BDSM Reality Show

 

Die Entführung

»WEIBLICHER MASOCHISMUS  I S T  K O L L A B O R A T I O N !«, schreibt Frau Professor Dr. Angelika Berger mit Kreide an die Tafel, die Typografie eines Zwischentitels in der Besprechung des Films »Malina« in »Emma« imitierend. Der Hörsaal tobt. »Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch Männer ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind« sei der fünftletzte Satz dieses klassisch gewordenen Artikels von Alice Schwarzer, erklärt sie. Den weiblichen Masochismus im Film habe erst Werner Schroeter der auf femme douloureuse Rollen abonnierten Schauspielerin Isabelle Huppert in den Mund gelegt, die die Heldin »gefügig« spielen sollte. Aus der »ersten Erkenntnis des Schmerzes« bei Bachmann und »dies ist mein allererster Schmerz gewesen, und er ist stärker gewesen als alle, die ich danach empfunden hab‘ …« bei Jelinek werde im Film der kokettierend gesprochene Satz einer Masochistin: »Dies war meine erste Erfahrung mit dem Schmerz – und meiner Freude daran.« Für Alice Schwarzer sei die Gefügigkeit der willigen Opfer, die noch unter der Folter Lustschreie ausstoßen würden, eher eine Überlebensstrategie als eine Erfüllung.

Plötzlich geht das Licht aus. Ein Film wird an die Wand geworfen. Raunen im Saal. Es ist eine Frau zu sehen, die rücklings nackt auf einem Holztisch liegt. Sie zieht ihre gespreizten Beine mit den Armen selbst nach oben und hinten und streckt sie fast durch. Hiebe mit einer Riemenpeitsche auf ihr Becken und die sich darbietende rasierte Vulva. Schmerzlaute im Takt der Schläge und dazwischen Stöhnen. Lustmimik.

»Du bist damit einverstanden, dass wir das jetzt filmen?«, wird sie gefragt.

»Ja.«

»Sprich in die Kamera.«

»Ja.«

»Wie heißt du?«

»Angelika Berger.«

»Du magst es, geschlagen zu werden, Angelika Berger?«

»Ja, sehr sogar.«

»Soll ich noch härter zuschlagen?«

»Ja, bitte.«

Pfiffe, einige lachen, klatschen, immer mehr schließen sich an, bis der ganze Saal tobt. Das Licht geht wieder an. Drei junge Gothic-Frauen rennen zum Pult. Blitzschnell zerren sie der Professorin die Kostümjacke herunter und zerreißen ihr die Bluse. Dann drücken sie sie zu Boden und ziehen ihr die Hose aus. Sie halten sie an den seitlich ausgestreckten Armen und führen sie an die Kante des erhöhten Bereichs vor den Sitzreihen. Ihr zappeln nützt nichts, sie präsentieren sie weiter mit jetzt hochrotem Kopf der Menge. Vor Schreck und Scham uriniert sie in ihre weiße Nylonstrumpfhose, unter der sie keinen Slip trägt. Der Urin sammelt sich in einer Pfütze um ihre Schuhe. Es wird kurz still im Saal.

»Alte Sau«, ruft Sevim in das Publikum. Die Lautstärke des Gelächters verdoppelt sich noch einmal über den bisherigen Spitzenwert hinaus. Ihr wird ein Mikrofon hingehalten.

»Was bist du?«

Sie dreht den Kopf weg, er wird ihr aber von einer der Frauen zurückgebogen und festgehalten.

»Eine alte Sau?«, flüstert die Professorin.

»Das auch, aber was bist du noch, Sklavin?«

»Eine Sklavin. Ich bin eine Sklavin«, sagt sie hastig und lauter, um ihren Fehler wieder gutzumachen.

»Dann solltest du ab jetzt auch wie eine leben. Das willst du doch auch, oder? Sei ehrlich.«

»Ja.«

»Bitte mich als Herrin darum und mach einen ganzen Satz.«

»Ich möchte ab jetzt bitte wie eine Sklavin leben dürfen, Herrin.«

»Dann war dein bisheriges Leben also eine Lüge?«

»Ja Herrin.«

»Der Frau kann geholfen werden«, ruft Sevim in den Saal. Tosender Beifall. Die Hände werden der Professorin mit Handschellen hinter dem Rücken gefesselt. Sie bekommt ein Hundehalsband umgelegt und wird damit aus dem Saal geführt. Alle Studierenden folgen ihr in einem Prozessionszug nach. Ihre Brille rutscht ihr von der Nase und fällt auf dem Boden. Eine Studentin hält davor an und sucht kurz den Blickkontakt zu ihrer akademischen Lehrerin, bevor sie die Brille genüsslich zertritt und die Reste mit dem Fuß wegstößt. Angelika Bergers Steckfrisur löst sich durch das Herumschubsen auf und ihre Haare fallen ihr in das Gesicht. Sie wirkt verstört.

Auf der Straße gibt es schöne Szenen. Natascha und Peggy verteilen Flugblätter an die fotografierenden und filmenden Passanten. Die Menge nimmt umso lebhafter Anteil, je näher sie dem sozialen Brennpunkt kommen, der ihr Ziel ist. Jemand will mit einem Messer ihren BH vorne aufschneiden, was zugelassen wird. Ihre schweren Brüste schwingen beim Laufen jetzt auf und ab. Sie verliert ihre Pumps und ihre weißen Fußsohlen werden immer dunkler. Wenn sie auf etwas Spitzes oder eine noch heiße Zigarettenkippe tritt, schreckt sie zusammen und hüpft ächzend hin und her. Ihre Strumpfhose wird von Sevim immer wieder am Bund ruckartig nach oben gezogen, die Professorin geht dann sofort auf die Zehenspitzen. Ihre ohnehin wie bei einem Wet-T-Shirt-Contest halb transparent präsentierte Vulva wird dadurch grotesk verformt und ihre Pobacken noch stärker betont, was den Zuschauern gut gefällt.

»Wedgie.«

»Muschi frisst Hose.«

Alle drei Mädchen haben Reitgerten und machen eifrig davon Gebrauch, um die Professorin anzutreiben.
 

(Fortsetzung folgt)

 

https://demselbstentkommen.tumblr.com/post/158064639004/teaser

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https://demselbstentkommen.tumblr.com/post/157785607709/a2die-entf%C3%BChrung

 

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Kommentare

Bild des Benutzers SirGeorge

Anfang. Ich weiß nicht so recht, wo das hinführen soll. Von den einzelnen Personen erfährt man leider nicht viel :-( Was ist wessen Motivation? Spielt die Geschichte in der Jetztzeit? Wir gucken auf eine Szene, die irgendwie unscharf ist: Es wird ihr der BH aufgeschnitten: Wer tut es, was denkt sie - die Aufschneidende?
Es steckt viel Potential in der Geschichte - hebe es!

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Bild des Benutzers Coline

Irgendwie unzusammenhängend. Wie ein MTV-Video geschnitten. Personen werden einfach eingeführt nur durch Nennung eines Namens. Ich nehme einfach mal an, das Sevim männlich ist. Sind Natascha und Peggy zwei der drei Gothic-Frauen? Oder ist Sevim die dritte im Bunde? Die Figurenzeichnung der Nebendarsteller bietet noch viel, sehr viel Luft nach oben.

Orthographie: beieindruckend. Einzelne Zeilen deuten auf Talent und Niveau hin. Das eine nicht wirklich genutzt, das andere nicht gehalten. Außerdem ist der Text etwas kurz und hört mittendrin auf. 

Daher bin ich mal neugierig auf Teil 2. Vielleicht ist ja nur der Start holprig.

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