Daemon V

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Vorwort:
Ich freue mich über jegliche Kritik, mag sie noch so scharf sein, wenn sie konstruktiv bleibt.

(c) Realitätsfremd. Bitte verbreitet diese Geschichte nicht weiter.

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Er hatte es wieder getan. Konnte er gar keine Rücksicht auf sie nehmen? Jemand derart selbstsüchtigen hatte sie noch nie getroffen. Dann lasse ich dir eben keine Wahl. Sie wusste immer noch nicht wie, aber irgendwie schaffte er es, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wehrte. Ihn sogar anziehend fand. Der Gedanke widerte sie an. Sie hatte sich sogar noch daran erinnert, was er ihr zuvor angetan hatte. Und was hatte sie gemacht? Sich ihm an den Hals geworfen!

Sie stapfte so wütend in die Küche wie ihr Fuß es zuließ. Natürlich war er nicht da.

Im Laufe des Tages verrauchte ihre Wut soweit, dass sie ihn nicht direkt anschrie, als er am späten Nachmittag hereinkam. Stattdessen knallte sie ihm schweigend seinen Teller auf den Tisch.

Er lächelte, brach dann eine der Brotscheiben auseinander und reichte ihr die Hälfte.

„Iss.“

„Ich hab schon vorhin gegessen.“

„Ich bestehe darauf.“

Sie ließ sich Zeit beim Essen, bemerkte, dass er das Brot nicht anrührte, bis sie fertig war. Er dachte also, dass sie ihn vergiften wollte. Eigentlich eine gute Idee, wütend genug war sie dafür. Aber er war schon von Anfang an zu vorsichtig gewesen.

Sie gab ihm nicht die Zeit vielleicht doch noch zu gehen, stellte das Schachbrett zwischen sich und ihn, sobald er fertig gegessen hatte.

„So stürmisch.“ Sein Lächeln ließ kaum Zweifel daran, dass er damit rechnete zu gewinnen. Vermutlich standen seine Chancen auch erdenklich gut. Aber wenn sie nichts tat, würde sich auch nichts bessern. Sie spielte langsam, überdachte jeden Zug so lang, dass er dazu übergegangen war, zu lesen, bis sie gezogen hatte. Es gab einfach zu viele Möglichkeiten und sie würde sich nicht von einem kleinen Fehler die Chance auf einen Sieg rauben lassen. Dass er sich nicht einmal einen Augenblick Zeit nahm um zu überlegen konnte ihr nur beim Gewinnen helfen.

„Es dämmert.“, riss seine Stimme sie aus den Überlegungen.

Das Abendessen. Sie hatte völlig vergessen zu kochen. Wie wütend würde er werden? War es vielleicht sinnvoller so zu tun als hätte sie nicht an das Essen gedacht?

Sie nahm die Kerze die am Rand des Tisches stand und humpelte zum Feuer, entzündete sie und stellte sie neben das Schachbrett.

Sein leises Lachen brachte sie dazu aufzublicken. „Du willst also weiterspielen statt deinen Pflichten nachzukommen?“ Ohne sie antworten zu lassen versetzte er eine Figur. „Schachmatt.“ Entsetzt wanderte ihr Blick übers Feld, fand keinen Ausweg. Er schnippte ihren König vom Feld. „Ich erwarte, dass du gekocht hast bevor es völlig dunkel ist.“

„Ja, Herr.“

Sie senkte den Kopf, stand auf. Wie sollte sie es in der kurzen Zeit nur schaffen, etwas vorzubereiten? Selbst wenn sie nur etwas anbriet, würde die Zeit knapp werden. Er würde wohl heute mit Rührei leben müssen – ein bisschen Brot war noch übrig. Und er hatte selbst gesagt, es sei ihre Sache, was sie ihm auf den Tisch stellte.

„Eins noch“, rief er ihr hinterher „koch nur für eine Person.“

Dreckskerl.

Aber sie wagte es nicht, ihm Widerstand zu leisten. Es war eine Strafe, die sie ertragen konnte. Besser als wenn er sie wieder spüren lassen würde, dass er der Stärkere war. Dass es ihm gefiel wenn sie Schmerzen hatte.

Für ihren Geschmack war es schon viel zu dunkel, als sie ihm das Rührei servierte. Das Küchenfeuer erhellte kaum etwas, und die einzelne Kerze auf dem Tisch sorgte nur für tanzende Schatten.

Als er ihr den ersten Löffel voll hinhielt war sie alles andere als erstaunt. Was dachte er von ihr? Dass sie immer etwas Gift mit sich herum trug für den Fall, dass sie ihm etwas ins Essen streuen könnte? Andererseits war es nicht schlecht, etwas essen zu dürfen, viel mehr würde sie heute vermutlich nicht bekommen.

„Danke Herr.“

Sie gab ihm den Löffel zurück, ließ sich das karge Abendessen schmecken. So wie es aussah würde die Nacht alles andere als angenehm werden, also würde sie jetzt noch genießen was ging.

„Darf ich aufs Zimmer gehen, Herr?“

„Du darfst dich in der Burg frei bewegen, solange du dich von verschlossenen Türen fernhältst. Außer du hast den entsprechenden Schlüssel, versteht sich.“ Er reichte ihr einen Schlüssel.

„Findest du die richtige Salbe?“

Sie nickte. Als er nichts mehr sagte, beeilte sie sich, zum Kräuterzimmer zu kommen. Ein breites Grinsen breitete sich auf ihren Lippen aus, als sie den Schlüssel umdrehte und sich die Tür öffnete. Der Geruch der Kräuter kam ihr entgegen. Sie hatte immer gerne Kräuter gesammelt, aber dieses Zimmer übertraf alle Sammlungen die sie je gesehen hatte. Dann zwang sie sich zur Eile, um noch vor ihm in ihrem Zimmer zu sein.

 

Sie wartete, drehte den Schlüssel unablässig hin und her. Was würde sie geben, um ihn behalten zu dürfen. Vielleicht konnte sie tagsüber länger dort bleiben, de Ruhe auskosten. Aber sie glaubte nicht daran, dass er den Schlüssel vergessen würde – oder ihr gar glaubte, wenn sie behauptete, sie hätte ihn verloren.

Es dauerte länger als gedacht bis sich die Tür schließlich öffnete. Sofort hielt sie ihm den Schlüssel entgegen. Er lächelte, winkte dann ab.

„Behalte ihn, bis du wieder laufen kannst. Einmal täglich den Verband zu wechseln sollte genügen.“

Sie konnte ihr Glück kaum fassen, wich nicht einmal vor ihm zurück, als er sich neben sie aufs Bett setzte. Schnell befestigte sie den Schlüssel an ihrem Gürtel.

Doch schon seine nächsten Worte trübten die Freude.

„Ich befürchte du hast diese Nacht verspielt.“ Er strich durch ihr Haar und obwohl es zu dunkel war um etwas zu sehen wusste sie, dass dieses widerliche Grinsen seine Lippen umspielte.

„Die Frage ist nur, willst du selbst kreativ sein und mich verwöhnen oder willst du etwas Anleitung?“

„Was genau wollt Ihr?“

„Ts ts ts. Wolltest du heute Nacht nicht brav sein? Mir gefällt dein Tonfall nicht.“ Seine Stimme war samtweich und das leichte Lachen das mit schwang gefiel ihr überhaupt nicht. Oh ja, er hatte seinen Spaß sie daran zu erinnern, dass sie verloren hatte, er genoß es, ihren Widerwillen und ihre Angst ihm gegenüber zu spüren und sie dennoch in seine Arme zu zwingen. Vielleicht sollte sie sich wehren? Aber dann hätte sie vermutlich keine Chance mehr sich frei zu spielen. Schon so hatte sie Glück, dass er darauf eingegangen war, und wenn sie nun ihre Schulden nicht beglich, würde er sich wahrscheinlich auch nicht daran halten. Ein paar Tage noch, dann würde sich das Blatt wenden, dessen war sie sich sicher.

Sie kniete sich hinter ihn, begann langsam ihn zu massieren. Wenigstens musste sie dabei nicht sein Gesicht sehen, und dass er noch Kleidung trug war ihr auch recht. Es würde früh genug schlimmer werden.

Als hätte er ihre Gedanken gehört löste er seinen Gürtel und streifte sich den Stoff von den Schultern. Selbst im schummrigen Kerzenlicht war seine Haut beinahe weiß. Vorsichtig strich sie seine Haare zur Seite, setzte dann die Massage fort. Seine Haut war weich und – was sie auch noch nie erlebt hatte – sie konnte keinerlei Verspannungen spüren. Nun ja, er leistete auch keine harte Arbeit. Ihre Finger zeichneten Muster auf seine Haut, verharrten irgendwann an seinem Hals. Es wäre so einfach zuzudrücken, diesen Albtraum zu beenden. Ihre Finger strichen weiter nach vorne, zu seiner Kehle. Würde sie genug Kraft haben?
Sein leises Lachen riss sie aus ihren Gedanken.

„Glaubst du, du schaffst es?“
Erschrocken zog sie die Hände zurück.
Als sie nichts antwortete, sprach er weiter.

„Ich bin enttäuscht von dir. Du spielst und versuchst mich um den Gewinn zu bringen. Du trachtest mir nach dem Leben, nachdem du versprochen hattest, brav und willig zu sein. Ist dein Wort so wenig wert?“
Er war enttäuscht von ihr? Nach allem was er ihr angetan hatte, wagte er es, ihr Vorwürfe zu machen?
„Und wieso sollte ich dir gegenüber mein Wort halten?“

Er drehte sich zu ihr um. Bevor sie zurückweichen konnte, hatte er sie geohrfeigt. Überraschung wurde bald von Schmerz abgelöst und sie strich über ihre Wange. Er war in der Zwischenzeit aufgestanden, was ihn nicht weniger bedrohlich erscheinen ließ.

„Weil es sich gehört.“ Verachtung schwang in seiner Stimme mit.

„Ach ja? Und wieso soll ich mich daran halten, während du einfach tust was du willst? Als würdest du dich an deine eigenen verfluchten Regeln halten!“

„Wann?“

„Gestern Nacht?“ Ihre Stimme überschlug sich. „Du hast mich manipuliert, warst in meinem Kopf, hast mich dazu gebracht ...“

„Was hat das damit zu tun?“

„Du hattest mich gefragt, ob du es tun sollst, und ich habe nein gesagt! Aber das ist dir natürlich egal! Hauptsache du hast deinen Spaß!“

Er kniete plötzlich über ihr, hielt ihre Hände fest.

„Ich habe nie gelogen.“ Seine Stimme war bedrohlich leise. „Ich habe dir angeboten jede Nacht so zu gestalten, und du hast abgelehnt. Ich habe nie gesagt, dass ich es nie tun würde.“

„Dreckskerl.“

„Solange du in meiner Burg bist, erwarte ich etwas mehr Respekt.“ Sein Gesicht war nicht einmal eine Handbreit von ihrem entfernt, und trotz der Dunkelheit konnte sie die kalte Wut in seinen Augen erkennen. „Ich erwarte, dass du zu deinem Wort stehst. Hass mich, wenn du willst, aber denk daran, dass ich dein Herr bin, und dass ich nicht gewillt bin, kleine, verlogene Mädchen gut zu behandeln.“

Tränen waren in ihre Augen getreten. Es war so unfair! Er ließ sie schließlich los, trat einen Schritt zurück.

„Ich gebe dir jetzt die Möglichkeit, dich zu entschuldigen.“

„Und was wenn nicht?“

Er griff in ihre Haare und zog ihren Kopf zu sich. Seine andere Hand strich über ihren Hals.

„Du bist ziemlich dumm, wenn man bedenkt, dass du mir völlig ausgeliefert bist. Und ich verrate dir ein Geheimnis: Ich habe heute Nacht keine Lust, dir noch etwas Gutes zu tun.“

Bevor sie sich wehren konnte, bemerkte sie, dass das nicht nötig war. Er hielt ihre Haare immer noch fest, zog ihren Kopf in seinen Schoß.

„Mach den Mund auf.“

Sie gehorchte, auch wenn es nicht gerade angenehm war, dass er sie so grob festhielt. Andererseits wäre sie bereit fast alles zu tun, um ihn zufrieden zu stellen. Sie versuchte das Ziehen an den Haaren zu ignorieren, konzentrierte sich darauf, wie er ihre Bewegungen führte.

Sie erwachte aus der Trance, spürte noch immer seine Finger in ihren Haaren, mit der anderen Hand hielt er ihr den Mund zu.

„Schluck.“

Sie versuchte den Geschmack der sich in ihrem Mund ausbreitete zu ignorieren, aber stattdessen wurde nur der Drang sich zu übergeben immer größer. Er wiederholte den Befehl, wurde gröber, bis sie sich seinem Willen beugte. Wie so oft in den letzten Tagen traten Tränen in ihre Augen, gleichzeitig war sie sicher, dass sie sich gleich übergeben musste.

Dann ließ er sie endlich los, stieß sie in der selben Bewegung vom Bett.

„Ich erwarte morgen eine Entschuldigung.“

Er stieg über sie hinweg, verließ das Zimmer.

Sie atmete auf, sobald sich die Tür schloss. Sie sollte sich bei ihm entschuldigen? Gleichzeitig wurde eine andere Stimme in ihrem Kopf laut. Aber was, wenn du es nicht tust? Er kann mit dir tun, was er will. Er ist zu mächtig. Als sie das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können, rannte sie aus dem Zimmer.

Sie musste einen falschen Weg eingeschlagen haben, denn bald stand sie vor einer Treppe nach oben. Keine verschlossenen Türen, hatte er gesagt. Und selbst wenn sie nicht hier sein sollte, viel schlimmer als es schon war konnte es nicht werden. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf kehrte sie auch nicht um, als die Treppe an einer Tür endete, sondern drückte die Klinke hinunter.

Kalte Luft schlug ihr entgegen. Sie trat ins Freie, fand sich auf einem Turm wieder. Endlich hatte sie das Gefühl wieder atmen zu können. Sie trat ans Geländer, sah in die Tiefe. Dank des Mondes konnte sie den Garten unter sich erkennen. Alles sah so friedlich aus. Und sie stand hier, wusste nicht, was sie tun sollte, wie sie es schaffen würde, nicht zu zerbrechen. Es würden Jahre sein, die er sie bei sich behielt, die sie mit ihm verbringen musste. Wie sollte sie das überstehen? Und was kam danach? Wieder wanderte ihr Blick in die Tiefe. Oder sie erfüllte seine Befürchtungen der ersten Nacht. Alles war still, keine Spur von ihm. Niemand konnte sie aufhalten.

Aber was würde danach kommen? Er würde sich die Nächste holen. Noch jemanden, den er quälen konnte. Durfte sie zulassen, dass dieses Schicksal eine ihrer Freundinnen traf? Vermutlich hätten sie es noch schlimmer, da sie ihn gereizt hatte. Es musste noch andere Möglichkeiten geben.

Sie setzte sich, lehnte sich gegen die Mauer und betrachtete den Mond. Morgen musste Vollmond sein. Sie brauchte Zeit. Zeit um nachzudenken, um einen Plan zu entwickeln. Und um diese Zeit zu bekommen, musste sie es schaffen, ihn zu ertragen, ohne alles schlimmer zu machen. Sich bei ihm entschuldigen. Allein der Gedanke widerte sie an. Aber wenn sie alles überstehen wollte, musste sie es schaffen, sein Vertrauen zu gewinnen. Erst dann würde sich eine Möglichkeit bieten, ihm zu entkommen.

Sie blieb auf dem Turm, bis die Dämmerung einsetzte. Immer wieder spielte sie ihre Entschuldigung im Kopf durch, solange bis sie glaubte, ihn überzeugen zu können. Die ersten Schritte fielen ihr nach dem langen Sitzen schwer, und auch dass sie völlig durchgefroren war, half nicht.

Wenigstens war er nicht in der Küche. Sie entfachte ein Feuer, wärmte sich etwas daran, und begann zu backen.

Sie hatte sich an den Tisch gesetzt, wartete darauf, dass das Brot fertig wurde. Mit den Fingerspitzen fuhr sie über die Ringe unter ihren Augen. Es war doch keine so gute Idee gewesen die ganze Nacht wach zu bleiben. Vielleicht sollte sie sich kurz ausruhen...

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