Azurblau I

 

Alma hustete. Die meisten Feuer waren herunter gebrannt, aber der Rauch hing noch schwer in der Luft. Der Geruch von verbrannten Hoffnungen und Träumen. Sie konnte den Blick nicht von den verkohlten Balken rissen, die ihr Haus hätten werden sollen. Es hätte nur noch ein paar Tage gedauert, bis es fertig gewesen wäre, und dann hätte sie Tobias geheiratet. Vorbei. Als die Söldner sie aus den Trümmern gezogen hatten, hatte sie ihn gesehen. Sie versuchte das Bild aus ihrem Kopf zu vertreiben. So viel Blut. Sie atmete tief ein, füllte ihre Lungen mit dem Rauch und hustete wieder. Es war besser als zusammenzubrechen wie die anderen Frauen. Sie versuchte das Wimmern durch einen weiteren Hustenanfall zu übertönen. Sie wollte nicht denken. Sie wollte nicht wissen, was geschehen würde. Das Feuer hatte ihr die Zukunft genommen, der Rauch konnte ihr das Denken ersparen. Sie war nicht hier, auf dem Dorfplatz, zusammengepfercht mit den anderen Frauen. Sie wartete nicht darauf, dass die Söldner sich einig wurden, wie man die Beute verteilen würde. Sie wartete nicht darauf, dass einer davon ihre Jungfräulichkeit nahm. Sie war am Kochfeuer. Sie atmete mehr Rauch ein. Warum konnte sie die Gedanken nicht ersticken? Eine Berührung an ihrer Wange ließ sie zusammenzucken.

„Schh.“

Sie sah in blaue Augen und war für einen kurzen Moment beruhigt. Bis sie die Farbe der Uniform sah. Das war einer der Söldner. Er würde sie… Nicht denken, nicht denken, nicht denken! Er hob ihr Kinn an und drehte ihren Kopf etwas. Warum sah er sie so an? Sie schnappte nach Luft und hustete wieder. Sie wollte nicht …

„Schh.“ Er strich ihr durchs Haar. „Sie ist hübsch.“

Sie wollte nicht hübsch sein. Was machte es schon für einen Unterschied? Die Söldner fielen über alles her, das weiblich war.

„Bring sie in mein Zelt. Und denk nicht einmal daran, sie anzufassen.“

Im nächsten Moment wurde sie von groben Händen gepackt und vorwärts gezogen. Sie stolperte mit, weg von dem Dorf, weg von der Vergangenheit.

 

Der Söldner hatte sie an den Mittelpfosten des Zeltes gefesselt und war dann gegangen, ohne ein Wort zu verlieren. Sie hatte sich gegen den Pfosten gelehnt und versucht, die Fesseln an ihren Händen zu lösen. Als sie damit keinen Erfolg gehabt hatte, hatte sie versucht, den Pfosten zu verschieben. Wenn sie das Zelt zum Einsturz brachte, konnte sie davonlaufen. Ihre Hände wären immer noch hinter ihrem Rücken gefesselt, aber sie konnte wenigstens rennen. Nach einer Weile hatte sie festgestellt, dass sie es nicht schaffen würde. Und selbst wenn, sie würde nicht weit kommen. Das Zelt stand mitten im Söldnerlager. Sie konnte nichts anderes tun, als darauf zu warten, dass dieser Söldner kam und sie … Nein! Nein, nein, nein. Er hatte kein Recht dazu! Sie hatte einen Verlobten! Wieder drängte sich das Bild von Tobias in ihren Kopf, wie er im Schlamm lag, das Gesicht nach unten, und sich nicht rührte, während sie an ihm vorbeigezerrt wurde. Er würde wieder aufstehen. Er würde sie hier raus holen. Sie schloss die Augen. Sie musste daran glauben.

 

Sie schreckte auf, als jemand das Zelt betrat. Als sie den Söldner erkannte, kauerte sie sich zusammen. Es war viel zu früh. Sie wollte nicht, dass er hier war, sie wollte nicht, dass er sie sah, sie wollte nicht, dass er sie anfasste!

Sein Blick strich über sie, ohne sie wirklich zu sehen. War das ein gutes Zeichen? Oder sah er sie nur als ein weiteres Stück Beute, das man warten lassen konnte? Konnte sie hoffen, dass er sie ganz ignorierte? Sie starrte ihn wie gebannt an, als er sich die Rüstung auszog. Konnte er sie nicht anlassen? Dann wäre sie sicher. Glaubte sie. Oder konnte er auch mit Rüstung …? Wäre das vielleicht noch unangenehmer, wenn er in all dem Metall über ihr lag? Hör auf zu denken, verdammt! Als er auch die Tunika auszog, schloss sie die Augen. Sie wollte das nicht sehen. Sie hörte Wasser spritzen, ansonsten war es still. Wenn sie nur nicht hinsah, würde es vielleicht erträglich werden. Still halten und sich entspannen, hatte die alte Sieghild ihr zugeflüstert. Dann ist es schnell vorbei, und du wirst nicht verletzt.

„Du kannst die Augen wieder aufmachen.“

Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich stand er vor ihr, nackt und wartete nur darauf … Nicht denken! Sie lauschte seinen Schritten. Er musste weiter weg sein, als gedacht. Etwas raschelte. Was tat er? Vorsichtig öffnete sie die Augen. Er hatte eine frische Tunika übergezogen und kniete vor einer Kiste – mit dem Rücken zu ihr. Ohne die Rüstung sah er kleiner aus, schmäler. Und nicht halb so furchterregend. Was dachte sie da? Er konnte immer noch alles mit ihr machen! Sie war immer noch gefesselt! Trotzdem beobachtete sie, wie er ein paar Gegenstände aus der Kiste nahm und sie daneben abstellte. Was tat er? Würde er sie vielleicht doch verschonen? Eine Stimme in ihrem Kopf lachte.

„Kannst du aufstehen?“ Warum klang er so freundlich?

„Ich … bin gefesselt.“ Was wollte er von ihr?

„An einen Pfosten, nicht den Boden. Kannst du selbst aufstehen oder muss ich dir helfen?“

Sie wollte sich nicht vorstellen, wie seine Hilfe aussah. Es war schwerer als gedacht, das Gleichgewicht zu halten, während ihre Hände gefesselt waren, aber nach ein paar Versuchen schaffte sie es, sich nach oben zu drücken. Sie lehnte sich gegen das Holz. Ihre Beine zitterten und sie wusste nicht, wie lange sie sich halten konnte. Sie könnte sich auch einfach wieder fallen lassen. Abwarten, was passiert. Sie konnte es sowieso nicht ändern, warum sollte sie kooperieren? Er drehte sich ruckartig zu ihr um und sie zuckte zusammen.

„Bleib stehen.“

Als er langsam auf sie zukam, konnte sie ihn genauer mustern. Er war jünger als sie gedacht hätte, vielleicht Mitte zwanzig. Und auch das Gesicht schien so gar nicht zu dem Söldner zu passen, den sie vorhin gesehen hatte. Die Augen waren noch die gleichen, blau und ruhig, aber ohne den Helm wirkte er nicht wie ein Soldat. Hätte sie ihn nicht in der Rüstung gesehen hätte sie geschworen, dass er ein Gelehrter war. Ein Schreiber, Mönch, was auch immer. Er lächelte kurz. Was war das für ein Mensch? Er sah nicht so aus, als könne er ihr etwas antun. Als er dicht vor ihr stehen blieb, wich sie dennoch ein Stück zurück, bis sie sich an den Pfosten drückte. Sie war immer noch gefesselt, rief sie sich in Erinnerung. Selbst wenn er schwach aussah, war er immer noch stärker als sie und solange sie ihre Hände nicht nutzen konnte, hatte sie keine Chance.

Als sie das Messer in seiner Hand sah, wurde sie panisch. Er konnte alles mit ihr tun. Sie war hilflos. Sie musste hier weg. Gleichzeitig schien ihr Körper wie erstarrt und sie schaffte es nicht einmal sich von seinen Augen loszureißen.

„Schhh.“ Er hielt ihren Blick. „Ich werde deine Fesseln zerschneiden.“

War das ein gutes Zeichen? Er hatte immer noch ein Messer. Und er konnte sich auch ohne Fesseln auf sie stürzen. Ihr Blick raste zu dem Strohsack, neben dem er die Rüstung abgelegt hatte. Wollte er sie dorthin zerren? Könnte sie es ertragen? Ruhig liegen bleiben, bis er schlief und sich dann davon stehlen? Sie versuchte ruhig zu atmen. Er durfte nichts von ihren Plänen erfahren. Sie musste sich gefügig zeigen, bis er unachtsam war.

Sie versuchte, keine Panik zu bekommen, während er hinter sie trat. Er hatte ein Messer, aber er würde sie befreien. Sie spürte Berührungen an ihren Handgelenken, dann ein scharfer Ruck.

„Danke.“

Alma bewegte ihre Arme und wurde von scharfem Schmerz durchzuckt.

„Langsam.“ Sie spürte eine Berührung an ihrer Schulter und zuckte sofort zusammen. Er sollte sie nicht anfassen! Als er begann Schulter und Oberarme zu massieren, entspannte sie sich. Ihre Arme fühlten sich furchtbar an, aber es wurde besser. Vielleicht würde es nicht so schlimm werden. Sie schloss die Augen. Was dachte sie da überhaupt? Ihre Kleider stanken noch nach dem Rauch. Das Dorf war niedergebrannt. Die Männer niedergemetzelt, die Frauen unter den Söldnern verteilt. Was mit den Kindern geschehen war, wollte sie nicht wissen. Ruhig atmen, erinnerte sie sich. Spiel mit, und wenn er so tun will als sei er freundlich, dann hindere ihn nicht daran. Sie hielt die Augen fest geschlossen. Das war ein Albtraum, und sie würde bald aufwachen.

Ihre Arme fühlten sich bald besser an. Sollte sie sich bedanken? Sie wusste nicht, ob ihn das dazu bringen würde, weiter freundlich zu sein, oder ob er es als Anlass sah, sie für seine Freundlichkeit zahlen zu lassen. Sie wollte nicht wissen, was er als nächstes tat. Rauch. Der Geruch war schwächer als im Dorf, aber immer noch allgegenwärtig. Er hatte aufgehört ihre Schultern zu massieren und strich über ihre Arme, hinunter bis zum Handgelenk. Als sie ein seltsames Ziehen spürte, riss sie die Augen wieder auf. Dicke Bänder lagen um ihre Handgelenke. Warum hatte sie das vorher nicht bemerkt? Er zog gerade ein Seil durch Schlaufen an den Bändern. Warum würde er sie schon wieder fesseln? Sie musste hier weg. Sie schätzte seine Bewegungen ab. Wenn er das Seil verknotete, wären ihre Hände wieder unbrauchbar, auch wenn sie vor dem Körper gefesselt waren. Es musste hier irgendetwas geben, das sie ihm über den Schädel ziehen konnte, damit sie …

Bevor sie den Gedanken fertig denken konnte, machte er einen schnellen Schritt nach hinten und zog sie an dem Seil mit. Sie war so überrascht, dass sie das Gleichgewicht verlor und mit einem Aufschrei auf den Knien landete. Als wäre nichts geschehen verknotete er das Seil. Sie konnte die Finger zwar noch bewegen, aber ihre Handgelenke waren fest verschnürt.
„Steh wieder auf.“ Seine Stimme war immer noch freundlich, aber sie glaube nicht mehr daran, dass er es auch war.

Ihre Beine zitterten. Sie brauchte zwei Anläufe, bis sie es schaffte aufzustehen, während er das Seil locker in der Hand hielt. Als sie endlich stand, lächelte er. Was hatte er vor? Was ging in seinem Kopf vor? Sie wollte weg. Sie wollte sich hinkauern. Sie wollte weglaufen, aber er kam auf sie zu, und er hielt noch immer das Seil in der Hand. Sie wich bis zu dem Zeltpfosten zurück. Bevor sie sich entscheiden konnte, was sie weiter tun sollte, war er viel zu dicht bei ihr und drückte sie mit seinem Körper gegen das Holz.

„Bitte...“ Ihre Stimme klang schwach. „Bitte tu mir nichts.“

„Schhh.“

Ihre Arme wurden nach oben gezogen.

„Bitte. Ich tu alles, aber ...“ Sie hatte keine Ahnung, was alles sein sollte. Aber sie war sich sicher, dass es besser war, als das, was er vorhatte. Was auch immer das war. Nicht nachdenken. Er hatte das Seil durch eine Astgabel am Zeltpfosten gefädelt und zog jetzt ihre Arme weiter nach oben, bis sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste, um nicht den Halt zu verlieren. Dann verknotete er das Seil und ging wieder zu der Kiste.

Es dauerte nicht lange, bis er wieder zu ihr kam. Er stellte eine Waschschüssel neben ihr ab, dann begann er vorsichtig, ihr den Schmutz aus dem Gesicht zu tupfen.

„Bitte. Ich werde tun, was du willst, aber bitte lös die Fesseln.“

Wenn er nichts Verwerfliches vorhatte, warum war sie immer noch gefesselt? Und wenn er etwas Verwerfliches vorhatte, warum wusch er sie?

„Damit du weglaufen kannst, sobald ich abgelenkt bin?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich werde nicht weglaufen.“ Nicht in der ersten Nacht, ermahnte sie sich. Er war misstrauisch, also würde er wahrscheinlich wachsam sein. Aber wenn sie bis zur zweiten Nacht wartete, hatte sie eine Chance.

Er lächelte sie an. „Ich glaube du lügst.“

„Nein, ich ...“

„Keine Sorge, ich würde auch lügen, wenn ich in deiner Situation wäre. Deshalb werde ich es dir nicht übel nehmen. Bestrafen werde ich dich trotzdem.“

„Bitte, ich werde nicht weglaufen…“ Erst in der dritten Nacht, nahm sie sich vor. Sie musste ihn in Sicherheit wiegen.

Er ließ das Tuch mit dem er sie gewaschen hatte fallen.

„Du machst es nicht besser.“

„Bitte. Ich werde nicht mehr lügen.“ Die Frage war nur, wie er es erkannt hatte. Wahrscheinlich hatte er gut geraten. Sie musste vorsichtiger sein.

„Ich hoffe es.“ Er war plötzlich wieder viel zu nah bei ihr. Wieso musste er die Hand nach ihr ausstrecken? Als er nach ihrem Ausschnitt griff, ahnte sie was er vorhatte.

„Nein. Bitte nicht, ich …“

Sie zuckte zusammen, als er den Stoff zerriss. Er würde sie nackt sehen. Das durfte er nicht! Er war ein Mann, das konnte er nicht einfach … Es dauerte noch etwas, bis er das Kleid völlig zerrissen hatte. Sie hatte nicht genug Spielraum um sich zu wehren und er ignorierte ihr Flehen. Womit hatte sie das verdient? Sie war viel zu entblößt und er ließ seinen Blick schamlos über ihren Körper gleiten. Sie wollte sich nur noch zusammen kauern. Weinen. Liegen. Stattdessen ließ sie ihn nicht aus den Augen. Sie sollte nicht hinsehen. Sie wollte nicht wissen, was er tun würde, aber sie konnte nicht anders. Er hielt noch einen Fetzen ihres Kleides in der Hand. Sie hatte nichts mehr, das sie anziehen konnte, wurde ihr klar. Selbst wenn er die Fesseln löste, sie wäre nackt, bis er ihr Kleidung gab. Sie konnte nicht weglaufen, solange sie nackt war.

Sie zitterte und schaffte es kaum noch zu stehen. Ein paar Mal verlor sie den Halt und nur die Fesseln hielten sie aufrecht. Wenn es nur nicht so weh tun würde, in den Fesseln zu hängen. Ihre Finger fühlten sich taub an.

Als er wieder nach dem Tuch griff, verkrampfte sie sich. Wenn er den Ruß aus ihrem Gesicht wusch, war das eine Sache. Wenn sie nackt vor ihm stand … Ihre Gedanken wurden unwichtig, als er ausholte. Sie schrie auf. War er wahnsinnig? Scharfer Schmerz trieb ihr Tränen in die Augen. Nach drei Schlägen verschwamm ihre Sicht.
„Bitte… bitte, hör auf.“

Als kein weiterer Schlag folgte, schöpfte sie Hoffnung. Er strich über ihre Lippen.

„Mach den Mund auf.“

Ängstlich gehorchte sie, und bereute es sofort, als er ihr etwas in den Mund stopfte. Ein Fetzen ihres Kleides. Sie konnte nicht mehr atmen. Sie versuchte den Knebel auszuspucken, aber sie schaffte es nicht. Wie sollte sie so Luft bekommen?

„Atme durch die Nase.“

Es dauerte, bis sie es schaffte, wieder normal zu atmen. Ihr Mund fühlte sich viel zu trocken an. Was hatte er vor, dass er sie knebeln musste? Es musste normal sein, Schreie aus den Zelten zu hören. Was konnte so schlimm sein, dass er nicht wollte, dass sie schreien konnte? Sie hing in den Seilen, und schaffte es nicht mehr, sich hinzustellen. Ihre Knie gaben jedes Mal nach, wenn sie es versuchte. Sie wusste nicht mehr, ob sie die Nacht hier überstehen würde. Was, wenn er sie folterte? Wenn er sie weiter schlug, bis sie blutig in den Fesseln hing? Würde er dann noch über sie herfallen?

„Schhh.“ Er legte eine Hand an ihre Wange und sah ihr in die Augen. „Schau mich an.“ Sie fühlte, wie sie ruhiger atmete und alles blau wurde. „Es sind noch sieben Schläge für deine Lüge. Nicht mehr.“

Bis sie seinen letzten Satz begriffen hatte, hatte er schon zweimal mit dem nassen Tuch zugeschlagen. Sie konnte nicht einmal verhindern, dass ihr gesamter Körper ihm Angriffsfläche bot. Sie schrie gegen den Knebel, aber jeder Laut war viel zu gedämpft. Der letzte Schlag war höher und traf ihre Brust. Sie wimmerte. Warum musste es so weh tun? Sie wollte ihre Hand schützend auf ihren Nippel legen, der von dem Schlag brannte, aber sie konnte sich kein Stück bewegen. Das war zu viel.

Sie fiel auf die Knie und kauerte sich zusammen. Erst als sie seine Stimme wieder hörte, begriff sie, dass er das Seil gelöst hatte – ihre Hände waren zwar immer noch zusammengebunden, aber wenigstens hing sie nicht mehr.

„Schhh.“, hörte sie schon wieder seine Stimme. Es war beruhigend. Ein Rauschen, das sie ans Meer erinnerte. Ihre Hände wurden vorsichtig von ihrem Gesicht gezogen und sie blickte wieder in diese Augen. Als nächstes zog er den Knebel aus ihrem Mund.
„Wenn ich dich allein lasse, wirst du dann weglaufen?“

„Ich … ich werde bleiben.“ Als hätte sie eine Wahl. Sie war nackt. Sie war immer noch gefesselt. Und sie wusste nicht einmal, ob ihre Beine sie tragen würden. Sie musste hier bleiben, bis sie wieder halbwegs bei Kräften war und mehr über ihre Lage wusste.

Er nickte, dann stellte er einen Becher Wasser vor sie und legte eine Scheibe Brot daneben. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, während er das Zelt verließ.

„Der General wartet schon.“, hörte sie eine fremde Stimme.

„Er wusste, dass ich beschäftigt bin. Und ohne mich wird …“

Die Stimmen wurden zu leise, um sie zu verstehen.

 

 

Sie hatte kurz überlegt, ob sie versuchen sollte, ihre Fesseln zu lösen, hatte sich aber dann dagegen entschieden. Sie wusste nicht, wann er wiederkommen würde, sie wusste nicht, ob jemand das Zelt bewachte. Sie würde nicht weit kommen. Er hatte sie geschlagen – mit einem nassen Tuch, was weh tat, wenn man nackt und ungeschützt war, aber keine Wunden riss. Er hatte ihr Kleid zerrissen, und sie nackt gesehen. Aber er hatte sie nicht geschändet. Sie wusste nicht warum, aber sie klammerte sich an die Hoffnung, dass es so bleiben würde. Es war naiv, aber was blieb ihr außer Hoffnung?

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Eigentlich wollte ich nur eine Kurzgeschichte aus einer kleinen Idee machen, aber nachdem mit dem ersten Abschnitt schon mehr als 4 Seiten beschrieben waren, hab ich mich doch entschieden, es aufzuteilen. 
Wer vor Teil 2 herausfindet, was es mit ihm auf sich hat, bekommt einen Keks ;)

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Kommentare

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Ich glaub, ich weiß es. Aber hier verraten wäre ja auch irgendwie fies. ;-)

Freu´ mich auf jeden Fall aber schon auf Teil 2.

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was du zu wissen glaubst. Falls du es nicht öffentlich schreiben willst, freu ich mich über ne pn ;)

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Bild des Benutzers Felicia

Also der Kommentar ist jetzt nicht nur für diese Geschichte (auch wenn ich hier auch schon wieder gespannt auf die folgenden Teile warte) sondern generell ein Kompliment an dich. Ich habe alle deine Geschichten verschlungen, dein Schreibstil gefällt mir super. Du schaffst es mit Worten ein Bild in meinen Kopf zu zaubern, sodass ich richtig in die Szene eintauche. Hab mich sogar extra hier angemeldet, damit so gute Autoren wie du mehr positives Feedback bekommen :D

Grüße Feli

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Es ist tatsächlich das Feedback, das mich motiviert, weiter zu schreiben (und vor allem zu veröffentlichen). 

Vielen Dank für die Lorbeeren, ich werde daran arbeiten, ihnen auch weiterhin gerecht zu werden :)

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