Akte 9013 - Teil 11 - Ein neuer Fall

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Ein neuer Fall

Es klopft an der Tür.

>>Herr Holte, ich habe hier eine recht aufgelöste Frau am Telefon. Sie sagt, sie sei die beste Freundin von der Frau Mia Wörnant. Frau Wörnant sei seit Tagen nicht zu erreichen und keiner weiß wo sie ist. Soll ich das Gespräch mal zu ihnen durchstellen?<<, fragt eine junge Polizistin. Tobias nickt.

>>Holte...<<, meldet er sich als er den Hörer abnimmt. >>Ja, genau, ich bin der Tobias... Ja,... Ja,... Ja, ich arbeite mit Mi... Ja, der bin ich.<< Tobias holt tief Luft. >>Sie suchen Mia? Ja,... Also,... Ja,... Nein, weiß ich nicht... Ja, dass kann ich verstehen... Im Moment,... Ja, dass kann ich tun.<<

Er klemmt sich den Hörer genervt ans Ohr und zieht seine Tastatur und die Maus zu sich ran. Der Mauscursor wandert über den Monitor zu dem Button „Neu“. Er klickt diesen an und wählt den Unterpunkt „Vermisst“.

Während die Frau am anderen Ende der Leitung ohne Pause weiter redet, füllt Tobias die Vermisstenanzeige aus. Da Mias Daten im Polizeirechner stehen, sind dies nur wenige Schritte. Abschließend klickt er auf „Akte erstellen“. Ein Pop-Up-Fenster bestätigt sein Werk: „Akte 9013 angelegt; Vermisst: Mia Wörnant; Priorität: Hoch“.

>>Hören Sie, ich habe jetzt eine Akte in ihrem Wunsch angelegt. Die Aktennummer lauter 9013. Sie können jederzeit anrufen und den aktuellen Stand abfragen. Ich gehe jedoch davon aus, dass es Mia gut geht. Sie war in den letzten Tagen etwas überarbeitet und wird sich wohl mal einige Tage ausruhen und vollkommen abschotten. Ich werde persönlich zu ihrer Wohnung fahren und dort nach dem Rechten sehen, versprochen. Für weitere Fragen stehen Ihnen meine Kollegen auch gerne jederzeit zur Verfügung. Ich werde mich jetzt umgehend auf den Weg zu Mias Wohnung machen und ich denke es ist ja auch in Ihrem Sinne, oder?... Sehen Sie,... Ja, Ihnen auch noch einen schönen Tag.<<

Tobias legt den Hörer auf und wischt sich mit den Händen durch das Gesicht. Grübelnd lässt er seinen Blick über seinen Tisch gleiten. Er scheint bedrückt zu sein, als würde ihm eine schwere Entscheidung bevorstehen, von der er jedoch weder die Auswahlmöglichkeiten, noch die Konsequenzen bewusst sind. Sein Finger streicheln gedankenverloren seine Augenbrauen.

Da umspielt ein winziges Lächeln seine Lippen. Er steht auf und geht.

 

Es ist kalt und dunkel. Mia tastet sich langsam durchs Dunkel. >>Hallo? Ist da wer? Kann mich jemand hören?<<

Ihr Kopf schmerzt und an ihrem Hinterkopf prangt eine große Beule. Ihre müden Augen mögen in dem faden Lichtschein der Sterne, der durch ein vergittertes Fenster hineinfällt, nicht fokussieren. Sie geht vorsichtig an der Außenmauer entlang. Es ist nur ein kleiner Raum. Schnell erreicht sie wieder die Tür. Sie ist noch immer verschlossen.

>>Hallo.<<, brüllt sie so laut sie kann. >>Ist da wer? Ich muss mal.<<

Sie hört dumpfe Schritte näher kommen. Dann schlägt eine Faust fest von außen gegen die Tür. >>Hallo.<<, äfft eine Männerstimme sie nach. >>Dann lass laufen.<< Lachend entfernt sich die Stimme wieder.

>>Hey, kommen sie bitte zurück. Ich muss wirklich. Und ich habe Hunger. Und ich will hier raus. Und... und sie wissen wohl nicht wen sie hier haben. Ich bin von der Polizei. Meine Kollegen werden mit Sicherheit bald hier sein. Und... und wenn sie mich gut behandeln, wirkt sich das für sie strafmildernd aus.<< stottert Mia.

Die Schritte kommen wieder näher. Knartschend wird eine Klappe in der Tür geöffnet.

>>Strecke deine Arme hier durch!<<, befiehlt der Mann.

>>Warum?<<, entgegnet Mia und verschränkt ihre Hände sofort schützend hinter ihrem Rücken.

>>Ich dachte du bist Bulle, du Dummerchen? Damit ich dir Handschellen anlegen kann.<<

Mia denkt kurz nach. Ihre Blase drückt schon sehr. Und anders wird es im Gefängnis auch nicht gemacht. Außerdem hätte sie noch immer die Beine frei.

Langsam und zögerlich schiebt sie ihre Handgelenke durch die Luke. Sofort packt der Typ diese und zieht ihre Arme weit durch die Öffnung. Mia schreit erschrocken auf und versucht sich instinktiv dagegen zu wehren. Doch ohne Erfolg.

Zwei metallene Schellen legen sich um ihre Handgelenke und ziehen ihren Körper an ihren Armen kraftvoll gegen die Tür.

>>Was soll das?<<, keift Mia. Da merkt sie etwas warmes an ihren Oberschenkeln. Sie kann es nicht mehr einhalten. Schnell versucht sie ihre Beine zu spreizen und spannt ihre Muskeln an. Sie ekelt sich. Auch wenn nicht viel Urin ausgetreten ist, schämt sie sich dafür. Es riecht nach altem Urin. Und nicht nur sie nimmt den Geruch war.

>>Na also.<<, brummt die Männerstimme. >>Pissen musst du schon mal nicht mehr. Ein Problem weniger.<<

Mia spürt etwas feuchtes in ihrer Ellenbeuge.

>>Kleine, du musst jetzt schön still halten. Ich werde dir jetzt etwas Blut abnehmen. Da wirst du nicht drum herum kommen. Wenn du zappelst, dann werde ich so lange und so oft stechen, bis ich habe was ich will.<<

Mia atmet tief ein als sie die Nadel an der Haut spürt. Tausende Fragen rasen ihr durch den Kopf. Warum Blut und für was? Organhandel? Wie bin ich hier her gekommen? Was war das letzte an das ich mich erinnern kann? An wen erinnert mich diese Stimme?

Der Einstich ist wenig schmerzhaft und Mia lässt ihren Körper einen Augenblick entspannen.

>>Darf ich fragen wofür sie das Blut benötigen?<<, fragt sie vorsichtig.

>>Solange dir niemand die Regeln erklärt hat, kannst du so viel Fragen wie du willst, aber ich werde dir im Moment keine Antwort geben.<<

Jetzt spürt Mia auch einen Einstich im anderen Arm. Der überraschende Schmerz lässt sie kurz aufjammern. >>Noch mehr? Wie viel nehmen sie denn ab?<<

>>Ich brauche in etwa einen Liter. Und jetzt sei still. In 10 bis 15 Minuten bist du damit durch und bekommst etwas zu essen.<<

Mia versucht ihre Beine in eine angenehmere Position zu bekommen und lehnt sich mit ihrem Oberkörper gegen die Tür. Irgendwie kennt sie diese Stimme denkt sie.

>>Natürlich kennst du sie.<<, flüstert eine Stimme aus dem Hintergrund. Mia sieht sich erschrocken um. Ameila kommt lächelnd auf sie zu und nimmt sie in den Arm. Sie streichelt beruhigend Mias Haare aus dem Gesicht in den Nacken. >>Danke.<<, haucht Mia. Es scheint als würde ihr eine große Last von den Schultern genommen werden. Endlich kann sie ihr Leiden wieder teilen. Eine ganze Weile genießt sie Amelias Nähe. Dann kommt ihr die Stimme wieder in den Kopf. Sie geht in sich und stellt sich die Person zu der Stimme zu. Die Stimme ist schon etwas älter mit einem leicht rauchigem Unterton. Eine sehr ruhige Stimme tief und... >>Armin?<<, stößt sie erschrocken hervor.

>>Du bist wohl nicht umsonst die beste Ermittlerin, die es weit und breit gibt, Ina, oder Mia.<<, lacht Armin von draußen.

Die Schritte kommen wieder dichter und Finger machen sich an ihren Armen zu schaffen. >>Das sollte denke ich reichen.<<, stellt er fest und zieht die Nadeln wieder heraus.

Mia indes ist zunehmend verwirrter. >>Du?<<, fragt sie verwirrt. >>Was willst du von mir?<<

Ohne darauf einzugehen öffnet Armin die Manschetten und drückt Mia ein Tablett in die Hände. Mia zieht das Tablett zu sich herein. Dann wird die Klappe in der Tür wieder geschlossen und das Licht geht an.

Mia kneift die Augen zusammen und schaut sich um. Der Raum ist noch kleiner als sie gedacht hatte. Er misst gerade mal 3 auf 3 Meter. Wenn überhaupt. Die Wände aus Ziegeln sind weiß gekalkt und der steinerne Boden ist mit einer dicken Schicht Sand und Dreck überzogen.

Sie setzt sich in die Hocke und stellt das Tablett vor sich hin. Kleine Gürkchen und Tomaten liegen dekorativ um einige lecker beschmierte Brötchen. Ein noch heißer Becher Tee, sowie ein Tetrapack Multivitaminsaft stehen da neben. Alles in allem sieht es durchaus sehr lecker aus. Sofort beginnt Mia zu essen. Noch nie hat ihr ein belegtes Brötchen derart gut geschmeckt.

Amelia hat sich ihr gegenüber in den Staub gesetzt und beobachtet sie. >>Erpressung?<<

Mia sieht sie verwundert an. >>Warum Erpressung?<<, entgegnet Mia.

>>Naja, das Blut, um zu beweisen, dass sie dich haben und das gute Essen, damit du gesund bleibst. Es sieht doch nicht so aus, als wolle er dir Schaden zufügen.<<

Mia legt grübelnd den Kopf schief. >>Aber wen sollte er erpressen wollen? Meine Eltern?<< Sie lacht höhnisch auf.

>>Nein. Die Wache, die Polizei, den Staat.<<, antwortet Amelia. >>Eine Polizistin, und dazu noch so eine brillante, ist doch ein super Druckmittel. Vor allem ein gefundenes Fressen für die Presse. Vielleicht läuft sein Club nicht so gut und er braucht Geld.<<

Mia schaut zwar etwas skeptisch, doch da sie keine bessere Erklärung hat, und vor allem keine die ihr gefallen würde, stimmt sie Amelia zu.

>>Dann können wir nur hoffen, dass das Lösegeld schnell bezahlt wird.<<

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Kommentare

Bild des Benutzers tante_ilse

in den Fall eingeschaltet werden, Der kam meist ohne Handschellen und Pistole aus, Ansonsten gelungener Krimi, Erinnert mich an die Kurzromane mit Tagesfortsezung, die es damals in Tageszeitungen gab. Gruss von der alten Schachtel

Ilse

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