Paul

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masochistisch

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3 Jahre 9 Monate

Dies ist eine wahre Geschichte, leider. Ich habe nur die Namen geändert, außer meinem.


 

Ich war angekommmen. Bei dem Haus meiner Freundin. Ich war schon lange nicht mehr da. Obwohl wir lange Jahre beste Freundinnen waren. Oder auch noch sind. Aber ich will sie eigentlich nicht besuchen.

Nicht wegen den 80 km die zwischen uns liegen, das ist nur eine knappe Stunde mit dem Wagen. Und ich fahre gerne Auto. Ich komme auch gerne nach Baden, das ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen. In Schwaben habe ich mich eingelebt, aber ich bin nie heimisch geworden.

Nein, die Entfernung ist nicht der Grund. Es ist wegen Paul. Seit fünf Jahren lebt er nun bei ihr. Hat sich eingenistet. Lebt auf ihre Kosten. Schlägt sie, schreit sie an, Spukt sie an.
Und was macht sie ?
Sie himmelt ihn an, und verzeiht ihm alles.

Genug des Grübelns, ich muß aussteigen. Also gehe ich langsam über die Strasse, bleibe vor der Tür stehen und klingel.
Sofort macht sie auf, sie hat mich erwartet.
"Ornella, schön das du da bist, komm rein" strahlt sie mich an. Ihre Augen strahlen nicht. Sie sieht eher übernächtigt und müde aus. Sie hat sich zurecht gemacht. Aber von der schönen Frau , die sie vor kurzem noch war, ist der innere Glanz gewichen. Die Augen strahlen nicht mt, die Haare sind nicht mehr so glänzend wie früher, erste Falten sind um die Augenwinkel zu sehen.
Ich umarme sie, drücke sie fest an mich. "Hallo Sophie, ich freue mich auch dich endlich mal wieder zu sehen."
Arm in Arm gehen wir ins Haus. Wie früher denke ich, als wir zusammen zur Schule gingen, und jede freie Minute zusammen verbrachten.
Wir waren unzertrennlich, auch in den Ferien. Unser erstes gemeinsames Zeltlager. Das werde ich nie vergessen. Wir lagen eng nebeneinander in einem sechs oder acht Mann Zelt. Als ich mich eines Nachts umdrehte lag meine Hand auf einmal auf ihrer Brust. Ich merkte es gar nicht gleich. Erst als auf einmal ihre Brustwarze hart wurde wurde habe ich es bemerkt. Ich zog meine Hand aber nicht zurück, ich lies sie liegen. Mein Herz raste auf einmal. Ich hätte sie gerne gestreichelt, aber ich traute mich nicht. Also blieb ich ruhig liegen. Ich wollte ja auch niemand von den anderen wecken.

Und Sophie ? Ich weiss bis heute nicht ob sie wach war. Ich weiss nur das ich das erste Mal in meinem Leben erregt war. Und das in mitten so vieler Leute. Bis Sophie sich einfach irgendwann wegdrehte. Da blieb ich alleine zurück mit meinen verwirrten Gefühlen.
Und ich blieb wieder allein zurück als Paul in ihr Leben trat.

Als wir im Haus waren schaute ich mich langsam um. Ich war schon immer etwas chaotisch, Sophie nie. Nun war die Wohnung extrem unordentlich. Das passte nicht zu ihr. Ich hoffte Paul war nicht da. Aber er war immer da, ich sah ihn schon im Wohnzimmer sitzen.
Ein Unsympath auf den ersten Blick.
"Hallo Paul" kam freundlich über meine Lippen, mit einem aufgesetzten Lächeln. Aber das sah er sowieso nicht. Er ignorierte mich. Er konnte mich auch nicht leiden, so wie ich ihn.
"Paul, Ornella ist da, komm doch zu uns und begrüße sie auch" versuchte Sophie die peinliche Stille zu überspielen.
Paul war das egal.
Er saß nur stumm da, in seiner dreckigen Jeans und einem zerissenen T-shirt.

"Lass uns ins Eszimmer gehen, ich hab schon Kaffee vorbereitet" sagte Sophie zu mir. "Paul ist noch müde, er ist gerade aufgestanden. Da ist er nie so gesprächig."
Super, dachte ich so bei mir, 15:00h und gerade aufgestanden, passt zu dem Typ.

Es ist schön endlich mal wieder über ale Zeiten zu reden, zu lachen und einfach nur einander nahe zu sein.
"Wieso sehen wir uns eigentlich so selten Sophie, du kannst doch auch mal zu uns kommen ?"
"Du weisst das ich nicht weg kann, wegen Paul".
Ich weiss das, will es aber eigentlich nicht wahr haben.

So vergeht ein toller Mittag bei dem wir uns als Freundinnen wieder sehr nahe kommen und auch viel zusammen lachen.
Bis auf einmal Paul ruft. Nein , er schreit.
Und Sophie ? Sie springt auf und rennt zu ihm. Ich kann ihr nur ungläubig hinterher starren.
Wofür hat sie Jura studiert? Um zu Hause zu sitzen und nur noch ihn zu bedienen ? Ich kann es nicht glauben. Sie weiß das ich eine devote Ader habe, wir haben uns alles anvertraut. Deshalb weiss ich auch das sie keine hat.
Und trotzdem leistet sie für ihn Sklavenarbeit. Und ich kann ihr nicht helfen.

Als sie zurückkommt lächelt sie nur entschuldigend.

Wir reden aber nicht darüber.

Der Mittag ist viel zu schnell rum. Mein Aufbruch unausweichlich. Ich bin traurig, und Sophie auch.
Sie begleitet mich zur Tür.
"Wir sollte uns viel öfter sehen Ornella" sagt sie zu mir. "Du hast Recht, aber ich komme bald wieder. Oder auch du zu mir" grinse ich sie an.
Aber in Wirklichkeit wissen wir beide das es mindestens sechs Monate dauern wird bis zum nächsten Treffen. Oder auch noch länger.
Paul steht zwischen uns, so wie früher kann es nicht mehr sein. Und wird es auch nie wieder sein.

Ich hasse diese melancholische Stimmung, und verliere mich aber trotzdem gerne darin. Auf der Heimfahrt läuft Stefan Waggershausen in meinem Radio.
Den höre ich immer wenn ich in dieser Stimmung bin.
..........wenn Sterne fallen.......... traurig, schön.

So langsam fahre ich normalerweise nicht. Auf der Heimfahrt von Sophie aber immer.
Wieso mochte ich Paul eigentlich nicht ? Sophie liebte ihn doch, also sollte ich es doch auch schaffen. Probiert hate ich es schon oft, geschafft noch nie. Vielleicht in den nächsten Jahren. Vielleicht ändert sich Paul noch, wer weiß.
Andererseits, ich glaube es nicht. Wie sagte schon Michael Mittermeier, es gibt nette Kinder, und es gibt Arschlochkinder.

Paul war eindeutig letzteres. Er ist jetzt fünf Jahre alt und ein Kotzbrocken. Aber Sophie sieht es eben durch ihre rosarote Mutterbrille. Sie wird ihm nie böse sein und ihm immer alles verzeihen.
Ich nicht. Er hat mir meine Freundin genommen. Ich kann ihn nicht leiden.
 

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Kommentare

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7 Jahre 2 Monate

Das ist wirklich eine sehr witzige Geschichte! Hab sie wieder mit Genuß gelesen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Wirklich sehr unterhaltsam und sehr gut geschrieben!! Gratulation!!

Neigungen

devot
masochistisch

Mitglied seit

3 Jahre 9 Monate

vielen Dank Helen für deinen Kommentar. Und ich freue mich das Du die Geschichte so siehst wie ich sie auch gedacht hatte, nämlich als Unterhaltung mit Schmunzelfaktor am Ende. Es gibt zu viele ernste Dinge im Leben, da darf man zwischendurch auch gerne mal lachen. Wenn mir das hiermit gelungen ist, freue ich mich.

LG Ornella

Mitglied seit

5 Jahre 5 Monate

du hast es einmal wieder geschafft uns gut zu unterhalten mit einer geschichte, die das leben spielt. doch: keiner kommt lebend hier raus.

bisous Juliet

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devot
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6 Jahre 1 Monat

Verdächtig aus dem Leben gegriffen und nicht von der Hand zu weisen. Der Gedanke / die Idee ist gut, jedoch hadere ich ein wenig mit der Umsetzung. Auch wenn in der Kürze die Würze liegt, ist mir das hier ein bisschen arg wenig, um als Kurzgeschichte durchzugehen. Es scheint mir mehr eine kurze Aneinanderreihung von  - durchaus nachvollziehbaren - Gedanken zu sein. Man hätte mehr daraus machen können - vor allem, wenn man es in einem BDSM-Portal postet. Dann würden auch die angegebenen tags "Hörigkeit" und "Maledom" nicht nur theoretisch passen. Ich denke ich verstehe vollkommen die Idee hinter der Sache und finde sie an sich gut - aber in der derzeitigen Fassung fehlt es für mein Empfinden ... nun  ja ... ein bisschen an Substanz. Vielleicht kann man das noch ein wenig ausarbeiten? Als Mutter kommen mir da spontan so einige Einfälle...

Mitglied seit

7 Jahre 2 Monate

Für mich hat die Geschichte, weil sie treffsicher formuliert und in keiner Weise überladen ist, ihren besonderen Reiz!  Ob einem das gefällt oder nicht ist reine Geschmackssache und muß jeder für sich selber erfahren......