinem Oberschenkel platziert und intensiviert den Druck seiner Finger, als ich ihm bei meiner Entschuldigung in die Augen schaue.

„Eigentlich muss ich mich bei dir entschuldigen“, meint er denn plötzlich und holt tief Luft. Seine Hand verlässt meinen Körper wieder, und ich muss zugeben, dass mir das im ersten Moment etwas Sorgen bereitet. „Ich kann dir ja ganz genau sagen, was zu der Äußerung dieses vermeintlichen Wunsches geführt hat: Diese härtere Schiene, die ich mit dir gefahren bin. Und ich muss jetzt, im Nachhinein, sagen, dass ich damit einen großen Fehler begangen habe.“ Er schweigt eine Weile, schaut dabei den Boden an, fokussiert mich aber wieder, ehe er weiterspricht, seine Stimme ernst und sein Blick reumütig. „Ich hätte viel eher merken müssen, dass dieses extreme Spiel dir gar nicht wirklich hilft, mit deinen Problemen klarzukommen, sondern eher dazu führt, dass du immer verzweifelter versuchst, vor ihnen wegzulaufen. Dass du nach vorne preschst, und dich darin… naja… verlierst. Im Idealfall hätte ich diese härtere Gangart so gar nicht erst anfangen dürfen. Ich war schwach und… Ich hab irgendwann auch nicht mehr wirklich als dein Partner gedacht, sondern eher… mit meinem Schwanz, wenn man so will, und hab diese ganzen ungeklärten Dinge zwischen uns auch ab und zu komplett aus den Augen verloren.“

Wieder hält er einen Moment inne und streicht sich unsicher durchs Haar, den Wohnzimmertisch anstarrend. Doch abermals lässt er seinen Blick wieder in mein Gesicht wandern, bevor er fortfährt. „Ich habe den Bogen komplett überspannt und meine ganzen Fantasien einfach zur falschen Menge und vor allem zur falschen Zeit ausgelebt und uns beiden keine Grenze gesetzt – doch genau das wäre mein Job als Master gewesen, weil du das in diesem Moment einfach nicht mehr konntest. Und deswegen... Deswegen fühle ich mich echt schäbig“, gibt er zu und lächelt mich traurig an. „Ich wollte dir helfen, aber… Das war der falsche Weg. Ich war verantwortungslos, und das tut mir leid. Ich muss echt noch einmal in mich gehen, und das verarbeiten, damit ich solch einen Fehler nicht noch einmal in Zukunft mache.“

Jetzt ergibt unser jetziges Agieren als reines Liebespaar noch mehr Sinn, denke ich mir, während ich Christopher betrachte, dessen Gesichtsausdruck einfach nur als zerbrechlich beschrieben werden kann. Ich seufze und lege dann meine Hand auf seinen Oberschenkel, schenke ihm ein Lächeln. „Ich will nicht abstreiten, dass das, was du da sagst, falsch ist. Auch wenn ich dazu stehe, dass ich das total geil gefunden und jede deiner Bestrafungen genossen habe, hast du wahrscheinlich recht, dass der Zeitpunkt oder von mir aus auch Hintergrund oder die Initiation, oder wie auch immer, nicht die richtige war. Okay: Das sehe ich jetzt auch ein, und Halleluja, dass ich langsam wieder klar denken kann,“ sage ich glucksend und Christopher legt seine Hand auf meine und streichelt mich ganz leicht. „Aber jetzt mal ganz ehrlich: Denkst du wirklich, es hätte in dem Moment echt was gebracht, wenn du mir das verwehrt hättest? Denkst du, ich hätte das wirklich so hingenommen? Ich wollte, dass du mich erstmal nur rein als Master behandelst – das wollte ich die ganze Zeit – und ich wäre wahrscheinlich ausgetickt, wenn du dich quergestellt hättest. Wir sind beide schuld, okay?“

„Aber…“, will er protestieren, aber ich unterbreche ihn.

„…du hast den Schaden im letzten Moment verhindert, okay?“

Christopher seufzt und drückt meine Hand. „Trotzdem ist das nicht in Ordnung.“

„Dann sehen wir beide einfach zu, dass das in Zukunft nicht passiert“, sage ich mild und lächele.

Ein weiteres Seufzen entweicht seinem hübschen Mund. Er schweigt einen Moment lang, ehe er mir wie so oft tief in die Augen sieht. „Ist es denn immer noch wirklich so schlimm für dich, dass ich unordentlich bin?“, fragt er dann plötzlich mit schwacher Stimme nach, und meine Brust zieht sich dabei kurz schmerzhaft zusammen.

„Ich bin vielleicht noch nicht hundertprozentig darüber hinweg“, gebe ich vorsichtig zu, und verschränke dabei unsere Finger miteinander, weil ich ihm mit diesem Körperkontakt deutlich machen will, dass ich mich deswegen nicht von ihm distanzieren will, und dass ich auch darüber sprechen möchte und mich damit auseinandergesetzt habe. „Aber ich habe nach dieser Fast-Katastrophe bei Kilian, und durch dein Auftreten außerhalb deiner Position als Master in den letzten Tagen, kapiert, dass es Schwachsinn ist – weil eben auch, sagen wir mal, ‚schwache‘ Seiten zu dir gehören, oder negative. Wie auch immer: Du bist nicht nur mein Bilderbuchmaster, sondern vor allem mein Freund, wie du es selbst so oft sagst. Und jeder Mensch hat irgendwelche Laster. Ich weiß das eigentlich. Aber irgendwie hatte ich das in meinem Wahn total aus den Augen verloren, und mich zu sehr reingesteigert. Wahrscheinlich hat das die Sache mit den Putzsklaven und, naja, Adrian irgendwie befeuert. Das war dumm. Es tut mir leid.“

Christopher hält inne, und dann plötzlich zieht er seine Hand zurück und steht auf. „Chris?“, hake ich etwas besorgt nach, aber mein Freund sagt nichts, geht hinüber zu einer der Kommoden und kommt mit seinem Handy wieder, auf dem er irgendetwas anstellt und es mir dann in die Hand drückt. Als mein Blick auf das aktivierte Display fällt, bin ich gelinde gesagt etwas überrascht und verwirrt. Es ist der geöffnete Chatverlauf mit Adrian. Der, den ich mir zum Teil schon im Heimlichen angesehen hatte, an dem Abend, der mit dem kaputten Bildschirm geendet ist. Ich schlucke.

„Wenn du möchtest, kannst du dir jetzt den kompletten Nachrichtenverlauf durchlesen. Wenn… Wenn es dir irgendwie hilft. Ich kann dir auch die E-Mails zeigen, die Adrian und ich uns manchmal schreiben“, erklärt er mit mir milder Stimme und lächelt, als ich ihn ziemlich verblüfft anstarre.

„…ich dachte, deine private Korrespondenz sei für mich tabu?“

Christopher seufzt und streicht mir dann wieder einmal so wunderbar zärtlich durchs Haar. „Nur, wenn du es hinter meinem Rücken machst, Niko“, wiederholt er.

Ich schlucke erneut und starre das Handy in meiner Hand an. „Sicher, dass ich das tun soll?“, hake ich etwas nervös nach, weil ich ehrlich gesagt nicht so wirklich weiß, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite bin ich unfassbar dankbar und erleichtert, dass Christopher mir hier all diese privaten Nachrichten offenbaren will, weil es mir verdeutlicht, dass er wirklich nichts zu verbergen hat; auf der anderen Seite fühle ich mich schäbig, weil ich ihm durch diese Aktion erneut zeigen würde, dass ein Teil von mir ihm diesbezüglich dennoch nicht vertraut und ich es nötig habe, seine Aussagen zu überprüfen und mir selbst vor Augen zu führen, dass da tatsächlich nichts ist zwischen ihm und Adrian. „Was ist mit Adrians… privaten Angelegenheiten? Hast du ihn gefragt, ob es in Ordnung ist, dass ich das hier lese?“ Ich erinnere mich an Christophers kleinen moralischen Vortrag über die Wichtigkeit der Privatsphäre, die ich ja einfach so infiltriert hatte – und ich hoffe, dass seine Antwort verneinend ausfallen wird. Denn falls er mit Adrian darüber gesprochen hat, dann weiß dieser Wichser, dass ich eifersüchtig bin und mehr über ihn sowie sein Verhältnis zu Christopher erfahren will. Und das würde mir ja so gar nicht in den Kram passen…

Christopher seufzt – und ich ahne Schlimmes. „Ich habe nicht mit Adrian darüber gesprochen“, gibt er dann zu, und mir fällt ein Stein vom Herzen. „Die wirklich persönlichen Dinge besprechen er und ich ja eh am Telefon, und ich bin jetzt mal ganz ehrlich: Auch, wenn das vielleicht nicht wirklich in Ordnung und korrekt von mir ist – mir ist dein Wohlbefinden jetzt einfach mal wichtiger als Adrian. Scheiß auf Adrian. Wenn dir das hier hilft… dann bin einfach nur froh.“

Es sind diese Sätze, der mich das Handy bestimmt weglegen lassen.

Vielleicht werde ich es später bereuen, dass ich diese „legale“ Möglichkeit nicht genutzt habe, dem Italo-Fucker hinterher zu spionieren – aber sei’s drum. Christopher wirft hier gerade seine eigenen Prinzipien über Bord, nur damit es mir besser geht.

Scheiß auf Adrian.

Mein Freund blickt mich etwas verdutzt an, als ich das Mobiltelefon auf den Tisch lege und in seine Richtung schiebe. Ich lächel und lasse ihn gar nicht zu Wort kommen, umfasse sein Gesicht mit beiden meiner Hände und ziehe ihn zu mir herunter, dränge meine Lippen auf die seinigen und spüre, wie er in den Kuss hineinlächelt. Seine Hand findet ihren Weg wieder zu meinem Oberschenkel zurück, und als ich meine Augen nach dem Beenden unseres keuschen Mundkontakts wieder öffne, blicke ich in verträumte blaue Augen.

„Scheiß auf Adrian“, wiederhole ich Christophers Worte ruhig und er erwidert das mit einem Lächeln.

„Eine Sache will ich dir aber zeigen“, meint er dann plötzlich und greift wieder nach dem Handy. Ich betrachte ihn dabei, wie er vor meinen Augen den Chatverlauf wieder aufruft und dann die zwischen den beiden Männern geteilten medialen Inhalte anwählt. Er hält mir das Handy jetzt direkt vor die Nase und scrollt langsam herunter – und ich begreife, was er mir damit demonstrieren will. Neben ein paar Selfies – darunter auch dieses dumme Bild mit der vermeintlich tollen neuen Frisur des Italieners – erblicke ich mehrere Fotos von mir, sowie Bilder, die uns als Pärchen zeigen. Ja, Christopher zeigt mir gerade, wie oft er seinem Verflossenen Eindrücke unserer Beziehung schickt, mit mir, mit uns, quasi angibt. „Adrian weiß, dass du die Liebe meines Lebens bist“, erklärt Christopher dann auch noch mit so einer zuckersüßen Stimme, die mich total aus dem Konzept bringt, und meinen Puls beschleunigt, mir Röte ins Gesicht zaubert sowie ein total dämliches Lächeln ins Gesicht pinselt.

Die Liebe seines Lebens.

In diesem Moment sind diese Worte ein bisschen überwältigend für mich, und ich weiß nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Ich kuschel mich an Christopher, der beschützend seine Arme um mich legt und mir einen Kuss auf meine Stirn haucht. Und wieder sitzen wir einfach so schweigend da und genießen die Nähe des Anderen.

„Möchtest du denn jetzt noch mehr über Adrian erfahren?“, bricht mein Freund irgendwann diese Stille, und seine Finger streichen dabei bedächtig über meinen Rücken.

Ich denke kurz darüber nach. „Nein“, entscheide ich dann. „Ich meine… Diese lange Version… Das wären doch jetzt eh nur noch Details des Ganzen, oder?“ Ich denke an Christophers bereits geteilten Berichte über seinen Ex zurück. Wie sie sich so früh kennengelernt haben, zusammengezogen sind, Chris BDSM kennengelernt hat und letztendlich die Beziehung an diesen Bedürfnissen zerbrochen ist.

„…es wären Details, ja“, bestätigt mein Freund leise, und ich spüre seinen Atem an meiner Haut.

„Scheiß auf Details“, bestimme ich dann. Denn jetzt mal ehrlich: Was bringen mir diese Einzelheiten ihrer Geschichte, außer Bilder in meinem Kopf, mit denen ich mich eh nur quälen würde? Ich will doch im Grunde genommen gar nicht wissen, wann die beiden sich das erste Mal geküsst haben, was sie gemeinsam unternommen haben in ihrer Freizeit, wie sie Sex hatten, wie sie das erste Mal BDSM praktiziert oder worüber sie sich als Paar gestritten haben – ich will mir das echt nicht vorstellen. Und das hat nichts mit Weglaufe und Verdrängen zu tun. Niemand denkt doch gern an den eigenen Partner in den Händen eines anderen Menschen, oder? Vor allem, wenn dieser andere Mensch immer noch irgendwie involviert ist in das Leben des eigenen Freundes… Wäre Adrian das nicht,
sähe das Ganze vielleicht auch für mich anders aus. Aber die Realität kann ich ja nun mal nicht ändern.

„…okay“, haucht Christopher und drückt mir einen weiteren Kuss auf die Stirn.

„Aber“, meine ich dann und löse mich aus Christophers Umarmung, um meinem Freund dabei in die Augen zu sehen, „es, ähm… Könntest du mir auf der nächsten Party im Club, oder wenn wir in der Gerte sind und… einer deiner ehemaligen Putzsklaven da sein sollte… Könntest du mir einfach nur zeigen, wer das ist? Ich will die nicht kennenlernen, ich will einfach nur wissen, um wen es sich handelt, weil ich nämlich nicht unbedingt Bock habe, aus Versehen mal mit einem davon Smalltalk oder so auf ner Feier zu betreiben. Verstehst du?“

Christopher nickt bedächtig. „Okay. Ich… Ich hätte wahrscheinlich auch keine Lust, mit einer deiner… Bettgeschichten oder so zu sprechen. Aber ich sag’s noch einmal: Ich habe mit keinem der Männer geschlafen!“

„Ich weiß“, beruhige ich ihn und schenke meinem Freund ein warmes Lächeln. „Trotzdem will ich wissen, wen ich, naja, vermeiden soll.“

„Ja. Okay. Natürlich.“

Wir schweigen eine Weile und ich kann sehen, dass Christophers Hirn, so wie meines, auf Hochtouren arbeitet. Ich bin es, der es schafft, als erster die Konversation weiterzuführen. „Gibt es… Gibt es sonst noch irgendetwas aus deiner Vergangenheit, dass mich, naja, aus der Bahn werfen könnte, wie eben diese Putzsklaven und Sauberkeitsgeschichte…? Irgendetwas, von dem du mir noch nichts erzählt hast? Wenn ja, würde ich das glaube ich gut finden, wenn du es mir jetzt sagst. Ich bin gerade endlich mal wieder total entspannt und… Naja, es passt halt gerade“, eröffne ich ihm mein Anliegen, und Christopher mustert mich genau, presst die Lippen kurz aufeinander, scheint nachzudenken.

„Hm“, macht er dann nach einer ganzen Weile und rückt dann mit der Sprache heraus. „Ich habe mich im besoffenen Kopf mal fast dazu überreden lassen, Martin vor den Augen von Holger zu dominieren, aber… als wir es dann nur mit Ach und Krach in deren Spielzimmer geschafft haben, haben wir plötzlich festgestellt, dass wir zum einen viel zu besoffen sind, um zu spielen, und zum anderen, dass das eigentlich keiner von uns dreien wirklich will. Es war uns plötzlich allen total befremdlich, und am Ende waren wir heilfroh darüber, dass wir es nicht durchgezogen haben. Das hätte unsere Freundschaft wahrscheinlich auf die eine oder andere Weise belastet...“

Ich brauche einige Momente, um Christophers Worte sacken zu lassen, und mein Freund schaut mich etwas beunruhigt an. „Niko…“, spricht er mit etwas zittriger Stimme auf mich ein. „Das… Das soll jetzt nicht heißen, dass ich Martin als Sub irgendwie attraktiv finde, okay? Das ist echt schon einige Jahre her und, wie gesagt: Wir waren total betrunken, und ich hatte mich den ganzen Abend bei den beiden ausgekotzt, dass ich Single bin und einfach keinen passenden Sklaven finde, ich hatte schon lang nicht mehr gespielt, und die beiden hatten da schon länger mal überlegt, ob sie noch jemand Drittes dazu holen, und… Ach, keine Ahnung! Das war einfach nur total dämlich.“

Zugegeben: Mich stört der Gedanke daran, dass mein Master ausgerechnet mit Martin, mit dem ich mich sehr gut verstehe, fast gespielt hätte. Aber das ist der Knackpunkt: Es ist ja nicht dazu gekommen – sondern eben nur fast. Ich lasse die angestaute Luft aus meinen Lungen und schenke Christopher ein leichtes Lächeln.

Nein, wirklich aus der Bahn wirft mich diese kleine Beichte nicht. Dennoch bin ich froh, dass er es mir in diesem Rahmen gesagt hat, und ich das nicht zufällig, und dann vielleicht auch im besoffenen Kopf, von Martin erzählt bekommen habe. Wer weiß, wie ich dann reagiert hätte?

Ich lege meine Hand auf Christophers Knie und drücke einmal beruhigend zu. „Jetzt hast du ja deinen passenden Sklaven“, sage ich.

„Ja, das habe ich“, murmelt er daraufhin zustimmend und scheint extrem erleichtert zu sein.

Und ich muss nun doch etwas über diese Episode lachen, weil ich mir gerade vorstelle, wie die drei sturzbesoffen versuchen, diese mörderische Kellertreppe hinabzugehen. Ich teile das meinem Freund mit und dieser sagt, dass sie sich dabei auch fast auf die Fresse gelegt hätten…

„… hast du sonst noch irgendetwas?“, hake ich nach einer Weile nach, und Christopher zögert.

„Ich…“, setzt er dann an, und ich kann beobachten, wie seine Lippen beginnen, ein dämliches Grinsen zu formen. „Ich hab mal mit nem Mädchen rumgeknutscht.“

Was?

Ich bin tatsächlich ein wenig überrascht, weil Christopher sich immer als einhundert Prozent stockschwul bezeichnet und mir eigentlich erzählt hatte, dass er es schon immer wusste. „Wann?“
 
„Als ich dreizehn war“, antwortet er. „Ja, dreizehn. Meine Eltern hatten mich dazu gezwungen, zu der Geburtstagsparty von der Tochter seines Kanzleipartners zu gehen, ich spreche von Hans, und am Ende waren Annalena und ich allein, weil alle anderen schon von ihren Müttern und Vätern abgeholt worden waren. Nur meine Herrschaften ließen auf sich warten. Dann hat Annalena sich plötzlich auf meinen Schoß gesetzt und mich, naja, abgeschlabbert…“

„Heilige Scheiße!“, rufe ich aus. „Annalena hat dich abgeschlabbert?!“, wiederhole ich lachend. „Alter, Hans‘ Tochter hat dich abgeschlabbert?!“ Ich kenne Hans ja, und auch Annalena. Nicht gut, aber ich bin ihr schon ein paar Mal in der Kanzlei, und auch bei einem der Sommerfeste begegnet. Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter, ihr Mann ist das Gegenteil von Christopher, aber ein sympathischer Kerl – und auch Annalena ist sehr nett.

„Ja“, bestätigt Christopher ebenfalls lachend. „Es war grausam, und für mich eine weitere Bestätigung, dass ich wirklich nur auf Jungs stehe.“

„Hast du ihr das gesagt?“

„Nein, nicht wirklich… Es war mir alles sehr unangenehm, vor allem als sie mir so ungekonnt ihre Zunge in den Hals gesteckt hat und ich danach wohl sehr angewidert geguckt haben soll…“ Ich muss bei dieser Vorstellung kichern. „Sie hat mich dann gefragt, ob ich mit ihr gehen will…“

„Und du Casanova hast ihr dann das Herz gebrochen…“

Christopher nickt und grinst dabei etwas peinlich berührt. „Ich habe einfach nein gesagt, hab sie von meinem Schoß geschoben, und bin dann rausgegangen, um an der Straße auf meine Eltern zu warten. Sie, ähm, soll danach wohl tagelang geweint haben.“

„O nein, die Arme!“ Annalena tut mir tatsächlich ein bisschen leid, auch wenn das Ganze natürlich auch irgendwie echt ulkig ist.

„Sie hat mich dann ein paar Jahre lang ignoriert. Zu ihrem 18. Geburtstag war ich dann mit meinen Eltern zum Essen eingeladen, dort war sie dann gezwungen, sich wieder mit mir zu unterhalten. Dann habe ich es ihr auch offenbart, als wir einen Moment allein hatten. Sie war ganz überrascht, aber auch irgendwie total erleichtert – weil ihr dann wohl klar wurde, dass es damals nicht an ihr persönlich gelegen hatte, sondern einfach an der Tatsache, dass sie keinen Schwanz hat.“

Ich lache. „O Mann… Ist das nicht etwas seltsam für dich, jetzt mit Hans zu arbeiten, und sie ab und an zu sehen?“

Christopher zuckt mit den Schultern. „Nein, eigentlich nicht. Wir waren ja Kinder damals, das ist so unbedeutend, mittlerweile sogar einfach nur noch lustig. Sieht auch Annalena so.“ Dem stimme sogar ich voll und ganz zu.

„O Mann…“, wiederhole ich und schüttele den Kopf belustigt.

Dann legt sich wieder eine gewisse Stille um uns, bis Christopher mir dann mit milder Stimme mitteilt: „Mehr habe ich wohl nicht, Niko.“

„Okay.“

„…hast du denn irgendetwas, was mich… schockieren könnte?“, fragt er mich plötzlich und ich stocke, weil ich nicht mit einer Gegenfrage gerechnet habe.

„Hm“, mache ich, und denke angestrengt nach. Was könnte Herrn Lang bitte schon schockieren? Ich habe weder etwas Verwerfliches noch Amüsantes vorzuweisen. Ich meine damit: Christopher kennt eigentlich schon alle meiner Geschichten, weiß, dass ich beispielsweise Marcel wie ein benutztes Taschentuch nach unserer Begegnung im Park weggeworfen habe, dass ich vor ihm keine wirklich ernsthaften Beziehungen geführt hatte, kennt mittlerweile meine ganze Familiensaga, und so etwas wie Putzsklaven oder einen Adrian hatte ich nie. Zudem habe ich ihm auch keine meiner Eigenschaften verschwiegen oder mich in der Zeit unserer Beziehung irgendwie… verstellt. Eine Sache fällt mir dann aber doch ein, und ich muss grinsen, als ich ihm wieder in die Augen blicke. „Ich habe irgendwann mal eine Quiche gegessen, in der Brokkoli war – und habe es nicht gemerkt.“

Christopher lacht. „Das ist… eine furchtbare Geschichte. Ich bin zutiefst erschüttert“, scherzt er dann und drückt mir dann einen Kuss auf die Wange.

Wir lachen beide, kuscheln, küssen uns – und ich genieße diese entspannten Momente mit meinem Freund auf der Couch.

„Hey…“, meine ich dann, mein Blick auf die Uhr fallend. „Wollen wir langsam los zum Minigolf, oder möchtest du jetzt noch was besprechen?“

Mein Freund grinst. „Genug geredet für heute“, bestimmt er dann, „jetzt will dich auf dem Feld fertigmachen.“

„Das werden wir ja noch sehen, alter Mann…“, ziehe ich ihn auf, und wenige Minuten später verlassen wir gemeinsam die Wohnung.

Es ist ein wunderschöner, sonniger Tag, der einen Paradesommer in Aussicht stellt. Es ist heute tatsächlich so warm, dass ich meinen Pullover loswerde, noch bevor wir überhaupt angefangen zu spielen. Ich habe mir einen Platz mitten in einem der größten Parks der Stadt ausgesucht, und so haken wir gleich auch noch einen Spaziergang ab, inklusive Eisessen, ehe wir die Anlage überhaupt betreten.

Zugegeben: Nicht nur wir haben an diesem Tag diese bekloppte Idee, Minigolf zu spielen. Allerdings sind wir die einzigen, die hier ohne kindliche Begleitung aufgetaucht sind – aber das ist mir tatsächlich total egal, und Christopher scheint das auch an seinem Knackarsch vorbeizugehen. Herr Lang führt sich wahrscheinlich seine möglichen täglichen Sieges-Blowjobs vor Augen und ist hochmotiviert sowie konzentriert… Ich muss bei diesem Gedankengang unweigerlich grinsen, und just bevor wir unseren Wettkampf beginnen, kommt eine größere Gruppe junger Männer mit dämlichen T-Shirts und Superhelden-Capes jauchzend an der kleinen Bude mit der Kasse an – ein Junggesellenabschied. Jetzt kann ich mir jedenfalls zu hundert Prozent sicher sein, dass die Familien wohl eher die Truppe betrunkener Typen um die 30 anstarren werden als Christopher und mich.

„Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Minigolf gespielt habe“, merkt mein Freund an, ehe er zu seinem ersten Schlag ansetzt. Und dieser sitzt. Überhaupt legt Christopher gut vor, obwohl er ja so lange nicht mehr gespielt hat, und befördert den kleinen Ball mit sehr wenigen Schlägen ins Loch, und nach fünf Bahnen liege ich weit hinten. Christopher grinst überlegen und ich verdrehe die Augen.

Die Selbstsicherheit verlässt meinen Freund allerdings nach Bahn Nummer zehn. Je komplizierter die Bahnen werden, desto ungeschickter stellt er sich nämlich an, während ich auf wundersame Art und Weise durch die Hindernisse zu Höchstformen auflaufe und immer besser werde.

Irgendwann schwitzt Christopher richtig – was vermutlich auch ein bisschen an der Sonne liegt, aber sicherlich vor allem daran, dass ich ihm Konkurrenz mache. An der allerletzten Bahn befördert sich Chris sich dann auch noch selbst ins Aus: Auch nach dem sechsten Schlag hat er den Ball nicht ins Ziel befördert, und ich zitiere höhnisch aus dem Regelwerk, dass er verkackt hat.

„Leck mich doch!“, schimpft er grinsend, und ich muss kichern.

„Wohl eher nicht…“, entgegne ich, ihn anfunkelnd – und er versteht, was ich ihm damit sagen will: Seine Blowjobs kann er vergessen. Und so ist es dann auch: Ich triumphiere und Christopher fährt sich mit beiden Händen frustriert durch sein Haar.

„Scheiße“, murmelt er und lacht.

„Ich hab dich sowas von abgezogen“, ziehe ich ihn auf – und kann meinen Preis kaum erwarten.

„O Mann…“

Wir geben die Schläger ab und schlendern durch den Park zurück zum Auto, unterhalten uns über die laute Junggesellentruppe, deren Teilnehmer sich gepiesackt und gegenseitig laut ausgelacht haben, über das letzte Mal, das Chris Minigolf gespielt hat mit Marie und Emilie vor mehreren Jahren, über unser Lieblingseis aus Kindertagen – Christopher liebt Schokolade, ich Vanille – und über den nahenden Sommer und unseren Urlaub in Schweden, den ich kaum erwarten kann. Wir haben ein Haus am See gemietet mit Ruderboot und schönem Steg mitten in einem herrlichen Waldgebiet im Süden des Landes. Dann kann ich mich von der Uni erholen und auf mein Praktikum vorbereiten. Doch daran, und die bescheuerte Stegna GmbH, will ich noch gar nicht denken.

Wir gehen in der Innenstadt Essen, Chris kauft mir ein paar neue T-Shirts und wir holen unverhofft noch ein paar neue Auflagen für unsere Balkonstühle, gehen noch in den Supermarkt – im Grunde genommen erledigen wir 0815-Alltags-Pärchenkrams, langweiliger Mist. Aber ich genieße jede einzelne Sekunde davon.

Zu Hause machen wir es uns mit kühlem Bier und einer Schale Chips auf dem Balkon gemütlich, testen die neuen Auflagen, hören Musik und unterhalten uns ein bisschen über Dinge, die ich später sicherlich gar nicht mehr zusammenkriege, weil sie so unbedeutend sind. Aber auch das genieße ich. Und dann irgendwann wird es uns doch etwas zu kalt an der frischen Luft und wir ziehen um aufs Sofa. Christopher holt neues Bier aus dem Kühlschrank und wir stoßen ein weiteres Mal an. Und dann… Dann greife ich nach meinem Smartphone und wedele damit mit einem breiten Grinsen auf meinen Lippen praktisch vor Christophers Gesicht herum.

„Du hast noch Wettschulden zu begleichen…“, erinnere ich ihn im neckenden Ton und mein Freund nimmt einen kräftigen Schluck Bier zu sich und seufzt, grinst dabei aber leicht.

„Wie war das? Wettschulden sind Ehrenschulden…“, murmelt er belustigt und stellt seine Flasche auf dem Tisch ab. „Okay, Niko“, richtet er dann das Wort wieder an mich und blickt mir in die Augen. „Wie willst du mich? Einfach nur Hose auf, Schwanz raus, untenrum komplett frei – oder ganz nackt?“

„…ganz nackt“, entscheide ich, meine Stimme heiser und ich muss mich räuspern, weil meine Geilheit plötzlich quasi von null auf hundert springt, als ich ihn dabei betrachte, wie er aufsteht und sich das Shirt über den Kopf zieht und dann seine Jeans aufknüpft und sie direkt zusammen mit seinen engen Boxershorts abstreift. Mein Blick bleibt an seinem semi-harten Geschlecht hängen, während Christopher aus der Hose steigt und dann auch noch seine Socken loswird, um seine langen Beine dann galant aufs Sofa zu befördern. So, dass ich problemlos zwischen seine Schenkel rutsche.

Er lehnt sich zurück, sein Rücken trifft auf die unzähligen Kissen und das Polster und seine rechte Hand wandert bedächtig zu seinem Schwanz, sein Blick zu meinem Gesicht. Ich blicke in betörend blaue Schlafzimmeraugen und muss schlucken: Christopher sieht unheimlich heiß aus, wie er da so splitterfasernackt mit gespreizten Beinen vor mir liegt. „Hast du irgendwelche Regieanweisungen für mich?“, haucht er grinsend, während er schon ganz leicht anfängt, sein eigenes Geschlecht zu streicheln, und ich greife direkt zum Smartphone, aktiviere die Kamera, lecke mir über die trockenen Lippen, richte das Gerät auf Christophers Gerät und drücke den Aufnahmeknopf.

„…hol dir einfach einen runter und spritz ab“, instruiere ich ihn mit kehliger Stimme. Und wieder erkling dieser Satz in meinem Innern.

Du ahnst ja gar nicht, was für eine Macht du über mich hast.

„Okay“, haucht mein Freund, und seine Finger umfassen sein eigenes, mittlerweile fast komplett hartes Fleisch nun fester.

Ich schlucke, als ich auf dem kleinen Bildschirm beobachte, wie mein Freund beginnt, sich selbst zu reiben, und die feinen Lusttröpfchen, die sich an der Spitze seiner Männlichkeit gesammelt haben, über die gesamte Länge seines Schwanzes mit seinen Bewegungen verteilt. Sein geschwollenes Geschlecht hat eine unfassbar schöne, rötlichere Farbe angenommen, und ich kann gar nicht genug von dieser Szenerie bekommen, von dieser glänzenden Eichel, die immer wieder zwischen Vorhaut und Christophers hübschen Fingern aufblitzt, und die immer nasser wird.

Christophers linke Hand wandert irgendwann zu seinen Hoden und beginnt mit ihnen zu spielen, zieht leicht daran, knetet sie, um das ganze Prozedere der Selbstbefriedigung noch zu intensivieren. Und während die Kamera natürlich strikt auf Christophers Hand an seinem Schwanz gerichtet bleibt, schicke ich meinen Blick auf Wanderschaft über den Rest des entblätterten Körpers – seinen zuckenden Unterleib, die Brust, sich immer schneller hebt und senkt, seinen leicht geöffneten Mund, dem immer lautere und verführerische Laute entweichen, die mir eine Gänsehaut bescheren, und letztendlich seine halbgeöffneten Augen, über die sich ein Schleier gelegt hat, und mit denen er mich beobachtet.

Mein eigener Schwanz ist mittlerweile hart und ich schlucke, und Christopher stöhnt in diesem Moment laut auf, zieht im nächsten Moment hörbar die Luft ein, und entlässt dann wieder ein fast verzweifeltes Ächzen, und ich senke unmittelbar den Blick wieder zum Hauptort des Geschehens, schaue auf seinen steifen, pulsierenden, nassen Schwanz, den er nun im krass schnellen Tempo pumpt – und dann kommt Christopher.

Sein ganzer Körper zuckt dabei auf, er wirft den Kopf in den Nacken, entlässt ein weiteres tiefes Stöhnen, das mir durch Mark und Bein geht, und sein heißes Sperma schießt regelrecht aus seiner Spitze in Wellen hinaus, benetzt seine Finger, seinen Unterleib, trifft sogar Teile seiner Brust, als er sich grunzend aufbäumt – und sich dann irgendwann wieder atemlos ins Polster zurückfallen lässt.

„Fuck…“, wispert er und schließt die Augen, versucht sich zu beruhigen, seine Hände mittlerweile still.

Ich lasse die Kamera noch einmal über die Spermaspuren wandern und beende dann die heißeste Aufnahme, die ich jemals gemacht habe, lege das Handy beiseite und beuge mich vorsichtig vor, sodass Christophers Saft nicht an meinem T-Shirt hängenbleibt, küsse ihn sachte und seufzt in diesen feuchten Lippenkontakt hinein.

„Ich bin gleich wieder da“, hauche ich gegen seinen Mund und flitze schnell ins Bad, um einen feuchten Lappen herzuholen, mit dem ich dann Christophers nackten Körper abwische. Er liegt immer noch total entspannt und regungslos auf dem Sofa und beobachtet mich dabei. Als sich unsere Blicke treffen, grinst er und deutet mit einem leichten Nicken auf die Situation zwischen meinen Beinen.

„Was machen wir denn jetzt mit deiner hübschen Latte?“, wispert er neckend.

Ich zucke grinsend mit den Schultern. „Ich weiß nicht…“, raune ich spielerisch und dränge mich auf Christophers nackten Leib. „Du könntest ihn ja in den Mund nehmen…?“, schlage ich dann unschuldig und leise vor, und die Arme meines Freundes legen sich um meinen Körper. Er beißt spielerisch in meinen Hals, mein Ohrläppchen, und ich merke gar nicht, dass ich angefangen habe, mich an seinem Oberschenkel zu reiben.

„Okay…“, murmelt er, und wirbelt mich im nächsten Moment schon um 180 Grad herum. Mein Rücken ist es nun, der gegen das Polster gedrängt wird, und Christopher rutscht zwischen meine Schenkel, macht sich an meiner Hose zu schaffen – und wenig später komme ich lauthals stöhnend in seinen heißen Mund, meine Finger in seinen blonden Strähnen vergraben, und genieße es, dass Christopher jeden einzelnen Tropfen meines Spermas schluckt, als wäre es ein teurer Whiskey.

Später schaue ich mir das Masturbationsvideo noch einmal an, während Christopher duscht und ich leicht vom Bier betüdelt schon im Bett liege und auf ihn warte. Ich kann noch nicht so ganz fassen, dass ich jetzt solche pikanten Aufnahmen besitze und mir zu jederzeit, am jedem Ort, angucken kann, wie mein Freund sich schamlos einen runterholt und so heftig abspritzt. Das ist unfassbar geil.

„Hey, du Frechdachs“, reißt Christophers neckende Stimme mich aus meinen Gedanken und ich stoppe das Video, in dem mein Freund gerade laut gestöhnt hat, „geilst du dich etwas jetzt schon an dem Video auf?“ Ich grinse und befördere das Handy auf den Nachtisch. Christopher schlüpft zu mir unter die Decke und ich kuschele mich an seinen warmen, halbnackten Körper. „Du…“, murmelt er dann plötzlich gegen meine Stirn und klingt nun wieder ein wenig ernster. „Wenn dieses Video auf deinem Handy bleibt… dann wäre es gut, wenn du es aus deinem Hauptordner entfernst und es ein bisschen, nun ja, versteckst. Nicht, dass einer deiner Freunde plötzlich auf einer Party oder so dein Telefon greift, ein paar Fotos damit macht, sich die dann fix angucken will – und bei deinem masturbierenden Freund landet…“

Ich muss ein nervöses Lachen unterdrücken. Chris hat ja recht: Das Video ist scharf und es ist auch ein wenig gefährlich, auch wenn man sein Gesicht nicht sieht. Aber wenn jemand das auf meinem Handy findet, können die sich ja schon denken, wer das sein könnte…

„Ich verschiebe das morgen nach dem Aufstehen direkt“, verspreche ich ihm und hauche ihm einen seichten Kuss gegen seinen Adamsapfel.

„Danke.“

Und dann… schlafen wir ein, und verbringen den gesamten Sonntag in Jogginghosen zu Hause, weil es regnet, und wir einfach überhaupt gar keine Lust haben, das Haus zu verlassen. Und das ist fast so geil wie ein Christopher, der sich vor meinen Augen einen runterholt. Um Mittag setzen wir uns auf den überdachten Balkon, als der Regen eine Pause einlegt und die Luft wunderbar frisch ist, und Christopher köpft eine Flasche Sekt. Wir zelebrieren diesen faulen Tag regelrecht, und ich stelle fest, dass ich mich langsam daran gewöhnt habe, dass man in der gemeinsamen Wohnung auch gemeinsame Zeit verbringen kann, ohne sich unbedingt zusammen zu beschäftigen: Christopher liest einen Roman, und ich spiele neben ihm dämliche Spiele auf seinem Tablet. Später ziehe ich mich kurz in mein Zimmer zurück, um einen Horrorfilm zu gucken und mein Freund tobt sich in der Küche aus – die wir dann später, nachdem wir das Festmahl verdaut haben und kurz weggedöst sind, gemeinsam aufräumen.

Es ist schon spät, als wir zusammen auf dem Sofa sitzen und Christopher einige Arbeitsmails am Tablet beantwortet. Kurz bevor wir ins Bett wandern wollen, spreche ich es an:

„Christopher… Wann wechseln wir denn eigentlich wieder in den Code Green…? Ich habe diese… Auszeit zwar echt genossen, aber… Ich würde schon wieder gerne in unseren normalen Alltag zurückkehren. Keine extra super-harte Schiene, aber zurück in unser normales 24/7, Dom-Sub-Verhältnis.“

„Okay, Niko“, willigt Christopher ein, „ab morgen früh?“

„Klingt gut.“

„Eine Sache ist da aber noch“, sagt er und mustert mich aufmerksam.

„Die da wäre?“

„Als wir deine härtere Behandlung begonnen haben, habe ich ja angefangen, deine GPS-Koordinaten per App zu tracken…“, fängt er gemächlich an. „Das ist zwar etwas, was ich tatsächlich seit Längerem schon machen wollte, aber – wir haben ja jetzt am Wochenende ausführlich darüber gesprochen – das war ja jetzt eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt, um mit so einer intensiven Maßnahme zu starten. Deswegen musst du jetzt mit einem klaren Kopf entscheiden: Soll ich das fortführen oder setzen wir das erst mal, oder auch für immer, aus?“

Ich brauche nicht nachzudenken. „Das machen wir weiter“, bestimme ich und lächele meinen Freund und Master an. „Der Zeitpunkt war vielleicht wirklich nicht der geilste, aber das haben wir jetzt abgehakt. Die Maßnahme an sich finde ich aber total geil.“

„Okay“, bestätigt Christopher lächelnd.

„…was ist mit der Keuschhaltung?“, hake ich vorsichtig nach.

„Sag du es mir.“

Christopher Worte hallen in meinem Innern wider:
Du bist derjenige, der die wahre Macht besitzt – mir leihst du sie nur.

„Ich vermisse den Penistresor fast schon ein bisschen…“, murmele ich amüsiert und Christopher grinst.

„Dann lege ich ihn dir morgen wohl wieder an…“

„Mhm…“, bestätige ich brummend. Doch dann fällt mir etwas ein, das tatsächlich etwas problematisch werden könnte. „Aber… Hm, das Alkoholverbot, das du ausgesprochen hast…“

„Zu hart?“, hakt Christopher etwas besorgt nach.

Ich nicke. „Jetzt gerade mit all den Studentenpartys im Sommer, und Paul hat jetzt auch schon mehrere dumme Kommentare rausgehauen, als ich kein Bier und gar nichts getrunken habe. Ich will nicht, dass du das unbedingt ganz zurücknimmst, aber könntest du es… aufweichen?“

„Und wie?“

„Schreib mir ne Maximalzahl an alkoholischen Getränken vor.“

„Sicher? Ich kann es auch ganz zurücknehmen.“

„Nein, ich mag es total, wenn du mir solche trivialen Dinge vorschreibst.“

„Ich mag es auch, aber ich will dir auch nicht den Sommer versauen oder für blöde Situationen mit deinen Freunden sorgen… Das war echt ein wenig unüberlegt. Ich sag ja: Ich hab mich da auch etwas reingesteigert…“

„Die machen ja nur dumme Bemerkungen, wenn ich rein gar nichts trinke“, mache ich deutlich und Christopher lächelt.

„Na gut. Dann eben eine Maximalzahl“, willigt er schließlich ein.

„Perfekt.“

Wir gehen gut gelaunt schlafen und starten auch gut gelaunt in die neue Woche. Ich eile in die Küche und koche für meinen Freund und Master Kaffee – und dieser hält sein Versprechen, legt mir vor dem Verlassen unseres Domizils das Keuschheitsinstrument an, das mich in den kommenden Tagen wieder an den Rand des Wahnsinns treiben wird, und dann drückt er mir zum Abschied einen sanften Kuss auf die Lippen und verabschiedet sich mit den Worten, dass er heute Abend erwartet, die Wohnung in einem rigoros sauberen Zustand vorzufinden, ansonsten setze es was – und ich genieße jede Sekunde dieser bittersüßen Ankündigung.

Diese Woche ist Christopher wieder hauptsächlich mein Freund, aber eben auch mein Master, zu unseren gewohnten Proportionen, und es ist herrlich. Ich denke nicht einmal an Adrian, nicht einmal an seine Putzsklaven und auch nicht einmal daran, dass mein Freund ein Dreckspatz ist. Mein Kopf ist frei, und als mein Freund mir dann auch noch für Freitagabend eine knallharte Session verspricht – mit Peitsche, heißem Kerzenwachs und Monsterdildo – schwebe ich auf Wolke Sieben.

Ich fiebere seiner Ankunft zum Ende der Arbeitswoche richtig entgegen und bin fast aufgeregt wie ein kleines Kind, als ich einige Stunden vor unserem dunklen Rendezvous das Spielparadies vorbereite und säubere. Allerdings erreicht mich dann eine sehr… blöde Nachricht von Christopher.

„Hey Baby“, schreibt er, „ich werde mich leider verspäten. Henning und David zwingen mich zu einem Drink nach der Arbeit. Die Gesamtkonferenz ist gut gelaufen, aber es gibt noch sehr viele Dinge zu besprechen, die wir allerdings außerhalb des Büros bereden sollten. Sorry!“

Ich seufze, antworte ihm aber, dass es okay ist. Berufliches geht ja nun einmal vor.

Eine Stunde nach unser vereinbarten Zeit, ist mein Master immer noch nicht zu Hause und lässt mir eine weitere Nachricht zukommen. „Dauert noch…“ Ich seufze – und warte. Wie ich es ja auch gewohnt bin, denke ich mir grinsend.

Doch dann vergeht eine weitere Stunde, und dann noch eine, und mich erreicht irgendwann eine leicht kryptische Nachricht von meinem Master, dass ich mir dann doch anfange, ein bisschen Sorgen zu machen. „Ucj jomn bakkd nacg haud!“, schreibt Christopher und ich runzele die Stirn, rufe ihn kurzerhand an, lande aber nach nur zweimaligem Klingeln direkt bei der Mailbox, und beim zweiten Anrufversuch springt das Band sofort an. Ich bin angepisst und immer noch besorgt, aber nach wenigen Minuten erscheint Christophers Name auf meinem Display und ich nehme das Gespräch umgehend dankend an – bereue das aber fast umgehend.

Ich höre laute Musik, laute Stimmen im Hintergrund, irgendein Geraschel und dazwischen Christophers seltsame, fast schon brüllende Stimme, die ich nicht richtig verstehen kann. „Niko, sorry Schätzchen“, schreit Christopher, glaube ich jedenfalls. Und dann sagt er noch so etwas wie, dass er sich bald auf den Weg machen will – oder so.

Ich lege auf und bin einfach nur noch angepisst.

Als eine weitere Stunde vergeht und Herr Lang immer noch nicht zu Hause ist, mache ich mir allerdings wieder Sorgen – und steigere mich gleichzeitig in meine Wut weiter rein.

Und dann, um fucking Mitternacht, höre ich endlich, wie er den Schlüssel ins Schloss schiebt. Oder es zumindest versucht. Ich stürme zur Tür und reiße sie regelrecht auf, blicke erzürnt in Christophers Gesicht. Es ist rötlich verfärbt, seine blauen Augen glasig, das Haar anstatt penibel nach hinten gekämmt, strubbelig und irgendwie feucht, und er grinst total dämlich, irgendwie debil. Sein Gang ist schwankend, und als er einen Schritt in meine Richtung macht, knallt er regelrecht gegen den Türrahmen. Seine gelallte Begrüßung ist kaum verständig für meine Ohren und viel zu laut.

Christopher Lang ist betrunken.
Nein.
Mein Freund ist sternhagelvoll.

Und er ist nicht allein.

Hinter ihm stolpert ein mir unbekannter Mann in unsere Wohnung. Ein verdammt gutaussehender, gut gebauter Typ, der ungefähr so groß ist wie Christopher. Dunkelhaarig, glattrasiert, mit Karamellaugen – und ich frage mich: Wer zum Teufel ist das, und was macht dieser Mann hier?!

 

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